Perfekte Anrede: Besser als „Sehr geehrte Damen und Herren“

Aller Anfang ist leicht: Wer einen Brief oder eine E-Mail formuliert und sich keine Gedanken über die geeignete Anrede machen will, der schreibt einfach „Sehr geehrte Damen und Herren“. Kann man so machen, daran ist nichts falsch.

Allerdings wirkt diese Anrede auch unpersönlich, kalt und distanziert. Bei der Bewerbung beziehungsweise im Anschreiben gilt die Anrede sogar als regelrechter Chancenkiller: Wer sind denn diese Damen und Herren? Nähe zum Leser wird so jedenfalls nicht aufgebaut. Einer solchen Anrede fehlt die gute Seele. Zum Glück gibt es längst bessere Alternativen

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Perfekte Anrede: Besser als "Sehr geehrte Damen und Herren"

Die richtige Anrede für den Empfänger finden

Wer den oder die Empfänger seines Schreibens namentlich nicht kennt, dem bleibt in der Tat nur die langweilige Standard-Formulierung und damit der Klassiker unter allen Anreden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wie gesagt: An der allgemeinsten Form der Briefanrede ist nichts falsch. Sie ist gut. Aber der Feind des Guten ist nunmal das Bessere.


Was spricht gegen die Anrede?

Darum ist die allgemeine Formulierung „Sehr geehrte Damen und Herren“ eher ungeeignet:

Die Formulierung bleibt allgemein und distanziert.
Sie erzeugt keine Nähe zum Leser.
Sie wirkt latent einfallslos.
In der Bewerbung wird unterstellt, der Bewerber habe sich keine Mühe gegeben.



Bei der Bewerbung empfiehlt es sich immer, den Empfänger persönlich anzureden und mit Nachnamen zu nennen.

Der Vorname wird in der förmlichen Anrede übrigens grundsätzlich weggelassen. Es sei denn, das Anschreiben ist in der Du-Form verfasst. Dann ist verwenden Sie natürlich nur der Vorname und der Nachname entfällt.

Ansonsten sollten Sie immer – für den Fall dass der Name bekannt ist – den Empfänger von Briefen, E-Mail und Fax persönlich anschreiben und namentlich anreden.

Die förmlich korrekte Anrede zur Begrüßung in Briefen, E-Mails oder Faxen lautet:


  • Sehr geehrte Frau Mustermann,
  • Sehr geehrter Herr Mustermann,
  • Sehr geehrte Frau Mustermann, sehr geehrter Herr Müller,



Falls Sie den Ansprechpartner nicht kennen, sollten Sie immer zuerst versuchen, diesen zu recherchieren. Oft reicht hierfür bereits ein kurzer Anruf.

Gerade bei der Bewerbung sollten Sie hierbei etwas Zeit investieren. Gezieltes Nachfragen lohnt sich ganz oft. Entweder, weil Sie auf diesem Weg schon mal mit der Personalabteilung in Kontakt kommen. Oder weil Sie sich hinterher deutlich von der Masse der Bewerber abheben können, indem Sie einen Ansprechpartner persönlich adressieren.

Wer sagt, es sei kein Name angegeben oder es gäbe mehrere Ansprechpartner, deshalb könne man die allgemeine Anrede verwenden, der macht es sich zu einfach.

Knigge-Tipp: Komma oder nicht?

Die förmlich korrekte Anrede endet IMMER mit einem Komma. Nach einer Leerzeile wird dann das erste Wort des Einleitungssatzes klein geschrieben – sofern es sich dabei nicht um ein Substantiv handelt.


Anrede-Regeln nach DIN 5008

Laut der DIN 5008 für Geschäftsbriefe und Bewerbungen gilt für die Anrede generell:

  • Zwischen Betreff und Anrede liegen genau zwei Leerzeilen.
  • Zwischen Anrede und Anschreiben liegt wiederum nur eine Leerzeile.

Bewerbung Din 5008 Regeln Grafik

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Anrede Reihenfolge: Was tun bei mehreren Ansprechpartnern?

Grundsätzlich dürfen Sie bei bis zu zwei Ansprechpartnern, die Empfänger wahlweise nebeneinander in einer Zeile oder nacheinander in zwei Zeilen ansprechen.

Beispiel:


Sehr geehrte Frau Müller, sehr geehrter Herr Schmitz,



Bei männlichen und weiblichen Empfängern ist es üblich die Frau zuerst zu nennen.

Es sei denn, es gibt ein deutliches Hierarchie-Gefälle.

Tatsächlich werden im Geschäftsverkehr allgemeine Höflichkeits-Regeln außer Kraft gesetzt. Bei der richtigen Reihenfolge zählt allein die Hierarchie. Auch bei der Begrüßung mit Handschlag: Der Ranghöchste kommt immer zuerst.

Werden zum Beispiel der Chef und dessen Assistentin adressiert, wird trotzdem der Chef zuerst genannt. In diesem Fall schreiben Sie die Empfänger auch korrekterweise untereinander, um die Hierarchie auch hierbei zu verdeutlichen.

Beispiel:



Sehr geehrter Herr Direktor Muster,
sehr geehrte Frau Beispiel,



Grundsätzlich gilt laut Knigge:

  • Bei zwei Ansprechpartnern darf die Anrede wahlweise nebeneinander oder untereinander erfolgen.
  • Gibt es mehrere Ansprechpartnern empfiehlt sich die Anordnung untereinander.
  • Bei Aufzählungen wird das zweite sowie jedes weitere „sehr“ wegen des Kommas klein geschrieben.

Förmliche Anrede: Was tun bei Titeln?

Trägt der Empfänger einen akademischen Titel im Namen, müssen Sie diesen in der Anrede erwähnen. Er ist Namensbestandteil. Ihn wegzulassen, käme einer Missachtung und Herabwürdigung gleich.

Von den akademischen Titeln werden in der Anrede aber nur genannt:

  • Professor (immer ausgeschrieben, nie mit „Prof.“ abgekürzt)
  • Doktor (er darf mit „Dr.“ abgekürzt werden)

Niedrigere Grade wie etwa das Diplom, der Master oder Bachelor entfallen in der Anrede.

Beispiel:


Sehr geehrter Herr Professor Muster,

Sehr geehrte Frau Professorin Beispiel,

Sehr geehrter Herr Dr. Muster,

Sehr geehrte Frau Dr. Beispiel,



Trägt Ihr Empfänger indes mehr als einen Titel, so nennen Sie hiervon nur den höchsten Grad und Titel in der Anrede. Das gilt laut Knigge auch bei mehreren Doktortiteln.

Ausnahme: Bei der Anschrift auf dem Briefumschlag oder in der Briefadresse werden alle Titel aufgezählt.


Was gilt bei Adelstiteln?

Bei Adelstiteln fallen bei der Anrede „Herr“ / „Frau“ und „von“ weg. Freiherren und -frauen wiederum werden zu „Herr“ / „Frau“.

Beispiel:

Sehr geehrter Graf Musterstein,
Sehr geehrte Baronin Muster-Beispiel,

In Kombination mit einem akademischen Grad lautet die Anrede korrekt:

Sehr geehrter Professor Graf Musterstein,


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Lockere und moderne Anrede-Alternativen

In vielen Unternehmen geht es im Briefverkehr und bei internen E-Mails längst lockerer zu. So haben sich inzwischen auch einige moderne Anredeformeln neben dem klassischen „Sehr geehrte Damen und Herren“ etabliert.

Dazu zählen beispielsweise Anrede-Formen, wie:


  • Guten Tag, Herr Müller,
  • Guten Tag, Frau Mustermann,
  • Hallo Herr Müller,
  • Hallo, liebe Frau Mustermann,
  • Lieber Herr Müller,



Die etwas antiquiert wirkenden Formeln „Werter Herr Müller“ oder „Verehrte Frau Mustermann“ sollten Sie indes gar nicht mehr einsetzen – oder sehr bewusst.

Vor allem die erste Form ist häufig ironisch gemeint, so wie generell übertriebene Freundlichkeit. Im Subtext bedeutet das dann eher: „Du kannst mich mal!“

Die Anredeformen mit „Liebe/Lieber“ sind indes sehr vertraulich und sollten guten Freunden, befreundeten Kollegen oder langjährigen Kunden vorbehalten bleiben.

Für die Bewerbung sind sie gänzlich tabu.


Ausrufezeichen statt Komma?

In manchen E-Mails findet sich heute auch die vertrauliche Kurzanrede mit einem Ausrufezeichen am Ende.

Dabei sollten Sie stets den Inhalt des Briefs im Auge behalten.

Falls Sie etwas Positives und für den Empfänger Erfreuliches zu verkünden haben sind…

  • Guten Tag!
  • Hallo zusammen!
  • Liebe Kollegen!

durchaus angemessen und zulässig (natürlich nur, wenn man den oder die Empfänger persönlich gut kennt). Hat Ihr Brief jedoch eine Beschwerde, Kritik oder gar eine Mahnung zum Inhalt ist das Ausrufezeichen tabu. Es verstärkt die Reklamation zusätzlich und verschärft den Ton.

Kurz: Der Brief oder die Mail wird durch das Ausrufezeichen zum persönlichen Angriff – zum Affront.

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[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com]

24. Juni 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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