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Jobwechsel - egal ob freiwillig und aus eigenem Antrieb heraus oder aufgrund einer Kündigung von Seiten des Arbeitgebers - finden sich in nahezu jeder Biographie. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sein gesamtes Berufsleben bei ein und demselben Unternehmen verbracht hat. Gerade am Anfang der Karriere hält es viele Arbeitnehmer nur einige Jahre an einem Ort, bevor es zur nächsten beruflichen Station geht. Allerdings sollte man beim Jobwechsel auf einige Dinge achten, um sich nicht selbst ein Bein zu stellen oder die Grundlage für zukünftige Probleme zu sorgen. Unser Jobwechsel Knigge zeigt, welche Regeln Sie beachten sollten, damit der Abschied vom alten Unternehmen zum Erfolg wird und dem Einstieg beim neuen Arbeitgeber nichts mehr im Weg steht...

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Nehmen Sie den Jobwechsel nicht auf die leichte Schulter

Der Schritt steht bereits fest, die Kündigung ist bereits ausgesprochen (oder erhalten), ein neuer Job wurde glücklicherweise auch bereits gefunden und so steht zwischen Ihnen und dem anstehenden Jobwechsel nur noch die Kündigungsfrist, also die restlichen Tage, bis das Arbeitsverhältnis beim zukünftigen Ex-Arbeitgeber endgültig aufgelöst wird.

Viele Arbeitnehmer verfallen in einer solchen Situation in den Autopilot. Die Arbeit wird zwar weiterhin erledigt, aber Engagement und Motivation? Kaum noch vorhanden schließlich ist man spätestens in ein paar Wochen raus aus dem Laden, wofür also noch wertvolle Energie und Nerven investieren? Oft wird nur noch Zeit abgesessen.

Auch von Seiten der Unternehmen sieht die Praxis kaum anders aus. Mitarbeitern, die vor dem Ausstieg stehen, wird nur noch ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit gewidmet, sobald die Formalitäten geregelt wurden. Was auf beiden Seiten bleibt, ist der fade Beigeschmack, ein ungutes Gefühl beim Abschied und die Frage, ob man nicht mehr aus der Situation hätte heraus holen können. In den meisten Fällen ist die Antwort darauf ein eindeutiges Ja!, denn nur weil ein Jobwechsel beschlossene Sache ist, sollte man es nicht an Sorgfalt mangeln lassen. Immerhin gilt: Wie der Jobwechsel über die Bühne geht, wird man Sie in Erinnerung behalten.

Sie können über Jahre hinweg durchgehend gute Arbeit geleistet haben, Sie können sicher sein, dass die letzten Tage den Eindruck noch einmal maßgeblich beeinflussen können. Was aber auch bedeutet, dass Sie sich noch einmal von Ihrer besten Seite zeigen können - und bekanntlich sieht man sich immer zwei Mal im Leben. Wer weiß, wann es Ihnen noch einmal nützen wird, dass Sie sich bei Ihrem Jobwechsel an wichtige Regeln gehalten haben.

Jobwechse Knigge: Darauf sollten Sie achten

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  1. Gehen Sie im Guten

    Vermutlich wird es gute Gründe für Ihren Jobwechsel geben, etwa dass Sie mit dem Chef nicht mehr klarkommen oder sich benachteiligt fühlen. Zumindest aber sehen Sie beim neuen Arbeitgeber die besseren Chancen für Ihre berufliche Zukunft. Das alles sollte Sie jedoch nicht dazu verleiten, Ihrem angestauten Frust vor dem Abschied noch einmal so richtig Luft zu machen. Auch wenn Sie vieles gestört haben: Trennen Sie sich im Guten und sparen Sie sich den Wutausbruch.

    Noch schwieriger kann das sein, wenn Sie nicht selbst die Wahl getroffen haben, sondern gekündigt wurden. In dieser Situation ist der Frust oft besonders groß, vor allem, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Denken Sie daran: Dampf ablassen fühlt sich für den Moment zwar gut an, schadet Ihnen langfristig aber mehr, als es nutzt.

  2. Bringen Sie sich weiterhin ein

    Ja, Sie sind nicht mehr lange beim aktuellen Unternehmen und vielleicht überwiegt auch schon die Freude auf den neuen Job, doch gehört zu einem ordentlichen Jobwechsel immer, dass Sie bis zum Schluss Ihr Bestes geben und mit Motivation und Ehrgeiz am Ball bleiben. Damit zeigen Sie nicht nur professionelles Verhalten, sondern auch, dass Sie Ihre Arbeit weiterhin gerne machen.

    Mit besonders guten Leistungen vor dem Jobwechsel können Sie auch sicherstellen, dass man Sie genau so in Erinnerung behalten wird, wie Sie es sich wünschen: Als kompetenten Mitarbeiter, den man schmerzlich vermissen wird. Auch haben Sie sich nichts vorzuwerfen und können die nächste berufliche Station ohne Altlasten beginnen.

  3. Drücken Sie sich nicht vor der letzten Zeit

    Eine leider relativ beliebte Methode, um die letzte Zeit vor dem Jobwechsel zu überbrücken, sind Krankschreibungen. So macht man es sich besonders leicht und muss möglicherweise gar nicht mehr beim alten Arbeitgeber aufschlagen, bevor die letzten Tage abgelaufen sind und man zur neuen Arbeitsstelle wechselt. Was für einen Eindruck ein solches Verhalten macht, kann sich wohl jeder denken.

    Verstehen Sie diesen Punkt nicht falsch: Natürlich können Sie auch bei einem Jobwechsel zum Arzt gehen und sich krankschreiben lassen - nur sollte es dahinter ein gesundheitlicher Grund stehen und nicht die Absicht, möglichst ohne weiteren Aufwand aus dem Job gehen zu können.

  4. Arbeiten Sie Ihren Nachfolger ein

    Zum professionellen Abschied und Jobwechsel gehört es in jedem Fall, dass Sie Ihren direkten Nachfolger einarbeiten, falls dieser bereits feststeht. Das Debriefing ist wichtig, damit die Arbeit nach Ihrem Abgang reibungslos weitergehen kann. Dabei gilt: Selbstlosigkeit bringt ans Ziel. Für Sie bedeutet es Aufwand, doch geht es nicht darum Ihnen die Arbeit zu erleichtern, sondern Ihrem Nachfolger einen guten Start zu ermöglichen. Gleichzeitig tun Sie damit natürlich auch etwas für Ihren guten Ruf.

    Wichtig ist, dass bei der Einarbeitung keine Fragen mehr offen bleiben. Sie sind schließlich in Kürze nicht mehr da, um bei möglichen Problemen weiter zu helfen. Gehen Sie deshalb gründlich vor, halten Sie den Status Quo genau fest und machen Sie klar, welche ToDos und Aufgaben in den jeweiligen Projekten noch erledigt werden müssen. Auch für die Übergabe aller Unterlagen und Dokumente sollte sich ausreichend Zeit genommen werden.

  5. Bedanken Sie sich

    Wahrscheinlich hat nicht jeder Kollege Sie auf Ihrem beruflichen Weg weitergebracht und Ihnen geholfen, aber in jedem Job gibt es wichtige Bezugspersonen, auf die man sich immer verlassen konnte, die mit Rat und Tat zur Seite standen und denen man viel zu selten Danke gesagt hat. Spätestens beim Jobwechsel ist die Zeit dafür gekommen, um sich für die Hilfe, die Möglichkeiten und die vergangene Zeit zu bedanken.

    Auch wenn Sie nicht immer einer Meinung mit dem Chef waren, sollten Sie sich auch noch einmal explizit beim Vorgesetzten bedanken. Immerhin hat er viel zu Ihrer Entwicklung beigetragen.

  6. Verabschieden Sie sich ordentlich

    Am letzten Tag mit einem Na dann mal Tschüss... aus der Tür zu stürmen und sich nicht mehr umzusehen, ist nicht gerade die feine englische Art. Gerade wenn Sie bereits einige Zeit beim Arbeitgeber waren und die Kollegen gut kennen, sollten Sie sich richtig - und das bedeutet vor allem auch persönlich - verabschieden.

    Am besten gelingt dies in einer etwas lockeren Atmosphäre, beispielsweise bei einem gemütlichen Umtrunk (oder wenn das Team nicht so groß ist ein gemeinsames Essen) nach dem letzten gemeinsamen Feierabend. So haben Sie die Gelegenheit, noch einmal mit jedem ins Gespräch zu kommen und sich anständig von jedem einzelnen liebgewonnen Kollegen und auch dem Chef zu verabschieden.

Extratipp: Eine Abschiedsrede halten

Extra-Tipp-IconWährend Sie Ihren Ausstand geben, können Sie die Gelegenheit auch zu einer kleinen Abschiedsrede halten, in der Sie sich noch einmal an alle Kollegen gemeinsam wenden. Das bietet Ihnen die Gelegenheit, noch einige abschließende Worte zu sagen und sich offiziell zu verabschieden.

Doch nicht jeder ist für diese Art der Aufmerksamkeit gemacht und mancher schämt sich gar, vor einer Gruppe zu sprechen, selbst wenn er die Anwesenden alle kennt und über Jahre mit Ihnen zusammengearbeitet hat. Die gute Nachricht: Es sollte ohnehin eine möglichst kurze Ansprache werden. Niemand möchte ausschweifende Reden hören und Sie müssen auch nicht noch einmal Ihren gesamten Werdegang beim Unternehmen detailliert erzählen.

Kurz, dankbar und persönlich. So könnte man die Formel für die perfekte Dankesrede zusammenfassen. Sprechen Sie Kollegen und auch den Chef direkt an, bedanken Sie sich für besondere Momente und nach maximal fünf bis sieben Minuten sollten Sie zum Schluss kommen. Wenn Sie sich daran halten, kann nichts schief gehen und Sie machen einen guten letzten Eindruck mit Ihrer Dankesrede.

Jobwechsel Knigge: Darauf kommt es beim neuen Arbeitgeber an

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  1. Bereiten Sie sich vor

    Je besser Ihre Vorbereitung vor dem Neustart beim Arbeitgeber ist, desto leichter wird Ihnen der Einstieg fallen. Falls möglich, sollten Sie daher schon vor Ihrem ersten Arbeitstag wichtige Fragen klären. Wer übernimmt die Einarbeitung? Gibt es Unterlagen, in die Sie sich einarbeiten sollten? Wie ist der Ablauf der ersten Arbeitstage? Mit einer solchen Vorbereitung im Rücken lässt sich auch die anfängliche Unsicherheit besser überwinden.

    Ein wichtiges Thema der Vorbereitung sind auch mögliche Zugänge und Accounts. Kaum etwas ist nerviger und ärgerlicher, als am ersten Arbeitstag mehrere Stunden nutzlos herumzusitzen und darauf zu warten, dass man endlich das System benutzen kann. Im besten Fall läuft alles ab der ersten Minute und Sie können gleich loslegen.

  2. Stellen Sie sich überall vor

    Natürlich lernen Sie ganz automatisch einige der neuen Kollegen kennen - sei es bei der Einarbeitung oder auch nur auf dem Büroflur. Dennoch sollten Sie selbst aktiv werden und nicht darauf warten, dass jeder zu Ihnen kommt. Indem Sie freundlich und offen auf die Kollegen und Büronachbarn zugehen, werden Sie schneller in die Gruppe aufgenommen.

    Viele sind anfangs sehr nervös und trauen sich nicht, die Kollegen anzusprechen. Ein Fehler! Denken Sie daran, dass Sie möglichst schnell Anschluss finden wollen und im besten Fall noch viele Jahre mit den anderen zusammenarbeiten werden. Je schneller Sie Ihre Angst überwinden und zum wirklichen Teil des Teams werden, desto besser.

  3. Feiern Sie Ihren Einstand

    Nach dem ersten Vorstellen ist ein guter Zeitpunkt gekommen, um die Kollegen auf einen kleinen Umtrunk einzuladen und sich wirklich kennenzulernen. Wie für den Ausstand gilt auch beim Einstand: Sie müssen nicht übertreiben. Eine nette Bar in der Nähe ist als Rahmen vollkommen ausreichend.

    Bevor Sie mit der Planung loslegen, sollten Sie sich bei den neuen Kollegen nach einem bestmöglichen Termin erkundigen. Alle unter einen Hut zu kriegen ist nicht immer leicht. Wurde ein Termin gefunden, gilt: Keine Rundmail schicken, sondern jeden persönlich einladen.

  4. Fragen Sie bei Unklarheiten nach

    Am Anfang kann man in einem neuen Job noch nicht alles wissen. Die Abläufe und Arbeitsweisen sind genauso neu wie die Kunden und Erwartungen. Gerade in der ersten Zeit tauchen deshalb meist viele Fragen auf. Die Devise lautet: Fragen Sie! Es ist keine Schande und auch kein Fehler, wenn Sie anfangs etwas noch nicht wissen. Es ist besser, einmal mehr nachzufragen, als einen unnötigen Fehler zu machen.

    Bevor Sie sich hilfesuchend an Kollegen oder Chef wenden, sollten Sie sich aber durchaus eigene Gedanken zu Ihrer Frage gemacht haben. Damit zeigen auch die nötige Eigeninitiative, die von einem guten Mitarbeiter erwartet wird.

  5. Bringen Sie Ihre Ideen ein

    Ja, Sie sind ein neuer Mitarbeiter und müssen sich erst zurecht finden, dass bedeutet aber nicht, dass Sie mit Ihren Meinungen und Ideen hinterm Berg halten müssen. Ganz im Gegenteil. Gerade am Anfang sollten Sie zeigen, dass Verbesserungsvorschläge und Ideen haben, die Sie auch gerne umsetzen würden.

    Viele machen nach dem Jobwechsel den Fehler, in eine sehr passive Haltung zu verfallen und nur auf die Anregungen anderer zu reagieren. Mehr Erfolg verspricht es, wenn Sie aktiv sind und selbst mit Vorschlägen überzeugen können.

  6. Bitten Sie um Feedback

    Mit dem Jobwechsel verändern sich auch die Anforderungen und Erwartungen, mit denen Sie konfrontiert werden. Allerdings ist es nicht ganz leicht zu erkennen, ob man diesen gerecht wird. Die ersten Wochen sollten Sie deshalb verstärkten Wert auf Feedback von Kollegen, Chef und auch betreuten Kunden legen.

    Bitten Sie um konkrete Rückmeldungen, vereinbaren Sie regelmäßige Termine und setzen Sie die erhaltene Kritik um. So verbessern Sie sich und zeigen Lernbereitschaft, um sich möglichst schnell an die neue Situation anzupassen und die Leistungen zu erbringen, die von Ihnen erwartet werden und die Sie sich auch selbst als Ziel gesetzt haben.

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