Autopilot: Wie Sie ihn ausschalten

Tagein, tagaus haben wir viele Verpflichtungen, denen wir nachkommen. Wir gehen zur Arbeit, erledigen unsere Aufgaben, führen den Haushalt, machen Besorgungen und dergleichen mehr. Vieles davon geschieht nach einer Weile unbewusst, da wir eine Routine entwickelt haben. Dann sprechen wir davon, etwas auf Autopilot zu schalten, wenn fortan bestimmte Dinge sich wie von selbst erledigen. Wie so vieles, hat das seine guten und seine schlechten Seiten. Denn das Leben ist nicht in allen Bereichen planbar und ein Mensch ist ein Lebewesen mit Bedürfnissen. Werden diese nicht mehr wahrgenommen oder bewusst negiert, entstehen Probleme. Warum es besser ist, den Autopiloten von Zeit zu Zeit auszuschalten und wie es Ihnen gelingt…

Autopilot: Wie Sie ihn ausschalten

Autopilot Definition: Was bedeutet das?

Autopilot Flugzeug Definition AchtsamkeitLaut Duden wird als Pilot jemand bezeichnet, der ein Flugzeug oder einen Rennwagen steuert. Der aus dem Französischen stammende Begriff automate, der dem Wort Autopilot vorgeschaltet ist, bedeutet, dass etwas sich aus eigenem Antrieb bewegt. Ein Autopilot wäre demnach also jemand, der ohne aktives eigenes Zutun wie von selbst gesteuert wird und bestimmte Abläufe ausführt.

Assoziiert wird der Begriff Autopilot überwiegend mit der Luftverkehrsbranche, allerdings findet er in vielen Bereichen Anwendung. So eben beispielsweise in der Raumfahrt, Seefahrt und überall dort, wo es darum geht, Menschen zu entlasten, indem Fahrzeuge automatisch gesteuert werden.

In den oben genannten Beispielen handelt es sich beim Autopiloten um ein Steuerungssystem. Ein vergleichbares Steuerungssystem haben wir häufig auch in uns selbst eingebaut, wenngleich es sich nicht um Elektronik, sondern um bestimmte Verhaltensweisen handelt.

Sinn und Funktionsweise unseres Autopiloten

Dass Menschen auf Autopilot schalten und bestimmte Dinge quasi ohne nachzudenken erledigen, ist nichts Ungewöhnliches. Überall dort, wo eine gewisse Routine eingesetzt hat, sind wir in diesem Modus:

  • Wir haben dieselbe Morgenroutine, also aufstehen, duschen und anziehen, frühstücken, los.
  • Wir fahren täglich dieselbe Strecke zur Arbeit.
  • Die Arbeitsschritte sind oftmals dieselben: Wir lesen und beantworten die Mails, haben Kundentermine, zwischendurch Telefonate, Meetings und dergleichen.

Dabei ist dieser Autopilot nicht per se schlecht: Wie ein Navigationsgerät führt er uns durch die Tätigkeiten, die jeden Tag erledigt werden müssen. Er bietet…

  • Arbeitsentlastung, da man sich nicht immer neu in Themengebiete einarbeiten muss,
  • Effizienz, da normierte Arbeitsschritte, Handlungs- und Verhaltensmuster nebst definierten Prozessen die Basis von erfolgreichen Unternehmen bilden und nicht zuletzt
  • Sicherheit, da wir wissen, was uns erwartet und dadurch Dinge planbar werden.

Bloßes Funktionieren kann einen durch kritische Phasen bringen – beispielsweise im Endspurt in einer Prüfungssituation, in der Endphase eines Projektes. Dann wird vom Körper das urzeitliche Überlebensprogramm angeschmissen und der Adrenalinausstoß führt dazu, dass ein letztes Mal sämtliche Kräfte mobilisiert werden.

Das klappt allerdings nicht dauerhaft und sollte Ausnahmesituationen vorbehalten sein. Der Mensch ist keine Maschine. Denn der Autopilot kann dazu führen, dass notwendige Erholungsphasen nicht eingeplant werden. Vor allem bei Stress entwickeln viele Menschen einen Tunnelblick – dann heißt es nur noch Augen zu und durch, die Arbeit irgendwie bewältigen.

Das führt irgendwann zu Beeinträchtigungen, der Stress macht sich körperlich bemerkbar und führt schlimmstenfalls zum Burnout.

Dem ewigen Trott etwas entgegensetzen

Auch ohne Stress ist ein ständiger Autopilot ungünstig. Wir leben in einer Zeit, in der wir stetigem Wandel unterliegen. Das erfordert eine gewisse Flexibilität der Menschen. Allerdings schaffen es nicht alle, sich den vielfältigen Veränderungen anzupassen.

Schuld daran ist teilweise der Autopilot: Denn er macht den Tagesablauf leichter. Das heißt aber auch, dass Sie kleine Änderungen leichter übersehen. Wenn es dann hart auf hart kommt, kann das unerwünschte Konsequenzen haben.

Ein Gegenkonzept wäre mehr Achtsamkeit. Achtsames Handeln heißt, dass wir uns unserer selbst bewusst sind, uns selbst wahrnehmen, aber eben auch unsere Beziehungen zu anderen und unsere Umgebung. Es beinhaltet eine Neugier auf das, was um uns herum passiert.

Daher ist es wichtig, den Autopiloten von Zeit zu Zeit auszuschalten. Das ermöglicht ein bewussteres Leben anstelle eines bloßen Funktionierens. Denn Achtsamkeit führt dazu, dass wir bewusst Abstand zu dem nehmen, was uns unbewusst leitet.

Ursachen für festgefahrene Denkweisen

Etwas, das den Autopiloten in uns aktiv werden lässt, auch wenn es kontraproduktiv ist, sind Zuschreibungen und daraus entwickelte alte Glaubenssätze. Sie führen dazu, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse ignorieren und sie inneren Antreibern unterordnen. Solche sind:

  • Ich muss stark sein.
  • Ich muss besser werden.
  • Ich muss härter an mir arbeiten.
  • Ich muss schneller werden.
  • Ich muss zu allen freundlich sein.

Zu dem Zeitpunkt, als diese Instantlösungen entwickelt wurden (nämlich in der Kindheit), waren sie die Allzweckwaffe für alle Probleme. Mittlerweile jedoch passen sie an vielen Stellen nicht mehr. Wer bereits 20 Überstunden die Woche schiebt und sich selbst noch mit „Ich muss stark sein“ anfeuert, geht auf Dauer über seine Grenzen.

Daher geht es darum, solche alten Denkmuster zu überwinden. Dafür braucht es einen positiven und gleichzeitig realistischen Ansatz. Viele leben in einem permanenten Widerspruch. Dieser besteht zwischen dem, was wir uns eigentlich wünschen und der Realität.

Je achtsamer Sie werden, desto leichter wird es Ihnen fallen, diesen Widerspruch nicht nur zu erkennen, sondern diejenigen Potenziale in sich zu erkennen, die es Ihnen ermöglichen, Ihre Ziele zu erreichen.

Wie wir zu mehr Achtsamkeit finden

Um den Autopiloten vorübergehend aus- und die Achtsamkeit einzuschalten, bedarf es der Selbstreflexion. Sie muss in die tägliche Routine eingebaut werden, denn nur so können wir uns unserer selbst und anderer Menschen besser bewusst werden. Dabei geht es darum zu verstehen, wie bestimmte Verhaltensweisen zustande kommen und wie wir damit umgehen können.

Es sind im Wesentlichen vier Faktoren, die uns bestimmen:

  • Anlage

    Bis zu einem gewissen Prozentsatz werden wir von unseren Genen beeinflusst. Wenngleich die nicht den Löwenanteil ausmachen, bestimmen sie, was bei uns Stress und Krankheiten auslöst und was nicht. Auch unser Umgang mit stressigen Situationen und Ängsten rührt teilweise daher.

  • Umgebung

    Mindestens ebenso einflussreich sind allerdings auch die frühkindlichen Prägungen durch Eltern und Familie. Sie sind dafür verantwortlich, welche Art von Beziehungen wir aufbauen und wie wir uns in Gruppen mit anderen verhalten. Je mehr wir uns dieser Einflüsse – positive wie negative – bewusst sind, desto weniger wahrscheinlich können uns negative Erfahrungen aus der Vergangenheit mit gleicher Stärke zukünftig beeinträchtigen.

  • Erfahrungen

    Zu den Erlebnissen und Prägungen aus der Kindheit kommen natürlich eine Reihe weiterer Erfahrungen, die ihren Einfluss darauf ausüben, wie wir mit Stress umgehen. Bestimmte Verhaltensweisen – ungesunde wie hilfreiche – müssen daher erkannt und eingeordnet werden, bevor sie automatisiert werden.

  • Persönlichkeit

    Zur Selbstreflexion zählt, dass wir uns mit unseren Überzeugungen und Wünschen auseinandersetzen. Also: Für welche Werte will ich stehen? Was ist mir im Leben und auf der Arbeit wichtig? Wie sehe ich mich, wie möchte ich wahrgenommen werden?

In dem Moment, in dem wir uns mit uns selbst genauer auseinandersetzen, haben wir auch die Möglichkeit zu erkennen, was uns behindert. Und hier beginnt der schwierige Teil: Nun wäre es angebracht, Verhaltensmuster und Denkweisen zu ändern.

Mit Vielfalt den Horizont erweitern

Blöderweise neigen viele Menschen trotz (oder aufgrund) der Fülle an Informationen dazu, sich nur das herauszupicken, was sie eh schon wissen und was sie in ihrem Wissen bestätigt. Es gibt einen Weg, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Der amerikanische Organisationspsychologe Bob Rosen empfiehlt dafür diese drei Wege:

  • Zunächst einmal sollten Sie überprüfen, ob Sie vielleicht die Dinge zu optimistisch sehen. Was im ersten Moment irreführend klingt, ist lediglich ein Weg, Dinge infrage zu stellen.
  • Zweitens geht es darum zu verstehen, dass eine Erweiterung des eigenen Horizonts dazu führt, Verzerrungen zu vermeiden. Diese entstehen, wenn wir in simplen Schwarz-Weiß-Schemata denken. Dieses Denken ist allerdings nicht mehr zeitgemäß. Wer achtsam ist, hält sich mehrere Optionen offen, indem er auch widersprüchliche Ideen zulässt und überdenkt.
  • Drittens sollten Sie Diversität lernen zu schätzen. Denn Achtsamkeit heißt, dass Ihnen bewusst ist, dass Vielfalt Ihren Horizont erweitert. Es geht darum, die Augen zu öffnen, neue Ideen zuzulassen und kontraproduktive Verhaltens- und Denkmuster beiseite zu legen.

Um ernsthaft den Autopiloten auszuschalten, können diese Fragen Ihnen dabei helfen:

  • Welche Selbstwahrnehmung habe ich, wie nehme ich andere Menschen wahr? Inwieweit beeinflusst beides mich derart, dass es meine Fähigkeit einschränkt, die Dinge klar und sachlich zu betrachten?
  • Welche Grundannahmen habe ich getätigt, die schlichtweg falsch sein könnten?
  • Welche hartnäckigen Gefühle hindern mich daran, mich und meine Überzeugungen zu ändern? Besitze ich Verhaltensweisen, die mich positiv weiterbringen?

Wer ständig auf Autopilot läuft, unternimmt nichts. Es besteht ja auch keine Veranlassung, Umstände oder Tätigkeiten zu hinterfragen. Wer achtsam mit sich umgeht, gewinnt neue Kräfte und Mut, für sich selbst und seine Ziele einzustehen und auch Risiken einzugehen.

Das beginnt eben damit zu überprüfen, ob das was ich derzeit tue, mich innerlich erfüllt? Von dort aus es geht weiter. Fragen Sie sich:

  • Worin bestehen meine Fähigkeiten und persönlichen Stärken?
  • Welche schreiben Ihnen vielleicht auch andere zu, also Ihre Kollegen und Freunde?
  • Wo kommt es zu Überschneidungen, welche Bereiche sind mir am wichtigsten?

Wer diese Fragen für sich beantworten kann, befähigt sich selbst dazu, bewusste Entscheidungen zu treffen. Das wiederum trägt dazu bei, sich zufriedener in die anvisierte Richtung zu entwickeln, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und somit die Vorhersehbarkeit und Einschränkungen durch einen Autopilot zu vermeiden.

[Bildnachweis: HQuality by Shutterstock.com]
17. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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