Verhaltensmuster: Darum ist Verhalten ändern so schwer

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Im Laufe der Zeit etablieren sich in jedem Bereich die unterschiedlichsten Routinen, die das Leben einfacher machen sollen. Allerdings verfallen Sie genau so auch in einen Trott, der nur schwer wieder zu verlassen ist. Die unzähligen gescheiterten Vorsätze zeigen jedes Jahr, wie groß die Herausforderung ist, die eigenen Verhaltensmuster langfristig zu ändern. Spätestens nach ein paar Tagen ist alles wieder beim Alten, obwohl Sie doch große Veränderungen geplant hatten. Was mit guten Absichten geschieht, ist aber vielleicht genau der Grund, warum Sie Verhaltensmuster nicht ändern können. Möglichst schnell und möglichst alles auf einmal ist nicht die beste Strategie, wenn Sie versuchen, Ihr Verhalten zu ändern…

Verhaltensmuster: Darum ist Verhalten ändern so schwer

Verhaltensmuster bestimmen das gesamte Leben

Die Uhrzeit, um die Ihr Wecker klingelt, was Sie zum Frühstück essen, ob es dazu Tee oder Kaffee gibt, welcher Radiosender läuft, welchen Weg Sie zur Arbeit nehmen, welche Aufgaben Sie in welcher Reihenfolge bearbeiten, wie Sie Ihren Feierabend einleiten, ob und wann Sie zum Sport gehen oder ob Sie zuhause auf der Couch sitzen, fernsehen oder etwas lesen. All diese und noch unzählige weitere Aspekte in Ihrem Tagesablauf werden durch festgelegte Verhaltensmuster bestimmt.

Solche Gewohnheiten und Routinen dienen dazu, das eigene Leben einfacher zu machen. So brauchen Sie sich um viele Dinge keine Gedanken mehr zu machen, die Entscheidungen werden unbewusst getroffen und Sie fühlen sich dennoch gut dabei. Das bedeutet auf der anderen Seite jedoch auch, dass die Verhaltensmuster Sie fest im Griff haben.

Glauben Sie nicht? Schon die scheinbar kleinsten und unwichtigsten Veränderungen fühlen sich einfach falsch an. Probieren Sie es einfach mal selbst aus. Setzen Sie sich zuhause auf der Couch doch mal auf die andere Seite und nicht auf den Platz, an dem Sie es sich immer gemütlich machen. Noch unwichtiger gefällig? Verschränken Sie Ihre Finger, als würden Sie beten. Die Daumen liegen dabei übereinander gekreuzt – und jetzt tauschen Sie den oberen und unteren Daumen, entgegen Ihrem typischen Verhaltensmuster.

Schon diese kleinstmögliche Veränderung sorgt bei vielen Menschen für Unbehagen und den Wunsch, die Daumen doch bitte wieder in die gewohnte Position zu bringen. Es braucht nur wenig Vorstellungskraft, um sich ein Bild davon zu machen, wie schwierig im Vergleich wirklich große Veränderungen sind, etwa der Wunsch, vom Couchpotato zum regelmäßigen Sportler zu werden, die eigene Ernährung langfristig umzustellen und zu verbessern oder auch beruflich ganz neue Wege zu gehen und die gemütlich eingerichtete Komfortzone zu verlassen.

Doch wieso können wir nicht aus der eigenen Haut und unser Verhalten ändern, selbst wenn wir die Entscheidung getroffen haben, dass wir es gerne tun würden?

Warum lassen sich Verhaltensmuster so schwer ändern?

Raucher werden gerne als Paradebeispiel für schlechte Verhaltensmuster herangezogen, da sich daran auch demonstrieren lässt, wie selten es gelingt, aus der Routine auszubrechen. Allerdings spielt in diesem Fall die Sucht, also eine tatsächliche körperliche Abhängigkeit, eine große Rolle, die nicht einfach ignoriert werden darf. Besser ist es, sich mit wirklichen Angewohnheiten und Verhaltensmustern zu befassen, die ebenso schwer abzulegen sind.

Die Ursache, die am häufigsten angeführt wird, wenn es um eine Erklärung geht, weshalb es mit der Verhaltensänderung einfach nicht klappen will, ist ein Mangel an Selbstdisziplin. Wenn es mit einem guten Vorsatz nicht geklappt hat und Sie wieder in alte Verhaltensweisen zurückgefallen sind, müssen Sie sich im Anschluss auch noch anhören, dass Sie nicht die nötige Disziplin hatten und es somit allein Ihre Schuld war.

Selbstbeherrschung und Durchhaltevermögen sind aber nur ein Teil der Wahrheit, denn es braucht auch die richtige Strategie und Vorgehensweise, um Verhaltensmuster langfristig ändern zu können. Das größte Problem dabei ist das tief verankerte menschliche Bestreben nach Verhaltensmustern und Gewohnheiten. Diese geben Struktur und vor allem Sicherheit. Unvorhersehbares wird vermieden, wir bewegen uns in den Bahnen, die wir schon kennen und unter Kontrolle haben.

Das führt sogar dazu, dass wir selbst die Änderung von Verhaltensmustern manipulieren, um wieder in die Routine zurückkehren zu können. Plötzlich kann doch nicht mehr zum Sport gegangen werden, weil etwas ganz Dringendes dazwischen gekommen ist, für das gesunde Kochen bleibt einfach keine Zeit oder im Job öffnen sich vielleicht doch noch neue Perspektiven und so sollte das mit dem Jobwechsel doch nicht überstürzt werden.

Unbewusst tragen Sie selbst dazu bei, den ursprünglichen Status Quo von Sicherheit, Stabilität und auch Gemütlichkeit und Wohlfühlen wiederherzustellen. Dies ist der Ausgangspunkt, Ihre ganz persönliche Normalität, die Ihr Leben ausmacht. Zum Glück gibt es aber Möglichkeiten, einen neuen Nullpunkt zu erreichen und Verhaltensmuster doch noch nachhaltig zu ändern.

Verhaltensmuster ändern: Schritt für Schritt ans Ziel

Wer seine Verhaltensmuster durchbrechen will, muss eisern sein, die Dinge zum Teil drastisch verändern, sich dabei große Ziele setzen und auch bei Schwierigkeiten durchhalten. Motto: Wenn du etwas verändern willst, dann mach es schnell und bleib am Ball. Das kann funktionieren, erfordert jedoch umso mehr Disziplin und birgt die besonders große Gefahr, dass Sie bereits nach kurzer Zeit wieder in altbekannte Verhaltensmuster zurückfallen.

Dahinter steht das Paradox der Verhaltensänderung Auch hierbei spielt der oben angesprochene Ausgangspunkt eine große Rolle. Wenn Sie versuchen, auf einen Schlag eine enorme Veränderung zu etablieren, entfernen Sie sich sehr weit von dem, was Sie bisher als Normalität kennen – also auch von dem Bereich, in dem Sie sich wohl und sicher fühlen. Umso stärker ist das Bedürfnis und der Drang, wieder dorthin zurückzukehren und den Wandel rückgängig zu machen.

Ein einfaches Beispiel zur Verdeutlichung: Stellen Sie sich vor, Sie würden gerne anfangen zu Joggen, um sportlicher zu sein und eine gute Kondition aufzubauen. Sie sind motiviert, wollen so schnell es geht den neuen Lebensstil erreichen und alte Verhaltensmuster vergessen machen. So schnüren Sie sich zum ersten Mal die Laufschuhe und versuchen gleich, einen Marathon zu laufen. Werden Sie weit kommen? Wohl kaum. Vielleicht verletzen Sie sich sogar, sind total überfordert und geben entnervt auf.

Diese Darstellung ist natürlich überspitzt, doch das Prinzip dahinter gilt ist dennoch gültig. Nachhaltige Änderungen Ihrer Verhaltensmuster erreichen Sie leichter, wenn Sie eben nicht mit einem riesigen Sprung anfangen, sondern kleine Schritte machen.

Schauen Sie sich Ihr bisheriges Verhalten an und setzen Sie sich zunächst ein kleines Ziel, dass Sie zu Ihrer persönlichen Normalität werden lassen. So erschaffen Sie Stück für Stück eine jeweils neue Ausgangslage und nähern sich dem großen und langfristigen Ziel an. Gleichzeitig halten Sie das Risiko, in alte Gewohnheiten abzurutschen, minimal.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
29. Januar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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