Und wieder hat der innere Schweinehund gesiegt... Von wegen Durchhaltevermögen! Am Ende entscheiden wir uns doch für den Weg des geringsten Widerstands, statt mit Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit auf unser Ziel hinzuarbeiten. Doch innerlich spüren wir längst: Etwas mehr Disziplin, Durchhaltewillen und -kraft würden uns besser tun. Zufriedener machen würde es am Ende sowieso. Die gute Nachricht: Es gibt ein paar Tricks, mit denen Sie Ihr Durchhaltevermögen steigern können...

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Durchhaltevermögen: Wie mangelnde Beharrlichkeit wirkt

Wer schlechte Gewohnheiten ablegen, schwierige Projekte erfolgreich abschließen, gute Vorsätze einhalten oder sich ganz neue Fertigkeiten antrainieren will, kommt an dieser Tugend kaum vorbei: dem Durchhaltevermögen. Erfolg - ob beruflich, im Sport oder privat - ist ohne diese Eigenschaft kaum vorstellbar. Denn Schwierigkeiten und Widerstände gibt es überall - und sie zehren an unseren Kräften. Kein guter Plan, der nicht auch Rückschläge oder Durststrecken berücksichtigt. Oder eben dem sprichwörtlichen inneren Schweinehund etwas entgegensetzt, wenn dieser wieder mal ins Ohr flüstert: Was soll der Mist noch? Bringt doch eh nichts, gib auf!

Lewis Terman, der Erfinder des Stanford-Intelligenztests, verfolgte beispielsweise über Dekaden die Entwicklung besonders talentierter und erfolgreicher Studenten - und musste feststellen: Intelligenz wird überschätzt, Beharrlichkeit hatte die wesentlich größere Auswirkung auf den Erfolg.

Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich gibt es auch Situationen, in denen man einen Schlussstrich ziehen sollte. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende und so... Manchmal ist aufgeben, das Scheitern zulassen und neu anfangen die bessere Alternative, keine Frage.

In den meisten Fällen aber zahlt sich Hartnäckigkeit mehr aus. Denn umgekehrt hat auch Aufgeben einen Preis und Konsequenzen. Wer immer wieder auf halber Strecke abbricht...

  • erreicht seine (selbstgesteckten) Ziele nicht.
  • konserviert das Gefühl, nichts zu Ende zu bringen.
  • fühlt sich irgendwann wie ein Versager, der ständig scheitert.
  • kratzt an seinem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.
  • schädigt womöglich gar seinen Ruf durch enttäuschte Erwartungen und dokumentierte Unzuverlässigkeit.

Kurz: Mangelndes Durchhaltevermögen kann, wenn es chronisch wird, nicht nur der eigenen Psyche einen Knacks geben - es steht zunehmend auch der beruflichen Entwicklung und Karriere im Wege.

Wahr ist aber auch: Die wenigsten erfolgreichen Menschen waren von Anfang an erfolgreich. Die Mehrheit brauchte viele (gescheiterte) Versuche, um ans Ziel zu gelangen - auch wenn manche das im Nachhinein etwas anders darstellen. Lassen Sie sich also von all den Erfolgsstorys weder einschüchtern, noch ins Bockshorn jagen.

Durchhaltevermögen: Warum geben wir so gerne auf?

Durchhaltevermögen: Warum geben wir so gerne aufDurchhaltevermögen stärken und steigern ist das Eine (dazu kommen wir gleich), doch zuerst müssen wir uns fragen: Warum geben wir überhaupt so gerne auf? Denn eigentlich würden wir ja wollen, aber... Warum können die Einen so beharrlich und konsequent alles zu Ende bringen, was sie sich vornehmen, während andere mittendrin aufgeben?

  • Nicht wenige Menschen wählen aber auch die falschen Ziele: zu groß, zu unrealistisch, zu unerreichbar. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie frustriert aufgeben.
  • Andere vergessen, dass bei aller Disziplin der Spaß nicht zu kurz kommen darf. Ja, hartnäckiges Pauken, Büffeln und Trainieren macht mitunter keinen Spaß, geht an die Schmerzgrenze und teils darüber hinaus. Aber wer eine dieser Etappen gemeistert hat, sollte sich dafür auch belohnen. Es ist ja so: Gute Vorsätze lösen meist ein kurzfristiges Hochgefühl aus. Sobald es dann mühsam wird oder Versuchungen auftauchen, erlischt es ganz schnell wieder. Deshalb ist es wichtig, diese Hochgefühlphasen immer wieder zu haben, um sich und sein Ziel selbst zu bestätigen. Im Journalismus gibt es dazu ein schönes Bonmot: Schreiben zu müssen, ist die Hölle; aber geschrieben zu haben, ist der Himmel.
  • Der dritte Grund für fehlende Durchhaltekraft ist aber der verbreitetste: Diese Menschen geben nicht auf, weil sie es können, weil es bequemer ist und die Ausreden (des Schweinehundes) so einleuchtend wären - sie geben auf, weil sie nicht (mehr) glauben, es zu schaffen. In dem Fall haben bisherige Ungeduld, Niederlagen oder schlechte Ratgeber dazu geführt, dass das Selbstvertrauen bereits wie ein Muskel erschlafft ist. Die Zähigkeit eines Terriers bringt so jemand kaum noch auf und eine gefährliche Abwärtsspirale entsteht. Diese zu durchbrechen, ist daher jetzt besonders wichtig. Und das geht - ebenfalls wie bei einem Muskel - durch Training.

Die Willenskraft - im Fachjargon auch Volition genannt - hat dabei einen entscheidenden Einfluss. Die ist uns aber eben nur zum Teil angeboren. Der überwiegende Teil lässt sich üben.
Giballes-nurnichtauf

Durchhaltevermögen steigern: Die besten Tipps

Bevor Sie das nächste Mal die Flinte ins Korn werfen wollen, motivieren Sie sich, indem Sie Ihr Ziel und den entsprechenden Erfolg noch einmal visualisieren: Warum und vor allem wozu machen Sie das? Unterscheiden Sie dabei unbedingt zwischen einem Wunsch und einem echten Ziel und trennen Sie so die Spreu vom Weizen. Nur echten Zielen fühlen wir uns auch verpflichtet und verfolgen es auch verbindlich.

Wer derart realistisch und pragmatisch an Aufgaben herangeht, kann auch - bei allem Optimismus - mit den Hindernissen im Vorfeld und Stolpersteinen auf dem Weg besser umgehen und sein Ding durchziehen.

Darüber hinaus können noch die folgenden Durchhalte-Tipps helfen:

  1. Üben Sie mehr Selbstreflexion.

    Erfolg – soweit die allgemeine Definition – heißt, seine persönlichen Ziele zu erreichen. Dazu muss sie allerdings erst einmal kennen. Ebenso sollten sie erreichbar, sprich realistisch sein. Das setzt voraus, dass man seine individuellen Stärken und Schwächen kennt und seine Ziele danach ausrichtet. Selbstreflexion beinhaltet aber noch mehr: Wer diese Fähigkeit besitzt, trifft Entscheidungen bewusster, kann besser mit Fehlern umgehen (was bedeutet sie ebenso zu analysieren, um sie nicht zweimal zu begehen, wie diese emotional hinter sich zu lassen) und ist meist optimistischer was seine Zukunft anbelangt, denn er fühlt sich ihr nicht ohnmächtig ausgeliefert. Gehen Sie also auch nicht zu hart mit sich ins Gericht, wenn Sie mal scheitern. Zeigen Sie Nachsicht: Jeder erlebt Rückschläge.

  2. Handeln Sie aus eigenem Antrieb heraus.

    Treten Sie einen Schritt zurück und fragen Sie sich: Warum will ich das überhaupt? Kommt der Wunsch von Ihnen oder ist es ein gut gemeinter Rat von außen? Um dauerhaft dabei zu bleiben, müssen Sie einen Sinn dahinter erkennen. Es muss Ihr persönlicher Wunsch sein, alles andere funktioniert auf Dauer nicht.

  3. Zerlegen Sie große Aufgaben in kleine.

    Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter ihn in Fahrt zu halten. "Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt", lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.

  4. Setzen Sie sich spezifische Ziele.

    Ein klares Ziel zu haben, macht nicht automatisch erfolgreich. Was erfolgreiche Menschen aber eint, ist, dass sie ihre Ziele strukturiert und spezifisch benennen können. Nicht wenige schreiben sie sogar auf – wie bei Managern, deren Zielvorgaben in messbaren Zahlen vereinbart werden. Es sind keine Fernziele, sondern eine Kette von Nahzielen, die schließlich in ein großes münden. So hangeln sich diese Leute von Meilenstein zu Meilenstein, erleben Teilerfolg nach Teilerfolg und bleiben obendrein hochmotiviert.

  5. Kultivieren Sie mehr Zuversicht.

    Übertriebene Skepsis wirkt wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Irgendwann scheitert man tatsächlich. Zwar spürt jeder einen Fluchtreflex, sobald Probleme auftauchen, Erfolgreiche aber erzeugen eine Atmosphäre, in der dieser Reflex statistisch nur 1,13 Sekunden dauert.

  6. Ignorieren Sie Zweifler.

    Sicher kennen Sie das: Man hat einem Freund oder Bekannten von seiner Idee erzählt und dieser reagierte mit Skepsis. Damit werden Selbstzweifel geschürt, die Ihre Motivation ins Wanken bringen. Ehe Sie sich versehen, ist ihr neues Vorhaben passé. Wappnen Sie sich dagegen und lassen Sie Nörgler einfach an sich abprallen.

  7. Finden Sie Unterstützer.

    Kein Mensch muss seine Ziele allein erreichen. Es schmälert auch Ihren Erfolg überhaupt nicht, wenn Sie sich dazu Ratgeber, Mentoren oder gar physische Helfer suchen. Vor allem Partner, Freunde und die Familie sollten die ersten sein, die einem zur Seite stehen. Zugegeben, nicht selten sind es genau jene, die es nicht tun. Dann haben Sie zumindest etwas gelernt - und können sich andere Helfer suchen.

  8. Belohnen Sie sich für Teilerfolge.

    Fehlen positive Rückmeldungen, tendieren Menschen dazu, aufzugeben. Umgekehrt wirkt Wertschätzung enorm positiv, wie etwa Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, nachwies: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihr Durchhaltevermögen verbessert. Loben und belohnen Sie sich also für Geschafftes. Denn auch das eint alle Erfolgreichen: Sie halten die Lücke zwischen Absicht und Ausführung so klein wie möglich - und damit den Spaßfaktor groß.

Und geben Sie nicht auf. Das ist zwar eine Binse, aber es führt auch keine Abkürzung daran vorbei, um das eigene Durchhaltevermögen steigern zu können. Wie sagte schon Friedrich Nietzsche: "Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel."

[Bildnachweis: Paul Aiken by Shutterstock.com]

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