Bewunderung ausdrücken: Raus damit – aber aufrichtig!

Wir alle haben Personen, die wir zutiefst bewundern. Für ihre Leistungen. Für überwundene Hindernisse. Oder für Werte und Charaktereigenschaften. Die Bewunderung dafür bleibt in vielen Fällen aber unausgesprochen. Aus Unsicherheit, Scham oder Angst, das Lob könnte falsch verstanden werden. Eigentlich schade. Dabei ist das „Bewunderung ausdrücken“ gar nicht so schwer. Mehr noch: Es weckt Sympathien und festigt Beziehungen. Als Beitrag zu mehr gegenseitiger (ausgesprochener!) Wertschätzung, zeigen wir Ihnen im Folgenden, wie Sie Ihre Bewunderung ausdrücken können (ohne zu schleimen) und welche Fehler Sie dabei vermeiden sollten…

Bewunderung ausdrücken: Raus damit - aber aufrichtig!

Fehlende Bewunderung: Die häufigsten Gründe

Hand aufs Herz: Wann sind Sie das letzte Mal zu einem anderen Menschen gegangen und haben Ihre Bewunderung zum Ausdruck gebracht?

Schon lange her? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen auch. Die meisten Menschen sind zurückhaltend, wenn es darum geht, Bewunderung und Anerkennung zu offenbaren.

  • Der häufigste Grund: Wer seine Bewunderung ausdrückt, macht sich klein. Man gibt zu, dass der oder die andere in diesem Bereich (der einem selbst wichtig ist) besser ist, mehr erreicht hat. Vielleicht sogar, dass man sich selbst wünscht, ein Stück weit so zu sein, wie die andere Person. Das kann nicht jedes Ego.
  • Der zweite Grund: Wir sind unsicher, wie unsere Bewunderung beim Gegenüber ankommt. Gewiss, wir reden hier nicht von einem buchstäblichen Kniefall oder davon, dass Sie eine Lobeshymne schreiben und die auch noch coram publico vortragen. Aber wir wissen eben auch: So mancher verbindet mit seinem Lob eine Absicht. Und in diesen Ruch wollen wir gar nicht erst gelangen. Gegenüber Chefs ist das zum Beispiel häufig der Fall: Keiner will Schleimer sein.

Nicht selten ist es aber auch eine Frage der Mentalität und des Umgangstons in der Gruppe oder Firma. Leider wird in vielen Unternehmen (in Familien aber auch) nicht offen über die Vorzüge und Leistungen von anderen gesprochen. Ein kurzes Gut gemacht oder Wir freuen uns für dich ist schon das Beste, was man zu hören bekommt. Wirklich tief empfundene Bewunderung bleibt dagegen ungesagt.

Ein Fehler.

Stille Bewunderer nützen niemandem. Weder jenen, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit über die netten und motivierenden Worte gefreut hätten. Noch den Schweigern selbst. Sie verpassen so die Chance, Beziehungen zu bauen oder zu vertiefen. Und nicht zuletzt, auch mal etwas zurückzubekommen.

Denn: Wer selbst gerne gelobt werden will, der sollte damit umgekehrt nicht geizen!

Bewunderung ausdrücken: Die häufigsten Fehler

Bewunderung ausdrücken: Die häufigsten FehlerEs gibt allerdings noch weitere Fehler (und Fettnäpfchen), die man begehen kann, sobald man seiner Bewunderung Ausdruck verleiht. Diese gilt es natürlich zu vermeiden. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Langes Drumherumreden. Wer seine Bewunderung ausdrücken möchte, sollte nicht lange um den heißen Brei herumzureden. Sagen Sie, was Sie bewundern. Von Herzen und gerade heraus. Alles andere wirkt wie bei einem verliebten Teenager, der zehn Minuten um den Satz herumstottert: „Ich hab mich in dich verknallt.“
  • Übertriebenes Schmeicheln. Bewunderung sollte immer aufrichtig und ehrlich sein. Aber auch angemessen. Ausschmückungen, Übertreibungen, Superlative machen allesamt unglaubwürdig. Effekt: Die Bewunderung klingt hohl. Oder verdächtig nach Hintergedanken. Beides fühlt sich peinlich an.
  • Unangemessene Grenzüberschreitung. Gerade im Job gibt es klare Grenzen. Sie können der Kollegin sagen, dass Sie diese für ihr Organisationstalent oder ihre Eloquenz bewundern – nicht aber für den knackigen Po! Grundsätzlich gilt: Im beruflichen Umfeld ist begründete und sachliche Anerkennung von Leistungen, Kompetenzen, Talenten völlig in Ordnung. Alles Anzügliche ist dagegen tabu. Das gehört allein in den privaten Bereich – und selbst da zeugt es nicht gerade von Charme und Charisma.

Tipps, wie Sie Ihre Bewunderung richtig ausdrücken

Es geht aber auch anders. Wie gesagt: Seine Bewunderung auszudrücken, ist nicht schwer. Im Folgenden haben wir ein paar Empfehlungen und Tipps zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen:

  1. Warten Sie nicht zu lange

    Unsicherheit und Angst vor Reaktionen sorgen dafür, dass wir unsere Wort zig Mal abwägen. Effekt: Die Authentizität geht flöten. Die Bewunderung wird aufgesetzt, auswendiggelernt, abgespult. Das beste Gegenmittel: Einfach raus damit! In dem Moment, wo Sie die Bewunderung spüren, sollten Sie diese auch aussprechen (natürlich nicht ganz ohne Verstand!). Dann kommt es auch von Herzen.

    Vielleicht kommt Ihnen dabei nicht der eloquenteste Satz über die Lippen. Aber er wird ehrlich sein und auch so wirken. Nur darauf kommt an. Das macht auch den ein oder anderen Fauxpas verzeihlich.

  2. Seien Sie konkret

    Alles, was du machst, ist einfach super… Klingt gut, wird wahrscheinlich auch positiv aufgenommen, ist aber für wahre Bewunderung viel zu pauschal. Das macht solche Aussagen latent unpersönlich und billig. Kann schließlich jeder sagen.

    Versuchen Sie stattdessen möglichst konkret zu benennen, was Sie am anderen schätzen und bewundern. Ist es seine Art, mit Stress umzugehen? Die Dinge immer positiv zu sehen? Seine offene Art anderen Menschen gegenüber? Oder etwas, das er/sie aufgebaut und erreicht hat? Es gibt unzählige Möglichkeiten: Also nennen Sie das Kind beim Namen!

  3. Verzichten Sie auf Vergleiche

    Es ist zwar menschlich, Maßstäbe zu suchen. Bei der Bewunderung sollten Sie aber auf Vergleiche verzichten: Du bist darin so viel besser als… oder XY könnte das niemals… – solche Sätze stellen gar nicht in den Vordergrund, was Ihnen imponiert, sondern wer möglicherweise schlechter abschneidet. Dieses Lob hinterlässt immer einen schalen Beigeschmack.

    Das gilt im Übrigen auch für Sie selbst. Manche Bewunderung wird damit eingeleitet, dass sich der Bewunderer selbst klein macht: Warum bist du nur so viel besser darin als ich? Das ist nicht nur unnötig. Es nötigt den anderen auch dazu, sowas zu sagen wie: „Ach komm, das kannst du doch auch!“ Zack, jetzt muss Sie der Bewunderte bewundern, allein aus Höflichkeit. Kann man natürlich machen – ist aber fishing for compliments und damit vergiftetes Lob.

  4. Fragen Sie nach

    Ihre Bewunderung auszudrücken, ist eine schöne Geste. Sie können und dürfen die Gelegenheit aber auch dazu nutzen, etwas zu lernen. Fragen Sie also ruhig nach dem „Geheimnis des Erfolgs“: Wie machst du das? Wie schaffst du das? Was wäre dein Rat für mich? Solche Fragen unterstreichen zum Einen die Aufrichtigkeit Ihrer Bewunderung. Und sie schmeicheln zusätzlich, weil Ihnen Ihr Gegenüber jetzt auch noch etwas mit auf den Weg geben kann.

Bewunderung Loben 9 Regeln Grafik

[Bildnachweis: Nattakorn_Maneerat by Shutterstock.com]
13. April 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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