Selbstgefälligkeit: So schaden Sie sich

Schon der Volksmund weiß: Hochmut kommt vor dem Fall. Nichts anderes ist zu erwarten, wenn jemand in seiner Selbstgefälligkeit andere Menschen wieder und wieder vor den Kopf stößt. Es ist ja in Ordnung, seine eigenen Stärken zu kennen und zahlt sich im Berufsleben absolut aus. Nur muss das nicht ständig vor sich hergetragen werden. Wer da nicht aufpasst, gerät irgendwann an den Falschen und dann rächt sich so ein Verhalten. Warum Selbstgefälligkeit im Job eher hinderlich ist und wie es sich ohne unnötige Tiefstapelei etwas bescheidener auftreten lässt…

Selbstgefälligkeit: So schaden Sie sich

Selbstgefälligkeit: Was ist darunter zu verstehen?

Selbstgefälligkeit synonym Wikipedia Psychologie bedeutet selbstgefällig Fremdwort englisch MenschenSelbstgefälligkeit (englisch: complacency) scheint so selten vorzukommen, dass nicht einmal Wikipedia einen Eintrag dazu hat.

Vielmehr greift die Online-Enzyklopädie auf ein Fremdwort zurück, das aus dem Französischen übernommene Süffisanz. Demnach ist das passende Adjektiv dazu süffisant, bedeutet: selbstgefällig.

Folgende Synonym stehen für Selbstgefälligkeit:

Dem Wortsinn nach finden selbstgefällige Menschen Gefallen an sich selbst. Es zeichnet sie also ein gewisser Narzissmus und Egozentrik aus, da sie sich im Vergleich zu anderen Menschen oft besser bewerten.

Sie empfinden ein Gefühl der Überlegenheit, was sie hin und wieder zu süffisanten Bemerkungen veranlasst: Sie kosten ihre (vermeintliche) Überlegenheit aus, indem sie andere Menschen mit Spott übergießen oder mit Schadenfreude im Falle eines Missgeschicks reagieren.

Daneben gibt es die Form der Selbstgefälligkeit, die mehr nach innen gewandt ist. Diese Leute lassen sich seltener zu plakativen Äußerungen hinreißen, sondern fallen mehr durch Snobismus auf.

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Selbstgefällige Menschen: Survival of the fittest?

Allenthalben lassen sich selbstgefällige Menschen beobachten. Sicherlich sind Sie schon auf der Arbeit, im Verein oder womöglich im weiteren Freundes- und Bekanntenkreis Personen begegnet, die unglaublich von sich überzeugt sind.

Wer selbstgefällig ist, ist blasiert, borniert. Er verkörpert das Gegenteil von Bescheidenheit. Solche Menschen sind auch die ersten, die laut „Hier!“ schreien, wenn der Chef nachfragt, wer denn die tolle Verbesserung im aktuellen Projekt vorgeschlagen hat.

Es scheint, als folgten solche Menschen der Maxime Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, also bloß nicht zögern, wenn es um den Verteilungskampf geht, denn das könnte als Schwäche ausgelegt werden. Also immer schön die Ellenbogen ausfahren und es weiß ja schließlich jeder, dass Selbstbewusstsein attraktiv wirkt.

Und das stimmt ja auch; selbstbewusste Menschen wirken attraktiv auf uns. Sie strahlen eine Souveränität aus und vermitteln anderen in brenzlichen Situationen Sicherheit. Die Sicherheit, immer die richtige Antwort zu wissen.

Das Problem bei Selbstgefälligkeit ist nur: Es ist kein wirkliches Selbstbewusstsein. Es mag von außen auf den Laien oder etwas naivere Menschen so wirken. Schaut man hinter die Fassade, entpuppt sich Selbstgefälligkeit häufig als etwas anderes, das denjenigen im Endeffekt mehr bremst als voranbringt.

Fallstricke bei Selbstgefälligkeit

Was vordergründig als Selbstbewusstsein wirkt, enthält eine Reihe von unangenehmen Eigenschaften, mit denen sich hochmütige Menschen das Leben erschweren:

  • Respektlosigkeit

    Es ist schlicht unhöflich, anderen Menschen immer vorzuhalten, wie toll man selbst doch ist. Vielleicht hat jemand wirklich eine große Expertise in einem Bereich. Das bedeutet aber nicht, dass andere Menschen gar nichts wissen oder nicht ebenfalls Expertise in ihrem Bereich besitzen. Selbstgefälligkeit führt leicht dazu, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen und als gering einzustufen, nur weil diese bescheidener auftreten.

  • Sturheit

    Selbstgefälligkeit bedeutet Unbelehrbarkeit. Nicht selten diskutieren oder streiten solche Leute sogar bis aufs Blut, denn sie können nicht daneben liegen – schließlich wissen sie es besser. Sie tragen derart penetrant ihre (scheinbare) Überlegenheit zur Schau, dass keine Unterhaltung wirklich Spaß macht, geschweige denn fruchtbar ist. Das Ergebnis steht schon fest. Hat jemand in seiner Verbohrtheit erst einmal den Ruf weg, ist es schwer, aus dieser Schublade hinauszukommen.

  • Vermessenheit

    Selbstgefällige Menschen sind derart von sich überzeugt, dass sie sich mitunter ein Verhalten anmaßen, das wirklich zu weit geht und ihre Kompetenzen und Befugnisse weit übersteigt. Das ist dann allerdings häufig der Augenblick, wo Selbstgefälligkeit nicht das Überleben sichert, sondern zur Bruchlandung führt. Ein führungsschwacher Chef mag vieles durchgehen lassen, aber nicht unbedingt alles. Und wer einfach nur gutmütig oder geduldig ist, wird irgendwann die Reißleine ziehen.

  • Blindheit

    Das größte Problem bei Selbstgefälligkeit ist allerdings, dass man sich selbst keinen Gefallen tut. Wer so richtig von sich überzeugt ist, sieht natürlich auch keinerlei Bedarf daran, seine Kompetenzen zu erweitern, sich neues Wissen anzueignen, denn das wäre ja geradezu ein Eingeständnis dessen, nicht alles zu wissen. Aber kein Mensch weiß alles und gerade in einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen ist es wichtig, sich auf dem Laufenden zu halten. Wer das in seiner Überheblichkeit nicht tut, katapultiert sich selbst ins Aus.

Tipps für weniger Selbstgefälligkeit

Das Problem bei Selbstgefälligkeit: Hochmütige beschneiden sich selbst. Sie schneiden sich zunächst von der sozialen Interaktion mit anderen Kollegen ab, denn auf Dauer möchte keiner ständig vermittelt bekommen, wie unfähig er oder sie doch sei. Das kann im Extremfall zur Ausgrenzung und Vereinsamung führen.

Aber selbst wenn sich jemand selbst genug ist: Er ist zusätzlich von der internen Kommunikation weitestgehend abgeschnitten. Nun besteht Flurfunk teilweise auch aus Klatsch und Tratsch, aber eben auch aus wichtigen Informationen über unternehmensrelevante Vorgänge.

Prinzipiell ist Stolz auf das, was jemand erreicht hat, völlig legitim. Wie so häufig ist es eher eine Frage der Art und Weise, wie Sie Ihre Leistungen kommunizieren und des Ausmaßes. Wurde Ihnen bereits Selbstgefälligkeit vorgeworfen? Oder beobachten Sie bei sich Anzeichen dafür und wollen die damit verbundenen nachteiligen Eigenschaften eindämmen?

Dann haben wir hier einige Tipps:

  • Selbstreflexion

    Der erste Schritt ist bereits damit getan, dass Sie zum Nachdenken darüber gekommen sind, ob Sie vielleicht an Ihrem Auftreten etwas ändern sollten. Nicht selten entsteht Selbstgefälligkeit aus einer gewissen Unsicherheit und einem Trotz heraus.

    Sie glauben, dass Sie in einigen Bereichen gut sind, aber gleichzeitig vermissen Sie das Lob und die Anerkennung dafür. Manche Chefs haben kein Auge für die Leistungen ihrer Mitarbeiter. In manchen Unternehmen mangelt es schlicht an einer entsprechenden Unternehmenskultur: Alles wird als selbstverständlich erachtet, schließlich wird dafür gezahlt.

    Wenn das der Grund dafür ist, dass Sie als hochnäsig empfunden werden, dann können Sie zweierlei tun: Machen Sie einen Kassensturz und listen Sie auf, was tatsächlich Ihre nachweislichen Qualifikationen sind, wo Sie sich in jüngster Vergangenheit hervorgetan haben. Zweitens sollten Sie ein Feedbackgespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen.

    Lassen Sie sich seinen Eindruck Ihrer Leistungen schildern. Möglicherweise stellt sich heraus, dass Sie tatsächlich so gute Arbeit leisten, dass neue Arbeitsbereiche und Kompetenzen für Sie infrage kommen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass am Selbstbild gerüttelt wird.

  • Bescheidenheit

    Bescheidenheit und Demut sind Begriffe, die heutzutage nicht besonders häufig verwendet werden und wenn, dann eher im religiösen Kontext.

    Dabei zeugt es vor allem von einem gewissen Respekt, wenn sich jemand selbst etwas zurücknimmt. Anderen Menschen zugesteht, ebenfalls wichtig zu sein, Kompetenzen und Fachwissen zu besitzen. Oftmals ist es eine Frage der Persönlichkeit: Introvertierte Menschen hassen es beispielsweise, im Mittelpunkt zu stehen. Daher reden sie selten über sich, ziehen sich gerne zurück.

    Das bedeutet logischerweise nicht, dass sie keine Ahnung haben. Sie lassen es nur nicht permanent heraushängen. Sie wirken deutlich bescheidener, wenn Sie beispielsweise anderen Menschen häufiger aktiv zuhören, sie um Ihre Meinung bitten.

  • Anerkennung

    Und schließlich sollten Sie das, was Sie sich selbst wünschen auch anderen zugestehen. Machen Sie anderen Menschen häufiger mal Komplimente – nach Möglichkeit nicht nur über die Frisur, sondern im fachlichen Bereich. Ebenso wie Sie anerkennen sollten, wenn andere Leute entscheidend zum Gelingen eines Projekts beigetragen haben, statt selbst die Lorbeeren einzuheimsen. Ideen stehen seltenst aus dem Nichts – gerade wer im Team mit unterschiedlichen Persönlichkeiten arbeitet, befruchtet sich oft gegenseitig.

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[Bildnachweis: F8 studio by Shutterstock.com]
12. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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