Koketterie: Kokettieren ist nicht ungefährlich

Koketterie kommt so harmlos daher. Mancher denkt dabei an einen netten, ja fast harmlosen Flirt. Koketterie findet aber auch im Alltag statt und ist dabei längst nicht nur auf Romanzen festgelegt: Die einen kokettieren mit ihrem Alter oder Aussehen, die anderen mit ihren Leistungen. Oft steckt Gefallsucht dahinter. Und die ist nicht unproblematisch. Zum einen macht es die kokettierende Person abhängig von der Gunst anderer, was von geringer Souveränität zeugt. Zum anderen stecken darin manipulative Tendenzen: Wer kokettiert, will Verhalten provozieren. Woran Sie Koketterie erkennen und wie Sie sich dazu verhalten sollten…

Koketterie: Kokettieren ist nicht ungefährlich

Kokettieren Bedeutung: Was ist Koketterie?

Koketterie synonym Duden Kokette Frau kokettieren Bedeutung kokett sein kokettieren des Verhalten kokettiert BeispielAls Koketterie bezeichnet der Duden kokettierendes Verhalten. Das ist ein bisschen tautologisch und nicht wirklich erhellend. Immerhin: Kokettieren wird beschrieben als:

  • sich jemandem gegenüber kokett benehmen und erotisches Interesse zu erregen suchen.
  • mit etwas nur spielen; sich nicht wirklich auf etwas einlassen.
  • auf etwas im Zusammenhang mit der eigenen Person hinweisen, um sich damit interessant zu machen.

Das Adjektiv kokett leitet sich von dem französischen Wort coquet ab, was so viel wie kleiner Hahn bedeutet. Von französisch coq für Hahn leitet sich später die Verkleinerungsform cocotte = Huhn oder Hühnchen ab.

Kokett zu sein, konnte also völlig wertneutral ein artiges, galantes Mädchen bezeichnen. Tatsächlich aber wurde es später zunehmend geringschätzig für „gefallsüchtiges, leichtfertiges Mädchen“ verwendet.

Im 19. Jahrhundert entstanden dann Begriffe, die allesamt von coq abstammen und mal als Kokotte eine Dirne, Halbweltdame oder Prostituierte bezeichneten oder als Kokette eine gefallsüchtige Frau mit Tendenz zu loser Sittenauffassung.

Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel schrieb 1909 über die Psychologie der Koketterie:

Eine Frau mag alles aufbieten, um zu gefallen, von den subtilsten geistigen Reizen bis zur zudringlichsten Exposition physischer Anziehungspunkte – so kann sie sich mit alledem noch sehr von der Kokette unterscheiden.

Der oben angedeutete Bedeutungswandel und die Einengung auf den zwischenmenschlichen Bereich trägt dazu bei, dass bis heute der Begriff Koketterie stark mit Frauen assoziiert wird. Dabei betrifft das Verhalten ebenso gut Männer.

Deutlicher wird das vielleicht, wenn man sich die Synonyme für Koketterie vor Augen hält:

  • Affigkeit
  • Dandytum
  • Dünkel
  • Egozentrik
  • Einbildung
  • Eitelkeit
  • Geckenhaftigkeit
  • Gefallsucht
  • Hochmut
  • Hoffart
  • Putzsucht
  • Selbstgefälligkeit
  • Selbstherrlichkeit
  • Stutzerhaftigkeit

Kokettieren Beispiel: Auf der Suche nach Komplimenten

Manche Begriffe wie Dandytum oder Putzsucht scheinen noch aus einer anderen Zeit zu stammen. Putzsucht hat hier nichts zu tun mit einem übertriebenen Reinlichkeitsfimmel, sondern ist verwandt mit „sich herausputzen“, heute würde man umgangssprachlich von „aufbrezeln“ sprechen.

Kokettierendes Verhalten hat längst nicht nur mit einem Faible für schöne Kleidung zu tun. Der implizierte Flirtcharakter lässt sich genauso auf der Arbeit erleben. Ein Beispiel…

Sie haben sich Mühe bei Ihrem Entwurf gegeben und sind ganz zufrieden mit dem Ergebnis, immerhin haben Sie sich dafür einige Nächte den Kopf zerbrochen. Nun sehen Sie das Modell des Kollegen. Es ist fantastisch, ihm sind Dinge eingefallen, an die Sie nicht gedacht haben, das müssen Sie neidlos anerkennen.

Trotzdem fassen Sie sich ein Herz und fragen den Kollegen, was der denn von Ihrem Werk hält – und der spendiert mit einem saloppen „gut“ immerhin etwas Anerkennung. Nur eben nicht genug. Und spätestens jetzt setzt die Koketterie ein: Wirklich? Ach, ich habe mir gar keine Mühe damit gegeben. Habe einfach mal was versucht. Meinst du echt, das geht so?

Im Englischen würde man jetzt vom „fishing for compliments“ sprechen. Oder anders formuliert: Sie stapeln bewusst tief, um noch ein bisschen mehr Anerkennung herauszuholen, Motto: Dafür, dass der Entwurf nur so hingeschludert war, ist er verdammt gut geworden. Wie großartig wäre er wohl, wenn Sie sich Mühe gegeben hätten?!

Tja, nur was, wenn genau das längst der Fall war?

Kokettierendes Verhalten: Deshalb kann Koketterie schaden

Koketterie ist in dem obigen Beispiel eine Form der Tiefstapelei. Sie kommt daher unter dem Deckmantel der Bescheidenheit und des Understatements. In Wirklichkeit ist aber die Suche nach Wertschätzung und Komplimenten – also alles andere als souverän. Da ist jemand unglaublich stolz auf seine Arbeit – und möchte das bitte auch genauso bestätigt haben.

Offen kommunizieren kann, ja darf man das aber eben nicht. Peinlich wäre das, aufdringlich und selbstgefällig. Wer allzu offensichtlich nach Lob hungert, wirkt erbärmlich klein und bedürftig.

Kokettierendes Verhalten löst das Problem. Es soll andere dazu zu bringen, dass zu bekommen, was wir wollen: Aufmerksamkeit, Lob, Bestätigung. Klar, dass nicht jeder Kollege diese Manipulation sonderlich schätzt (falls er oder sie diese durchschaut).

Und wird die Koketterie durchschaut, gibt es meist nur zwei Reaktionen:

  • Die Kollegen fühlen sich genötigt oder gar brüskiert und antworten beleidigt bis sarkastisch. Oder gar nicht. Funkstille. Kurz: Der Schuss geht voll nach hinten los.
  • Oder aber man gewährt dem Koketten nonchalant seinen Wunsch, lobt also zum Beispiel die gute Leistung – jedoch nur aus einem einzigen Grund: Reziprozität. Vielleicht will man ja selbst einmal gelobt werden, also könnte sich die kollegiale Geste später auszahlen.

So oder so: Kokettes Verhalten bleibt gefährlich. In neun von zehn Fällen wird es durchschaut und ebenso oft nicht goutiert.

3 Tipps, wie Sie (eigene) Koketterie vermeiden

Vielleicht gehören Sie selbst gar nicht zu den Prahlhänsen, die anderen ständig auf die Nase binden müssen, wie toll Sie sind (obwohl es natürlich völlig in Ordnung ist, auf die eigene Leistung stolz zu sein). Trotzdem möchten Sie sich irgendwie mitteilen. Womöglich erleben Sie gerade einen Schub spontaner Euphorie über einen geglückten Coup und können Ihren Freudentaumel kaum bremsen. Dann tun Sie das ruhig – jedoch mit ein paar Einschränkungen:

  • Entwickeln Sie Sensibilität.

    Es ist wichtig, ein Gespür für den richtigen Augenblick zu entwickeln. Ganz gleich, wie sehr Sie sich auch darüber freuen, wie gut sich die Dinge gefügt haben: Es gibt Zeiten, da sollte man besser schweigen. Vom eigenen Partner zu schwärmen, während der Kollege sich gerade in Scheidung befindet, ist so ein Zeitpunkt.

    Gleiches gilt für die Arbeit: Wenn Sie sehen, wie jemand gerade um Aufträge kämpft, zeugt es von wenig Sensibilität ihm zu erzählen, wie toll bei Ihnen gerade alles läuft.


  • Vermeiden Sie Arroganz.

    Achten Sie darauf, wie Sie Neuigkeiten verkünden. Wenn Sie von einem für Sie positiven Ereignis berichten, dann drücken Sie Ihre Dankbarkeit aus. Vermeiden Sie einen allzu von sich eingenommenen Eindruck. Stattdessen sollte die Dankbarkeit anderen Menschen gegenüber ausgedrückt werden, die Ihnen gratulieren.

    Üben Sie sich lieber in Demut. Wenn Sie ganz ehrlich sind, ist Erfolg selten ausschließlich Ihr eigener Verdienst. Meist gibt es Förderer in Person von Freunden, Kollegen oder Mentoren.


  • Seien Sie ehrlich.

    Nicht immer läuft alles wie am Schnürchen. Kommunizieren Sie das ebenfalls. Immer nur die Hochglanzfassade Ihres Unternehmens oder Ihrer tollen Stelle anderen verkaufen zu wollen, ist zwecklos. Jeder Mensch hat von Zeit zu Zeit mit Rückschlägen zu kämpfen, so läuft das Leben.

    Sie zeigen Ihre menschliche Seite, wenn Sie diese Seiten ebenfalls zeigen. Alles andere wirkt unrealistisch und wird überdies langweilig. Die Kollegen und Freunde um Sie herum werden Sie irgendwann nicht mehr ernst nehmen, wenn Sie sich nicht in die Karten schauen lassen.

Oder als Kurzfassung: Nicht tiefstapeln, sondern durchaus ehrlich freuen, aber mit erkennbarer Dankbarkeit.

[Bildnachweis: HBRH by Shutterstock.com]
5. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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