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Overclaiming: Definition, Psychologie und Beispiele

Manche Menschen überschätzen sich maßlos. Sie haben auf jede Frage eine Antwort, zu jedem Problem eine Lösung. In der Psychologie wird dieses Phänomen Overclaiming genannt. Solche selbsternannten Experten geben Ratschläge, obwohl sie eigentlich keinen blassen Schimmer haben. Das macht die Selbstüberschätzung auch für andere zur Gefahr. Wir erklären, was Overclaiming bedeutet, welche Gründe dahinter stecken und wie Sie damit umgehen…



Overclaiming: Definition, Psychologie und Beispiele

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Definition: Was ist Overclaiming?

Overclaiming ist ein psychologischer Effekt, bei dem Betroffene sich selbst größeres Wissen, mehr Expertise und umfangreichere Fähigkeiten bescheinigen, als es tatsächlich der Fall ist. Es ist eine Mischung aus Selbstüberschätzung, Anmaßung, Narzissmus und glatter Lüge.

Overclaimer sind überzeugt, alles besser zu wissen und zu können. Es ist eine alles überschattende Illusion von Wissen und Kompetenz. Sie würden eine Wissenslücke niemals zugeben oder anderen (und sich selbst) gegenüber eingestehen, etwas nicht gut zu können. Verwandt ist der Overclaiming-Effekt mit dem Experten-Syndrom.

Overclaiming: Wer ist betroffen?

Overclaiming ist zu großen Teilen eine Frage der Persönlichkeit – mehr dazu im nächsten Abschnitt. Auffällig ist aber, dass gerade die Menschen, die am wenigsten Ahnung haben, besonders häufig und stark overclaimen. Je ahnungsloser jemand ist, desto eher neigt er oder sie dazu, Wissen vorzutäuschen und Expertise vorzugaukeln. Das beschreibt anschaulich der Dunning-Kruger-Effekt:

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Psychologie: Wie kommt es zu Overclaiming?

Overclaiming kann verschiedene Ursachen haben. Die Psychologie hat sich bereits in verschiedenen Studien und Untersuchungen mit dem Phänomen der Selbstüberschätzung beschäftigt. Herausgekommen sind einige Auslöser, die besonders häufig zu Overclaiming führen:

  • Narzissmus
    Narzissten sind maßlos von sich selbst überzeugt und neigen zur Selbstidealisierung. Entsprechend gehört das Overclaiming zum Verhalten bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.
  • Unsicherheit
    „Das müsste ich doch eigentlich wissen?!“ Oder: „Bin ich wirklich so dumm?“ Aus Unsicherheit über das eigene Wissen schwenken mache ins andere Extrem und täuschen Expertise vor. So sollen die eigenen Zweifel überspielt werden.
  • Konkurrenzdenken
    Ständig stehen wir im direkten Vergleich mit anderen. Das Overclaiming hilft dem eigenen Ego und verbessert das Selbstbild. In der eigenen Wahrnehmung schneidet man beim Konkurrenzdenken so besser ab.
  • Wunsch nach Anerkennung
    Ein häufiges Motiv für Overclaiming ist der Wunsch nach Anerkennung von außen. Betroffene wollen besonders schlau und kompetent wirken und von anderen dafür bewundert werden. Sie erhöhen sich selbst für mehr Zuspruch.
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Beispiele: Wie zeigt sich Overclaiming?

Bei der Bewerbung die eigenen Fähigkeiten besser machen oder im Job selbstsicher die eigene Idee vortragen, obwohl man keine Ahnung hat (siehe: SABTA)? Das sind nur zwei Beispiele für Overclaiming. In der Praxis gibt es aber zahlreiche Situationen, in denen Overclaiming auftritt.

Teamarbeit

Teams sind ein regelrechter Nährboden für Overclaiming. Forscher an der Universität von Kalifornien kamen zu dem Ergebnis: Je größer ein Team, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Teammitglieder ihren individuellen Beitrag zum Gesamterfolg überschätzen. Dahinter steht der egozentrische Blick auf die Leistung. Man sieht nur, was man selbst getan und welche Ergebnisse man beigetragen hat – der (wichtige und große) Anteil der anderen Teammitglieder wird übersehen und unterschätzt. „Die Teilnehmer waren über das Ausmaß ihres Overclaimings selbst überrascht“, so Juliana Schroeder aus dem Forscherteam.

Wissensfragen

Bei einer Wissensfrage zugeben, keine Ahnung zu haben? Das fällt vielen Menschen ungemein schwer! Stav Atir an der Cornell Universität ließ Probanden 15 Finanzbegriffe erklären – einige der Teilnehmer bezeichneten sich zuvor selbst als Experten auf dem Gebiet. Der Trick: Einige der Begriffe waren frei erfunden. Gerade die selbsternannten Finanzexperten fielen darauf rein und behaupteten, die Begriffe zu kennen und erklären zu können.

Das Overclaiming ist dabei unabhängig vom Fachbereich. Dieselben Ergebnisse zeigen sich bei Fragen zu Geografie (erfundene Städtenamen), Biologie oder Philosophie. Sogar als die Forscher den Hinweis auf gefälschte Begriffe gaben, waren es weiterhin die besonders Selbstbewussten, die sich Erklärungen aus den Fingern sogen und so taten, als wäre es echtes Fachwissen.

Beziehungen

Overclaiming ist keinesfalls auf eine professionelle Ebene begrenzt. Auch zuhause in der Beziehung überschätzen viele Menschen sich selbst und das eigene Verhalten maßlos. Bereits Ende der 1970er Jahre zeigten Wissenschaftler an der Universität von Waterloo: In Beziehungen überschätzen beide Partner ihren Anteil an positiven Aktivitäten, wie etwa Haushaltsarbeit erledigen.

Spannende Erkenntnis der Studie: Die Teilnehmer überschätzten auch ihre Verantwortung für negative Aktivitäten (etwa Streit anfangen). Dies belegt ebenso die Egozentrik, weil das eigene Verhalten stärker wahrgenommen und bewertet wird. Das Zutun anderer wird also auch bei negativen Aspekten eher ignoriert.

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Risiken des Overclaimings

Ein bisschen Selbstüberschätzung ist nicht so schlimm? Falsch! Overclaiming hat durchaus Risiken – für die Betroffenen selbst sowie für Menschen im Umfeld. Wer beispielsweise im Job trotz eigentlicher Unwissenheit den Experten vorspielt, setzt nicht nur Aufgaben oder ganze Projekte in den Sand, sondern schadet seiner Karriere nachhaltig. Ebenso negativ sind die Auswirkungen für die Stimmung im Team. Ist ein Overclaimer der Meinung, allein für den Erfolg verantwortlich zu sein, kommt es zu Konflikten. Schließlich will niemand als Minderleister abgestempelt werden.

Problematisch ist es auch, wenn Overclaimer um Hilfe gebeten werden. Beispiel: Weißt du, wie ich mein Geld bestmöglich auf dem Aktienmarkt investiere? Statt zu sagen „Tut mir leid, da kenne ich mich nicht genug aus…“ werden zweifelhafte Ratschläge gegeben, die viel Geld kosten können.

Kann man Overclaiming verhindern?

Overclaiming ist schwer zu kontrollieren, weil es oft unbewusst und damit fast automatisch abläuft. Betroffene denken nicht über das eigene Verhalten nach, sondern reagieren einfach. Trotzdem gibt es einige Tipps, mit denen Sie Overclaiming verhindern können:

  • Ehrliche Selbstreflexion
    Jeder Mensch hat Stärken, aber eben auch Schwächen und Wissenslücken. Durch ehrliche Selbstreflexion können Sie besser erkennen, wenn Sie etwas nicht so gut können. Dabei ist es keine Schande, wenn Sie sich eingestehen, nicht in jedem Bereich ein Überflieger zu sein.
  • Mehr Anerkennung
    Verhaltensforscher Nicholas Epley rät: „Nehmen Sie sich eine Minute Zeit, um über die Leistungen der Kollegen nachzudenken, bevor Sie Ihren eigenen Anteil am Erfolg schätzen.“ Das kann Overclaiming verhindern, weil Sie sich bewusst machen, wie wichtig auch der Beitrag aller anderen Beteiligten ist.
  • Mehr Selbstbewusstsein
    Machen Sie Ihr Selbstwertgefühl nicht abhängig von der Bestätigung und Bewunderung anderer Menschen. Mit mehr Selbstbewusstsein müssen Sie nicht overclaimen, um sich besser zu fühlen.

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[Bildnachweis: Nicoleta Ionescu by Shutterstock.com]

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