Leichtsinnigkeit: Gefährlich unbedacht!

Würden Sie sich selbst als leichtsinnigen Menschen beschreiben? Oder zählen Sie zur Gattung der Vorsichtigen, die jeden Schritt zweimal überdenken und sich von keinem Risiko überraschen lassen, weil im Vorfeld alles durchdacht wurde? Leichtsinnigkeit entsteht vor allem dann, wenn wir die eigenen Fähigkeiten über- oder die möglichen Konsequenzen unterschätzen. Bei anderen Menschen entgeht uns Leichtsinnigkeit nur selten und wir werden nicht müde, darauf hinzuweisen und anzumerken, wie gefährlich und unbedacht das Verhalten doch ist. Genau da liegt das große Gefahrenpotenzial der Leichtsinnigkeit: Es wird erst bewusst, wie bedrohlich und riskant das eigene Handeln war, wenn es bereits zu spät ist. Während des Leichtsinns fühlen wir uns unverletzlich und sehen keinen Grund zur Sorge. Wir erklären, was Leichtsinnigkeit bedeutet, wo der entscheidende Unterschied zu Mut liegt und wie Sie leichtsinniges Verhalten in den Griff bekommen

Leichtsinnigkeit: Gefährlich unbedacht!

Was macht Leichtsinnigkeit aus?

Leichtsinnigkeit Definition Folgen Risiko Unbedacht VoreiligLeichtsinnigkeit ist das Fehlen von Vorsicht und Sorgen. Synonym werden deshalb häufig auch die Begriffe Sorglosigkeit, Leichtfertigkeit, Unbedarftheit, Unbekümmertheit, Verantwortungslosigkeit oder auch Fahrlässigkeit benutzt. Wer leichtsinnig ist, verschwendet nicht einen einzigen Gedanken daran, welche Auswirkungen seine Entscheidungen oder sein Handeln für sich und auch andere haben könnte. Ein klassisches Beispiel von Leichtsinnigkeit ist beispielsweise, wenn jemand sich selbst in große körperliche Gefahr bringt, ohne die möglichen Folgen seiner Tat überhaupt zu bemerken.

Falsch wäre es jedoch, Leichtsinnigkeit und Mut in einen Topf zu werfen und die beiden miteinander zu verwechseln. Mut bedeutet, sich des Risikos durchaus bewusst zu sein, Angst zu empfinden und diese trotzdem zu überwinden, ohne sich von dem Gefühl beherrschen und einschränken zu lassen. Leichtsinnige hingegen haben in ihrem Verhalten keine Angst.

Sie sehen das Risiko nicht einmal, in das sie sich selbst und andere bringen. Leichtsinnigkeit ist nicht Mut, sondern Dummheit und Ignoranz gegenüber den Folgen des eigenen Handelns. Während Mutige sehr genau wissen, dass Sie sich vielleicht in Gefahr bringen, diese abwägen und die Unsicherheit analysieren, werden bei leichtsinnigem Verhalten einfach die Augen geschlossen. Was soll schon schief gehen…

Diese Blindheit für die eigene Leichtsinnigkeit führt zu einer außergewöhnlich starken Doppelmoral. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden einen guten Freund, Ihren Partner oder ein Familienmitglied dabei beobachten, wie dieser absolut leichtsinnig vorgeht, ein viel zu großes Risiko eingeht und das alles dabei nicht einmal merkt. Würden Sie schweigend zusehen, wie eine Ihnen nahestehende Person leichtsinnig soviel – vielleicht sogar die eigene Gesundheit – aufs Spiel setzt?

Natürlich nicht. Sie würden in jedem Fall etwas sagen, Ihre Meinung äußern und den Betroffenen vielleicht sogar ordentlich zurecht weisen, um ihm einzubläuen und zu verdeutlichen, wie unvorsichtig und dumm er sich verhalten hat.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, vielmehr ist es zu befürworten. Ein solch fürsorgliches und verantwortungsbewusstes Verhalten hält Sie jedoch nicht davon ab, vielleicht noch am selben Tag ebenso leichtsinnig zu handeln und Risiken zu ignorieren, die Ihnen bewusst sein sollten. Wir zeigen mit dem Finger auf andere, wollen aber nicht wahrhaben, dass wir in Sachen Leichtsinnigkeit oftmals nicht viel besser sind.

Wobei sind die Menschen besonders leichtsinnig?

Leichtsinnigkeit leichtsinniges Verhalten keine Angst vor den FolgenDie eigene Leichtsinnigkeit bleibt oft unbemerkt, doch sollten Sie sich davon nicht täuschen lassen. Wir alle sind, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, leichtsinnig und lassen uns dazu verleiten, Entscheidungen zu treffen, bei denen wir es eigentlich besser wissen sollten. Zwar ist es durchaus individuell, in welchem Verhalten jeder einzelne zur Leichtsinnigkeit neigt, doch lässt sie sich in einigen Bereichen besonders häufig beobachten.

Weit vorne auf dieser Liste findet sich das Autofahren. Bei Starkregen mit 170 auf der Autobahn, im Stau von einer Spur auf die andere schlängeln oder gleich ein Stück auf dem Standstreifen fahren, den Gurt nicht anlegen, nach drei Bier noch fahren, am Steuer telefonieren oder kurz eine SMS schreiben. Nirgendwo lässt sich Leichtsinnigkeit mit einer solchen Regelmäßigkeit beobachten wie im Straßenverkehr. Das Vertrauen in die eigene Fahrfähigkeit ist so groß, dass niemand daran denkt, was alles schief gehen könnte.

Ebenso sorglos und leichtsinnig gehen die meisten im Internet vor. Experten warnen immer wieder davor, dass Passwörter für wichtige Zugänge mit viel zu großer Leichtsinnigkeit gewählt werden. Geburtsdaten, Namen oder Klassiker wie 1234 oder password sind keine Einzelfälle. Auch hier glaubt niemand wirklich daran, dass es einen selbst treffen könnte. Sowas hört man schließlich nur in den Nachrichten und bei wichtigen Persönlichkeiten.

Geflissentlich wird ignoriert, dass immer wieder Millionen von Daten durch Hacker erbeutet werden oder einige Verbrecher sich gezielt darauf spezialisieren, Passwörter zu knacken, um sich so Zugang zu diversen Accounts zu verschaffen.

Erkennen Sie sich darin ein Stück weit wieder? Dann nehmen Sie es zum Anlass, mit größerer Vorsicht zu handeln und lieber noch einmal zu überlegen, ob es wirklich so sicher ist, wie Sie glauben.

Leichtsinnigkeit: Kleine Sorgen, große Folgen

Eine Leichtsinnigkeit führt in vielen Fällen direkt zur nächsten. Wenn Sie mit Ihrer Sorglosigkeit durchkommen, fühlen Sie sich in Ihrem Verhalten bestätigt und sehen keinen Grund, etwas daran zu ändern. Stattdessen werden Sie vielleicht sogar noch weniger Zeit mit Grübeln verschwenden und von Mal zu Mal noch gefährlicher handeln.

Ein Trend, den es zu unterbrechen gilt – und der auf die ein oder andere Art in jedem Fall sein Ende findet. Leider immer wieder, indem die bisher ignorierten Konsequenzen eintreten und mit voller Härte treffen. Die Augen zu verschließen bedeutet eben noch lange nicht, dass es nicht trotzdem passieren kann.

Besser ist es, die Leichtsinnigkeit aus eigenem Antrieb heraus abzustellen, bevor es zu spät ist und etwas wirklich schief geht. Die Frage lautet jedoch: Wie sollen Sie mit etwas aufhören, von dem Sie abstreiten, es überhaupt zu tun? Einfach ist das nicht, vor allem wenn sich die Leichtsinnigkeit bereits als schlechte Gewohnheit fest in Ihrem Leben etabliert hat.

Zum Glück ist es aber keinesfalls unmöglich, wenn Sie die nötige Disziplin und auch den ehrlichen Willen, etwas zu ändern mitbringen. Dabei helfen Ihnen vor allem zwei – einfach klingende – Tipps, die jedoch erst einmal in die Praxis umgesetzt werden müssen.

  • Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten.

    Der erste Weg zu weniger Leichtsinnigkeit führt über die Selbstreflexion. Beginnen Sie damit, Ihr Verhalten zu hinterfragen, sich Gedanken über mögliche Konsequenzen zu machen und zu verstehen, was Sie mit Ihren Entscheidungen bewirken. Bildlich gesprochen: Öffnen Sie die Augen, anstatt diese zu verschließen.

    Beginnen Sie im kleinen Rahmen. Fragen Sie sich, was durch Ihr Verhalten oder Ihre Entscheidungen passieren kann. Es hilft auch, wenn Sie sich am Anfang immer wieder das Worst Case Szenario vor Augen führen. So zwingen Sie sich dazu, kurz innezuhalten und nachzudenken, bevor Sie handeln können.


  • Hören Sie auf das, was andere sagen.

    Niemand lässt sich gerne sagen, sein Verhalten sei leichtsinnig oder gefährlich oder würde zeigen, dass er sich offensichtlich keine Gedanken über die Auswirkungen gemacht habe. Ganz normal und verständlich, sich davon persönlich angegriffen zu fühlen. Sie sollten aber in Betracht ziehen, dass die Personen in Ihrem Umfeld vielleicht aus gutem Grund Ihre Leichtsinnigkeit thematisieren und damit vollkommen recht haben – sie dies bisher nur nie wahrhaben wollten.

    Gerade wenn sich die Hinweise häufen, sollten Sie zuhören und die Anmerkungen nicht einfach beiseite wischen. Die meisten Menschen in Ihrem Umfeld meinen es nur gut mit Ihnen und wollen verhindern, dass Sie sich selbst schaden zufügen. Fragen Sie nach, lassen Sie sich erklären, was genau als leichtsinnig empfunden wird und bleiben Sie den Ansichten gegenüber offen.

[Bildnachweis: Prostock-studio by Shutterstock.com]
23. Juni 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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