Bias: Diese 7 kognitiven Verzerrungen sollten Sie kennen

Viele Menschen sind überzeugt davon, absolut rational und unvoreingenommen zu handeln. Das hängt mit ihrem positiven Selbstbild zusammen. Vorurteile sind gesellschaftlich verpönt und natürlich ist man selbst immer die rühmliche Ausnahme. Tatsächlich schlägt aber doch häufig die Verzerrung der eigenen Wahrnehmung zu. Von einem Bias ist dann die Rede. Die eigene Wahrnehmung, aber auch die Erinnerung, das Denken und die dementsprechend gefällten Urteile werden unbewusst von bestimmten Grundannahmen beeinflusst. Welche Bias es gibt und wie Sie vorbeugen können…

Bias: Diese 7 kognitiven Verzerrungen sollten Sie kennen

Definition: Was ist ein Bias und wie entsteht es?

Bias DefinitionDer Anglizismus Bias bedeutet auf Deutsch so viel wie Befangenheit, Neigung, Vorurteil. Dem Duden zufolge wird das Substantiv im Deutschen als Neutrum aufgefasst, also auch wenn es die Befangenheit oder die kognitive Verzerrung heißt, wird immer noch das Bias gesagt.

Der Begriff stammt aus der Meinungsforschung und bezeichnet eine Verzerrung. Solche Verzerrungen können durch einen systematischen Fehler zustandekommen – beispielsweise war eine Stichprobe nicht repräsentativ. Gerade im Umfeld von Befragungen sind verschiedenste Bias möglich.

Ein weiteres Beispiel: Es wird eine Umfrage zu ausländerfeindlichen Ansichten gestartet. Je nachdem, wie die Fragen gestellt werden, ist dem Befragten sofort klar, worauf eine Frage abzielt. Nun sind die meisten Menschen einer Gesellschaft mit gängigen Normen und Werten vertraut – auch wenn sie nicht zwangsläufig alle davon tragen.

Das kann besonders bei persönlichen Befragungen dazu führen, dass Antworten nach sozialer Erwünschtheit (Social Bias) erteilt werden und nicht nach dem, was der oder die Befragte tatsächlich denkt. Manches Bias lässt sich nicht auf bestimmte Ursachen zurückführen, es wird dann als zufälliges Bias bezeichnet.

Wie entstehen solche Verzerrungen?

Diese kognitiven Verzerrungen sind einerseits absolut menschlich. Jeden Tag prasseln unzählige Informationen auf das menschliche Gehirn ein, sämtliche Sinne werden mit Details geradezu überflutet. Ist es kalt, wenn ja, wie kalt? Welcher Wochentag ist heute, welche Termine stehen an, es klingelt das Telefon, es kommen zehn neue Mails herein und so weiter.

Auf Basis dieser Informationen müssen Sie Entscheidungen treffen. Viele davon laufen routiniert und nahezu unbewusst ab: Sie wissen, dass bei Regen einen Regenschirm mitnehmen müssen, Sie wissen aufgrund von Erfahrungswerten, welche E-Mails Sie besser sofort beantworten und welche noch Zeit haben.

Auch im Umgang mit anderen, fremden Menschen spulen wir ein bestimmtes Programm (höfliches Grüßen, sich Vorstellen, freundliche Körpersprache und Mimik) ab. Unser Gehirn hat sich eine gewisse Effizienz angeeignet, auf der Basis bestimmter Erfahrungen werden kognitive Abkürzungen (auch Heuristiken genannt) genommen.

Es entsteht das, was als Denkschublade oder Schubladendenken bezeichnet wird und den (Arbeits-)Alltag ungemein erleichtert. Denn wenn bei jeder Entscheidung dieselbe Energie aufgewendet werden müsste, ganz gleich, ob es um die Wahl der richtigen Jacke oder einen Millionendeal geht, dann kämen Sie nie zu Potte.

Welche Gründe gibt es für Bias?

Bias EntstehungBedeutet im Klartext: Einen Teil Ihrer Entscheidungen treffen Sie routiniert aufgrund von Erfahrungswissen und Intuition, für den anderen Teil wie nicht alltägliche Millionendeals nehmen Sie sich Zeit und reflektieren.

Das Problem ist, dass beim routinierten Teil verschiedene Bias zum Tragen kommen können, ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Denn natürlich ist jeder bemüht, frei von Vorurteilen professionelle Entscheidungen zu treffen. Mit Blick auf den Arbeitskontext ist das nicht nur wünschenswert, sondern gesetzlich vorgeschrieben: Wer das AGG missachtet, hat mit entsprechenden Konsequenzen zu rechnen.

Dennoch kann ein unbewusstes Bias dazu führen, dass wir uns selbst betrügen. Wenn wir auf das Beispiel der Meinungsumfragen zurückkommen, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie ein Bias entstehen kann. Ein bereits angesprochener Grund ist die Furcht vor Sanktionen, weshalb nicht das geantwortet wird, was eine befragte Person tatsächlich denkt, sondern das, was gesellschaftlich akzeptiert ist.

Es handelt sich in diesem Fall um eine bewusste Falschangabe, weil die wahrheitsgemäße Antwort peinlich ist. Ebenso möglich ist, dass tatsächlich das Erinnerungsvermögen nachgelassen hat und Sie etwas Falsches angeben. Oder Sie drücken sich einfach so unkonkret aus, dass ein Missverständnis entsteht.

Ein klassisches Beispiel für eine Verzerrung der „Untersuchungsergebnisse“ ist eine Beobachtungssituation: Ist der Chef gerade anwesend, arbeiten natürlich alle Mitarbeiter hochkonzentriert, ist der Schreibtisch picobello aufgeräumt und geht auch keiner aufs Klo.

Liste mit typischen Bias

Nachfolgend stellen wir Ihnen die bekanntesten Bias vor, wie Sie sie im Alltag immer wieder beobachten können:

  • Interviewer Bias

    Das Interviewer Bias bezeichnet Verfälschungen und Verzerrungen, die in Interviewsituationen passieren. Hervorgerufen werden sie durch die Art und Weise, wie der Interviewer Fragen stellt. So lassen sich bestimmte, erwünschte Antworten beispielsweise durch Suggestivfragen forcieren.

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  • Confirmation Bias

    Das auch als Bestätigungsfehler bekannte Confirmation Bias beruht auf einer anderen menschlichen Schwäche. Viel zu gerne sehen Menschen ihre eigene Überzeugung durch andere bestätigt. Statt also durch detaillierte Recherche, genauerer Analyse bereits vorhandener Informationen möglicherweise die eigene Grundannahme verwerfen zu müssen, wollen wir lesen, dass wir recht haben.

    Das führt dazu, dass bereits unter einem gewissen Filter bestimmte Informationen ausgewählt, passende Argumente für die eigene Wahrnehmung gefunden werden. Nach widersprechenden Belegen wird gar nicht erst gesucht, bestehende Annahmen werden werden so bestärkt.

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  • Hindsight Bias

    Das Hindsight Bias wird auch als Rückschaufehler bezeichnet. Menschen neigen dazu, ihre eigene Fähigkeit überzubewerten, Ereignisse vorherzusagen und Sachverhalte zu durchschauen. Das führt dann zu solchen Aussagen wie „Ich wusste es von Anfang an!“ oder „Das war doch klar, das konnte nichts werden!“, mit denen sich diese Person eine quasi prophetische Gabe zuschreibt.

    Interessanterweise hat sie im Vorfeld dennoch nichts unternommen, um das – meist negative -Ereignis abzuwenden. Das hängt damit zusammen, dass diese Person die eigenen Vorhersagen in ihrer Erinnerung stark verfälscht.

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  • Selection Bias

    Selection Effect oder Selection Bias ist das, was passiert, wenn methodisch unsauber gearbeitet wird. Denn bei der Stichprobenentnahme geht es um unterschiedliche, zufällige Stichproben. Durch einen systematischen Fehler ist die Stichprobe jedoch nicht mehr repräsentativ. Das führt dazu, dass die Merkmale nicht mehr so verteilt sind, wie sie es in Wirklichkeit sind. Die Wahrscheinlichkeit, in der Dortmunder Innenstadt eine neutrale und repräsentative Aussage über Deutschlands beliebtesten Fußballverein zu bekommen, ist eher gering.

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  • Availability Bias

    Das Availability Bias wird im Deutschen auch als Verfügbarkeitsheuristik bezeichnet. Dieses Bias schleicht sich ein, wenn wir bei einem Ereignis beurteilen müssen, wie wichtig oder wahrscheinlich es ist, wie häufig es vermutlich auftreten wird. Weil verlässliche Informationen – beispielsweise in Form von Statistiken fehlen – wird auf eigene Erfahrungen oder Berichte in Massenmedien zurückgegriffen.

    Das führt zu kompletten Fehleinschätzungen – bestes Beispiel: In Ihrer Nachbarschaft wurde ein Haus ausgeraubt. Mit diesem Wissen im Hinterkopf werden viele die Wahrscheinlichkeit, selbst Opfer eines Einbruchs zu werden, deutlich höher einschätzen also ohne.

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  • Ingroup Bias

    Dieses Phänomen kennen viele bereits aus der Schule. Ingroup Bias bedeutet, dass wir dazu neigen, Mitglieder einer Gruppe gegenüber Außenseitern zu bevorzugen. Wen wir als Mitglied einer Gruppe wahrnehmen, der wir selbst angehören, finden wir automatisch sympathischer. Diese kognitive Verzerrung ist mit Blick auf gruppendynamische Prozesse sehr interessant: Wie laufen Gruppenkonflikte ab und was hat zu ihrer Entstehung geführt?

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Authority Bias

    Authority Bias schließlich beschreibt die Tendenz, dass manche Leute Aussagen besonders stark gewichten, sofern sie von einer Autorität stammen. Andere Begriffe dafür sind Autoritätsgläubigkeit oder – vor allem auf politischer Ebene – Obrigkeitsdenken, Obrigkeitshörigkeit. Dieses Bias ist einerseits nur zu verständlich: Eltern und Lehrer sind die ersten Vorbilder und auch im späteren Leben gibt es immer wieder Menschen, die über eine ausgeprägte Expertise aufgrund jahrelanger Erfahrung, Forschung und Weiterbildung verfügen.

    Wichtig ist jedoch, dass Sie sich Ihr kritisches Denken erhalten, denn auch vermeintliche Experten können irren. Nur weil jemand in einer hierarchisch überlegenen Position ist, ist er nicht frei von Fehlern.

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[Bildnachweis: igorstevanovic by Shutterstock.com]
4. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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