Training on the Job: Praxisnahes Lernen

Wenn man es genau nimmt, dann ist Training on the Job die ursprünglichste Form der Wissensvermittlung – lange bevor es Schulen gab. Und auch heutzutage ist es ein wichtiger Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Arbeitskräften. Der große Vorteil: Das Wissen wird praxisnah erworben. Arbeitsabläufe, die anderenfalls zu abstrakt sein könnten, werden nun nachvollziehbar. Wie Training on the Job funktioniert, welche Vor- und Nachteile es gibt und was Sie als Arbeitnehmer beachten sollten…

Training on the Job: Praxisnahes Lernen

Training on the Job Definition: Direkt am Ort des Geschehens

Training on the Job Beispiele Methoden Vor- und Nachteile off the Job near the Job deutsch Abkürzung along the JobTraining on the Job, zu deutsch: Lernen am Arbeitsplatz, funktioniert nach dem Prinzip des Learning by Doing.

Grau ist alle Theorie, aber wird das Wissen direkt am Arbeitsplatz erworben, können praktische Kenntnisse dort direkt trainiert werden. Dieses Wissen lässt sich ganz anders im Gedächtnis abspeichern als theoretische Kenntnisse. Für Training on the Job – im Englischen auch on-the-job training, daher die Abkürzung OTJ oder OJT – findet die Ausbildung eins zu eins statt.

Das heißt, ein erfahrenerer Kollege, Vorgesetzter oder Manager erklärt dem einzuarbeitenden Neuzugang, wie die Arbeit auszuführen ist. Training on the Job ist mit regelmäßiger Kontrolle und Feedback verbunden, so dass Fehler möglichst ausgeschlossen beziehungsweise früh erkannt werden.

Training on the Job Methoden: Verschiedene Arten der Personalentwicklung

In Deutschland ist die Berufsausbildung einheitlich geregelt. Das bedeutet, dass ein Ausbildungsbetrieb in Rheinland-Pfalz dieselben Kriterien zu erfüllen hat wie etwa in Niedersachsen oder Berlin.

Training on the Job kann vieles sein: In anderen Ländern entspricht es der Ausbildung. In Deutschland ist das Prinzip des Training on the Job zu einer willkommenen Ergänzung geworden, die über die klassische Ausbildung hinaus in der Bildung eingesetzt wird.

Die verschiedenen Methoden des Training on the Job:

  • Training on the Job als Ausbildung

    Nicht jedes Land bildet seine Fachkräfte wie Deutschland im dualen Ausbildungssystem aus. Training on the Job heißt hier: Die schulische Wissensvermittlung durch eine Berufsschule fällt weg. Stattdessen wird ausschließlich in einem Unternehmen auf den zukünftigen Beruf vorbereitet. So wird beispielsweise in England verfahren, das ein liberales Ausbildungssystem hat.

  • Training on the Job als Job Rotation

    Die Job Rotation (auch Arbeitsplatzringtausch genannt) beinhaltet den planmäßigen Arbeitsplatzwechsel. Der Arbeitnehmer eignet sich Wissen und Erfahrungen in unterschiedlichsten Abteilungen an, um so einen guten Überblick über das gesamte Unternehmen und die Zusammenhänge zu erhalten. Unter diese Art des Training on the Job fallen auch Hospitationen und Auslandseinsätze. Die Hospitationen sind häufig Teil generalistischer Traineeprogramme. Die Auslandseinsätze hingegen gelten vor allem der Weiterbildung von Leistungsträgern, die bereits hohe Positionen bekleiden oder bei denen eine Beförderung ansteht.

  • Training on the Job als Job Enlargement

    Zu den bisherigen Tätigkeiten kommen für den Arbeitnehmer weitere Aufgaben, die denselben Anforderungen entsprechen. Job Enlargement wird als Maßnahme der horizontalen Umstrukturierung bezeichnet, weil sich die Aufgaben auf derselben Hierarchiestufe befinden. Dieser Ablauf ist typisch, wenn ein Assistent, Stellvertreter oder Nachfolger eingearbeitet werden soll.

  • Training on the Job als Job Enrichment

    Beim Job Enrichment hingegen handelt es sich um eine Maßnahme der vertikalen Umstrukturierung, denn der Arbeitnehmer erhält nun neue Aufgaben, die mehr Verantwortung beinhalten. Dem Training on the Job ist in diesem Fall häufig eine Weiterbildung oder anderweitige Qualifizierung vorausgegangen.

  • Training on the Job als Coaching

    Üblicherweise beinhaltet das Training on the Job die Wissensvermittlung durch einen erfahrenen Kollegen oder Vorgesetzten, der Ansprechpartner für alle Belange ist. Möglich ist ebenso die Ergänzung durch einen externen Coach. Voraussetzung hierfür ist der Wille des Arbeitnehmers und dass das Coaching auf die jeweiligen Kompetenzen und Qualifikationen abgestimmt sind. Zu den Themen können beispielsweise Strategien zur Konfliktlösung, Führungsprobleme oder Leistungssteigerung gehören.

  • Training on the Job in Projektgruppen

    Diese Methode des Training on the Job bietet sich für Mitarbeiter an, die befördert werden sollen. Ebenfalls kann es ein Instrument der Mitarbeiterbindung bei solchen Mitarbeitern sein, die bereits länger eine Position bekleiden, für die sie mittlerweile überqualifiziert sind. Durch weiterführende Aufgaben und Projekte in Projektgruppen erhält der Mitarbeiter die Möglichkeit zur effektiven Kooperation und Austausch mit anderen Funktionsträgern. Die Bearbeitung konkreter Projekte fördern den Erkenntnisgewinn und bereiten auf den späteren Aufgabenbereiche vor.

Training on the Job: Vor- und Nachteile der Praxisnähe

Jede Ausbildungsform hat gewisse Vor- und Nachteile. Das Training on the Job kann völlig unterschiedlich ablaufen und ist abhängig von der Position desjenigen, der es durchläuft:

Berufsanfänger und damit Neuzugang im Unternehmen oder bereits langgedienter Mitarbeiter, dem eine Beförderung ins Haus steht?

Bei einem Berufsanfänger ist die Art des Einstiegs in das Training on the Job entscheidend, denn er entscheidet darüber, wie motiviert und engagiert sich der neue Mitarbeiter auch zukünftig einbringt. Das Onboarding spielt hier eine wichtige Rolle.

  • Vorteile

    • Training on the Job kann in jeder Hierarchiestufe stattfinden und kurzfristig implementiert werden.
    • Das Gelernte ist nah an der Praxis und wird sofort im Alltag umgesetzt.
    • Der Kontakt zu Kollegen und zum Tagesgeschäft bleibt während der Weiterbildung bestehen.
  • Nachteile

    • Häufig ist die Orientierungsphase recht kurz, die Einarbeitung zu schnell.
    • Berufsanfänger können Training on the Job als Praxisschock erleben, da es kein Lernklima, sondern ein Arbeitsklima ist.
    • Das vermittelte Wissen ist auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten, es fehlt der Blick über den Tellerrand sowie theoretisches Wissen.

Training on the Job: Tipps für den Ablauf

Wer in seinem angestammten Unternehmen das Training on the Job als Weiterbildung durchläuft, hat ganz klar den Heimvorteil: Er weiß, welcher Dresscode üblich ist und kennt vermutlich die meisten Kollegen.

Für Neuzugänge gilt, sich im Vorfeld mit den bekanntesten Namen und Personalia vertraut zu machen. Der Dresscode dürfte vom Vorstellungsgespräch bekannt sein.

Beiden Arbeitnehmertypen dürfte eine gewisse Grundnervosität zu eigen sein, denn so richtig genau weiß natürlich keiner, was ihn oder sie erwartet. Zumal gerade im Falle einer Jobrotation das Training on the Job einem regelmäßigem Wandel unterworfen ist und die Aufgaben binnen kürzester Zeit wechseln.

  • Bereiten Sie sich auf die Praxis vor.

    Das ist leichter gesagt als getan, wenn Sie beispielsweise von außen neu ins Unternehmen kommen. Dennoch können Sie sich im Vorfeld Gedanken dazu machen, welche Bereiche Sie besonders interessieren. Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen? Welche Aufgaben würden Sie gerne bekleiden? Recherchieren Sie nach Möglichkeit zu den jeweiligen Abteilungen des Unternehmens.

  • Demonstrieren Sie Einsatzbereitschaft.

    Training on the Job mag gerade für Berufseinsteiger wie der Sprung ins kalte Wasser wirken, aber dafür sind Sie auch direkt im Geschehen drin. Statt sich beim Lesen zu fragen, wie dies oder jenes wohl in der Praxis aussieht, wird es Ihnen direkt vor Ort erklärt. So ist das Verständnis oftmals größer und Sie können nach einer kurzen Einarbeitung zügig die aufgetragenen Aufgaben erledigen. Wenn das reibungslos funktioniert, sollten Sie sich umschauen, welche Aufgaben es noch zu erledigen gibt, wer vielleicht Ihre Unterstützung brauchen könnte. Sie zeigen damit nicht nur Ihr Engagement, sondern Ihre Sozialkompetenzen.

  • Stellen Sie Fragen.

    Wenn Dinge unverständlich sind, sollten Sie nachhaken. Machen Sie sich Notizen bei Arbeitsabläufen, die unklar sind. Recherchieren Sie dann eigenständig im Internet oder Intranet nach Lösungen. Bevor Sie allerdings Risiken eingehen und eigenmächtig Entscheidungen treffen, die sich als Fehler entpuppen, sollten Sie sich an einen Kollegen wenden. Indem Sie neben Ihrer Frage gleich die mögliche Lösung präsentieren, zeigen Sie, dass Sie sich nicht einfach zurücklehnen, sondern sich auch mit Hindernissen konstruktiv auseinandersetzen.

  • Vernetzen Sie sich mit anderen.

    Gerade wenn das Training on the Job zur Teamentwicklung und / oder in Projektgruppen stattfindet, sollten Sie sich mit den Kollegen aus anderen Abteilungen vernetzen. Zeigen Sie offenes Interesse an Ihren neuen Kollegen und nutzen Sie gemeinsame Mittagessen zum Gespräch. Dieser Beziehungsaufbau ist besonders später wichtig, wenn Sie beispielsweise nach einer Beförderung eine neue Position bekleiden und sich über ähnliche Probleme austauschen.

  • Lernen Sie aus Fehlern.

    Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Da Sie nicht erst die Theorie in die Praxis umsetzen müssen, sondern während der Ausführung lernen, werden Fehler passieren. Das ist ganz normal und deshalb sollten Sie diese akzeptieren. Wichtig ist, dass für Sie daraus ersichtlich ist, wie Sie bei der gleichen Aufgabe zukünftig Fehler vermeiden. Für größere, herausfordernde Probleme jeglicher Art ist Ihr Coach oder derjenige, der Sie einarbeitet, der richtige Ansprechpartner.

[Bildnachweis: tsyhun by Shutterstock.com]
23. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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