Leerlauf: Gönnen Sie sich die Verschnaufpause!

Die meiste Zeit geht es im Job stressig zu: Ein Projekt jagt das nächste. Die Deadlines sorgen für zeitlichen Druck. Die Aufgaben stapeln sich. Und irgendein Kunde hat dringende Änderungswünsche, die natürlich sofort bearbeitet werden müssen. Kommt es dann doch einmal zu Leerlauf, wissen die meisten nichts damit anzufangen. Schade. Denn Leerlauf ist ein wichtiger Faktor – nicht nur zur Erholung, sondern genauso, um den Kopf wieder klar zu bekommen. So widersprüchlich es auch klingt: Nichts zu tun zu haben, kann uns produktiver und erfolgreicher machen. Welche Vorteile der Leerlauf hat und wie Sie die Zeit, in der Sie nichts zu tun haben, optimal auskosten…

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Leerlauf: Gönnen Sie sich die Verschnaufpause!

Leerlauf: Es ist gut, nicht immer beschäftigt zu sein

Es gibt dazu eine wunderschöne Metapher:

Unser Geist ist wie Wasser: Je ruhiger das Wasser ist, desto klarer wird es.

So ist es: Entspannung sorgt für mehr Durchblick. Wenn sich die Wogen des Alltags erst einmal glätten, sehen wir mehr und bekommen einen neuen Überblick.

Immer nur funktionieren, funktioniert eben nicht. Wir brauchen den Leerlauf zwischendurch, um zur Ruhe zu kommen, Kraft zu tanken, uns zu sortieren. Und sei es nur, um mal einen Blick auf die ToDo-Liste zu werfen:

  • Was haben wir schon alles geschafft?
  • Haben sich eventuell Prioritäten verschoben?
  • Was ist als nächstes dran?

Das sorgt am Ende für mehr Effizienz und Produktivität.

Das Problem daran: Viele bewerten den Leerlauf völlig falsch. Sie sehen nicht dessen Notwendigkeit und die positiven Seiten, sondern bekommen ein schlechtes Gewissen. Motto: Wenn ich nichts zu tun habe, sieht das faul aus. Also wird der Leerlauf gleich wieder mit neuen Aufgaben erstickt. Oder die Betroffenen tun alles, um möglichst beschäftigt auszusehen

Unfug! Darin liegt ein großer Denkfehler: Immer etwas zu tun zu haben und beschäftigt zu sein, macht nicht produktiver, im Gegenteil.

Es gibt Studien, die zeigen, dass erst ein wenig Leerlauf am Tag die Produktivität steigert. Ganze 22 Prozent produktiver waren zum Beispiel jene Mitarbeiter, die nur eine Viertelstunde nicht hart schufteten, sondern sich die Auszeit nahmen, um über die Arbeit und damit verbundene Abläufe nachzudenken.

Man könnte auch sagen: Klug genutzter Leerlauf bringt Sie eher zum Erfolg als Dauerarbeit.

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Vershcnaufpause: So nutzen Sie den Leerlauf für sich

Zugegeben, es klingt ein wenig widersinnig, wenn wir davon sprechen, den Leerlauf „richtig zu nutzen“. Man könnte meinen, die freie Zeit soll schon wieder gefüllt werden – nur nicht mit Arbeit.

So ist das natürlich nicht gemeint. Leerlauf soll Leerlauf bleiben. Freie Zeit eben, eine Verschnaufpause, in der Sie kurz abschalten, runterkommen, und sich eben nicht gleich wieder in die nächste Aufgabe stürzen. Die nächste stressige Phase kommt sowieso bald wieder.

Es geht uns vielmehr darum, dass Sie sich bewusst machen, wie wertvoll diese (geschenkte) Auszeit ist – und dass Sie diese FÜR SICH nutzen. Für Körper und Geist. Eben weil es oben erwähnte Vorteile hat. Hier also ein paar Empfehlungen für Aus- und Freizeit:

  • Atmen Sie tief durch

    Und erholen Sie sich ohne schlechtes Gewissen. Den Leerlauf haben Sie sich schließlich verdient. Er ist ja keine Pause, die Sie sich nehmen, sondern hat sich so ergeben! Und wir reden hier auch nicht von einer Stunde Nichtstun. Aber die Ruhephase dürfen Sie voll auskosten und als Belohnung für die harte Arbeit davor verstehen.

  • Reflektieren Sie Ihre Arbeit

    Lassen Sie auch Ihren Gedanken freien Lauf. Sei es durch Tagträumen. Oder indem Sie etwas über Ihren Job sinnieren: Was läuft gerade gut? Was würden Sie gerne verbessern? Was hat bei den letzten Projekten gut funktioniert? Wo sind Sie auf Probleme gestoßen? Viel zu selten machen wir uns solche Gedanken und reflektieren über unsere Arbeitsweise oder die beruflichen Situation. Warum nicht damit anfangen, wenn ohnehin gerade Leerlauf herrscht?

  • Denken Sie ungewöhnlich

    Für Kreativität, ungewöhnliche Lösungen und neue Ansätze bleibt im Kleinklein des Alltags oft zu wenig Zeit. Jetzt können Sie mal so richtig spinnen und den Gedanken beim Verklären zuschauen. Schicken Sie Ihren Geist auf eine Reise, spinnen Sie mal so richtig, nach dem Motto: Was wäre wenn…? Beim sogenannten Random Episodic Silent Thinking sind schon so manche Geistesblitze entstanden.

  • Planen Sie kommende Aufgaben

    Vorbereitung ist die halbe Miete für cleveres Arbeiten. Vielleicht nutzen Sie ja eine To-Do-Liste oder andere Hilfsmittel, um die Tagesaufgaben zu sortieren und den Überblick zu behalten. Auch dazu kann der Leerlauf dienen: Bringen Sie wieder Ordnung in Ihre Aufgaben. Haken Sie ab, was erledigt ist. Setzen Sie (neue) Prioritäten. Leerlauf ist die perfekte Gelegenheit, um anstehende Projekte, Aufgaben und Meetings zu gedanklich zu organisieren und vorzubereiten. Wohlgemerkt: Nicht wirklich organisieren! Das wäre wieder Arbeit. Nur gedanklich in Strukturen packen. Das reicht für die Auszeit völlig.

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]
9. November 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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