Job Enrichment: Gesteigerte Motivation durch Aufgabenbereicherung

Mit Job Enrichment schlagen Unternehmen zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen leisten zufriedene Mitarbeiter gute Arbeit. Zum anderen ersparen sie sich die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, die erst mühsam ausgewählt und in die Unternehmenskultur integriert werden müssen. So die Kerngedanken hinter der Arbeitsbereicherung. Anhand von Beispielen zeigen wir, wie Job Enrichment konkret aussieht und erläutern die Vorteile…

Job Enrichment: Gesteigerte Motivation durch Aufgabenbereicherung

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Definition: Was bedeutet Job Enrichment?

Wörtlich übersetzt bedeutet der Anglizismus „Job Enrichment“ auf Deutsch so viel wie „Arbeitsbereicherung“. Dabei handelt es sich um eine Maßnahme im Personalwesen. Sie dient genau genommen der Personalentwicklung, denn die Begriffe „Bereicherung“ und „reich“ lassen bereits Rückschlüsse auf die Wertigkeit zu. Bei Job Enrichment erhält ein Mitarbeiter verantwortungsvollere Aufgaben, die eine Weiterbildung oder bestimmte Qualifikation erfordern.

Entweder sind diese Anforderungen bereits bei der Stellenanzeige Voraussetzung für diese Position. Oder der Mitarbeiter wird entsprechend geschult, um seine künftigen Aufgaben ordnungsgemäß ausführen zu können. Es handelt sich somit um eine vertikale Strategie. Häufig erhält ein Mitarbeiter nun Budgetverantwortung oder er übernimmt eine neue Position als Führungskraft.

Welche Ziele verfolgt die Arbeitsbereicherung?

Im Zusammenhang mit Job Enrichment ist häufig die Rede von der Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg. Zusammen mit Abraham Maslows Bedürfnispyramide bildet sie den Kern zahlreicher Überlegungen zur Mitarbeiterzufriedenheit. Herzberg stellte fest, dass es bestimmter Hygienefaktoren und Motivatoren bedarf, damit ein Mitarbeiter seine Arbeit als sinnvoll und befriedigend empfindet. Jede Arbeitsgestaltung hat letztlich zum Ziel, dass ein Mitarbeiter qualitativ hochwertige Arbeit leistet. Herzberg fand zudem heraus, dass sich Fehler minimieren lassen, wenn genügend Vielfalt gewährleistet ist.

Maslows Verdienst ist die allgemeine Feststellung, dass jeder Mensch bestimmte Bedürfnisse hat, die unterschiedlich wichtig sind. Erst wenn die Grundbedürfnisse, Sicherheit und soziale Bedürfnisse gewährleistet sind, strebt eine Person nach Anerkennung und Selbstverwirklichung. Hier kommt das Job Enrichment ins Spiel: Der Weg an die Spitze in einem Unternehmen oder in einem Beruf führt nicht allein über neue Aufgaben. Entscheidend ist, dass eigenverantwortliches Arbeiten und größere Entscheidungsfreiheit Teil dessen sind.

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Unterschied zu Job Enlargement und Job Rotation

Häufig werden Job Enlargement, Job Enrichment und Job Rotation in einem Atemzug genannt. Auch wenn es sich jeweils um Strategien aus der Personalentwicklung handelt, gibt es Unterschiede. Job Enlargement meint nur, dass ein Mitarbeiter neue Aufgaben übernimmt. Je nach Umfang seiner bisherigen Tätigkeiten kann dies lediglich eine Arbeitsverdichtung bedeuten. Ziel ist, Abwechslung zu bieten und ein Unterforderung zu vermeiden. Diese Strategie zählt im Gegensatz zu Job Enrichment zu den horizontalen Strategien. Das heißt, das Anforderungsniveau der neuen Aufgaben entspricht exakt dem bisherigen. An das Anforderungsprofil des Mitarbeiters werden keine neuen Kenntnisse gestellt.

Darin liegt auch die Gemeinsamkeit mit Job Rotation: Der Mitarbeiter bewegt sich innerhalb dieses Anforderungsniveaus, nimmt allerdings verschiedene Tätigkeiten wahr. Meist wechselt er dafür regelmäßig (oder zeitlich begrenzt) die Abteilung. Gleichzeitig hilft die Einarbeitung in neue Bereiche, einen Überblick über verschiedene Tätigkeitsbereiche zu bekommen. Ändert sich zusätzlich das Anforderungsniveau, dient das meist der Vorbereitung auf zukünftige Führungsaufgaben. Alle drei Maßnahmen lassen sich dem Bereich Training on the Job zuordnen. Sie sind darauf ausgelegt, den Mitarbeiter zu motivieren und seine Leistungsfähigkeit zu fördern.

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Beispiele für Job Enrichment

Anhand der folgenden Beispiele lässt sich das Job Enrichment erkennen:

Produktion
Baut beispielsweise in der Produktion ein Mitarbeiter an verschiedenen Bereichen Teile zusammen, zählt dies in den Bereich Job Enlargement. Job Enrichment wird aus dieser Tätigkeit, wenn er beispielsweise als Schichtleiter andere dabei beaufsichtigt und die Qualität kontrolliert.

Unternehmenskommunikation
Bisher kamen einem Mitarbeiter vor allem sämtliche Aufgaben rund um Social Media und Unternehmenskommunikation zu. Dazu zählte, einen regelmäßigen Newsletter zu erstellen und Neuigkeiten über das Unternehmen via diverser Social-Media-Kanäle zu vermitteln. Durch Job Enrichment wird er nun zum Teamleiter. Mit dieser Führungsaufgabe übernimmt er nun die Auswahl und Koordination von Themen, die andere bearbeiten.

Vertrieb
Vielleicht betreut ein Mitarbeiter als Vertriebsmitarbeiter verschiedene Bezirke und hat im Laufe der Jahre ständig neue Kunden hinzugewonnen. Job Enrichment läge vor, wenn er zukünftig als Key Account Manager sich ausschließlich um ganz bestimmte Großkunden kümmert.

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Vor- und Nachteile dieser Strategie

Die Effekte von Job Enrichment sind zum Teil sehr ähnlich wie bei Job Enlargement: Auch hier geht es darum, Unterforderung beziehungsweise Langweile im Büro zu verhindern. Was nach Entertainment klingt, verfolgt verschiedene Ziele: Im Rahmen von Job Enrichment übt ein Mitarbeiter verschiedene Tätigkeiten aus. Das sorgt für Abwechslung und beugt Monotonie beziehungsweise einem Boreout vor. Letzteres ist ein Phänomen ähnlich dem Burnout – nur fühlt sich hier ein Mitarbeiter massiv unterfordert. Die gesundheitlichen Konsequenzen sind allerdings vergleichbar.

Zudem erfährt der oder die Angestellte durch Job Enrichment die nötige Wertschätzung und Bestätigung, um sich in seinem Job wohlzufühlen. Idealerweise gelangt er in den Flow-Zustand, das heißt, die Anforderungen bewegen sich immer in einem Rahmen, dass er sie erfüllen kann: nicht zu niedrig, aber ebenso nicht zu hoch. Das stärkt die Mitarbeiterbindung ans Unternehmen. So verhindert ein Arbeitgeber unnötige Fluktuation und möglichen Fachkräftemangel. Außerdem fördert er mit Job Enrichment seinen Führungskräftenachwuchs und bereitet ihn auf eine Beförderung vor.

Zu den Nachteilen zählt, dass Job Enrichment unter Umständen eine Weiterqualifizierung des Mitarbeiters benötigt. Das könnte für das Unternehmen einen unerwarteten Zeitfaktor und Kosten bedeuten. Kann dieser trotz Schulung die neuen Aufgaben nicht erfüllen, ist womöglich Überforderung der Grund. Das kann sich unter Umständen demotivierend auswirken und das Selbstvertrauen schädigen. Das ursprüngliche Ziel würde damit verfehlt.

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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]
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28. April 2021 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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