Hamsterrad: 7 Wege raus aus dem Jobtrott

Das Hamsterrad ist ebenso berühmt wie berüchtigt. Es ist der endlose Alltag, der immer gleiche Trott, die ermüdende Eintönigkeit über Wochen, Monate, Jahre. Das Hamsterrad hat viele Arbeitnehmer fest in seinem entmutigendem Griff und sorgt dabei für Frust und fehlende Perspektiven. Irgendwie hat man sich das Arbeitsleben ganz anders vorgestellt, doch anstatt seiner Leidenschaft nachzugehen oder Geld mit dem zu verdienen, was einem wirklich Spaß macht, steht Geld verdienen und Lebensunterhalt bestreiten auf dem Tagesplan. Von nichts kommt nichts, das stimmt zwar, doch glücklich macht das Hamsterrad nur wenige. Woran Sie das Hamsterrad erkennen und was Sie tun können, um diesem endlich zu entkommen…

Hamsterrad: 7 Wege raus aus dem Jobtrott

Erkennen, dass Sie im Hamsterrad feststecken

Jeder kennt das Hamsterrad, hat schon einmal davon gehört, weiß von Freunden, Bekannten und Kollegen, die darin feststecken. Doch kaum einer beschäftigt sich mit dem Gedanken, vielleicht selbst bereits mitten drin zu stecken.

Gerade zu Beginn der Karriere liegt der Fokus woanders. Große Ziele, die Motivation, wirklich etwas zu erreichen, sein Talent einzusetzen und einer Arbeit nachzugehen, die mehr ist als das.

Die meisten Menschen wollen eben mehr als nur Zeit absitzen und Geld verdienen. Die eigene Tätigkeit soll einen Sinn haben, darüberhinaus Spaß machen. Wir wollen keinen Job, wir wollen Leidenschaften zum Beruf machen, die Arbeit als Teil des eigenen Lebens verstehen, der glücklich und zufrieden macht. Eine wunderbare Vorstellung, die in aller Regelmäßigkeit vom Hamsterrad zunichte gemacht wird.

Das Hamsterrad beschreibt den Zustand, in dem Sie sich anstrengen, hart arbeiten, strampeln und kämpfen – und am Ende doch auf der Stelle treten. Sie hängen in Routinen fest, nichts ändert sich und selbst wenn Sie alles geben, dreht sich das Rad nur schneller, ohne irgendeinen weiteren Nutzen.

Jobfrust und Unzufriedenheit sind die Folgen. Das Problem dabei: Von innen sieht auch ein Hamsterrad aus wie eine Karriereleiter. Es dauert eine Weile, bis bewusst wird, dass es nicht bergauf geht. Besser ist es, früh genug zu erkennen, dass Sie im Hamsterrad feststecken.

Diese 12 Indizien können Anzeichen dafür sein:

  • Jeder Tag läuft absolut gleich ab.
  • Sie haben große Träume, denen Sie kein Stück näher kommen.
  • Sie regen sich über Ihre Situation auf und machen dann genauso weiter.
  • Sie machen nur das, was andere von Ihnen erwarten.
  • Schon am Montag hoffen Sie, dass bald wieder Wochenende ist.
  • Ihren Job machen Sie nur für das Gehalt am Ende des Monats.
  • Veränderungen machen Ihnen Angst.
  • Sie geben allen anderen und den Umständen die Schuld.
  • Sobald Sie über die Arbeit reden oder nur daran denken, sinkt Ihre Stimmung in den Keller.
  • Sie sehen absolut keinen Sinn in Ihrem Job.
  • Ihren Leidenschaften können Sie nur nach Feierabend nachgehen.
  • Sie glauben nicht, dass sich etwas ändern wird, weil Sie auf die Sicherheit des Jobs angewiesen sind.

Hamsterrad: Leben oder gelebt werden?

Häufig verwenden wir den Begriff Job, wenn es um die Arbeit geht. Vielleicht sollten wir wieder häufiger von Berufung sprechen, denn im Idealfall hängen beide Begriffe eng miteinander zusammen.

Wie kommt es eigentlich dazu, dass wir in ein Hamsterrad gelangen? In manchen Fällen dürfte es eine ungenügende Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen und Werten gewesen sein. Manchmal ergibt sich die Berufswahl her zufällig:

Die Abschlussnoten passen für viele Berufe und dann wird häufig nach möglichst hohem Einkommen und Reputation entschieden. Und plötzlich findet man sich in einem Job wieder, der nichts weiter zu bieten hat.

Wer dann noch zeitgleich mit der Familiengründung beginnt, hat zusätzlich einen Haufen Sachzwänge und Verpflichtungen, die das Erkennen eines Hamsterrades und einen Ausstieg erschweren.

Dem Ausstieg aus dem Hamsterrad geht also nicht nur das Erkennen voraus, dass Sie feststecken, sondern das Definieren von Zielen, Werten und Wünschen.

Dafür müssen Sie sich den entscheidenden W-Fragen stellen:

  • Wer bin ich?
  • Wo will ich hin?
  • Wer ist mir wichtig?
  • Was will ich erreichen?
  • Was macht mich glücklich?

Der Schritt aus dem Hamsterrad ist nicht zuletzt eine Frage der Persönlichkeit. Hier ist eine Selbständigkeit und Risikobereitschaft gefragt, die nicht jedem liegt. Ganz banal: Es ist einfacher, sich jeden Tag dieselben Aufgaben zur Brust zu nehmen und Anweisungen zu befolgen, als den Weg ins Ungewisse zu planen.

Und damit ist nicht zwangsläufig eine Selbständigkeit im beruflichen Sinne gemeint – auch wenn das ebenfalls eine Option sein kann. Vielmehr müssen Sie sich unbequemen Gedanken stellen und selbständig nach Lösungen gucken, für die Sie nicht bezahlt werden.

Der Lohn für diese Mühe kommt deutlich später und dann in Gestalt eines selbstbestimmten (Berufs-)Lebens.

Raus aus dem Hamsterrad: So geht’s

Hamsterrad Verlassen Sprueche Mensch Arbeit Job Raus Aus Dem SystemDas Hamsterrad wird oft als Metapher genutzt und manchmal auch einfach nur so dahergesagt, um die berufliche Situation zu beschreiben.

Ein Fehler ist es jedoch, die Auswirkungen zu unterschätzen oder die eigene Situation schön zu reden. Wer im Hamsterrad feststeckt, hat nur zwei Optionen:

Die eigene Lage akzeptieren und sich damit abfinden oder sich ein Herz fassen und dem Hamsterrad entkommen. Keine einfache Aufgabe, doch auch längst nicht so aussichtslos, wie viele glauben. Gerade im Hinblick aufs Geld sollten Sie sich im Vorfeld überlegen, zu welchen Einschränkungen Sie bereit sind.

Im Hamsterrad opfern Sie Ihr persönliches Glück für gefühlte Sicherheit. Sie haben zwar ein Einkommen, sind dafür jeden Tag unmotiviert und schlecht gelaunt. Es lohnt sich, etwas weniger Geld zur Verfügung zu haben, dafür aber langfristig zufrieden mit dem eigenen Leben zu sein.

Diese Tipps helfen Ihnen dabei, das Hamsterrad zu verlassen.

  • Machen Sie sich klar, was Sie wollen.

    Eine Veränderung, nur um etwas zu verändern, kann auch nach hinten losgehen. Im Anschluss finden Sie sich plötzlich wieder in einer ähnlichen Situation und das Hamsterrad beginnt von vorn. Dem können Sie entgehen, indem Sie sich bereits im Vorfeld genau darüber klar werden, was Sie wollen und von Ihrem Job erwarten.

    Dabei empfiehlt sich eine konkrete Bestandsaufnahme. Was stört Sie im aktuellen Beruf? Was gefällt Ihnen auf der anderen Seite gut und soll im besten Fall übertragen werden? Was soll Ihre Tätigkeit auf jeden Fall mitbringen? Erst wenn Sie Ihre Prioritäten kennen, haben Sie ein Ziel vor Augen, das Sie erreichen wollen.

    Diese Selbstreflexion kann schwierig sein. Sie müssen sich eingestehen, dass Ihr Job Sie nicht glücklich macht und Sie vielleicht Jahre gewartet haben, um dies zu erkennen und etwas daran zu ändern – aber erst dann können Sie das Hamsterrad wirklich hinter sich lassen.

  • Klären Sie Ihre finanzielle Situation.

    Der wahrscheinlich häufigste Grund, warum Arbeitnehmer im Hamsterrad feststecken, sind die Finanzen. Ich kann mir einfach nicht leisten, etwas zu verändern… oder auch Ich bin auf das Geld angewiesen, um meine Rechnungen zu bezahlen…

    Wir alle brauchen Geld, Miete muss bezahlt werden, weitere Fixkosten wollen gedeckt sein und am Ende des Monats soll wenn möglich noch ein bisschen was übrig bleiben, um etwas zurücklegen zu können. Um es aus dem Hamsterrad zu schaffen, sollten Sie deshalb Ihre finanzielle Situation noch einmal genau analysieren. Dabei geht es nicht nur darum, wie viel Sie für was ausgeben, sondern vor allem um die Frage: Ist es das wert?

    Wenn Sie das mit ja beantworten können, dann gilt es genau zu gucken, wo Sie sparen können. Trennen Sie sich von überflüssigen Abonnements – egal, ob es das Super-duper-Fernsehpaket, völlig überteuerte Mobilfunkverträge oder sonstige Geldfresser sind: Schauen Sie genau hin, ob Ihre Lebensqualität wirklich davon abhängt und dann kündigen Sie alles Überflüssige.

  • Gehen Sie den Weg nicht allein.

    Der Weg aus dem Hamsterrad erfordert großen Mut. Sie müssen sich überwinden, eventuell mit Ablehnung umgehen und den ein oder anderen Dämpfer verdauen. Das kann alleine funktionieren, größere Chancen haben Sie jedoch, wenn Sie von Anfang an Freunde und Familie an Ihrer Seite haben.

    Gerade die Unterstützung durch nahestehende Bezugspersonen gibt das gute Gefühl, nicht allein mit der schwierigen Situation zu sein. Sie wissen, dass Ihnen jemand den Rücken stärkt und Sie in Ihrer Entscheidung bekräftigt. Das hilft auch über Selbstzweifel hinweg.

    Wenn Sie nur mit Kritikern und Schwarzseher sprechen, sabotieren Sie Ihr Vorhaben und verfallen schnell in alte Verhaltensmuster. Lassen Sie sich Mut zusprechen und umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihre Entscheidung nicht nur verstehen, sondern Sie aktiv dabei unterstützen.

  • Gehen Sie den Ausstieg langsam an.

    Wenn Sie aus einem Hamsterrad heraus springen, dass sich in voller Geschwindigkeit dreht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass bei dem Versuch etwas schief geht. Bevor Sie ganz aus dem Hamsterrad aussteigen, sollten Sie dieses deshalb zunächst Stück für Stück verlangsamen.

    Für Ihren Job heißt das: Sie müssen nicht gleich von einem auf den anderen Tag alles hinschmeißen, dem Chef die Kündigung auf den Schreibtisch legen und komplett von vorne beginnen. Damit setzen Sie sich selbst unter Druck und es entsteht ein Zugzwang, der gar nicht nötig ist. Niemand zwingt Sie, irgendetwas übers Knie zu brechen. Geben Sie sich selbst genügend Zeit, um das weitere Vorgehen zu durchdenken.

    Sie können zum Beispiel Ihre Arbeit auf eine Halbtagsstelle reduzieren, während Sie die andere Zeit nutzen, um sich weiterzubilden oder Zukunftspläne aufzustellen. Das hat den zusätzlichen Charme, weiterhin Gehalt zu beziehen, während Sie sich auf den Ausstieg aus dem Hamsterrad vorbereiten. Irgendwann müssen Sie sich dann aber überwinden – vertrösten Sie sich nicht immer weiter auf einen späteren Zeitpunkt.

  • Entwickeln Sie eine Absicherung.

    Es gibt keine Garantie, dass Sie aus dem Hamsterrad aussteigen und alles so wird, wie Sie es sich immer erträumt haben. Das Hobby zum Beruf machen, mit seiner Leidenschaft Geld verdienen, endlich etwas Sinnvolles tun und nebenbei noch genügend Freizeit haben, die mit der Familie verbracht werden kann. Mit Mut, Initiative und einem Plan kann das klappen, doch Sie sollten einen Plan B haben.

    Mit einer Alternative in der Hinterhand fällt es leichter, die eigene Unsicherheit zu überwinden. Sie haben auf jeden Fall einen Plan, selbst wenn die erste Idee nicht den gewünschten Erfolg bringt oder einfach noch mehr Zeit benötigt.

    Achten Sie aber darauf, dass Ihre Absicherung Sie nicht wieder in ein neues Hamsterrad führt. Ein Ich mache das nur, bis es mit der anderen Stelle klappt kann Sie wieder an den Anfang Ihrer Entwicklung bringen. Wählen Sie einen Plan B, der Sie ebenso aus dem Hamsterrad befreit.

  • Investieren Sie Geld in Ihren Wunsch.

    Im Laufe der Zeit ändern sich Berufsbilder und ebenso entstehen neue Jobs. Vielleicht brauchen Sie für Ihren Ausstieg aus dem Hamsterrad neue Qualifikationen. Weiterbildungen sind hier eine Möglichkeit, für die Sie monatlich etwas Geld beiseite legen sollten.

    Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie sogar staatliche Fördermöglichkeiten in Form eines Bildungskredits, Meister-Bafögs oder Bildungsgutscheins bekommen.

    Vielleicht kommen Sie auch zu dem Schluss, dass Ihr Fachwissen ausreicht und Sie sich selbständig machen wollen. Auch hier ist ein Startkapital nicht verkehrt; staatliche Unterstützung können Sie sich zusätzlich mit dem Existenzgründerzuschuss sichern.

  • Stellen Sie sich den Worst-Case vor.

    Die Angst vor der Veränderung kann lähmend sein. Im Hamsterrad sind Sie zwar nicht wirklich glücklich, doch Sie wissen wenigstens ganz genau, was Sie haben. Ein regelmäßiges Einkommen, bekannte Kollegen und Kunden, Aufgaben, die zwar alles andere als prickelnd sind, die Sie aber bereits hundertmal erledigt haben.

    Wer aus dem Hamsterrad hinaus will, muss sich dieser Angst nicht nur stellen, sondern diese auch überwinden. Helfen kann dabei, sich das wirklich schlimmste Szenario vorzustellen. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick widersprüchlich, Sie wollen sich schließlich nicht noch größere Angst einreden. Tatsächlich hilft es, nicht zu übertreiben.

    Ganz egal, wie Sie aus dem Hamsterrad entkommen und wie Ihre neue Aufgabe aussieht: Selbst wenn es schiefgehen sollte, ist dies längst nicht so schlimm, wie Sie sich anfangs einreden. Aus Fehlern können Sie lernen und der Rückschlag kostet Zeit und vielleicht auch Geld – aber die Welt geht davon nicht unter.

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Hamsterrad: Arbeit ist nur das halbe Leben

Charles Bukowski hat es in seiner typisch direkten Art einmal so ausgedrückt:

Wie zum Teufel soll ein Mensch es genießen, um 6.30 Uhr von einem Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden, aus dem Bett zu springen, sich anzuziehen, Essen reinzuwürgen, zu kacken, zu pissen, sich die Zähne zu putzen, sich die Haare zu richten und sich durch ein Verkehrschaos hindurch zu einem Ort zu kämpfen, wo er eine Menge Kohle für einen anderen macht und dann noch von ihm erwartet wird, dass er dafür dankbar ist?

Wenn so Ihr Berufsalltag aussieht und Sie keinen Spaß daran haben, dann haben Sie allen Grund und jedes Recht dazu, aus dem Hamsterrad steigen zu wollen. Wir verbringen viel zu viel Lebenszeit mit dem Job, um keinen Spaß zu haben.

Vermutlich werden Sie im Laufe Ihres Lebens immer wieder mit Hamsterrad-Sprüchen konfrontiert, sprich Kollegen, die Ihnen Ihre derzeitige Arbeit schönreden wollen. Auch das kommt vor: Andere merken Ihre Unsicherheit, Ihr Zögern. Oder sie sind sogar neidisch darauf, dass Sie etwas ändern wollen.

Es gibt immer Menschen, die Sie in Ihren Zweifeln bestärken werden, weil sie nicht wollen, dass Sie vorankommen. Denn wenn sie sähen, dass man mit dem entsprechenden Willen etwas ändern kann, dann müssten sie sich ihre eigene Feigheit oder Faulheit eingestehen.

Davon sollten Sie sich nicht beeinflussen lassen. Im Gegenteil: Toxische Menschen sollten Sie meiden.

Suchen sollten Sie stattdessen Menschen, die Sie inspirieren. Das können Mentoren in Ihrem jetzigen Unternehmen sein, das können ebenso gut andere Personen sein, die Sie durchs Netzwerken kennenlernen.

[Bildnachweis: TETIANA SUKHORUKOVA by Shutterstock.com]
13. Juni 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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