Bedeutung: Was heißt Aussteigen?
Aussteigen bedeutet, das bisherige Arbeits- oder Lebensmodell grundlegend zu verändern. Im Job wollen Aussteiger häufig dem Hamsterrad entkommen, Stress reduzieren und neue Prioritäten setzen.
Der Ausstieg muss kein Leben fernab der Gesellschaft bedeuten. Manche kündigen ihren Job und wandern aus. Andere machen sich selbstständig, reduzieren ihre Arbeitszeit, leben günstiger oder finanzieren sich mehrere Jahre aus Ersparnissen. Der gemeinsame Nenner ist ein bewusster Richtungswechsel: Sie geben einen wesentlichen Teil Ihres bisherigen Lebensmodells auf und ersetzen ihn durch ein anderes.
Aussteigen oder Auszeit nehmen?
Eine Auszeit hat normalerweise ein geplantes Ende. Nach einigen Wochen oder Monaten kehren Sie in Ihren Beruf oder zum bisherigen Arbeitgeber zurück. Beim Aussteigen ist die Veränderung dauerhaft oder zumindest auf unbestimmte Zeit angelegt. Wer vor allem Abstand braucht, sollte deshalb zunächst eine Auszeit nehmen. Ein längeres Sabbatical ermöglicht mehrere Monate Freiheit, ohne den bisherigen Job zwingend aufzugeben.
Aussteigen passt eher, wenn Sie bereits wissen, dass Sie Ihr bisheriges Arbeits- oder Lebensmodell grundsätzlich verändern wollen.
Welche Möglichkeiten zum Aussteigen gibt es?
Zwischen Vollzeitjob und radikalem Neustart liegen viele Möglichkeiten. Entscheidend ist, wie viel Sie verändern wollen.
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Weniger arbeiten
Reduzieren Sie zunächst die Arbeitszeit. Mehr freie Zeit bei weiterlaufendem Einkommen ist die risikoärmste Form des Ausstiegs.
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Job kündigen
Mit einer Kündigung gewinnen Sie zeitliche Freiheit, verlieren aber Ihr regelmäßiges Gehalt und müssen Ihre weitere Absicherung selbst planen.
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Beruflich neu anfangen
Ein Ausstieg aus dem bisherigen Beruf kann in einen anderen Beruf oder eine neue Branche führen. Damit verändern Sie Ihre Arbeit, ohne das Erwerbsleben aufzugeben.
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Ortsunabhängig arbeiten
Selbstständige, Freelancer und Beschäftigte mit entsprechendem Arbeitsmodell können ihren Lebensmittelpunkt verlagern und Einkommen mit mehr räumlicher Freiheit verbinden.
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Auswandern
Ein Umzug ins Ausland verändert neben dem Beruf auch Wohnort, soziales Umfeld, Kosten und rechtliche Rahmenbedingungen.
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Einfacher leben
Wer seinen monatlichen Bedarf dauerhaft senkt, benötigt weniger Erwerbseinkommen. Ein kleineres Zuhause, weniger Konsum oder ein günstigerer Wohnort können Teil dieses Modells sein.
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Früher aus dem Berufsleben aussteigen
Ab 50 oder 60 steht häufig die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Jahre bis zu einer möglichen Altersrente finanzieren lassen.
Bin ich bereit zum Aussteigen? Der 5-Punkte-Check
Ein Ausstieg wird planbar, sobald die wichtigsten Grundlagen geklärt sind. Prüfen Sie diese fünf Punkte:
- Finanzen
Sie kennen Ihren monatlichen Mindestbedarf und haben berechnet, wie lange Ihr Kapital reicht. - Einkommen
Sie haben ausreichende Rücklagen oder eine realistische Einnahmequelle für die Zeit nach dem Ausstieg. - Krankenversicherung
Sie wissen, wie Sie nach dem Ende Ihres bisherigen Beschäftigungsverhältnisses versichert sind. - Wohnen
Sie wissen, wo Sie leben möchten und welche regelmäßigen Kosten dort entstehen. - Plan B
Sie wissen, was Sie tun, wenn Ihr neues Lebensmodell nach sechs oder zwölf Monaten nicht funktioniert.
Je mehr Punkte offen sind, desto mehr Vorbereitung braucht Ihr Ausstieg. Testen Sie größere Veränderungen nach Möglichkeit zunächst im Kleinen – zum Beispiel mit reduzierter Arbeitszeit oder einer längeren Auszeit.
Was brauche ich, um auszusteigen?
Der wichtigste Ausgangspunkt ist ein konkretes Ziel. „Ich will nicht mehr so weitermachen“ beschreibt das Problem, aber noch kein neues Lebensmodell. Beantworten Sie deshalb vor einer Kündigung vier Fragen: Wo wollen Sie leben? Wie wollen Sie Ihre Zeit verbringen? Wie hoch sind Ihre monatlichen Kosten? Woher kommt künftig Ihr Geld? Beziehen Sie außerdem Partner und Familie frühzeitig ein. Ein Umzug, geringeres Einkommen oder mehrere Monate ohne festen Job betreffen häufig den gesamten Haushalt.
Wie viel Geld brauche ich zum Aussteigen?
Wie viel Geld Sie benötigen, hängt von Ihren monatlichen Ausgaben, der Dauer ohne sicheres Einkommen und Ihrem neuen Lebensmodell ab. Statt einer pauschalen Summe brauchen Sie eine persönliche Rechnung.
Einfache Ausstiegs-Formel:
Monatlicher Bedarf
× Monate ohne sicheres Einkommen
+ einmalige Kosten
+ Reserve
= benötigtes Kapital
Beispiel:
Sie benötigen monatlich 2.000 Euro und wollen 3 Jahre ohne festes Erwerbseinkommen überbrücken. Hinzu kommen 8.000 Euro für Umzug und Startkosten sowie 15.000 Euro Reserve.
Position |
Betrag |
| 36 × 2.000 Euro Lebenshaltung | 72.000 Euro |
| Umzug und Startkosten | 8.000 Euro |
| Reserve | 15.000 Euro |
| Benötigtes Kapital | 95.000 Euro |
Für einen zeitlich begrenzten Ausstieg liefert diese Rechnung eine erste Orientierung. Bei einem dauerhaften Ausstieg müssen Sie zusätzlich langfristige Faktoren wie Inflation, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Steuern und mögliche Kapitalerträge berücksichtigen. Berechnen Sie deshalb nicht nur, wie lange Ihr Geld theoretisch reicht. Planen Sie einen finanziellen Puffer für unerwartete Ausgaben und eine möglicherweise längere Rückkehr ins Erwerbsleben ein.
Aussteigen mit 50, 55 oder 60: Wie viel Geld brauche ich?
Je näher Sie der Altersrente kommen, desto stärker hängt der benötigte Kapitalbetrag von Ihrem möglichen Renteneintritt und Ihrer späteren Rentenhöhe ab. Eine seriöse Pauschalsumme für „Aussteigen mit 55“ gibt es deshalb nicht.
Alter |
Entscheidende Finanzfrage |
| Mit 50 | Wie finanzieren Sie möglicherweise mehr als 15 Jahre bis zu einer Altersrente? |
| Mit 55 | Wie lange reichen Vermögen und andere Einnahmen bis zum möglichen Rentenbeginn? |
| Mit 60 | Welche Altersrente können Sie wann beziehen und welche Abschläge entstehen? |
| Vor der Rente | Ist ein vollständiger Ausstieg nötig oder lässt sich die Zeit mit Teilzeit überbrücken? |
Für Versicherte ab Jahrgang 1964 liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. Wer mindestens 35 Versicherungsjahre erreicht, kann die Altersrente für langjährig Versicherte grundsätzlich schon ab 63 beziehen. Dafür fallen dauerhaft 0,3 Prozent Abschlag für jeden Monat vor der persönlichen regulären Altersgrenze an. Die Deutsche Rentenversicherung erklärt Altersgrenzen und Abschläge im Detail.
Mit mindestens 45 Versicherungsjahren kommt die Altersrente für besonders langjährig Versicherte infrage. Für ab 1964 Geborene liegt die Altersgrenze hierfür bei 65 Jahren. Diese Rentenart lässt sich nicht noch früher mit Abschlägen beziehen.
Rentenabschläge ab 50 ausgleichen
Wer einen vorgezogenen Rentenbeginn plant, kann ab 50 unter bestimmten Voraussetzungen Sonderzahlungen leisten, um spätere Rentenabschläge ganz oder teilweise auszugleichen. Die Deutsche Rentenversicherung berechnet auf Antrag, welche Summe dafür erforderlich wäre. Das ist gerade für einen geplanten Ausstieg mit 50, 55 oder 60 eine wichtige Rechengröße. Die Sonderzahlung verpflichtet Sie nicht dazu, später tatsächlich früher in Rente zu gehen.
Kann ich ohne viel Geld aussteigen?
Wenig Startkapital funktioniert vor allem dann, wenn Sie Ihre laufenden Kosten stark reduzieren oder weiterhin Einkommen erzielen. Vollständig von Ersparnissen zu leben, erfordert dagegen schnell erhebliche Rücklagen. Drei Stellschrauben bestimmen deshalb Ihren finanziellen Spielraum: Lebenshaltungskosten senken, weiter Einkommen erzielen und den vollständigen Ausstieg verkürzen. Ein Teilzeitjob, freiberufliche Arbeit oder ein kleines Unternehmen kann etwa einen Teil der laufenden Kosten decken. Wer zusätzlich günstiger wohnt und weniger konsumiert, braucht entsprechend weniger Kapital. Rechnen Sie solche Einnahmen vorsichtig. Ein geplantes Einkommen ist erst dann belastbar, wenn es tatsächlich regelmäßig fließt.
Was passiert mit Krankenversicherung und Rente?
Mit dem Ende eines Beschäftigungsverhältnisses ändern sich auch Teile Ihrer sozialen Absicherung. Klären Sie diese Fragen deshalb vor dem letzten Arbeitstag.
Krankenversicherung
Bei gesetzlich Pflichtversicherten besteht nach dem Ende der Mitgliedschaft unter bestimmten Voraussetzungen noch für längstens einen Monat ein nachgehender Leistungsanspruch, solange keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Grundlage ist § 19 SGB V. Für einen längeren Ausstieg brauchen Sie eine anschließende Absicherung. Welche Form und welche Beiträge gelten, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Klären Sie freiwillige Versicherung, mögliche Familienversicherung und bei einem Umzug ins Ausland den Versicherungsschutz direkt mit Ihrer Krankenkasse.
Rentenversicherung
Wenn Sie Ihren sozialversicherungspflichtigen Job aufgeben, entfallen daraus auch die laufenden Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das wirkt sich auf Ihren Versicherungsverlauf und die spätere Rentenhöhe aus. Lassen Sie sich vor einem dauerhaften Ausstieg Ihre Rentenauskunft erstellen. Gerade ab 50 gehören erwartete Rentenhöhe, Versicherungsjahre und frühestmöglicher Rentenbeginn in die Finanzplanung.
Aussteigen in 7 Schritten
Ein geplanter Ausstieg beginnt lange vor der Kündigung. Gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor:
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Ziel definieren
Beschreiben Sie konkret, wie Sie künftig arbeiten, wohnen und leben möchten.
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Modell testen
Reduzieren Sie beispielsweise vorübergehend die Arbeitszeit oder testen Sie Ihren gewünschten Wohnort für einige Wochen.
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Budget berechnen
Ermitteln Sie Ihren tatsächlichen Monatsbedarf und rechnen Sie einmalige Kosten sowie eine Reserve hinzu.
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Einkommen planen
Klären Sie, ob Sie von Vermögen leben, weiterarbeiten oder eine neue Einnahmequelle aufbauen.
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Absicherung klären
Prüfen Sie Krankenversicherung, Altersvorsorge und gegebenenfalls Versicherungen für einen Aufenthalt im Ausland.
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Ausstieg vorbereiten
Regeln Sie Job, Wohnung, Verträge, laufende Verpflichtungen und den Übergang in Ihr neues Modell.
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Plan B festlegen
Bestimmen Sie vorab, bei welchem finanziellen oder persönlichen Punkt Sie Ihr Modell verändern oder ins reguläre Erwerbsleben zurückkehren.
Welche Risiken hat das Aussteigen?
Ein neues Lebensmodell löst alte Probleme nicht automatisch und bringt eigene Herausforderungen mit. Die wichtigsten Risiken lassen sich schon vor dem Ausstieg prüfen.
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Falsche Motivation
Reine Frustration über Chef oder Job liefert noch kein tragfähiges Ziel. Definieren Sie, was konkret besser werden soll.
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Zu optimistische Finanzplanung
Unterschätzte Lebenshaltungskosten oder überschätzte Einnahmen können Rücklagen schneller aufzehren als geplant.
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Romantisierte Erwartungen
Ein günstiges Haus am Meer oder ein Leben unterwegs hat ebenfalls Alltag, Bürokratie, Kosten und Probleme.
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Verlust beruflicher Optionen
Je länger Sie vollständig aus Ihrem Beruf aussteigen, desto stärker können Fachwissen, Kontakte und Anschlussmöglichkeiten leiden.
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Soziale Veränderungen
Ein neuer Wohnort oder Lebensstil verändert Freundschaften, Familie und soziale Kontakte. Beziehen Sie diese Folgen in Ihre Entscheidung ein.
Was ist mein Plan B?
Ein Plan B macht den Ausstieg nicht weniger mutig, sondern belastbarer. Legen Sie vorher fest, was passiert, wenn das neue Modell finanziell oder persönlich nicht trägt. Bestimmen Sie dafür eine finanzielle Untergrenze: Wie viel Reserve darf auf keinen Fall verbraucht werden? Definieren Sie außerdem einen Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz – beispielsweise nach sechs oder zwölf Monaten.
Halten Sie berufliche Kontakte soweit sinnvoll aufrecht und überlegen Sie, welche Qualifikationen Sie während des Ausstiegs erhalten möchten. Ein späterer Neuanfang wird leichter, wenn Sie nicht erst handeln, sobald das letzte Geld aufgebraucht ist. Der beste Ausstiegsplan beantwortet deshalb zwei Fragen: Wie beginne ich mein neues Leben – und wie ändere ich den Kurs, wenn es anders läuft als erwartet?
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