Status-quo-Effekt: Stabilität schadet der Karriere

Sie sind seit Jahren bei Ihrem Arbeitgeber, haben sich zum erfahrenen sowie geschätzten Mitarbeiter entwickelt und beherrschen Ihren Aufgabenbereich. Eine berufliche Stabilität, die sich viele Arbeitnehmer wünschen. Doch genau diese Beständigkeit kann sich als Problem entpuppen, wenn Sie auf der Karriereleiter weiter emporsteigen wollen. Dahinter verbirgt sich der sogenannte Status-quo-Effekt, der besagt, dass Sie nicht zulange auf derselben Position verharren sollten, um langfristig erfolgreich zu sein und befördert zu werden. Ansonsten hängen Sie im Statuos-quo und damit der aktuellen Station im Job fest. Wer es bis ganz nach oben schaffen will, stellt sich damit möglicherweise selbst ein Bein. Wie der Status-quo-Effekt funktioniert, warum dieser eine so starke Wirkung hat und was Sie tun können, um dem Status-quo-Effekt zu entkommen…

Status-quo-Effekt: Stabilität schadet der Karriere

Statuos-quo-Effekt: Keine Veränderung, kein Erfolg

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie oder vielleicht auch ein Kollege, nicht beruflich aufsteigen, obwohl Sie am längsten im Team sind, seit vielen Jahren konstante Leistungen erbringen, Ihrem Chef keinen Anlass zur Klage geben und weiterhin jeden Tag motiviert und engagiert zur Arbeit kommen.

Der Grund dafür ist möglicherweise genau das: Wer zu lange in ein und derselben Position bleibt, kommt aus dieser nicht mehr heraus – das wird als Status-quo-Effekt oder auch Klebeeffekt bezeichnet, weil Sie in diesen Ist-Zustand gefangen sind und sozusagen in der aktuellen Position festkleben.

Auf den ersten Blick scheint das widersprüchlich zu anderen Tipps und Ratschlägen. Oft hört man, dass konstante Leistungen zum Erfolg führen, dass Loyalität zum Arbeitgeber helfen kann, bei diesem aufzusteigen und dass es einige Jahre Erfahrung braucht, um auf der Karriereleiter weiter aufzusteigen. Das stimmt alles auch weiterhin, der Status-quo-Effekt besagt lediglich, dass Veränderungen nicht zulange auf sich warten lassen dürfen.

Wenn Sie fünf, sieben oder vielleicht sogar zehn Jahre in einem Posten feststecken, werden Ihnen gleich zwei Dinge unterstellt:

  • Sie sind zufrieden in dieser Hierarchieebene und haben keine Ambitionen, im Unternehmen weiter nach oben zu kommen.
  • Sie haben sich nicht weiterentwickelt und konnten deshalb nicht weiter aufsteigen.

Dieser Effekt wird umso stärker, je länger der Zeitraum ist, den Sie in einer Position verbringen. Nach einem, zwei oder auch drei Jahren ist noch alles im Lot, sind Sie noch nicht so lange dabei und es würde eher negativ wirken, wenn Sie es nie länger als zwei Jahre in einer Stelle aushalten würden.

Spätestens nach fünf Jahren hat der Status-quo-Effekt jedoch bereits seine volle Kraft entfaltet und wenn Sie noch weit von einer beruflichen Veränderung – sei es durch Beförderung, einen Arbeitgeberwechsel oder wenigstens eine spürbare Erweiterung des Aufgabenbereichs und der Verantwortung – entfernt sind, erhöht sich mit jedem Jahr die Wahrscheinlichkeit, dass Sie im Status-quo hängen bleiben.

Der Status-quo-Effekt ist schwer zu überwinden

Status-quo-Effekt Klebeeffekt Position Job aufsteigen festhängen ErfolgSollten Sie glauben, dass der Status-quo-Effekt nur einen verschwindend geringen Anteil von Arbeitnehmern betrifft, irren Sie sich damit. Tatsächlich bleiben viele über Jahre im selben Job und bekommen den Status-quo-Effekt dadurch am eigenen Leib zu spüren. Ursache dafür ist eine weit verbreitete Einstellung: Veränderungen und Neuerungen werden meist mit großem Argwohn betrachtet.

Wer die Wahl hat, alles beim Alten zu belassen oder eine Veränderung – klein oder groß – durchzumachen, entscheidet sich in der Regel für die Stabilität des Bekannten. Jede Änderung birgt ein Risiko, das gerne vermieden wird. Noch schlimmer wird es, wenn mehrere Optionen zur Wahl stehen. Dann droht zusätzlich die Gefahr, sich falsch zu entscheiden, also besser gar nicht entscheiden und alles bleibt wie wir es gewohnt sind.

Verständlich, aber problematisch, wenn Gewohnheiten und Routine Ihnen im Weg stehen.

Wann wird der Status-quo-Effekt zum Problem?

Der Status-quo-Effekt kann sich auf Ihre Karriere auswirken und im schlimmsten Fall verhindern, dass Sie eine höhere Position erreichen. Ein Problem, um das Sie sich unbedingt kümmern müssen? Nicht zwangsläufig, denn möglicherweise hat der Status-quo-Effekt für Sie gar keine Bedeutung.

Bitte verstehen Sie diesen Satz nicht falsch. Natürlich greift der Effekt auch für Sie, doch es ist durchaus möglich, dass es Ihnen egal ist. Nicht jeder strebt einen beruflichen Aufstieg an, vielleicht fühlen Sie sich genau an dem Punkt, in dem Sie in Ihrer Laufbahn stehen, vollkommen wohl und sind deshalb mehr als glücklich, wenn der Status-quo möglichst lange ganz genau so bleibt.

Bevor Sie vorschnell handeln oder sich vor den Auswirkungen des Status-quo-Effekts fürchten, sollten Sie zunächst reflektieren und sich fragen, ob es überhaupt Ihr Ziel ist, bis in die obersten Etagen der Unternehmenshierarchie aufzusteigen. Falls ja, dann sollten Sie dringend etwas tun und nicht in einer Station kleben, falls nein, gilt das genaue Gegenteil und Sie machen alles richtig, wenn Sie über lange Zeit konstant erfolgreich sind und sich so zu einer Konstante im Unternehmen entwickeln.

Status-quo-Effekt: So entkommen Sie ihm

Auf den ersten Blick scheint die beste Strategie gegen den Status-quo-Effekt klar zu sein: Lassen Sie es erst gar nicht so weit kommen, sondern sorgen Sie dafür, sich regelmäßig beruflich weiterzuentwickeln. Durch Vorbeugung können Sie dem Status-quo-Effekt von Anfang an entgehen.

Doch wie sieht es aus, wenn Sie bereits mitten in den Auswirkungen stecken, seit Jahren auf einer Position sind und keine Aussicht auf eine Beförderung besteht? Glücklicherweise müssen Sie sich nicht einfach damit abfinden, sondern haben verschiedene Möglichkeiten, um dem Status-quo-Effekt noch zu entkommen:

  • Machen Sie Ihre beruflichen Ziele deutlich

    Der erste Schritt, um den Status-quo-Effekt hinter sich zu lassen, besteht darin, offen auszusprechen, dass Sie eine höhere Stelle anstreben und befördert werden wollen. Zeigen Sie Ihrem Chef, dass Sie nicht für den Rest Ihrer Karriere auf der aktuellen Position bleiben, sondern erfolgreicher werden und aufsteigen wollen. Das können Sie in einem offenen Gespräch unter vier Augen tun, in dem Sie Ihre Situation erklären.

  • Fragen Sie gezielt nach mehr Verantwortung

    Innerhalb dieses Gesprächs können Sie auch direkt anregen, dass Sie mehr Verantwortung übernehmen. Zeigen Sie die Bereitschaft, in eine Führungsrolle zu schlüpfen, ein Team zu leiten und die Verantwortung für größere Projekte oder wichtigere Aufgaben zu tragen.

  • Wechseln Sie den Arbeitgeber

    Sollte es beim aktuellen Arbeitgeber nicht funktionieren, weil der Status-quo-Effekt zu stark ist, können Sie einen Jobwechsel in Betracht ziehen und bei einem neuen Arbeitgeber von vorne Anfangen. Hier sollten Sie jedoch von Beginn an darauf achten, nicht noch einmal denselben Fehler zu machen. Arbeiten Sie auf Ihren weiteren beruflichen Aufstieg hin, fallen Sie nicht in alte Gewohnheiten und denken Sie an regelmäßige Veränderungen.

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14. August 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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