Jobzyklus typische Phasen Nachdenklich
Jeder Job ist unterschiedlich. Andere Aufgaben, neue Kollegen, unterschiedliche Chefs, die verschiedensten Kunden, andere Räumlichkeiten, Voraussetzungen, Erwartungen. Doch diese Individualität hat Grenzen, ziemlich deutliche sogar. Am Ende durchläuft jede Anstellung einen bestimmten Jobzyklus und dieser ist alles andere als einzigartig, sondern verläuft fast immer nach einem vorgeschriebenen Muster. Das könnte sogar eine gute Nachricht sein, schließlich ermöglicht dieses Wissen, sich auf den Verlauf einzustellen und rechtzeitig auf anstehende Schwierigkeiten zu reagieren. Leider passiert genau das jedoch nur selten. Stattdessen harrt man der Dinge, die da kommen und tut das, worin sich viele Menschen am sichersten fühlen: Erst einmal nichts. Wir zeigen die sieben typischen Phasen in jedem Job und erklären, warum Jobwechsel der richtige Weg sein können, um die eigene Karriere zu steuern...

Jobzyklus: Klammern wir uns zu Unrecht an einen Job?

Arbeitnehmer wünschen sich von ihrem Job neben Zufriedenheit und einer guten Bezahlung in der Regel vor allem eins: Sicherheit. In erster Linie ist damit natürlich die finanzielle Absicherung gemeint. Rechnungen und Miete müssen bezahlt, Kredite beglichen, Autos finanziert und der gesamte Lebensunterhalt bestritten werden.

Für all diese Dinge braucht es das regelmäßige Gehalt vom Arbeitgeber. Arbeitnehmer streben daher nach einem unbefristeten und langfristigen Arbeitsverhältnis. Aus dieser Sicherheit heraus lässt sich planen, weiter als nur ein oder zwei Jahre in die Zukunft denken und nicht zuletzt gibt ein gewohnter Job, in dem man sich auskennt und seine Fähigkeiten einbringen kann, ein gutes Gefühl.

Dieser Wunsch nach Gewissheit und Sicherheit ist auf der einen Seite absolut nachvollziehbar, kann gleichzeitig jedoch zum Problem werden: Man beginnt, sich an seinen Job zu klammern - selbst dann noch, wenn dies bereits der völlig falsche Weg ist und man seine Energie lieber darauf verwenden sollte, nach vorne zu blicken und weiterzumachen. Genau das fällt schwer.

Wir möchten nichts hinter uns lassen, das uns so viel Sicherheit gibt. Dafür sind wir bereit, die unangenehmen Seiten eines Jobs zu ertragen und einfach wie gewohnt weiterzumachen, selbst wenn die negativen Dinge die positiven Aspekte schon längst überwiegen und man sich kaum noch dran erinnern kann, warum ein Job überhaupt angefangen wurde, geschweige denn, wann das letzte Mal so etwas wie Spaß bei der Arbeit verspürt wurde.

Leider ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es - nachdem die Richtung einmal eingeschlagen wurde - weiter bergab geht. Wieso das so ist, zeigt der klassische Jobzyklus, der die unterschiedlichen Phasen eines Arbeitsverhältnisses charakterisiert.

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7 typische Phasen in jedem Job

Es klingt leicht, jeden Job in sieben Phasen einzuteilen. Sicher steht dahinter eine Verallgemeinerung, denn nur so lassen sich Kategorien bilden. Fest steht aber auch, dass Sie sich nicht die Uhr nach dem Jobzyklus stellen können. Die einzelnen Phasen sind nicht in Stein gemeißelt, sondern unterliegen individuellen Faktoren und unterscheiden sich somit teils enorm in ihrer Dauer.

Während Sie beispielsweise mehrere Jahre in einer Phase zubringen können, durchläuft ein Kollege diese vielleicht in Rekordzeit von wenigen Wochen oder Monaten. So viel Individualität bleibt in jedem Fall erhalten. Dennoch stimmt es, dass jeder Job insgesamt sieben typische Phasen durchläuft - und zwar diese:

  1. Begeisterung und Motivation

    Es ist dieses Hochgefühl, nachdem Sie einen Arbeitsvertrag unterschrieben haben. Die Mühen der Jobsuche haben sich ausgezahlt, jemand weiß Sie, Ihre Erfahrungen, Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten zu schätzen und hat Sie allen anderen Bewerbern gegenüber vorgezogen und entschieden, dass Sie die Bestbesetzung für eine offene Stelle sind.

    Kaum in Worte zu fassen, mit was für einer Motivation man die erste Zeit in einem Job zubringt. Alles ist aufregend, jede Aufgabe wird mit vollstem Elan angegangen, man möchte jeden Kollegen kennenlernen, die Arbeitsweise und Abläufe verstehen und sich in jeder Frage einbringen.

    Erschöpfung oder Probleme? Nicht in dieser Phase. Sie könnten Bäume ausreißen und vor allem wollen Sie dem Chef und allen Mitarbeitern zeigen, dass man sich in Ihnen nicht getäuscht hat und Sie die Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern bei weitem übertreffen können.

    Typische Anzeichen für diesen Jobzyklus:

    Anhaltende Motivation und Tatendrang, gute Laune, Aufregung und Vorfreude auf das, was noch kommen wird.


  2. Ernüchterung und Zweifel

    Irgendwann verfliegt die erste Euphorie leider. Der Alltag kehrt ein und man muss sich möglicherweise eingestehen, dass der neue Job doch nicht nur positive Seiten hat. Sie stoßen auf die ersten Probleme oder Meinungsverschiedenheiten und müssen sich eingestehen, dass auch der neue Job manchmal anstrengend und nervenzehrend sein kann.

    Besondere Ernüchterung folgt der Erkenntnis, dass die vielen und hohen Erwartungen, die man an die neue Position gestellt hat, nicht alle erfüllt werden können. Es sollte doch alles anders und in erster Linie besser werden. In einigen Punkt trifft dies zu, in anderen weniger. Was bleibt, ist die Frage War der Schritt richtig?

    Klassischerweise beginnt der Mensch mit der Zeit, seine Entscheidungen infrage zu stellen. Die abgelehnten Optionen werden noch einmal aufgerollt und es entstehen Zweifel, ob der andere Weg nicht doch besser gewesen wäre - oder ob gar der alte Arbeitgeber der bessere war.

    Typische Anzeichen für diesen Jobzyklus:

    Gedanken an die Vergangenheit, Unsicherheit und einige Selbstzweifel.


  3. Anpassung und Kennenlernen

    In der dritten Phase gewöhnen Sie sich wirklich im neuen Job ein. Sie lernen, worauf es ankommt, wissen, welche Anforderungen gestellt werden und wie Sie diesen gerecht werden. Auch die Kollegen lernen Sie immer besser kennen, sind über den anfänglichen Smalltalk hinaus und haben sich vielleicht auch schon einmal privat getroffen, um den Kontakt auszubauen.

    Das Tief der Ernüchterung haben Sie zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise wieder überwunden. Sie identifizieren sich mehr und mehr mit Ihrer neuen Position sowie mit dem Arbeitgeber. Dem Chef gegenüber wollen Sie unter Beweis stellen, dass Sie über die Phase des neuen Kollegens hinaus und bereit für größere Aufgaben und Verantwortung sind.

    Typische Anzeichen für diesen Jobzyklus:

    Positivere Stimmung, Ehrgeiz, Gewöhnung an das neue Umfeld.


  4. Vertrauen und Konstanz

    Zu diesem Zeitpunkt sind Sie nicht nur fester Bestandteil des Teams, sondern befinden sich mitten in der Routine. Sie haben ein klares Aufgabenfeld und Verantwortungen, die Sie übernehmen und in denen Sie regelmäßig gute Leistungen präsentieren. Das entgeht glücklicherweise auch Ihrem Chef nicht, der lobende Worte findet.

    In dieser Phase erarbeiten Sie sich viel Vertrauen - von Kunden, Kollegen und Führungskräften, die merken, dass auf Sie Verlass ist und Ihre Leistungen überzeugen. Bei Fragen wendet man sich gerne an Sie und Ihr Status im gesamten Unternehmen steigt.

    Noch sind Sie allerdings selbst nicht vollkommen zufrieden mit sich und der Situation. Sie wissen, dass Sie eigentlich zu noch mehr in der Lage sind und wollen dies auch gerne zeigen. Deshalb suchen Sie nach Chancen, um sich verstärkt einzubringen.

    Typische Anzeichen für diesen Jobzyklus:

    Routine, Konstante Leistungen, erste Anerkennung, eigener Antrieb zu mehr.


  5. Erfolge und Wachstum

    Dies ist die absolute Hochphase in jedem Jobzyklus. Sie sind auf dem Zenit Ihrer Leistungsfähigkeit, liefern einen Erfolg nach dem anderen ab, was sich in Gehaltserhöhungen oder auch Beförderungen zeigt, die Sie in dieser Zeit verbuchen können. Sie avancieren zum Vorbild für Kollegen und bekommen immer größere Verantwortung übertragen.

    Der Erfolg bestätigt Ihre Einstellung und so machen Sie immer weiter, sind motiviert und entwickeln den Ehrgeiz, noch besser zu werden. Dafür besuchen Sie beispielsweise Fortbildungen oder suchen nach Möglichkeiten, die Abläufe und Prozesse im Unternehmen zu verbessern.

    Typische Anzeichen für diesen Jobzyklus:

    Erfolg, wachsende Verantwortung, Motivation, Anerkennung und nicht zuletzt auch Stolz auf die eigenen Leistungen und Errungenschaften im Job.


  6. Rückgang und Wünsche

    Einmal an der Spitze angekommen, gibt es leider nur noch den Weg nach unten. Irgendwann bleiben die Erfolge, die fast schon zur Gewohnheit geworden sind, plötzlich aus. Die eigenen Leistungen lassen mehr und mehr nach und mit ihnen sinkt die Zufriedenheit mit der Situation.

    Wo vorher noch Motivation war, entsteht das anfangs noch vage aber zunehmend stärker werdende Gefühl von Zweifeln und Suche. Der Job scheint nicht mehr richtig zu passen, Sie fühlen sich unwohl und hegen insgeheim den Wunsch nach beruflicher Veränderung.

    Diesem ersten Impuls der Veränderung steht meist das Sicherheitsbedürfnis entgegen, das Ihnen sagt, dass der Job gut bezahlt ist und sie wissen, was Sie daran haben. Anstatt zu handeln, folgt die Schockstarre oder es wird versucht, die Situation schön zu reden.

    Typische Anzeichen für diesen Jobzyklus:

    Schlechtere Leistungen, Unzufriedenheit, Zweifel, Suche nach Veränderungen, zunehmender Stress.


  7. Schlusspunkt und Konsequenzen

    Ab einem gewissen Punkt geht es einfach nicht mehr weiter. Über den Punkt der Schönfärberei ist man längst hinaus und Sie müssen sich der harten Realität stellen: In diesem Job werden Sie nicht mehr glücklich, stattdessen ist jeder Tag der pure Stress und die Arbeit wird mehr und mehr zur Belastung.

    Je länger diese letzte Phase andauert, desto schlimmer werden mögliche Konsequenzen. Wer sich über einen langen Zeitraum zwingt, in einem Job zu bleiben, der unglücklich macht, bringt irgendwann keine nennenswerten Leistungen mehr - was aber viel schlimmer ist: er setzt seine Gesundheit einem Risiko aus.

    Das Ende liegt dann in der Kündigung, die leider meist viel zu spät erfolgt. Was bleibt, sind die Belastungen und Erinnerungen, die man auch in zukünftige Arbeitsverhältnisse mitnimmt, wo ein neuer Jobzyklus beginnen kann.

    Typische Anzeichen für diesen Jobzyklus:

    Motivations- und Antriebslosigkeit, Stressbedingte Probleme, Kündigung.


Jobzyklus: Die sieben Phasen als PDF zum Download

Jobzyklus Phasen PDF DownloadZum Abspeichern, Ausdrucken und immer wieder daran erinnern haben wir den Jobzyklus mit seinen sieben typischen Phasen auch noch einmal als Download für Sie bereit gestellt. Legen Sie den Jobzyklus an einem Ort ab, an dem Sie sich die Punkte immer wieder vor Augen führen können. So verfällt der erste Impuls, dass etwas an der Situation geändert werden sollte, nicht gleich wieder, sondern kann langfristig in die Tat umgesetzt werden.

Jobzyklen: Nutzen Sie die Phasen zu Ihrem Vorteil

Bitte verstehen Sie diesen Jobzyklus nicht falsch: Es geht natürlich nicht darum, Ihnen gleich von Beginn an jede Motivation zu rauben und anschaulich zu machen, dass der Spaß an einem Job und die Zufriedenheit in der Arbeit nur temporär sind und spätestens nach ein paar Jahren vorbei sind und durch Frust, Stress und Unzufriedenheit ersetzt werden.

Stattdessen sollte der Jobzyklus Ihnen ein Beispiel sein und verdeutlichen, dass es durchaus sinnvoll sein kann, sich frühzeitig für einen Jobwechsel zu entscheiden. Gerade die sechste Phase ist der prädestinierte Zeitpunkt, um sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen, sich auf Jobsuche zu begeben und die eigene Karriere zu planen. Das hat gleich mehrere Vorteile:

Zunächst verkauft es sich im Lebenslauf immer besser, wenn Sie von sich aus die nächsten Schritte angehen und nicht aus dem Zwang heraus handeln, vom Arbeitgeber gekündigt worden zu sein. So können Sie Ihre Motivation unterstreichen und im besten Fall gleich den erwünschten Job an Land ziehen. Auf diese Weise praktiziert können Arbeitgeberwechsel - die immer noch einen schlechten Ruf haben - sogar zum beruflichen Erfolg beitragen.

Der zweite große Vorteil: Sie umgehen all die negativen Aspekte und möglichen Konsequenzen der letzten Phase. Sie setzen sich nicht dem anhaltenden Stress aus, handeln, bevor die Unzufriedenheit alles andere überdeckt und stellen sich neuen Herausforderungen und Aufgaben, anstatt der Motivationslosigkeit zu verfallen. Leider leichter gesagt als getan.

Was vor allem helfen kann, ist ein Umdenken in den Köpfen. Jobwechsel sind kein Zeichen von Schwäche, kein Eingeständnis, dass man es im alten Job nicht zu etwas gebracht hat, sondern eine berufliche Entscheidung, die in den meisten Fällen gut überlegt ist. Ist diese Erkenntnis erst einmal durchgesickert, fällt es auch weniger schwer, über seinen Schatten zu springen und die Veränderung zu wagen.

Zwar sind damit immer noch eine gewisse Unsicherheit verbunden, doch sinkt die Angst, sich anderen gegenüber für seine Wahl rechtfertigen zu müssen.

Jobzyklus: Gehen Sie, wenn es am schönsten ist

Ein Sprichwort, das jeder kennt: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber gerade im beruflichen Kontext? Da kommt erst einmal keiner auf die Idee, sich nach einem neuen Job umzusehen, wenn es gerade besonders gut läuft, der Chef stolz ist und Aufgaben immer optimal erledigt werden. Warum auch - es geht bergauf, die Karriere macht vielleicht sogar einige Fortschritte und es scheint allzu verständlich, diesen Zustand erst einmal genießen zu wollen.

Genau in diesem Punkt lauert allerdings auch die Gefahr: Allzu schnell beginnt man, sich auszuruhen, sich zufrieden zu geben, Chancen zu verpassen. Solange, bis der Status Quo eben nicht mehr so positiv ist, sondern man sich auf einem absteigenden Ast befindet. Das hat gleich mehrere Nachteile:

  • Sie werden frustriert und verlieren den Spaß an der Arbeit.
  • Sie verspielen Ihren guten Ruf.
  • Sie müssen aus der Not heraus handeln.

Wer geht, wenn es am schönsten ist (auch wenn es schwer fällt), hält alle Trümpfe in der Hand. Sie begeben sich auf die Suche nach neuen Herausforderungen mit gestärktem Selbstbewusstsein und dem Image eines wahren Leistungsträgers. Um durch einen Jobwechsel voran zu kommen, die perfekte Ausgangssituation.

Dieses Verständnis hat sich jedoch noch nicht durchgesetzt. Der Wechsel des Arbeitgebers wird weiterhin als letzter Ausweg betrachtet, der nur darin begründet sein kann, dass eine der Parteien so unzufrieden ist, dass die Zusammenarbeit keinen Sinn mehr macht - dass ein Wechsel aber gerade dann sinnvoll sein kann, wenn es beruflich gut läuft, ignorieren die meisten.

Jobzyklus: Jobwechsel machen glücklicher

Jobzyklus: Jobwechsel machen glücklicherDie Vorteile von Jobwechseln sind inzwischen durch wissenschaftliche Studien belegt. So konnte die Managementforscherin Shoshana Dobrow Riza von der London School of Economics in ihren Studien mehrere Zusammenhänge aufzeigen. Zunächst einmal stellte sie fest: Ältere Menschen sind grundsätzlich zufriedener.

Das allein ist zwar eine spannende Erkenntnis, die Gründe sind jedoch unklar. Forscher vermuten, dass beispielsweise die höhere soziale Stellung im Alter und auch die bessere Bezahlung eine Rolle spielen. Erstaunlich ist jedoch die Bedeutung von Jobwechseln in diesem Zusammenhang.

Zusammengefasst besagt das Ergebnis der Studie: Mit der Dauer der Beschäftigung bei einem Arbeitgeber sinkt die Zufriedenheit mit der beruflichen Situation. Im Umkehrschluss: Regelmäßige Jobwechsel sorgen für größere Zufriedenheit und machen Arbeitnehmer glücklicher.

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[Bildnachweis: marvent by Shutterstock.com]

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