Jobzweifel: Bin ich hier richtig?

Irgendwie habe ich mir das alles anders und vor allem besser vorgestellt… Haben Sie sich selbst schon einmal bei solchen Gedanken ertappt? Damit sind Sie nicht allein, denn Jobzweifel sind unter Arbeitnehmern weit verbreitet. Unternehmen auf der anderen Seite tun meist zu wenig, um die Zufriedenheit und so auch die Loyalität von Mitarbeitern zu verbessern. Spätestens nach einiger Zeit voller Jobzweifel fragen sich deshalb viele Bin ich hier wirklich richtig? Die Möglichkeiten für Wechsel sind schließlich groß und die Situation auf dem Arbeitsmarkt gerade für qualifizierte Arbeitnehmer aussichtsreich. Doch Jobzweifel sorgen auch für Verunsicherung, da Arbeitnehmer nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen…

Jobzweifel: Bin ich hier richtig?

Häufige Gründe für Jobzweifel

Hand aufs Herz: Sind Sie zu 100 Prozent davon überzeugt, im richtigen Job zu sein? Bevor Sie nun vorschnell mit Ja, natürlich! Sonst würde ich es ja nicht machen! antworten, gehen Sie noch einmal in sich und reflektieren Sie so ehrlich wie es geht Ihre aktuelle Lage und auch die mögliche zukünftige Entwicklung. Oder formulieren Sie die Frage ein wenig um: Wenn Sie wüssten, dass Sie diesen Job für den Rest Ihres Lebens machen würden – wären Sie damit glücklich oder bereitet Ihnen der Gedanke vielleicht doch ein wenig Sorgen und Kopfschmerzen?

Kein Grund sich zu schämen, wenn Sie unter Jobzweifeln leiden. So zeigt beispielsweise der Gallup Engagement Index, dass gerade einmal rund 15 Prozent der Arbeitnehmer wirklich engagiert sind und sich für den aktuellen Arbeitgeber voll ins Zeug legen. Auf der an anderen Seite leisten fast 70 Prozent nur Dienst nach Vorschrift, um möglichst nicht aufzufallen.

Jobzweifel sind gerade in dieser Gruppe weit verbreitet. Viele sind unzufrieden, zweifeln daran, ob die berufliche Station sie wirklich voran bringen und glücklich machen kann – fühlen sich aber auch in der Situation gefangen und wissen sich nicht zu helfen.

Die Gründe für Jobzweifel können dabei sehr unterschiedlich sein:

  • Schlechtes Betriebsklima
  • Fehlende Aufstiegschancen
  • Keine Verantwortung
  • Geringe Bezahlung
  • Fehlende Wertschätzung
  • Eintönige Aufgaben
  • Mangelhafte Führungsarbeit

All diese Faktoren können alleine oder in Wechselwirkung miteinander zu Jobzweifeln führen oder bestehende Sorgen noch weiter bestärken. Leider versuchen viele Betroffene, das Gefühl zu ignorieren und sich einzureden, dass die Situation sich von alleine bessern wird.

Besser ist es aber, wenn Sie Ihre Jobzweifel anerkennen, ernst nehmen und aktiv werden, um etwas dagegen zu tun.

Jobzweifel: Von Anfang an oder erst mit der Zeit?

Jobzweifel Bedenken Unsicherheit im Beruf Sorgen Neuorientierung JobSie haben das Auswahlverfahren überstanden, den neuen Arbeitsvertrag unterschrieben und starten nun voller Motivation und Tatendrang in den neuen Job. Scheinbar kann Sie jetzt nichts mehr aufhalten – doch dann merken Sie nach der ersten Woche, dass die Arbeit und die Atmosphäre ganz anders ist, als Sie es sich vorgestellt haben.

Von der eigenverantwortlichen Arbeitsweise ist nichts mehr zu spüren, stattdessen strikte Anweisungen vom Chef. Die Kollegen sind nicht gut aufeinander zu sprechen, doch aus dem, was Sie raushören können, warten alle seit Jahren darauf, endlich eine Beförderung oder Gehaltserhöhung zu bekommen.

Ein zugespitztes Beispiel, doch es zeigt, dass Jobzweifel schon ganz zu Beginn einer Beschäftigung auftreten können. In diesem Fall sollten Sie Ihre Probezeit nutzen, um sich ein Bild zu machen und dann die Entscheidung zu treffen, ob eine weitere Zusammenarbeit für Sie denkbar ist.

Jobzweifel können aber auch erst nach Jahren entstehen, obwohl Sie bisher vielleicht sehr glücklich im Job waren. Die Ursachen können dann Veränderungen im Job oder auch eine Verschiebung Ihrer persönlichen Prioritäten sein. Dabei ist die Gefahr besonders groß, dass Sie die eigenen Jobzweifel nicht wahrhaben wollen. Bisher war doch alles gut, warum jetzt was ändern? Aus diesem Grund finden sich viele Arbeitnehmer einfach mit der Situation ab und werden langfristig unzufrieden.

Jobzweifel: Das können Sie tun

Jobzweifel können jeden treffen. Selbst wenn Sie Ihren absoluten Traumjob haben, können Sie nicht alle Entwicklungen kontrollieren und vielleicht beginnen Sie nach kurzer Zeit daran zu zweifeln, ob die Position wirklich noch so toll ist. Schon ein Wechsel in den Führungspositionen kann den entscheidenden unterschied ausmachen und Jobzweifel herbeiführen.

Aber was können Sie tun, wenn Sie unter Jobzweifeln leiden? Wir haben einige Tipps, die Ihnen dabei helfen können, richtig mit der Situation umzugehen:

  • Hinterfragen Sie die Jobzweifel

    Bei Jobzweifeln sollten Sie etwas unternehmen, jedoch nicht gleich alles überstürzen. Zunächst einmal sollten Sie sich daher ein besseres Bild der aktuellen Situation verschaffen. Wann sind die Zweifel über den Beruf aufgetreten? Gab es einen konkreten Auslöser? Und ganz wichtig: Waren die Zweifel einmalig und kurzfristig oder halten diese bereits seit längerer Zeit an und werden vielleicht sogar stärker?

    In jedem Job gibt es Phasen, die stressig oder unangenehm sind und zu Jobzweifeln führen können. Normalerweise gehen diese schnell wieder vorbei und erfordern keine großen Veränderungen. Kommen Sie jedoch zu dem Schluss, dass Ihre Jobzweifel tiefer verwurzelt sind, können Sie das weitere Vorgehen planen.


  • Suchen Sie das Gespräch

    Eine große Hilfe bei Jobzweifeln ist oftmals ein offenes und ehrliches Gespräch. Was so einfach klingt, ist für viele in der Praxis eine große Herausforderung. Sich und anderen einzugestehen, dass es beruflich nicht so weitergehen kann, erfordert nicht nur Mut, sondern auch die nötige Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, das Problem nicht zu ignorieren.

    Erste und wichtige Gesprächspartner sind dabei Familie und Freunde. Hier erhalten Sie Rückhalt, können die Probleme schildern und vielleicht sogar Ratschläge erhalten. Wenn die Jobzweifel größer werden, sollten Sie auch ein Gespräch mit Ihrem Chef nicht scheuen. Dieser hat den größten Einfluss darauf, die Situation im Job wieder zu verbessern, um die Zweifel durch Zufriedenheit und die Überzeugung, in der richtigen Position zu sein, zu ersetzen.


  • Definieren Sie Ihre Ziele und Wünsche

    Jobzweifel entstehen, weil im aktuellen Job oder beim jetzigen Arbeitgeber der Status Quo nicht mit den eigenen Erwartungen und Wünschen übereinstimmt. Es ist ein Warnsignal, dass etwas nicht stimmt. Sie wollen beispielsweise mehr Verantwortung tragen, um aufzusteigen und sich für höhere Posten zu qualifizieren – tatsächlich treten Sie aber auf der Stelle und erledigen seit geraumer Zeit immer gleiche Aufgaben.

    Schauen Sie sich genauer an, was Ihre Ziele und Wünsche für den Job sind. Sowohl in der Gegenwart als auch für zukünftige Entwicklungen. Im nächsten Schritt müssen Sie sich dann ganz ehrlich fragen: Gibt es die Chance, diese im aktuellen Job zu erreichen?


  • Schauen Sie sich nach Alternativen um

    Die Erkenntnis fällt nicht jedem leicht, doch wenn die Jobzweifel anhalten und keine Aussicht auf Besserung besteht, müssen Sie sich möglicherweise eingestehen, dass Sie vor einer wichtigen Entscheidung stehen: Entweder müssen Sie sich an die Situation anpassen und lernen, mit der Situation umzugehen – oder einen Jobwechsel in Betracht ziehen.

    Das heißt nicht, dass Sie sofort die Kündigung einreichen sollen. Informieren Sie sich zunächst über Ihre Möglichkeiten. Es bringt Ihnen nichts, einen Arbeitsvertrag aufgrund von Jobzweifeln zu kündigen, nur um erneut in einem Job zu landen, der nicht Ihren Erwartungen entspricht.

[Bildnachweis: sirtravelalot by Shutterstock.com]
1. März 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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