Berufswechsel: Den falschen Beruf gewählt?

Der falsche Beruf ist nicht nur eine Sackgasse für die Karriere, sondern eine Garantie für weitere Probleme und persönliche Unzufriedenheit. Der Job ist zwar längst nicht alles im Leben, doch ist jeder Arbeitstag von fehlender Motivation, Frust und dem Gedanken, dass Sie viel lieber etwas anderes machen würden, geprägt, hat das auch Auswirkungen in allen anderen Bereichen. Ein Berufswechsel kann die dringend benötigte Veränderung herbeiführen, dieser Schritt wird aber nur selten gegangen. Viele wählen das bekannte Übel, statt die Chance auf Verbesserung – aus Angst, was dabei auf sie zukommt. Wir zeigen, wann die Zeit für einen Berufswechsel gekommen ist, worauf Sie dabei achten müssen und wie dieser gelingt…

Berufswechsel: Den falschen Beruf gewählt?

Berufswechsel: Gefangen im falschen Job

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, wie Sie in einem falschen Beruf landen können. Einer der häufigsten: Sie haben es einfach nicht besser gewusst. Dies kann gerade am Anfang der beruflichen Laufbahn passieren. Sie haben zwar eine Vorstellung davon, welchen Job Sie machen wollen, doch nach der Schule und selbst nach dem Studium wissen nur wenige Absolventen, wie der spätere Beruf genau aussieht.

Durch ein Praktikum können konkretere Informationen gesammelt werden, oft wird in der Zeit aber leider nur an der Oberfläche gekratzt. So wird ein Beruf ergriffen, nur um festzustellen, dass die eigenen Erwartungen nicht im geringsten erfüllt werden, die Hauptaufgaben gänzlich anders sind und von Spaß oder gar Leidenschaft im Beruf keine Rede sein kann.

Doch auch später im Berufsleben können Sie in einem falschen Beruf feststecken. Anforderungen und Aufgaben ändern sich mit der Zeit und Sie müssen sich eingestehen, dass der Job nicht mehr zu Ihnen passt und ein Berufswechsel die logische Konsequenz ist. Genau diese Selbsterkenntnis bleibt jedoch leider viel zu häufig aus.

Niemand will sich eingestehen, dass etwas falsch läuft. Das würde bedeuten, einen eigenen Fehler zugeben zu müssen – nämlich den falschen Beruf gewählt zu haben – und anschließend etwas zu unternehmen, um daran etwas zu ändern.

Wann ist es an der Zeit für einen Berufswechsel

Natürlich können Sie sich mit dem falschen Beruf abfinden, den täglichen Frust akzeptieren und sich mit der Gewissheit arrangieren, dass Sie noch 10, 20 oder auch 30 Jahre lang einem Job nachgehen werden, von dem Sie bereits wissen, dass dieser nichts für Sie ist. Der Mensch ist Meister des Selbstbetrugs, also werden Sie versuchen, sich alles schön zu reden, um irgendwie durch den Tag, die Monate und die Jahre zu kommen.

Aber mal ehrlich: Das ist nicht das, was Sie sich vorgestellt haben und wird Sie auch nicht glücklich machen. Da ist es besser, den richtigen Zeitpunkt zu finden, den Absprung zu wagen und mit einem Berufswechsel neu anzufangen. Nur wann genau ist es Zeit für einen Berufswechsel?

Das können Sie nur selbst wirklich für sich beantworten, den perfekten Moment, auf den viele so lange (vergeblich) warten, gibt es nicht. Den braucht es auch nicht, den Sie wissen meist sehr genau, wann es an der Zeit ist, einem falschen Job den Rücken zu kehren und den Beruf zu wechseln. Zusätzlich gibt es einige untrügliche Anzeichen, dass Sie dringend über einen Berufswechsel nachdenken sollten:

  • Sie wünschen sich jeden Tag, nicht zu arbeit gehen zu müssen.
  • Sie sind nicht nur unzufrieden im Job, sondern auch im Privatleben.
  • Geld ist die einzige Motivation.
  • Wird über den Beruf gesprochen, fallen Ihnen nur negative Dinge ein.
  • Sie beneiden Freunde um deren Jobs.
  • Ihre Gesundheit leidet unter der beruflichen Situation.
  • Im Job sind Sie entweder total gelangweilt oder überfordert und dauerhaft im Stress.
  • Sie suchen nach Ausreden, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen.
  • Sie können Ihrer Leidenschaft aufgrund des Berufs nicht nachgehen.
  • In Gedanken spielen Sie einen Berufswechsel immer wieder durch.

Sollten Sie nicht selbst zu der Erkenntnis gekommen sein, dass ein Berufswechsel nötig ist, können diese Anzeichen Sie noch einmal darauf stoßen. Erkennen Sie sich und Ihre Situation darin wieder, bleibt meist nur noch eine Veränderung, um die aufgestauten Probleme zu lösen.

Berufswechsel: Falscher Beruf oder nur falscher Arbeitgeber?

Berufswechsel falscher Beruf Beratung mit 40 mit 50 BewerbungEine wichtige Unterscheidung darf beim Thema Berufswechsel nicht vergessen werden: Bevor Sie den Neustart einleiten, sollten Sie sicher sein, ob Sie im falschen Beruf oder beim falschen Arbeitgeber sind. Das klingt zunächst ähnlich, ist es aber ganz und gar nicht. Ein Berufswechsel aus einem falschen Beruf bedeutet für Sie eine komplett neue Richtung. Das kann ein Quereinstieg in einen anderen Beruf sein, denkbar ist aber auch eine Umschulung oder neue Ausbildung, um sich neu zu orientieren.

Ist ein falscher Arbeitgeber der Auslöser für einen Berufswechsel, ist der Weg ein anderer. Hier kann bereits ein Wechsel des Unternehmens den gewünschten Erfolg bringen. Für andere kann es sinnvoll und notwendig sein, in eine andere Branche zu wechseln – der Beruf selbst bleibt dabei jedoch gleich, er wird lediglich an einem anderen Ort ausgeübt.

Das Ihr Arbeitgeber Sie zu einem Berufswechsel zwingt, erkennen Sie daran, dass es nicht die Arbeit selbst, sondern vor allem die Arbeitsatmosphäre ist, die für Ihre Unzufriedenheit verantwortlich ist. Probleme mit dem Chef, Ärger mit den Kollegen, Unverständnis gegenüber den Entscheidungen des Managements. Diese Faktoren können zu einem Berufswechsel führen, wovon die Aufgaben und die Tätigkeit aber nicht betroffen sind.

Tipps für einen erfolgreichen Berufswechsel

Ein Berufswechsel macht Angst und erfordert eine gehörige Portion Mut. Auch deshalb bleiben viele Arbeitnehmer lieber in einem Job, selbst wenn dieser unglücklich macht. Das Risiko, vom Regen in die Traufe zu kommen, schreckt ab. Außerdem glauben gerade ältere Mitarbeiter, dass Sie bei einem Berufswechsel mit 40 oder 50 Jahren kaum eine Chance auf Erfolg haben.

Für ältere Arbeitnehmer kann ein Berufswechsel zwar mit Herausforderungen verbunden sein, unmöglich ist er aber keineswegs. Häufig wird der Mut belohnt und Sie müssen sich nicht über Jahre und Jahrzehnte mit der Frage quälen, was gewesen wäre, wenn Sie den Berufswechsel doch einfach gewagt hätten.

Damit Ihr Berufswechsel zum Erfolg wird, haben wir einige Tipps gesammelt, die Ihnen auf dem Weg helfen können:

  • Reflektieren Sie, was Sie wirklich wollen.

    Sich selbst (und auch anderen) gegenüber einzugestehen, dass ein Berufswechsel die beste Möglichkeit ist, der bereits der erste große Schritt. Um zu verhindern, dass ein ähnlicher Fehler erneut passiert und Sie von einem falschen Job in den nächsten falschen Job wechseln, ist eine ausgiebige Selbstreflexion nötig.

    Was wollen Sie durch den Berufswechsel erreichen? Was muss sich ändern? Welche Faktoren spielen dabei die größte Rolle? Erst wenn Sie wirklich sicher sind, in welche Richtung der Berufswechsel Sie führen soll, können Sie diesen auch erfolgreich angehen.


  • Entwickeln Sie die richtige Einstellung.

    Macht der Job unglücklich, lautet die Devise oftmals Bloß schnell weg hier… Das ist zwar verständlich, für einen erfolgreichen Berufswechsel allerdings die falsche Einstellung. Wer nur nach hinten blickt und flüchtet, konzentriert sich nicht auf das, was vor ihm liegt und als nächstes kommt.

    Das hat gleich zwei negative Konsequenzen: Zum einen wird es schwerer, die eigene Motivation in Bewerbungen zu verdeutlichen. Ein Ich wollte einfach was anderes kommt bei Personalern nicht gut an. Zudem erhöht sich die Gefahr, einfach irgendeinen Job anzunehmen, nur um den alten loszuwerden – und am Ende wieder genau dort zu stehen, wo Sie noch am Anfang waren.


  • Sammeln Sie möglichst viele Informationen.

    Wer im falschen Job steckt, malt sich andere Berufe meist in den buntesten Farben aus. Allerdings ist solch eine rosarote Brille für den Berufswechsel hinderlich. Bleiben Sie möglichst rational und setzen Sie auf Fakten und Informationen. Wie groß sind Ihre Chancen im neuen Job wirklich? Wie ist es um die Zukunftsaussichten in diesem Bereich bestellt? Und was ist mit der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt?

    Je mehr Sie über Ihren angestrebten Job wissen, desto besser können Sie den Berufswechsel vorbereiten und auch vollziehen. Denken Sie auch darüber nach, ob der anvisierte Job tatsächlich zu Ihren persönlichen Stärken und Interessen passt. Erst die Kombination der verschiedenen Punkte spricht dafür, dass es der richtige Beruf für Sie ist.


  • Sichern Sie sich Unterstützung und Zuspruch.

    Selbst ein gut laufender Berufswechsel ist ein Einschnitt und eine große Veränderung. Es empfiehlt sich deshalb bereits im Vorfeld mit den Menschen zu sprechen, die Ihnen nahe stehen und sich deren Unterstützung zu sichern. Das ist in erster Linie Ihre Familie, die sehr direkt vom Berufswechsel betroffen ist und auch die Höhen und Tiefen miterlebt.

    Erklären Sie Ihre Gründe und zeigen Sie, dass Ihnen der Berufswechsel ernst und wichtig ist. Solch offene Gespräche fallen schwer, Sie werden jedoch viel Verständnis erhalten, das die Motivation für den Berufswechsel noch einmal steigern kann.


  • Machen Sie einen konkreten Plan.

    Ein Berufswechsel sollte nicht überstürzt werden, stattdessen sollten Sie sich bereits einige Zeit im Voraus einen genauen Plan von Ihrem Vorhaben machen. Dies ist schon deshalb notwendig, weil Sie möglicherweise noch Fort- und Weiterbildungen besuchen oder sich neue Fähigkeiten aneignen müssen, um für die Anforderungen der neuen Position gewappnet zu sein.

    Um zu wissen, was von Ihnen als Bewerber erwartet wird, können Sie sich Stellenausschreibungen potenzieller Arbeitgeber ansehen. Hier finden Sie nicht nur recht genaue Tätigkeitsbeschreibungen, sondern auch Anforderungsprofile. Denken Sie außerdem bei Ihrer Planung immer auch an die Kündigungsfrist, die Sie vor dem Berufswechsel einhalten müssen.

[Bildnachweis: ImageFlow by Shutterstock.com]
28. Juli 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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