Jobsuche ab 50: Neuer Job mit 50 plus?

Für eine Jobsuche ab 50 kann es verschiedene Gründe geben, die sich grundsätzlich nicht von der Jobsuche in jüngeren Jahren unterscheiden: Die Stelle wurde wegrationalisiert, das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet oder vielleicht war der Arbeitsvertrag nur befristet. Auch ein verändertes Betriebsklima ist für viele Arbeitnehmer ein Grund, sich noch einmal anderweitig umzusehen. Im Gegensatz zu Berufsanfängern zählen Jobsuchende ab 50 nicht gerade zur heiß umworbenen Bewerbergruppe. Ab wann ist man zu alt für den Arbeitsmarkt? Dieser Frage gehen wir nach und schauen, wie Arbeitnehmer auch noch mit „50 plus“ einen neuen Job finden können…

Jobsuche ab 50: Neuer Job mit 50 plus?

Ab wann ist man zu alt für den Arbeitsmarkt?

Ein neuer Job mit 50 oder 55 Jahren scheint für viele Menschen unvorstellbar zu sein. Allgegenwärtig war (und ist) lange Zeit das Bild in den Köpfen der Personaler: Jung, dynamisch, erfolgreich. Interessanterweise sind diejenigen, die so denken, selbst oft in ihren Fünfzigern.

Dieses Denken kommt nicht von ungefähr, wie Lars Hahn, Geschäftsführer bei der Bildungseinrichtung LVQ, im Karriere-Blog schreibt:

Um die Jahrtausendwende stand der Arbeitsmarkt stark unter dem Eindruck von Frühverrentungsprogrammen; mit Abfindungen und Altersteilzeit entledigte man sich älterer Arbeitnehmer, die vom Job über Arbeitslosigkeit und Hartz IV quasi in die Rente hinüberglitten.

Ab 50 keinen Job mehr

Jüngere Arbeitnehmer werden oft bevorzugt: Frisch von der Uni, mit dem neusten Fachwissen ausgestattet und vor allem formbar – so mögen es viele Arbeitgeber. Berufsanfänger haben noch nicht die Berufserfahrung der älteren Kollegen, die sich ihrer Pflichten und Rechte als Arbeitnehmer viel deutlicher bewusst sind.

Hingegen haben Arbeitnehmer ab 50 Jahren mit vielen Vorurteilen zu kämpfen:

  • Geistig zu unflexibel, als dass sie sich auf etwas Neues einstellen könnten.
  • Mit Blick auf Computer, Software und neue Medien nicht lernfähig.
  • Häufige Krankmeldungen werden aufgrund gesundheitlicher Probleme befürchtet.
  • Wegen umfangreicher beruflicher Erfahrung zu teuer fürs Unternehmen.

Deshalb muss oftmals festgestellt werden: Leicht ist so eine Jobsuche mit 50 nicht. Oftmals schaffen es Bewerber aufgrund dieser Vorurteile erst gar nicht in die nähere Auswahl, obwohl ihre Qualifikationen passen. Andererseits hat sich in den vergangenen 20 Jahren einiges geändert.

Nicht zuletzt der demographische Wandel führt dazu, dass Arbeitgeber umdenken müssen, ältere Arbeitnehmer wieder attraktiver für Unternehmen werden. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist eine Möglichkeit, auf Jobsuchende mit 50 Jahren oder älter zurückzugreifen.

Warum ein Job auch mit 50 noch wichtig ist

Jobsuche ab 50Wer heutzutage 50 Jahre alt ist, muss nach derzeitigem Stand noch bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten. 17 Jahre vorher schon aufs Abstellgleis – wie soll das gehen? Von den finanziellen Einbußen, die die meisten bei der Rente hinnehmen müssten, ganz zu schweigen: Arbeit ist für viele Menschen ja nicht nur notwendiges Übel, sondern ein Weg zur Selbstverwirklichung.

Daneben gibt Arbeit Tagesstruktur, durch den Kontakt zu Arbeitskollegen mit unterschiedlichstem Hintergrund hält Arbeit geistig fit, regt den Austausch mit Andersdenkenden an und sorgt für soziale Bindungen. Was wäre die Arbeit ohne hin und wieder ein Feierabendbierchen mit den Kollegen?

Täglich einer Arbeit nachzugehen, das Gefühl zu haben, sinnvolle Aufgaben zu erledigen und zu einem großen Ganzen beizutragen, steigert das Selbstwertgefühl ungemein.

Sicher, es kann gesundheitliche Gründe geben, warum jemand nicht bis zur Rente arbeiten möchte oder kann. In anderen Fällen müssen vielleicht Angehörige gepflegt werden oder besondere Umstände machen einen frühzeitigen Renteneintritt nötig. Das ist aber nicht der Regelfall.

Unentbehrlich für Jobsuchende: Kennen Sie Ihre Stärken

Die Lebensmitte ist in vielerlei Hinsicht für ältere Arbeitnehmer eine spannende Zeit. Hier gibt es Menschen, die bereits über Lebens- und Berufserfahrung verfügen – ihnen macht so schnell keiner mehr ein X für ein U vor. Und diese und andere Vorteile gilt es sich als Jobsuchender bewusst zu machen:

  • Erfahrung

    In dem Alter liegen Familiengründung und teilweise sogar Hausbau hinter einem. Phasen, in denen neben der Arbeit schier unmögliches logistisches und organisatorisches Geschick erforderlich waren. Diese Arbeitnehmer haben meist diverse Herausforderungen und Krisen erfolgreich gemeistert und wissen, wo sie im Leben stehen. Daher kann auch die bewusste Entscheidung, vor der Rente beruflich noch einmal etwas Neues auszuprobieren der Grund sein, warum jemand mit 50 einen Jobwechsel plant – obwohl bisher alles glatt lief und der Weg vorgezeichnet erschien.

  • Standing

    Junge, unerfahrene Arbeitnehmer sind sich ihrer Rechte oft nicht so bewusst. Das kann einem Arbeitnehmer ab 50 plus kaum passieren. Sie sind so ein Silver Worker? Dann haben Sie vermutlich bereits verschiedene Chefs kommen und gehen sehen, haben eine gewisse Altersweisheit und Gelassenheit gewonnen. Während junge Kollegen sich vielleicht noch an manchen Stellen geradezu aufreiben, lehnen Sie sich zurück und wissen, dass bestimmte Dinge keine Aufregung lohnen. Gleichzeitig haben Sie den Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, denn Sie kennen Ihre Arbeitnehmerrechte.

  • Werte

    Mit Jugendlichen allein kann die Nachfrage oftmals nicht gedeckt werden, zumal die ihrerseits mit dem Permission Paradox kämpfen: Das Alter passt, aber die Berufserfahrung ist (logischerweise) nicht gegeben. So ganz ohne praktisch erworbenes Wissen ist etlichen Arbeitgebern allerdings auch nicht genehm. Und ein anderer Aspekt kommt hinzu: Die derzeit jungen Arbeitnehmergenerationen Y und Z haben oftmals ganz andere Vorstellungen von der Arbeitswelt und was diese ihnen bieten sollte als umgekehrt: Ein hohes Gehalt wird zwar gern gesehen, aber Freizeit und Privatleben werden sehr geschätzt. Das verträgt sich nicht immer mit starkem Engagement und Überstunden, auch hinkt die Arbeitsmoral teilweise hinterher.

  • Zielvorstellung

    Jüngere Arbeitnehmer können das oft nicht so klar benennen, haben eher eine Vorstellung davon, was sie nicht wollen. Aufgrund Ihrer Lebenserfahrung wissen Sie viel klarer, was Sie wollen, wie Ihr Arbeitsumfeld aussehen muss, damit Sie engagiert die volle Leistung erbringen können. Das hilft Ihnen dabei, gemäß Ihren Interessen und Wertvorstellungen Ihre Bewerbungsbemühungen voranzubringen.

  • Lebensplanung

    Als Arbeitnehmer mit 50 plus ist die Familienplanung üblicherweise abgeschlossen, die Kinder sind teilweise bereits aus dem Haus. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber jüngeren Arbeitnehmern, die häufig noch einen unerfüllten Kinderwunsch haben und kurze Zeit nach Arbeitsantritt in die Elternzeit gehen. Auch die Furcht vor häufigen Krankmeldungen von Best Agern lässt sich an dieser Stelle relativieren: Jüngere Arbeitnehmer mit Kindern mögen selbst vielleicht eine robustere Gesundheit haben, lassen sich dann aber gegebenenfalls für ihre Kinder krankschreiben.

5 Tipps für die Jobsuche ab 50 Jahren

Ein Jobwechsel mit 50? Als Quereinsteiger ab 50 noch Erfolg haben? Oder allgemein: Arbeit finden mit 55 – ist das möglich? Wir sagen: ja. Damit es mit der Jobsuche ab 50 klappt, hier folgende Tipps für den Bewerbungsprozess:

  • Selbstwertgefühl

    Wie oben dargelegt, gibt es eine Reihe von Aspekten, die für Sie und Ihr Alter sprechen. Seien Sie sich dieser Vorzüge bewusst, gehen Sie entsprechend selbstbewusst an Ihre Jobsuche heran. Diese Haltung wird sich in Ihrem Anschreiben und später auch im Vorstellungsgespräch widerspiegeln.

  • Mut

    Das richtige Mindset ist Grundvoraussetzung: Haben Sie Mut zur Veränderung. Das kann bedeuten, gewisse Abstriche machen zu müssen – etwa was die Höhe des Gehalts anbelangt. Mut auch, die typischen Pfade zu verlassen; mit 50 noch mal ein Praktikum machen – warum nicht? Wenn Sie als Quereinsteiger in einen neuen Bereich hineinwollen, können Sie am besten durch Ihren Einsatz zeigen, dass Sie sich nicht zu schade sind, erneut von der Rolle des Berufserfahrenen in die des Lernenden zu schlüpfen, sich neues Wissen anzueignen. Mut kann auch bedeuten, für einen Job einen Ortswechsel in Betracht zu ziehen.

  • Erneuerung

    Erfahrene Fachkräfte und Manager begehen teilweise den Fehler, zu sehr auf Ihre beruflichen Stationen zu vertrauen. Sie setzen sich nicht genügend mit ihren bisherigen Erfolgen auseinander, glauben, dass ihr Lebenslauf für sich spricht. Andere wiederum packen alles hinein, was ihnen einfällt. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie Ihre Unterlagen komplett überarbeiten. Wichtige Stationen und Errungenschaften sollten Sie hervorheben, gegebenenfalls Referenzen angeben können. Neu muss auch das Bewerbungsfoto sein: Üblicherweise nicht älter als zwei Jahre.

  • Hilfe

    In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, einen Coach oder Bewerbungsberater hinzuzuziehen, der mit Ihnen Ihre beruflichen Erfolge durchgeht und beispielsweise dabei hilft, fürs Anschreiben einen Jobwechsel plausibel darzulegen.

  • Netzwerke

    Unterschätzen Sie nicht den verdeckten Stellenmarkt: Der ist nicht nur deutlich größer als der Anteil der Stellen, die über Stellenanzeigen veröffentlicht werden, sondern die Konkurrenz ist auch deutlich niedriger. Ergibt insgesamt deutlich bessere Chancen für Sie, als wenn Sie sich nur auf Anzeigen bewerben. Um von solchen Stellen zu erfahren, brauchen Sie ein intaktes Netzwerk, dass Sie idealerweise über die Jahre hinweg aufgebaut und gepflegt haben. Dazu gehören Freunde, Familie und Bekannte, sowie ehemalige Kollegen aus anderen Jobs. Falls Ihr Netzwerk etwas eingeschlafen ist, erfahren Sie HIER, wie Sie Ihre Kontakte aktivieren.

Und noch ein Gedanke für die Probezeit, wenn es mit der Bewerbung geklappt hat:

Dass Sie älter als der Durchschnitt Ihrer Kollegen sind, kann dazu verleiten, dass Sie den „Macker“ heraushängen lassen – schließlich verfügen Sie über Berufs- und Lebenserfahrung. Vorsicht jedoch mit unbeabsichtigter Kritik und Besserwisserei.

Ihre Erfahrung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sie in eine neue Arbeitsstelle mit neuen Teamregeln hineinkommen, und zwar als Neuling – egal, wie alt Sie sind. Verscherzen Sie es sich nicht mit jüngeren Kollegen, von denen Sie etwas lernen können.

[Bildnachweis: Wellnhofer Designs by Shutterstock.com]

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27. August 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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