Attitüde: Brillanz beginnt im Kopf

Jeder Mensch kennt Beispiele für Menschen, denen der Erfolg scheinbar so zufliegt. Oft stellt sich die Frage nach ihrem Geheimnis: Ist es Talent oder harte Arbeit? Falsch! Attitüde ist der entscheidende Punkt. So meint es zumindest ein australischer Forscher herausgefunden zu haben. Hinter Attitüde verbirgt sich eine Einstellung, die zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor werden kann. Und dieser vereint eben zahlreiche berühmte Persönlichkeiten – ganz gleich, ob es sich um Künstler oder Topmanager handelt. Wir erklären, was es mit Attitüde auf sich hat und wie Sie Ihre dahingehend beeinflussen können, dass sie Sie weiterbringt…

Attitüde: Brillanz beginnt im Kopf

Definition: Was bedeutet Attitüde?

Was bedeutet das Wort „Attitüde“ genau? Bei dem Begriff handelt es sich um einen sogenannten Gallizismus – also ein Lehnwort, das aus dem Französischen entnommen und in seiner Schreibweise (daher das „ü“) eingedeutscht wurde.

Ursprünglich wurde das Wort im Bereich der darstellenden und bildenden Künste verwendet: Die Attitüde bezeichnete eine besonders ausdrucksstarke Körperhaltung, Geste, Positur oder Pose – zum Beispiel im Ballett, wenn der Oberkörper und ein Bein in die Waagerechte gebracht werden.

Im heutigen Sprachgebrauch hat der Begriff jedoch eine zweite Bedeutung bekommen und spiegelt hier vor allem eine innere oder geistige Haltung. Entsprechend auch die aktuellen Synonyme für Attitüde:

Besonders populär wurde der Begriff in den Neunzigerjahren mit dem Ärzte-Song „Schrei nach Liebe“. Darin heißt es zum Beispiel „Hass ist deine Attitüde“ und beschrieb dabei die gewaltbereite, geistige Grundhaltung der Neonazis und ihrer Sympathisanten. Im September 2015 entwickelte sich daraus die „Aktion Arschloch„.

Eine Attitüde zu haben, ist daher keine eindeutige Definition. Dahinter können verschiedene Einstellungen und Geisteshaltungen stecken – positive wie negative. Wesentliches Merkmal ist zunächst nur, dass diejenige Person eine solche Attitüde besitzt, die auch anderen auffällt.

Das ist das vielleicht entscheidendste Merkmal: Eine Attitüde bleibt nie verborgen – sie spiegelt sich in unserem Wesen, unserer Persönlichkeit, in unseren Aussagen, in unseren Meinungen und unserer Haltung (womöglich sogar in der Körperhaltung).

Allerdings ist das eine Wechselbeziehung: Es ist nur nicht so, dass die Attitüde aus unserem Charakter hervorgeht – wer sich eine solche Haltung zulegt, kann sich damit auch selbst verändern und weiterentwickeln. Vor allem ist eine solche Geisteshaltung nichts, was man wahlweise und mal eben an- oder ablegen könnte.

Eine Attitüde gibt es nur ganz oder gar nicht.

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Muster, Gemeinsamkeiten und Charakteristika von Attitüden

Wie bringt man es zu einem wahren Meister seines Fachs, einem renommierten Experten oder Könner seines Handwerks. Die einen sagen. üben, üben, üben – und verweisen auf die sogenannte 10.000-Stunden-Regel, die allerdings inzwischen als widerlegt gilt. Es stimmt zwar: Es ist noch nie irgendwo und irgendwann ein Meister vom Himmel gefallen.

Der australische Musik-Professor Gary McPherson, der dies eingehender erforscht hat, kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Als er untersuchte, was gute und wirklich erfolgreiche Musiker von den weniger erfolgreichen unterschied, fand er die in seinen Augen wesentliche Erfolgseigenschaft: Attitüde!

Für eine seiner Langzeitstudien pickte sich McPherson 157 Schüler heraus, die ein Instrument lernen wollten. Und tatsächlich:

  • Aus einigen wurden später Berufsmusiker, die ihr Instrument perfekt beherrschten.
  • Andere hörten mit dem Spiel sofort wieder auf, als sie die Schule verließen.

Also suchte McPherson nach Mustern, Gemeinsamkeiten, Charakteristika, die ihm helfen würden, besser vorherzusagen, wer zu der einen Gruppe gehören würde und wer zur zweiten. Am Ende fand er ein solches Merkmal – jedoch kein offensichtliches:

Nicht IQ oder Begabung – eine Frage macht den Unterschied.

Weder waren es der IQ, die musische Begabung der Kinder oder die Eltern, die daheim Druck ausübten und ihre Kinder zum Erfolg trieben.

Vielmehr war es eine simple Frage, die der Professor seinen Probanden zu Beginn seiner Forschungen gestellt hatte und die sie unterschiedlich beantworteten:

Wie lange, glaubst du, wirst du dieses Instrument spielen?

Auf den ersten Blick eine völlig unschuldige Frage. Doch sie hatte es in sich:

  • Wer plante sein ganzes Leben lang das Instrument seiner Wahl zu spielen, wurde darin nicht nur richtig gut, sondern vor allem um Klassen besser,
  • als jene, die darin nur ein Intermezzo und temporäres Hobby sahen.

Nicht ihre Fähigkeiten – die Attitüde, die Einstellung und die Liebe zu dem, was die Kinder taten, machte den entscheidenden Unterschied.

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Schlechte Attitüde führt zu Stillstand

Eine indifferente Haltung zu etwas wird also allerhöchstens Mittelmaß hervorbringen. Beispielsweise, wenn Sie für den Musikunterricht in der Schule Blockflöte lernen mussten, aber nie so richtig Lust darauf hatten. Ein noch größeres Problem ist eine ausgesprochen schlechte Attitüde.

Dazu müssen wir uns der Entstehung von Attitüden zuwenden. Eine Attitüde kommt ja nicht aus dem Nichts – wir sind tagtäglich von Menschen und ihren Meinungen umgeben, werden mit Situationen konfrontiert, die unterschiedlichste Emotionen wecken. All das formt unser Denken und wie wir Dinge wahrnehmen.

Der amerikanisch-polnische Psychologe Solomon Asch zeigte 1951 anhand des sogenannten Konformitätsexperiments (auch Asch-Experiment genannt), welche Rolle Gruppenzwang beispielsweise spielt. In seinem viel beachteten Experiment zeigte sich, wie eine Vielzahl der Teilnehmer sich nach der (offensichtlich falschen) Meinung der Mehrheit richteten.

Das beweist allerdings auch, dass Menschen nicht in dem determiniert sind, was sie als Attitüde nach außen tragen. Diese Grundannahme kann auf Vorurteilen, Unsicherheit oder dem Wunsch nach Akzeptanz basieren und ist in jedem Fall eine Einstellungssache.

Und hier liegt der Haken: So wie positive Affirmationen als Zuspruch zur notwendigen Energie für kommende Herausforderungen beitragen, behindern negative Glaubenssätze genau das. Sie prägen eine Attitüde, die sich in folgenden Gedanken und Aussagen widerspiegelt:

  • Das haben wir schon immer so gemacht.

    Bedeutet: Eine Umstellung wird als unbequem empfunden, die geistige Flexibilität ist gerade sehr schwach ausgeprägt.

  • Ich kann das nicht.

    Bedeutet: Es fehlt an Selbstvertrauen, die eigenen Fähigkeiten werden gering eingeschätzt.

  • Das schaffe ich zeitlich nicht.

    Bedeutet: Es werden falsche Prioritäten gesetzt, jemand versucht erst gar nicht, seinem neuen Ziel Zeit einzuräumen.

  • Aber bisher hat doch dieser Einsatz gereicht.

    Bedeutet: Die Einsichtsfähigkeit, warum es einen Wandel braucht, ist nicht vorhanden. Stattdessen werden Ausflüchte in bester Ja-aber-Manier gebracht.

  • Was wäre wenn…?

    Bedeutet: Nach einem Negativerlebnis zerfleischt sich derjenige in Überlegungen, was schief gelaufen ist. So wichtig eine Analyse auch ist – ab einem bestimmten Punkt kann sie zur Grübelfalle werden, die weitere Wagnisse von vornherein blockiert.

  • Ich möchte nicht der Quertreiber sein.

    Bedeutet: Die eigenen Gedanken und Ansichten werden zugunsten der Harmonie geopfert. So ist alles schön stromlinienförmig.

  • Jetzt lohnt es sich ohnehin nicht mehr.

    Bedeutet: Der Aufwand wird gescheut, weil befürchtet wird, dass der Einsatz den Ertrag bei weitem übersteigt.

  • Was denken die anderen darüber?

    Bedeutet: Ähnlich auch hier – die Ansichten anderer werden höher bewertet und davon wird die eigene Meinung abhängig gemacht.

  • Was, wenn es nicht funktioniert?

    Bedeutet: Die Angst vorm Scheitern ist größer als die Bereitschaft, es wenigstens zu versuchen.

  • Ich verdiene das nicht.

    Bedeutet: Das geringe Selbstwertgefühl gaukelt vor, dass es ohnehin zwecklos ist, etwas anderes zu wollen. Diese Attitüde findet sich auch im Volksmund wieder: „Schuster, bleib bei deinem Leisten.“

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Attitüde: Brillanz beginnt im Kopf

Das Studienergebnis ist zum Teil auch auf den Beruf oder andere Fertigkeiten übertragbar: Egal, was man im Leben erreichen möchte – wenn man regelmäßig übt und trainiert, wird man besser. Aber zu wahrer Meisterschaft reicht das nicht. Es fehlt die Leidenschaft, sich seiner Sache mit Haut und Haaren und damit langfristig zu verschreiben.

Wer darin nur ein Mittel zum Zweck sieht, eine Übergangsstation, wird darin nur ein Übergangsprojekt sehen. Das fängt man an, schließt es ab und dann macht man etwas anderes. Wozu also der Ehrgeiz, brillant darin zu sein?

Das mag auf den ersten Blick rational sein, effizient sogar. Es verrät aber auch den Träumer. Der ist gedanklich eigentlich ganz woanders und lebt nicht im Hier und Jetzt. Das, was er oder sie gerade tut, ist eher lästige Pflicht. Ein Zwischenstadium.

Genau darin liegt der Denkfehler: Großartig wird man nicht, indem man Zwischenstationen durchzieht oder überspringt, sondern indem man zu jeder Zeit versucht, großartig zu sein, dranbleibt, sich hingibt – und jeden Moment davon genießt.

Großartigkeit beginnt im Kopf. Sie beginnt mit echter Hingabe – und der richtigen Attitüde…

7 Attitüden echter Innovatoren

Innovatoren fallen in jeder Gesellschaft und in jeder Epoche auf. Sie weigern sich, die allgemein akzeptierten Grenzen und Überzeugung hinzunehmen. Sie verfolgen Ideen, die andere für unvernünftig halten und sie sorgen auf ihrem Weg zu neuen Zielen für Veränderungen. Nicht selten bringen sie dadurch ganze Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche voran.

Solche Innovatoren mit gesamtgesellschaftlichem Einfluss sind zwar selten, doch lässt sich von ihnen wunderbar lernen. Insbesondere von den Attitüden, die sie so erfolgreich und einflussreich machen…



Sie machen sich angreifbar

Wer sich innovativen Ideen verschreibt oder ungewöhnliche Wege geht, macht sich dadurch automatisch angreifbar und verletzlich. Spätestens dann, wenn die Ideen weiter voranschreiten und erste Ergebnisse sichtbar werden, treten garantiert auch Kritiker auf den Plan. Solche Kritik kann für Innovatoren auch ein gutes Zeichen sein. Sie zeigt oft, dass sie auf dem richtigen Weg sind manch etablierter Idee gefährlich werden.

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Sie verlassen ihre Komfortzone

Wer neue Wege geht, verlässt damit ganz automatisch die gewohnten und bequemen Pfade. Nicht nur Kritik, auch Unsicherheit, Zweifel und zahlreiche Fragen können innovative Wege unbequem, anstrengend und teilweise gefährlich machen. Doch um es etwas pathetisch zu formulieren: Wenn Christoph Kolumbus nie den heimatlichen Hafen verlassen und unbekannte Gewässer angesteuert hätte, hätte er nie einen neuen Kontinent entdeckt.

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Sie sind unvernünftig

Aus heutiger Sicht wirken viele Innovatoren retrospektiv vernünftig, ja geradezu genial. Doch zu ihrer Zeit sah das anders aus. Thomas Alva Edison wurde beispielsweise für seine Experimente zur Entwicklung der Glühbirne als Spinner abgestempelt. Eine unvernünftige, verrückte und völlig unrealistische Idee, so nahmen viele Zeitgenossen seine Versuche wahr. Glücklicherweise blieb Edison jedoch unvernünftig.

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Sie sind hungrig

Hungrig nach neuem, nach Veränderung, nach Entwicklung. Alle Innovatoren teilen ein tief gehendes Bedürfnis nach Veränderung, nach bisher nicht ausprobierten Wegen und Ansätzen. Diese Attitüde lässt sich, das geben wir gerne zu, nur schwer lernen. Doch jeder kann sich eine damit verwandte Frage stellen: „Bin ich mit dem aktuellen Zustand wirklich zufrieden?“ Oft wird die Antwort negativ ausfallen. Dann ist es Zeit, aktiv zu werden.

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Sie geben ihr Bestes

Und zwar immer. Im Gegensatz zu anderen, die sich zwar engagieren, jedoch nicht das bestmögliche aus Situationen machen, geben Innovatoren immer ihr Bestes. Sie tun das jedoch nicht, um andere zu beeindrucken oder Anerkennung einzuheimsen. Nein, sie geben ihr Bestes, weil sie intrinsisch motiviert sind, von Leidenschaft und Visionen angetrieben werden. Weil sie für ihre Sache brennen.

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Sie arbeiten smart

Kennen Sie den Spruch: „Don’t work harder, work smarter“? Echte Innovatoren sind Paradebeispiele für diesen Grundsatz. Ja, sie geben ihr Bestes, doch das bedeutet nicht, dass sie unbedingt mehr arbeiten als andere. Doch sie suchen nach Wegen, anliegende Arbeiten effizient und nachhaltig zu erledigen und bestmögliche Ergebnisse mit optimalem Einsatz zu erzielen. Sie wissen, dass ihre Energie begrenzt ist und verschwenden sie nicht an unnötige Arbeiten.

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Sie sind dankbar und demütig

Diese Attitüde scheint auf einige bekannte Innovatoren nicht zuzutreffen. So mancher Innovator wirkt auf den ersten Blick arrogant, egozentrisch und hochmütig. Auf den einen oder anderen trifft das auch zu. Doch selbst die arrogantesten Innovatoren sind im persönlichen und privaten Bereich dankbar für die Menschen in ihrem Leben und ihrem Umfeld. Sie wissen, was sie an Freunden und Familien haben und zeigen ihre Wertschätzung diesen gegenüber. Eine Eigenschaft, die sich jeder zu eigen machen kann und sollte.

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Nicht jede Attitüde passt zu jedem Menschen. Doch jeder kann sie sich zum Vorbild nehmen, daran arbeiten und wachsen… Attitüde, Baby!

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[Bildnachweis: HBRH by Shutterstock.com]
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6. Februar 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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