Neustart: Job, Leben, Beziehung – alles auf Anfang

Wäre es nicht toll, wenn wir für den Neustart im Leben einfach nur den Reset-Knopf drücken müssten? Ganz so leicht wie der Neustart beim PC oder Handy geht es leider nicht. Da warten wir nach dem Drücken ein bisschen und das Gerät, was zuvor diverse Macken im Ablauf aufwies, funktioniert wieder reibungslos. Für Ihren persönlichen Neustart ist Warten allerdings genau das Falsche. Stattdessen sollten Sie planvoll und proaktiv vorgehen. Sie brauchen dafür vor allem zweierlei: Mut und Flexibilität. Wie Ihr Neustart gelingen kann…

Neustart: Job, Leben, Beziehung - alles auf Anfang

Neustart im Leben: Veränderung zum Besseren

Meist geht dem Neustart (englisch: restart oder fresh start) eine Krise voraus. Das ist insofern praktisch, als dass sie der betroffenen Person anzeigt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Nicht selten machen sich Krisen im Leben durch körperliche Symptome bemerkbar. Wie bei Bauchschmerzen heißt es dann innehalten und überlegen: Was könnte der Auslöser sein?

  • Partnerschaft

    Manchmal ist es die berühmt-berüchtigte Midlife-Crisis, die Schwierigkeiten in der Partnerschaft offenlegt. Die Kinder sind aus dem Haus, man hat sich auseinander gelebt. Das Leben scheint wie vorgezeichnet, keinerlei Überraschungen mehr, nur noch Monotonie.

  • Gesundheit

    Genauso gut kann eine allgemeine Sinnkrise jemanden ereilen. Eine schwere Krankheit schränkt plötzlich die Lebensqualität ein. Wenn beispielsweise ein Aktivsportler massiv zurückstellen muss, weil der Körper nicht mehr die gleiche Leistung erbringen kann wie früher. Oder es kämpft sich jemand nach einer Krebserkrankung zurück ins Leben.

  • Gesellschaft

    Ebenso kann ein Neustart eine Chance für jemanden mit krimineller Vergangenheit sein: Jemand ist zu der Erkenntnis gelangt, dass das kriminelle Leben keinerlei Zukunft bietet. Dieses Mal gelingt die Integration in die Gesellschaft. Oder die Drogensucht wird bekämpft: Dieses Mal schafft jemand den Entzug, von dort aus wird das Leben umgekrempelt.

  • Job

    Nicht selten ist der Grund für den geplanten Neustart eine Jobkrise. Häufig hängen auch mehrere Lebensbereiche miteinander zusammen: Wer unzufrieden im Berufsleben ist, lässt das womöglich an anderen aus. So kann der falsche Job sich negativ auf die Beziehung auswirken. Umgekehrt hat eine instabile Beziehung eventuell Konsequenzen für den Job.

Wer an diesem Punkt in seinem Leben angelangt ist, will etwas ändern. Mit dem Neustart – synonym auch Neubeginn oder Neuanfang – ist eine reizvolle Vorstellung verbunden: Alles, was derzeit im Job oder Leben Probleme bereitet, wischen wir mit einer Handbewegung beiseite und schon läuft alles wie am Schnürchen.

Wahr ist aber auch: Je älter wir werden, umso zögerlicher sind viele, wenn es um einen Neustart geht. Denn mit einem radikalen Neustart gehen nicht nur ersehnte Veränderungen, sondern vor allem viele Unwägbarkeiten einher. Begleitet werden diese von Ängsten:

  • Wird es tatsächlich besser oder tauscht man ein Übel gegen ein neues aus?
  • Ist man diesen Veränderungen geistig und seelisch gewachsen?
  • Wie geht es weiter, wenn der Neustart nicht funktioniert?

Neustart im Job: Raus aus der Misere

Umfragen des Gallup-Index belegen immer wieder, dass Millionen Arbeitnehmer unzufrieden in ihrem Job sind. Sie schleppen sich nur noch zur Arbeit, machen Dienst nach Vorschrift und freuen sich am Montag bereits auf das Wochenende.

Dass das kein Leben sein kann, ist klar. Wir verbringen einen Großteil unserer Lebenszeit auf der Arbeit, daher wäre es für das eigene Wohlbefinden sinnvoll, wenn Sie Spaß auf der Arbeit haben. Sicherlich ist nicht jeder Job der große Traumjob. Je nach Phase im Leben kann ein Job auch lediglich zur Überbrückung dienen.

Manchmal sind es auch weniger die Tätigkeiten an sich, die einem Spaß machen, sondern mehr das Umfeld und die Kollegen. Ganz gleich, wo der persönliche Schwerpunkt liegt: Wird jeder Tag zur Qual, ist ein Neustart sinnvoll.

Damit dieser gelingt, ist es wichtig, die Ursachen der eigenen Unzufriedenheit zu ergründen. Liegen die klar im beruflichen Bereich, ist es wichtig, keine Kurzschlussreaktion zu begehen: Eine sofortige Kündigung ist nur dann angezeigt, wenn Sie bereits einen neuen Job in der Tasche haben.

Für einen Neustart stellt sich allerdings die Frage, wohin die Reise gehen soll. Solange das nicht klar ist, sollten Sie nie Ihre finanzielle Absicherung riskieren. Zumal es einen besseren Eindruck macht, wenn Sie sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis bewerben, denn Sie vermeiden so Lücken im Lebenslauf.

Neustart vorbereiten: Mit Sinn und Verstand zum Ziel

Es heißt ja Neustart und nicht Kaltstart – also ist es wichtig, dass Sie planvoll vorgehen. Das bedeutet nicht, dass Sie zwangsläufig alle Zeit der Welt investieren. Manche Leute nehmen beispielsweise für eine berufliche Neuorientierung eine Auszeit und glauben sich die Antworten auf ihre Fragen auf dem Jakobsweg erwandern zu können.

Das kann funktionieren – aber nur, wenn Sie sich zeitgleich mit unbequemen Wahrheiten konfrontieren und in einem Denkprozess die Fragen eruieren, die für einen Neustart wichtig sind. Ein Tapetenwechsel allein generiert keine Antworten. Die Auszeit ist dann lediglich eine Flucht vor den drängenden Problemen Ihres Lebens.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Sie es selbst in der Hand haben, etwas zu ändern. Einige Menschen neigen zur Opferrolle: Jammern jeden Tag, wie schlimm das Leben und insbesondere ihr Job doch sei. Es ist unbestritten, dass die meisten Menschen bestimmten Sachzwängen unterliegen.

Die Miete muss gezahlt werden, vielleicht gibt es noch Hypotheken oder Schulden, der Lebensunterhalt will ebenfalls finanziert werden. Die Frage ist nur, ob ein beruflicher Neustart es nicht wert wäre, einige Einschränkungen in Kauf zu nehmen? Denn geschenkt bekommen Sie den Neustart nicht.

  • Selbstreflexion

    Die Selbstreflexion ist daher der zentrale Ausgangspunkt eines jeglichen Neustarts – ganz gleich, ob Sie im privaten oder im beruflichen Leben etwas ändern möchten. Um die Antworten darauf zu finden, wie es weitergeht, sind eine Reihe von Fragen zentral:

    • Wer bin ich?
    • Wohin will ich?
    • Was ist mir wichtig?
    • Welches Arbeitsumfeld benötigen Sie?
    • Welche Werte vertrete ich?
    • Wofür stehe ich?
    • Worauf kann ich verzichten?
    • Worauf will ich nicht verzichten?
    • Wie wichtig ist mir finanzielle Sicherheit?
    • Woran habe ich Freude?
    • Was fällt mir leicht?
    • Was fällt mir eher schwer?
    • Worin finde ich Entspannung?
    • Wofür loben mich andere?
    • Worum beneiden mich andere?
    • Welche Kenntnisse habe ich?
    • Welche Kenntnisse brauche ich?

    Es geht letztlich um eine erweiterte Potenzialanalyse. Sie haben sich mit Ihren Stärken und Schwächen auseinandergesetzt und können von dort aus aufbauen.

  • Konsequenzen

    Vielleicht mussten Sie erkennen, dass Sie zwar ein starkes Interesse in einem bestimmten Bereich haben, Ihnen für einen Jobwechsel jedoch noch bestimmte Fachkenntnisse fehlen. Auf solche Erkenntnisse lässt sich aufbauen, denn sie geben den nächsten Schritt – in diesem Fall zum Beispiel ein Praktikum oder eine Weiterbildung – vor.

    Gleichzeitig ist dieser Teil der Vorbereitung eine Art Kassensturz: Was habe ich an Qualifikationen/ Rücklagen/ Interessen, was brauche ich an Qualifikationen/ Rücklagen/ Interessen? Je genauer Sie an dieser Stelle planen und auch überflüssigen Ballast abwerfen, desto größer die Erfolgsaussichten.

    Wichtig ist, dass Sie sich über die Konsequenzen im Klaren sind: Denn der Reflexionsprozess ist gerade am Anfang noch offen. Es kann genauso gut möglich sein, dass Sie zu dem Ergebnis kommen, dass die persönlichen Nachteile eines Neustarts für Sie überwiegen und Sie deshalb Abstand vom ursprünglichen Vorhaben nehmen.

  • Unterstützung

    Haben Sie sich für einen Neustart entschieden, holen Sie sich jegliche Unterstützung, die Sie kriegen können. Seien Sie trotzdem wählerisch: Gut gemeint ist noch längst nicht gut gemacht. Sie werden auf Menschen treffen – Kollegen, Freunde, Verwandte – die Ihnen unbedingt ihre Sicht der Dinge schildern wollen.

    Darunter werden sich immer Bedenkenträger finden. Wenn Sie für sich einen Neustart beschlossen haben, sollten Sie sich allerdings von solchen Leuten fernhalten. Toxische Menschen lösen Unsicherheit aus, schüren Zweifel und bremsen Sie im schlimmsten Fall komplett aus.

    Was Sie allerdings brauchen, sind Menschen, die Ihnen zeigen, wie ein Neustart gelingen kann. Das können Menschen aus den genannten Personenkreisen sein. Das kann ebenso gut ein Coach oder eine Person aus dem Netzwerk sein, die für Sie Vorbild ist.

  • Flexibilität

    Gemeint ist damit vor allem geistige Flexibilität. Denn mit einem Neustart lassen Sie sich auf Neues ein – eine neue Tätigkeit, ein neues Umfeld, neue Menschen und vielleicht auch eine neue Art des Arbeitens:

    Wer beispielsweise bisher immer direkt vor Ort im Unternehmen gearbeitet hat, macht sich nun vielleicht selbstständig oder arbeitet im Home Office. In jedem Fall setzen solche Veränderungen die Bereitschaft voraus, sich neuen Umständen anzupassen. Nicht jeder Mensch eignet sich dafür.

    Manchen macht ein Neustart Angst, weil sie aus ihrem vielleicht verhassten, aber dennoch gewohnten Arbeitsumfeld gerissen werden. Sie arrangieren sich mit den Gegebenheiten und trösten sich, dass es woanders sicherlich genauso läuft.

  • Mut

    Sie brauchen Mut für einen Neustart. Nicht nur, um das Ganze durchzuziehen, sondern in Situationen, in denen Sie erstmals auf die Probe gestellt werden – beispielsweise beim Vorstellungsgespräch. Hier werden Sie dem Personaler plausibel erklären müssen, was diesen Neustart bewirkt hat.

    Ziel ist es herauszufinden, wie sehr Sie tatsächlich hinter dieser beruflichen Veränderung stehen. Kein Arbeitgeber möchte einen Mitarbeiter, der nur aus einer Laune heraus unstet andauernd den Job wechselt. Sofern Sie sich jedoch im Vorfeld exakt mit Ihren Bedürfnissen, Werten und Fähigkeiten auseinandergesetzt haben, sollte es kein Problem mehr sein, den beruflichen Neustart selbstbewusst begründen zu können.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
18. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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