Durch den Beruf auseinander gelebt

Zwischen den Vorstellungen vom Berufsleben können Welten liegen. Für manch einen steht die Karriere an erster Stelle: Man will etwas erreichen, erfolgreich sein, Verantwortung tragen, sich einen Namen machen und vollends in seinem Beruf aufgehen. Doch nicht jeder teilt diese Prioritäten und andere wollen lieber verreisen, die Zeit mit der Familie verbringen oder einem Hobby nachgehen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich durch den Beruf auseinanderzuleben und sie alle führen zwangsläufig zu Problemen, wieder zurück zueinander zu finden. Um dies zu schaffen, braucht es in der Regel mehr als nur ein klärendes Gespräch…

Durch den Beruf auseinander gelebt

Warum lebt man sich durch den Beruf auseinander?

Es klingt so klischeehaft: Wir haben uns auseinander gelebt. Irgendwo hat wohl jeder diesen Satz schon einmal gehört – vorzugsweise, wenn sich ein Paar nach mehreren gemeinsamen Jahren getrennt hat. Irgendwann hat es einfach nicht mehr gepasst. Warum, wieso, weshalb? Das kann keiner der Beteiligten so genau sagen. Auseinander gelebt eben. In vielen Fällen spielt der Beruf und die persönliche Entwicklung von einem oder auch beiden eine entscheidende Rolle.

Doch nicht nur Partnerschaften können auf diese Weise in die Brüche gehen. Auch Freundschaften und sogar die Bindung innerhalb einer Familie kann darunter leiden. Ein beliebtes Beispiel ist der Generationenkonflikt, der sich beispielsweise immer dann beobachten lässt, wenn ein Social-Media Manager seinen Eltern oder sogar Großeltern zu erklären versucht, womit er eigentlich sein Geld verdient. Auch in anderen Branchen und Berufen lässt sich ähnliches beobachten.

Was in diesen Fällen fehlt, ist das Verständnis, was der andere eigentlich beruflich macht. Die fehlende Verbindung wirkt dabei nicht selten wie Desinteresse oder sogar mangelnde Akzeptanz. Um an diesen Punkt zu kommen, kann es verschiedene Gründe geben:

  • Unterschiedliche Entwicklungen. Persönliche und berufliche Entwicklungen lassen sich nur schwer auf lange Zeit planen oder vorhersehen. Für den einen rückt die Karriere immer mehr in den Mittelpunkt, während die berufliche Entwicklung bei einem anderen stagniert und der Fokus in einen anderen Bereich fällt. Je unterschiedlicher die Entwicklungen sind, desto schneller kann man sich auseinander leben.
  • Unterschiedliche Erwartungen. Nicht immer sind die Erwartungen an den Partner aber auch an die Zukunft gleich. Daraus kann eine unterschiedliche Haltung resultieren, die dazu führt, dass man sich immer weiter voneinander entfernt.
  • Unterschiedliches Verständnis. Für den einen ist der Beruf die pure Erfüllung, eine wahre Berufung eben, der man sich verschrieben hat und für die man gerne bereit ist, Überstunden zu machen oder auch Wochenenden zu opfern. Unterscheidet sich dieses Verständnis stark von den Ansichten des Gegenübers, kann eine große Kluft entstehen, die nur schwer zu überwinden ist.

Wie kann man wieder zusammenfinden?

Kommt man an einen Punkt, an dem man bemerkt, dass man sich durch den Beruf immer weiter auseinander gelebt hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist es aufzugeben, die Beziehung – egal ob zum Partner, Freund oder sogar einem Familienmitglied – abzuschreiben und sich damit abzufinden, dass es einfach nicht mehr zusammen passt. In manchen Situationen kann das der richtige Weg sein, in vielen Fällen ist es jedoch keine Lösung, weil man nicht bereit ist, aufzugeben. Stattdessen möchte man um den Erhalt der Beziehung kämpfen und etwas unternehmen, um das Verhältnis wieder zu bessern. Aber was?

Ein erster Schritt kann es sein, das offene Gespräch zu suchen. Was so simpel klingt, stellt oft bereits die erste große Herausforderung dar. Kaum jemandem fällt es leicht, ernsthafte Probleme direkt anzusprechen. Die Überwindung kann sich aber bezahlt machen, da es den Druck reduziert, offen über das eigene Empfinden zu sprechen. Nur so lässt sich feststellen, ob beide ähnliche Gedanken haben.

Das Gespräch allein reicht leider oft nicht aus, um tatsächlich etwas zu ändern. Es ist lediglich der erste Anstoß. Anschließend sollte es darum gehen, neue Gemeinsamkeiten zu finden, um die Vertrautheit, die einmal vorhanden war, wieder herzustellen. Außerdem kann ein ganz bewusstes Umdenken helfen: Nicht nur der andere hat sich verändert, sondern auch man selbst. Dabei können Unterschiede sichtbar werden, derer man sich vorher noch nicht bewusst war. Das mag anfangs neu und anders wirken, doch müssen Unterschiede nichts schlechtes sein. Oft sind es genau diese Dinge, die man an einem anderen mit der Zeit zu schätzen lernt.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
14. Juli 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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