Nebenberuflich selbstständig machen: Tipps & Schritte

Etwa 26 % der Erwerbstätigen mit Zweitjob sind nebenberuflich selbstständig. Sie springen nicht ins kalte Wasser, sondern starten mit der Sicherheit einer Festanstellung im Rücken. Aber wie können Sie sich nebenberuflich selbstständig machen? Wir zeigen Regeln und Voraussetzungen sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die Selbstständigkeit neben dem Beruf…

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Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen, üben Sie ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit aus, während Sie weiterhin im Hauptberuf bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind.
  • Erlaubnis: Sie haben das Recht auf nebenberufliche Selbstständigkeit, solange Sie keine berechtigten Interessen des Arbeitgebers verletzen (z.B. Konkurrenztätigkeit).
  • Meldepflicht: Der Arbeitgeber muss nicht explizit zustimmen, viele Arbeitsverträge enthalten aber eine Informationspflicht. Sie müssen den Chef vor Beginn der Selbstständigkeit über Art und Ausmaß informieren.
  • Verdienstgrenze: Bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit gibt es keine festen Verdienstgrenzen. Es spielt zunächst keine Rolle, ob Sie 500 oder 5.000 € im Monat verdienen.
  • Steuern: Machen Sie sich nebenberuflich selbstständig, unterliegen Sie der Einkommenssteuerpflicht. Zusätzlich zahlen Sie Umsatzsteuer, Gewerbesteuer (nicht für Freiberufler) und je nach Rechtsform Körperschaftssteuer.
  • Kleinunternehmerregelung: Bei geringen Umsätzen (maximal 25.000 € in Vorjahr, weniger als 100.000 € im laufenden Jahr) können Sie sich durch die Kleinunternehmerregelung von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen. Das reduziert den bürokratischen Aufwand.
  • Arbeitszeit: Hauptberuf und nebenberufliche Selbstständigkeit dürfen zusammen die maximale Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Auch 11 Stunden Ruhezeit (§ 5 ArbZG) zwischen den Arbeitstagen müssen Sie einhalten.

65-70 % aller Unternehmensgründungen starten als nebenberufliche Selbstständigkeit. Der Trend der letzten Jahre ist eindeutig: Immer mehr Arbeitnehmer wagen den Schritt und starten neben dem Job eine selbstständige Tätigkeit – laut Studien und Gründungsmonitoren gibt es jährlich mehr als 380.000 Neugründungen als Nebenjob.

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Darf ich mich nebenberuflich selbstständig machen?

Die Berufsfreiheit (Artikel 12 Grundgesetz) gilt in Deutschland auch neben dem Hauptberuf. Sie dürfen sich nebenberuflich selbstständig machen und ein zweites Standbein aufbauen. Es gibt aber einige Einschränkungen bei der Tätigkeit: Sie dürfen dem Hauptarbeitgeber bei nebenberuflicher Selbstständigkeit keine Konkurrenz machen, der Hauptjob (und Ihre Leistung dort) darf nicht unter der Nebenbeschäftigung leiden und Sie müssen die Vorschriften aus dem Arbeitszeitgesetz einhalten.

Muss der Arbeitgeber zustimmen?

Sie benötigen keine ausdrückliche Zustimmung des Arbeitgebers und dieser muss die nebenberufliche Selbstständigkeit nicht erlauben. Bei der Gestaltung Ihrer Zeit nach dem Feierabend hat der Chef kein Mitspracherecht. Aber: Die meisten Arbeitsverträge in Deutschland enthalten eine Klausel zur Informationspflicht bei Aufnahme einer Nebentätigkeit. Dann müssen Sie den Arbeitgeber lediglich informieren. Dieser kann Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit aber nicht einfach verbieten. Das ist nur möglich, wenn Sie mit der Tätigkeit gegen das Wettbewerbsverbot verstoßen, Ihre Leistungen nachlassen, Sie gesetzliche Vorgaben missachten oder ein anderes berechtigtes Interesse für das Unternehmen vorliegt.

Schritt für Schritt nebenberuflich selbstständig machen

Sie wollen sich nebenberuflich selbstständig machen? Wir erklären Schritt für Schritt, was Sie auf dem Weg in die erfolgreiche Selbstständigkeit als Nebenjob tun müssen:

1. Idee entwickeln

Klar, zuerst brauchen Sie eine zündende Geschäftsidee, mit der Sie sich nebenberuflich selbstständig machen. Finden Sie ein Produkt oder eine Dienstleistung, für die es eine Nachfrage gibt. Die Kernfrage: Was können Sie anbieten, was andere Leute brauchen und wofür sie Geld bezahlen? Achten Sie dabei auf mögliche Voraussetzungen. Manche Tätigkeiten erfordern bestimmte Ausbildungen oder Qualifikationen – diese müssen Sie mitbringen oder im Vorfeld erwerben.

2. Businessplan schreiben

Der Businessplan ist zwar keine Pflicht, aber ein großer Vorteil für Gründer. Hier halten Sie alle wichtigen Informationen Ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit fest: von der Idee über eine Marktanalyse, Finanzierung sowie angestrebte Ziele. Sie geben dem gesamten Vorhaben eine klare Struktur und haben eine Grundlage für anstehende Entscheidungen.

3. Selbstständigkeit anmelden

Mit diesem Schritt machen Sie sich offiziell nebenberuflich selbstständig: Sie müssen Ihre Tätigkeit anmelden. In der Regel ist dafür eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt (Kosten: 20-60 €) notwendig – Ausnahme sind Freiberufler: Diese gelten rechtlich nicht als Gewerbetreibende. Zusätzlich füllen Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über das ELSTER-Portal für eine Anmeldung beim Finanzamt aus. Nach der Bearbeitung bekommen Sie Ihre Steuernummer, die Sie z.B. für Rechnungen brauchen. Je nach Tätigkeit müssen Sie sich zudem bei der Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HWK) anmelden.

4. Arbeitgeber informieren

Der Arbeitsvertrag verpflichtet Sie fast immer dazu, doch selbst ohne eine entsprechende Klausel empfehlen wir: Setzen Sie auf transparente Kommunikation mit dem Arbeitgeber. Führen Sie ein kurzes und sachliches Gespräch mit dem Vorgesetzten und erklären Sie, dass Sie sich nebenberuflich selbstständig machen. Das schafft Vertrauen und verhindert spätere Missverständnisse.

Welche Rechtsform eignet sich am besten?

Die häufigste Variante für nebenberufliche Selbstständigkeit ist das sogenannte Einzelunternehmen. Nach Anmeldung bei Gewerbe- und Finanzamt können Sie schnell und unkompliziert loslegen. Starten Sie die Selbstständigkeit mit einem Partner zusammen, bietet eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) einen leichten Einstieg. Nachteil beider Rechtsformen ist die unbeschränkte Haftung auch mit dem Privatvermögen. Bei einer Unternehmergesellschaft (UG) oder einer GmbH ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt. Dafür benötigen Sie aber Stammkapital (bei GmbH) und unterliegen strengeren Pflichten (z.B. Bilanzierung).

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Gibt es eine Verdienstgrenze für nebenberufliche Selbstständigkeit?

Es gibt zunächst keine offizielle Verdienstgrenze, wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen. Steigen Ihre Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit, wird diese aber möglicherweise nicht mehr als Nebentätigkeit gewertet. Neben dem Verdienst wird dabei auch die Arbeitszeit berücksichtigt. Als Faustregel gilt:

  • Einkommen
    Die nebenberufliche Tätigkeit hat eine wirtschaftlich untergeordnete Bedeutung. Sie finanzieren sich mehrheitlich durch den Hauptjob.
  • Arbeitszeit
    Sie investieren höchstens 20 Stunden pro Woche in die selbstständige Arbeit neben Ihrem Beruf.

Bei diesen Voraussetzungen handelt es sich wirklich um eine nebenberufliche Selbstständigkeit. Sie bleiben weiterhin über Ihren Hauptarbeitgeber sozialversichert und zahlen keine weiteren Beiträge zu Kranken-, Pflege- oder Rentenversicherung. Unser Karrierebibel-Tipp: Kontaktieren Sie trotzdem unbedingt Ihre Krankenkasse! Ihre Einkünfte aus der Selbstständigkeit können Ihre Beiträge verändern. Schlimmstenfalls drohen hohe Forderungen und Nachzahlungen.

Wann muss ich selbst Sozialversicherungen zahlen?

Bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus der Selbstständigkeit, gilt diese nicht mehr als nebenberuflich. Das wirkt sich vor allem auf die Sozialversicherungen aus: Sie müssen sich dann selbst um eine private oder freiwillige gesetzliche Krankenversicherung kümmern und auch für die Rentenversicherung sind Sie selbst verantwortlich.

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Steuern bei nebenberuflicher Selbstständigkeit

Für das Finanzamt und Ihre Steuerpflicht spielt es keine Rolle, ob Sie sich haupt- oder nebenberuflich selbstständig machen. Heißt: Wenn Sie Umsätze und Gewinne erzielen, müssen Sie darauf Steuern zahlen und die Einkünfte in der Steuererklärung angeben. Zu den wichtigsten und häufigsten Steuern, die Sie als Selbstständiger entrichten müssen, gehören:

  • Einkommenssteuer
  • Umsatzsteuer
  • Gewerbesteuer (bei Gewerbetreibenden)
  • Körperschaftssteuer (bei Kapitalgesellschaften: GmbH, UG oder AG)

Nebenberuflich selbstständig: Kleinunternehmerregelung

Viele nebenberufliche Selbstständige können die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) nutzen. Lag der Umsatz im letzten Jahr unter 25.000 € und übersteigt im aktuellen Jahr keine 100.000 € (Stand: 2026), können Sie sich auf Antrag von der Umsatzsteuer befreien lassen. Sie müssen dann die Steuer nicht berechnen oder an das Finanzamt abführen und es findet keine Umsatzsteuervoranmeldung statt.

Nebenberuflich selbstständig machen: Vor- und Nachteile

Der Kompromiss aus Angestelltenverhältnis und gleichzeitigem Aufbau einer eigenen Firma ist für viele der ideale Mittelweg. In der folgenden Übersicht stellen wir die Vor- und Nachteile vor:

Vorteile nebenberuflicher Selbstständigkeit

  • Guter Testlauf

    Sie können testen und herausfinden, ob Ihre Geschäftsidee überhaupt funktioniert. Gibt es eine Nachfrage, finden Sie Kunden? So können Sie prüfen, ob sich eine hauptberufliche Selbstständigkeit überhaupt lohnen würde.

  • Weniger Risiko

    Natürlich kann eine Selbstständigkeit immer scheitern – ob haupt- oder nebenberuflich. Das damit verbundene Risiko ist in diesem Fall jedoch geringer. Ihre wirtschaftliche Existenz ist nicht vollkommen vom Erfolg abhängig.

  • Geregeltes Einkommen

    Der für viele wohl größte Vorteil: Sie haben weiterhin ein geregeltes Einkommen über Ihren Hauptjob, wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen. Kosten können gedeckt werden und der aktuelle Lebensstandard ist finanziell gesichert.

  • Zeitlicher Spielraum

    Oft steht der Beginn einer Selbstständigkeit unter zeitlichem Druck. Nach kurzer Zeit müssen Gewinne erwirtschaftet werden, um davon leben zu können. Nebenberuflich selbstständig zu sein bedeutet, sich beim Aufbau mehr Zeit lassen zu können.

Nachteile nebenberuflicher Selbstständigkeit

  • Doppelte Belastung

    Wer sich nebenberuflich selbstständig machen will, muss sich der doppelten Belastung bewusst sein. Neben einem Vollzeitjob die Motivation und Energie für den Start in ein eigenes Business zu finden, ist sehr anstrengend und kostet viel Freizeit – worunter auch Familie, Freunde und Hobbys leiden.

  • Kaum Flexibilität

    Da sie weiter an die Arbeitszeiten aus dem Job gebunden sind, können nebenberuflich Selbstständige nur wenig flexibel auf Erwartungen und Wünsche von Kunden reagieren. Das kann zu Unzufriedenheit führen und den Start erschweren.

  • Weniger Glaubwürdigkeit

    Einige Kunden und auch Lieferanten haben das Vorurteil: „Bei nebenberuflicher Selbstständigkeit fehlt die Professionalität.“ Es ist eine Herausforderung, diese vom Gegenteil zu überzeugen und sich eine Glaubwürdigkeit zu erarbeiten.

  • Finanzielle Folgen

    Das finanzielle Risiko ist geringer, aber trotzdem vorhanden. Machen Sie sich nebenberuflich selbstständig und scheitern Sie, müssen Sie die entstandenen Kosten und möglichen Schulden von Ihrem Gehalt und möglichen Ersparnissen bezahlen.

Tipps für nebenberufliche Gründer

Der Aufbau einer Selbstständigkeit neben dem Job kostet viel Zeit und Arbeit. Diese Tipps helfen bei einem erfolgreichen Start:

Achten Sie auf das Zeitmanagement

Wenn Sie nur 10-15 Stunden pro Woche für Ihr Business haben, müssen Sie die Zeit umso besser nutzen. Setzen Sie auf das Pareto-Prinzip: Konzentrieren Sie sich auf die 20 % der Aufgaben, die 80 % Ihres Umsatzes bringen. Das bedeutet meistens: Akquise und Kundenarbeit vor Administration und Dekoration. Karrierebibel-Tipp: Mit dem sogenannten Timeboxing blockieren Sie feste Zeitfenster im Kalender für bestimmte Aufgaben.

Delegieren Sie Aufgaben

Sie wollen alles selbst machen, doch nicht bei jeder Aufgabe ist das sinnvoll. Brauchen Sie etwa die Hälfte Ihrer Zeit für Buchhaltung, kann sich eine Automatisierung über entsprechende Software bezahlt machen. Dafür müssen Sie zahlen – Ihre Zeit können Sie dann aber besser für wirklich wichtige Aufgaben nutzen. Als Faustregel gilt: Wenn Sie sich selbst einen Stundensatz zahlen würden und dieser höher ist als die Ausgabe für eine Aufgabe, delegieren Sie diese.

Suchen Sie sich Unterstützung

Sichern Sie sich den Rückhalt in der Familie. Diese muss schließlich die zusätzliche Arbeit und die fehlende Zeit mittragen. Bauen Sie aber auch ein Netzwerk aus anderen Selbstständigen auf. So können Sie einander unterstützen, bei Problemen helfen und aus der Erfahrung von anderen lernen.

Bleiben Sie geduldig

Kaum ein Unternehmen ist gleich ab den ersten Monaten erfolgreich und profitabel. Da Sie nebenberuflich selbstständig sind, ist die Geschwindigkeit für Entwicklungen ohnehin eine andere. Haben Sie Geduld und zweifeln Sie nicht gleich alles an, wenn Sie nicht sofort hohe Gewinne erzielen.

Definieren Sie Ziele

Überlegen Sie sich schon zu Beginn, was Sie wirklich erreichen wollen. Bauen Sie ein zusätzliches Einkommen auf und bleiben Sie weiter im Hauptjob? Oder wollen Sie komplett auf die Selbstständigkeit umsteigen, wenn das Geschäftsmodell gut läuft? Mögliches Ziel ist „Wenn ich 6 Monate in Folge 50 % meines Nettogehalts (oder 2.000 €) mit dem Business verdiene, reduziere ich den Hauptjob auf 20 Stunden“.


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