Firma gründen: 7 einfache Schritte in die Selbstständigkeit

Rund 25 % der Arbeitnehmer wollen aktuell eine Firma gründen und sich selbstständig machen. Aber wie funktioniert das in der Praxis? Wir erklären Schritt für Schritt, wie der Start eines eigenen Unternehmens gelingt – von der Idee über die Anmeldungen bis hin zu den Kosten…

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Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Eine Firma gründen bedeutet, dass Sie ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit anmelden und selbstständig arbeiten.
  • Voraussetzung: Sie benötigen hierfür eine gute Geschäftsidee, die notwendigen Qualifikationen und je nach Rechtsform zusätzlich Startkapital.
  • Rechtsform: Die häufigsten Rechtsformen für eine Firma in Deutschland sind Einzelunternehmen, GmbH, UG oder GbR.
  • Kosten: Sie können für wenige Euro eine Firma gründen (Einzelunternehmen), für Kapitalgesellschaften liegen die Gründungskosten oft bei mehreren 1.000 Euro.
  • Prozess: Die Gründung einer Firma läuft über klar vorgegebene rechtliche Schritte – von einem Gesellschaftsvertrag über die Anmeldung beim Gewerbeamt bis hin zur Eintragung ins Handelsregister.
  • Sozialversicherung: Wenn Sie eine Firma gründen, sind Sie nicht wie Angestellte über einen Arbeitgeber sozialversicherungspflichtig und müssen sich um Kranken- oder Rentenversicherung selbst kümmern.

In Deutschland gibt es aktuell rund 3,5 Millionen Unternehmen – die große Mehrheit gehört zu den Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern (84 %). Im vergangenen Jahr wurden etwa 395.000 neue Firmen gegründet. Dabei geht der Trend stark zur nebenberuflichen Selbstständigkeit (Fachbegriff: Sidepreneur) – 70 % der Gründer starten im Nebenerwerb. Sie nutzen die Sicherheit einer Festanstellung und testen ihre Geschäftsidee ohne volles finanzielles Risiko.

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Was heißt eine Firma gründen genau?

Umgangssprachlich bezeichnet „eine Firma gründen“ den Start eines neuen Unternehmens als eigenständige wirtschaftliche und rechtliche Einheit. Genau genommen ist die „Firma“ jedoch nur der Name, unter dem ein Kaufmann seine Geschäfte gemäß § 17 HGB (Handelsgesetzbuch) betreibt und Verträge unterschreibt. Die Gründung selbst ist ein Prozess:

  1. Rechtliche Anmeldung
    Sie melden ein Unternehmen beim Gewerbeamt und Finanzamt an.
  2. Wirtschaftliche Aktivität
    Sie bieten Produkte oder Dienstleistungen an und wollen Gewinn machen.
  3. Organisatorische Struktur
    Sie legen rechtliche Grundlagen, Entscheidungsgewalt und Haftung fest.

Was sind die Voraussetzungen für eine Firmengründung?

Grundsätzlich kann fast jeder in Deutschland eine Firma gründen. Trotzdem gibt es einige Voraussetzungen, die Sie mitbringen sollten oder teilweise auch vorweisen müssen:

  • Persönliche Voraussetzungen

    Nicht jeder ist als Unternehmer geeignet. Haben Sie die nötige Resilienz? Bringen Sie viel Disziplin mit, auch wenn es keinen Chef gibt? Können Sie mit dem Risiko umgehen? Manche Menschen sind scheinbar geborene Unternehmer, andere sind in einem Angestelltenverhältnis besser aufgehoben.

  • Fachliche Qualifikation

    In manchen Branchen ist der Nachweis von Qualifikationen Pflicht – z.B. ein Meisterbrief im Handwerk. Doch grundsätzlich gilt für jeden Bereich: Ihre Kompetenzen und Ihr Know-how entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Sie können zwar eine Firma gründen, wenn Sie keinerlei Qualifikation oder Wissen mitbringen, allerdings steht diese dann schnell wieder vor dem Aus.

  • Formelle Voraussetzungen

    Damit Sie in Deutschland eine Firma gründen können, müssen Sie volljährig und damit auch voll geschäftsfähig sein. Als Minderjähriger brauchen Sie eine Ermächtigung durch Ihre Eltern (oder andere gesetzliche Vertreter). Als Nicht-EU-Bürger müssen Sie eine gültige Aufenthaltserlaubnis haben. Für die angestrebte Tätigkeit darf zudem kein Berufsverbot gegen Sie vorliegen.

Was spricht für und gegen die Gründung einer Firma?

    Contra

  • Finanzielles Risiko
  • Mögliches Scheitern
  • Keine Geschäftsidee
  • Fehlende Kompetenzen
  • Unpassende Rahmenbedingungen
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Firma gründen: Welche Rechtsform?

Mit der Gründung einer Firma stehen Sie vor der Wahl: Welche Rechtsform soll das neue Unternehmen haben? Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Gründungsprozess (mehr dazu im nächsten Abschnitt), sondern entscheidet maßgeblich über Haftung, Rechte sowie Pflichten für Sie als Gründer der Gesellschaft. In unserer Übersicht stellen wir die häufigsten Rechtsformen vor:

1. Einzelunternehmen

Die einfachste Form der Selbstständigkeit ist das Einzelunternehmen (auch: Solo-Selbstständiger). Sie gründen allein, benötigen kein Mindestkapital und behalten die volle Kontrolle. Da es keine anderen Gründer gibt, braucht es keinen Gesellschaftsvertrag oder eine notarielle Beglaubigung der Satzung. Der Nachteil: Sie haften unbeschränkt mit Ihrem Privatvermögen.

Merkmal

Detail

Gründer 1 Person
Mindestkapital 0 €
Haftung privat & geschäftlich (unbeschränkt)
Aufwand Gering (Gewerbeanmeldung)

2. Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei Personen, die einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Sie ist besonders beliebt für kleine Gründerteams und Projekte. Theoretisch ist die Gründung formlos möglich, in der Praxis empfiehlt sich ein Gesellschaftsvertrag mit klaren Regelungen. Die Haftung in dieser Rechtsform ist persönlich, unbegrenzt und gesamtschuldnerisch.

Merkmal

Detail

Gründer Mindestens 2 Personen
Mindestkapital 0 €
Haftung Alle Gesellschafter privat & geschäftlich
Aufwand Gering (Gewerbeanmeldung & Vertrag)

3. Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist eine Kapitalgesellschaft, die Sie allein oder gemeinsam mit anderen gründen können. In Deutschland ist es die häufigste Form der Kapitalgesellschaften – mit dem großen Vorteil für Gründer, dass die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt ist.

Merkmal

Detail

Gründer Mindestens 1 Person
Mindestkapital 25.000 € (mind. 12.500 € als Bareinlage)
Haftung Nur Gesellschaftsvermögen
Aufwand Hoch (Vertrag, Notar, Gewerbe, Handelsregister)

4. Unternehmergesellschaft (UG)

Die Unternehmergesellschaft (auch: Mini-GmbH) ist eine Sonderform der GmbH, die Sie mit wenig Kapital gründen können. Dafür müssen Sie jährliche Gewinnrücklagen bilden, bis ein Stammkapital von 25.000 € erreicht ist. Dann können Sie entscheiden, ob Sie die UG in eine GmbH umwandeln.

Merkmal

Detail

Gründer Mindestens 1 Person
Mindestkapital Ab 1 €
Haftung Nur Gesellschaftsvermögen
Aufwand Mittel(Musterprotokoll, Notar, Gewerbe, Handelsregister)
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Firma gründen in 7 einfachen Schritten

Ihr Entschluss zur Firmengründung steht fest. Aber wie genau wird aus dem Vorhaben nun ein echtes Unternehmen? Bei der Umsetzung können Sie sich an diesen sieben Schritten orientieren:

1. Vorbereitung und Geschäftsmodell

Sie gründen eine Firma nicht spontan. Es dauert Monate der Vorbereitung und Planung. Der wichtigste Punkt ist Ihre Geschäftsidee und das damit verbundene Geschäftsmodell. Was genau wollen Sie machen? Wie verdienen Sie damit Geld? Zur Vorbereitung gehört auch der Ausbau von Wissen und Fähigkeiten. Was müssen Sie für Ihre Firmengründung wissen und beherrschen? Vielleicht brauchen Sie für die Selbstständigkeit mehr Fähigkeiten in der Buchhaltung.

2. Businessplan

Stellen Sie einen konkreten Businessplan auf. Dieser enthält alle wichtigen Informationen und Ziele zur geplanten Firma: Geschäftsidee, Zielgruppe, Marktanalyse, Konkurrenz, Umsatzprognosen, Strategien, Unternehmensziele, Finanzierung. Das visualisiert Ihren Plan und ist gleichzeitig Informationsquelle für Banken, Geschäftspartner oder Förderungen.

3. Rechtsform

Bevor Sie die Firma gründen können, müssen Sie eine Rechtsform wählen. Entscheiden Sie basierend auf dem verbundenen Risiko, dem vorhandenen Kapital und den weiteren Verpflichtungen. So müssen Sie zum Beispiel bei einer GmbH eine Bilanz erstellen, bei einer GbR ist das nicht nötig. Prüfen Sie auch beim Markenamt und bei der IHK (Industrie- und Handelskammer), ob Ihr Wunschname noch frei ist und keine Rechte Dritter verletzt.

4. Anmeldung und Eintragungen

In diesem Schritt gründen Sie offiziell die Firma: Für Kapitalgesellschaften (GmbH oder UG) machen Sie einen Termin beim Notar. Dieser muss den Gesellschaftsvertrag beurkunden, bei Personengesellschaften (Einzelunternehmen oder GbR) ist das nicht nötig. Eröffnen Sie bei einer Bank Ihrer Wahl ein Geschäftskonto und zahlen Sie (falls nötig) das Stammkapital ein – dann kann der Notar die Anmeldung im Handelsregister beantragen. Sie müssen ein Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt anmelden (Ausnahme: Freiberufler). Nach abgeschlossener Bearbeitung erhalten Sie Ihren Gewerbeschein und haben die Firma gegründet. Für das Finanzamt füllen Sie im ELSTER-Portal den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und erhalten eine Steuernummer sowie die Umsatz-Identnummer.

5. IHK, HWK und Berufsgenossenschaft

Die offizielle Gründung der Firma ist abgeschlossen. Diese müssen Sie nun noch bei der IHK oder der HWK (Handwerkskammer) anmelden. Auch die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft ist für jedes Unternehmen Pflicht – unabhängig davon, ob und wie viele Mitarbeiter Sie beschäftigen.

6. Versicherungen

Sichern Sie sich und die neue Gesellschaft ab. Betriebshaftpflicht und Rechtsschutzversicherung sind für Unternehmen besonders wichtig. Privat brauchen Sie zwingend eine Krankenversicherung. Zusätzlich können Sie sich vorsorglich um die private Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern.

7. Operativer Start

Nun legen Sie mit der eigentlichen Arbeit der Firma los: Marketingkanäle aufbauen, Webseite erstellen, Kunden akquirieren. Bieten Sie Ihre Dienstleistung oder das Produkt an und verdienen Sie das erste Geld mit der Firma.

Checkliste: Haben Sie an alles gedacht?

Damit Sie nichts vergessen, wenn Sie eine Firma gründen, haben wir eine übersichtliche Checkliste erstellt. Haken Sie einfach direkt im Browser ab, was Sie schon erledigt haben:

  • Geschäftsidee finden
  • Geschäftsmodell bestimmen
  • Businessplan erstellen
  • Markennamen festlegen und schützen
  • Finanzierung klären
  • Standort wählen
  • Genehmigungen einholen
  • Rechtsform festlegen
  • Gewerbe anmelden
  • Finanzamt anmelden
  • Handelsregister, IHK, HWK anmelden
  • Versicherungen abschließen
  • Marketing betreiben

Kosten: Wie teuer ist die Gründung einer Firma?

Der entscheidende Faktor ist hierbei die Rechtsform. Für ein Einzelunternehmen oder eine GbR fallen meist nur die Kosten für die Gewerbeanmeldung an (ca. 30-60 €). Teurer wird es hier nur, wenn Sie durch einen Anwalt einen GbR-Vertrag erstellen und prüfen lassen. Für die Gründung einer Kapitalgesellschaft müssen Sie mehr Kosten einkalkulieren: Notargebühren (500-1.000 €), Registergebühren (150 €) und das erforderliche Stammkapital (bei GmbH mindestens 12.500 € Bareinlage).

Kann ich eine Firma ohne Eigenkapital gründen?

Grundsätzlich können Sie eine Firma ohne Eigenkapital gründen – primär Personengesellschaften eignen sich dabei durch die geringen Gründungskosten. Es kommt aber auch darauf an, was genau der Zweck Ihrer Firma ist. Machen Sie sich als Programmierer selbstständig, brauchen Sie vor allem Laptop und Internetanschluss – die Sie bereits besitzen. Wollen Sie hingegen Produkte herstellen, müssen Sie Maschinen, Geräte oder Fahrzeuge anschaffen oder ein Lager aufbauen. Wenn Sie kein Eigenkapital mitbringen, brauchen Sie Fremdkapital von der Bank als Kredit oder durch Investoren.

Gibt es Finanzierungen und Förderungen?

Brauchen Sie für die Gründung einer Firma und die erste Anlaufphase Geld, gibt es in Deutschland verschiedene Finanzierungen und Förderungen. Wir stellen einige Möglichkeiten genauer vor:

  • Gründungszuschuss

    Wenn Sie aus der Arbeitslosigkeit gründen, können Sie für 6 Monate Ihre monatliche Unterstützung plus 300 € Pauschale als Gründungszuschuss erhalten. In der zweiten Phase können Sie für weitere 9 Monate einen Zuschuss von 300 € erhalten. Der größte Vorteil dieser Förderung: Sie müssen die Beträge nicht zurückzahlen.

  • KfW-Förderkredite

    Die KfW-Bank bietet für Gründer zinsgünstige Darlehen. Über den „ERP-Gründerkredit – StartGeld“ sind Finanzierungen von bis zu 200.000 € möglich. Vorteil: Die KfW übernimmt dabei 80 % des Kreditrisikos. So bekommen Sie leichter eine Kreditzusage von Ihrer Hausbank.

  • Regionale Programme

    Jedes Bundesland hat eigene Förderbanken (z.B. die NRW.Bank oder die LfA in Bayern). Informieren Sie sich hier über mögliche Gründungsdarlehen, Bürgschaften oder Beratungszuschüsse.

  • Stipendien

    Für innovative Tech-Gründungen gibt es Programme wie das EXIST-Gründerstipendium, das den Lebensunterhalt während der Entwicklungsphase sichert.

Wenn Sie eine Firma gründen, müssen Sie sich genau mit der erwarteten finanziellen und wirtschaftlichen Entwicklung beschäftigen: Wie viel Geld brauchen Sie am Anfang für erste Investitionen? Wie hoch sind Ihre laufenden Kosten? Wie viel können Sie mit der Firma verdienen? Es braucht eine gründliche Analyse, damit Sie Ihren Kapitalbedarf einschätzen können.


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