Früher in Rente gehen: 4 legale Tricks wie es geht

Mit 57 oder 60 in Rente, klingt verlockend, zumal das zukünftige Rentenalter für jeden Arbeitnehmer 67 Jahre ist. Aber es gibt Bedingungen, unter denen Sie früher in Rente gehen können. Oft müssen Versicherte dann allerdings mit Abschlägen rechnen. Abhängig ist dies vom Geburtsjahrgang. Je nachdem gilt dann eine andere Regelaltersgrenze als die gesetzlich festgelegten 67 Jahre. Wer ohne Abzüge früher in Rente gehen will, kann dies über verschiedene Wege erreichen. Wir erklären, was Sie dazu beachten müssen…

Früher in Rente gehen: 4 legale Tricks wie es geht

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Wie kann man früher in Rente gehen?

Bis 67 Jahre arbeiten zu gehen, stellt für viele Arbeitnehmer keine reizvolle Aussicht dar. Vielmehr wollen sie ihren Ruhestand genießen und mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbys haben. Prinzipiell gilt zwar das reguläre Rentenalter (das je nach Geburtsjahr schwankt), aber wer genug Beitragsjahre zusammen hat, kann auch früher in Rente gehen. Was heißt das konkret?

Früher in Rente gehen ohne Abzüge

Besonders langjährig Versicherte, die 45 Jahre lang eingezahlt haben, können ohne Abschläge früher in Rente gehen. Was das konkret bedeutet, hängt vom Geburtsjahr ab: Manche können sich mit 63, andere erst mit 65 Jahren zur Ruhe setzen.

Früher in Rente gehen mit Abschlägen

Als langjährig Versicherte gelten diejenigen, die 35 Jahre lang eingezahlt haben. Sie können ebenfalls bereits mit 63 Jahren früher in Rente gehen, müssen aber Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat hinnehmen. Die Rente wird um maximal 14,4 Prozent gekürzt, was umgerechnet vier Jahren entspricht. Somit können Sie selbst mit Abschlägen nicht mehr als vier Jahre früher in Rente gehen.

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Welche Auswirkungen hat die Regelaltersgrenze?

Die sogenannte Regelaltersgrenze legt fest, wann jemand regulär in Rente geht und die volle Altersrente erhält. Für alle ab 1947 Geborenen erhöht sich die Regelaltersgrenze stufenweise erst um einen Monat, später um zwei Monate auf 67 Jahre. Dieses Renteneintrittsalter gilt erstmals für Versicherte ab dem Geburtsjahrgang 1964. Ihre Regelaltersrente wird 2031 fällig. Das bedeutet, wer vorher früher in Rente gehen will, muss entweder die 45 Beitragsjahre erfüllt haben oder Abschläge akzeptieren. Allerdings wirkt die Anhebung des Renteneintrittsalters sich auch auf die Frührente aus: Statt mit 63 Jahren ist sie nun erst mit 65 Jahren möglich.

Der nachfolgenden Tabelle können Sie entnehmen, welcher Jahrgang in welchem Alter ohne Abschläge in Rente gehen kann. Sind Sie beispielsweise 1952 geboren, brauchen Sie nur bis zu einem Alter von 65 Jahren und sechs Monaten arbeiten, um abschlagfrei in Rente gehen zu können. Würden Sie bereits mit 65 – also acht Monate früher – in Rente gehen wollen, müssten Sie einen Abschlag von 2,4 Prozent (8 x 0,3 Prozent pro Monat) von Ihrer Rente hinnehmen. Dieser gilt für die gesamte Lebenszeit.

Geburtsjahr ➠ Renteneintritt (Jahre + Monate)

1946 ➠ 65 + 0
1947 ➠ 65 + 1
1948 ➠ 65 + 2
1949 ➠ 65 + 3
1950 ➠ 65 + 4
1951 ➠ 65 + 5
1952 ➠ 65 + 6
1953 ➠ 65 + 7
1954 ➠ 65 + 8
1955 ➠ 65 + 9
1956 ➠ 65 + 10
1957 ➠ 65 + 11
1958 ➠ 65 + 12
1959 ➠ 66 + 2
1960 ➠ 66 + 4
1961 ➠ 66 + 6
1962 ➠ 66 + 8
1963 ➠ 66 + 10
1964 ➠ 67 + 0

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Wie kann ich mit 57 in Rente gehen?

Für langjährig Versicherte bestimmt die Altersrente eine Wartezeit von 35 Jahren. Mit 57 Jahren in Rente zu gehen, sieht das Rentensystem eigentlich nicht vor – je nach Geburtsjahrgang wäre das acht oder zehn Jahre vor der Zeit. Da auch die Frührente maximal vier Jahre früher möglich ist, müssten Sie also die Jahre bis zum offiziellen Renteneintrittsalter finanziell selbst überbrücken. Hinzu kommt aber noch ein weiterer Punkt: Ihnen wird nicht nur die Rente um monatliche 0,3 Prozent gekürzt. Dadurch dass Sie früher aufhören zu arbeiten, zahlen Sie insgesamt weniger in die Rentenkasse ein. Somit sammeln Sie auch weniger Entgeltpunkte als möglich.

Nicht nur über die Arbeitszeit sammeln Sie Rentenpunkte. Auch wenn Sie Kinder großgezogen oder Angehörige gepflegt haben, wird das bei der Rente berücksichtigt. Ein Entgeltpunkt entspricht derzeit 34,19 Euro im Westen (33,23 Euro im Osten) pro Jahr. Wer beispielsweise vier Jahre früher in Rente gehen will, hat nicht nur 14,4 Prozent Rentenabzüge, sondern erhält zusätzlich 136,76 Euro (beziehungsweise 132,92 Euro) weniger. Ob Sie also mit 57, 60 oder 61 Jahren in Rente gehen (können), ist im Wesentlichen von zwei Kriterien abhängig: Erfüllen Sie die formalen und persönlichen Voraussetzungen?

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Weitere Voraussetzungen für frühere Rente

Natürlich hat auch der Gesetzgeber erkannt, dass nicht alle Menschen – unabhängig vom Geburtsjahrgang – gleichermaßen lange arbeiten können. Menschen erkranken oder haben eine Behinderung, in anderen Fällen ist die Arbeit selbst in hohem Alter unzumutbar. Allerdings muss bei den Begrifflichkeiten unterschieden werden:

Früher in Rente gehen wegen Krankheit

Wer dauerhaft krank geschrieben ist, kann nicht arbeiten. Sehen die Prognosen schlecht aus, fragen sich manche, ob sie früher in Rente gehen sollten. Hier ist genau genommen zwischen zwei Dingen zu unterscheiden: Eine offizielle Frührente bedeutet immer noch, dass der Versicherte mindestens 35 Jahre lang Beiträge gezahlt hat. Das gilt übrigens auch für Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung.

Wem es hingegen nicht möglich ist, aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung mehrere Stunden am Tag zu arbeiten, erhält für die Zeit bis zum eigentlichen Renteneintritt die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Hier können Arbeitnehmer, die eine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt haben, Unterstützung erhalten. Zu unterscheiden ist zwischen einer Rente wegen voller Erwerbsminderung oder wegen teilweiser Erwerbsminderung. Im ersten Fall kann der Arbeitnehmer überhaupt nicht oder maximal drei Stunden pro Tag arbeiten, im zweiten höchstens sechs.

Früher in Rente gehen bei Arbeit im Bergbau

Ebenfalls vor dem 67. Lebensjahr früher in Rente gehen können Versicherte, die unter Tage beschäftigt sind. Allerdings wird auch hier die Altersgrenze stufenweise vom 60. auf das 62. Lebensjahr angehoben. Betroffen sind alle diejenigen, die nach dem 31. Dezember 1951 geboren sind. Wer 1964 und später geboren ist, wird mit 62 Jahren in Rente gehen können.

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4 legale Tricks: So können Sie früher in Rente gehen

1. Früher in Rente gehen mit Abzügen

Der Geburtsjahrgang 1955 geht dieses Jahr mit 65 Jahren und neun Monaten in Rente. Angenommen, jemand möchte beispielsweise zwei Jahre früher in Rente gehen, dann kann er mit gut 63 Jahren aufhören zu arbeiten und die Abschläge von 3,6 Prozent pro Jahr hinnehmen, wenn er 35 Beitragsjahre erfüllt. Ohne Abschläge müsste die Person auf 45 Beitragsjahre kommen.

2. Früher in Rente gehen durch Einzahlung

Eine andere Möglichkeit ist, die Abschläge durch freiwillige Einzahlung in die Rentenkasse auszugleichen. Allerdings lassen sich so nur die monatlichen 0,3 Prozent-Abschläge ausgleichen. Hinnehmen müssen Sie die Abzüge, die entstehen, weil Sie kürzer arbeiten. Um wie viel mehr Sie Ihre Beiträge zur Rentenversicherung erhöhen müssten und ob sich das lohnt, können Sie in einer Beratung durch die Deutsche Rentenversicherung in Erfahrung bringen.

3. Früher in Rente gehen mit der Flexirente

Wenn Sie früher in Rente gehen wollen, es aber finanziell knapp wird, könnte das Flexirentengesetz hilfreich sein. Das regelt die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei Renteneintritt. Entscheidend ist allerdings auch hier die Regelaltersgrenze. Wer sie noch nicht erreicht hat, darf nicht unbegrenzt hinzuverdienen. Sowohl langjährig Versicherte, besonders langjährig Versicherte und schwerbehinderte Menschen müssen ihren Job dem Rentenversicherungsträger melden. Bis zu 6.300 Euro jährlich bleiben anrechnungsfrei. Liegt der Verdienst darüber, gibt es Abzüge von der Rente. Das Praktische an der Flexirente: Sie können auch über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus arbeiten. Das ermöglicht Ihnen einerseits den Bezug einer Rente, gleichzeitig zahlen Sie in die Rentenkasse ein.

4. Früher in Rente gehen mit Lebensarbeitszeitkonto

Wer im Berufsleben ein Lebensarbeitszeitkonto führt, hat die Möglichkeit, damit seinen Ruhestand vorzuziehen. Während der Berufstätigkeit werden auf dieses Konto Geld und andere „Währungen“ gezahlt, beispielsweise:

  • Gehaltsbestandteile
  • Überstunden (oder deren Vergütung)
  • Leistungsprämien
  • Urlaubstage
  • Urlaubsgeld
  • Weihnachtsgeld
  • Zuschüsse des Arbeitgebers

Das so angesparte „Rentenguthaben“ lassen Sie sich als freie Zeit noch vor dem eigentlichen Rentenbeginn auszahlen. Der Vorteil: Offiziell befinden Sie sich noch im Angestelltenverhältnis, das heißt, es werden auch noch Sozialversicherungsbeiträge bezahlt. Außerdem müssen Sie die angesparte Zeit nicht nehmen: Falls Sie doch noch weiter arbeiten wollen, können Sie sich das Guthaben auszahlen lassen.

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[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]
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6. November 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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