Kinderfreibetrag: Weniger Steuern für Eltern

Mit dem Kinderfreibetrag können Eltern Steuern sparen. Er zählt zu den Sozialleistungen für Eltern in Deutschland und soll – ähnlich dem Kindergeld – Familien unterstützen. Eltern können dabei entweder vom Freibetrag oder vom Kindergeld profitieren. Welche der beiden Leistungen sinnvoller ist, entscheidet sich meist erst am Ende des Steuerjahres. Wie Sie in den Genuss des Kinderfreibetrags kommen und welche Unterschiede es zum Kindergeld gibt, lesen Sie hier…

Kinderfreibetrag: Weniger Steuern für Eltern

Kinderfreibetrag: Was versteht man darunter?

Kinderfreibetrag: Was versteht man darunter?Der Kinderfreibetrag bedeutet für Eltern eine Steuerersparnis. Er senkt das Einkommen, das am Ende des Jahres versteuert werden muss. Eltern haben damit mehr Brutto vom Netto übrig. Außerdem hat der Freibetrag einen Einfluss auf die Berechnung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags.

Der Kinderfreibetrag hängt eng mit dem Kindergeld zusammen. Eltern bekommen nämlich entweder Kindergeld oder den Freibetrag. Abhängig von den individuellen Gegebenheiten, kann entweder das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag günstiger (also steuersparender) für die Eltern sein.

Der gesamte Freibetrag setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:

  1. Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf (BEA): bleibt seit Jahren konstant.
  2. Freibetrag für das Existenzminimum (sächlicher Kinderfreibetrag): wird regelmäßig an die Höhe der Lebenskosten angepasst.

Jedem Elternteil steht aktuell ein Kinderfreibetrag von 3810 Euro zu. Zusammen veranlagte Eltern können aktuell 7620 Euro in ihrer Steuererklärung geltend machen. Wie hoch der Freibetrag im jeweiligen Fall ist, hängt von der Steuerklasse ab. In den Steuerklassen I, II und III liegt der Betrag aktuell bei 7620 Euro. In der Steuerklasse IV bei 3810 (für jeden Ehepartner). In den Steuerklassen V und VI gibt es keinen Kinderfreibetrag.

Nach Auskunft der Vereinigten Lohnsteuerhilfe e.V. profitieren Eltern in der Regel vom dem Freibetrag, wenn sie zusammen mehr als 75.000 Euro verdienen. Alleinerziehende entsprechend bei einem Jahreseinkommen von mehr als 37.500 Euro brutto.

Kinderfreibetrag und Kindergeld: Die Unterschiede

Eltern bekommen für ihr Kind (oder ihre Kinder) entweder Kindergeld oder den Freibetrag. Am Ende des Steuerjahres wird entschieden, was sich günstiger auswirkt und diese Option gewählt.

Das müssen die Eltern nicht selbst tun, sondern das übernimmt das Finanzamt (oder der Steuerberater) im Rahmen der sogenannten Günstigerprüfung.

Auch wenn den Eltern schon klar ist, dass sich bei ihnen der Freibetrag günstiger auswirkt, sollten sie unbedingt Kindergeld beantragen. Das Finanzamt geht in der Günstigerprüfung in der Regel davon aus, dass der Elternteil Kindergeld beantragt und erhalten hat. Daher wird der Jahresbetrag für das Kindergeld in die Steuererklärung mit eingerechnet. Um eventuelle Probleme von Anfang an zu vermeiden, sollten Eltern nach der Geburt eines Kindes Kindergeld beantragen.

Folgende Gegenüberstellung verdeutlicht die Unterschiede noch einmal:

KindergeldKinderfreibetrag
Wie viel Kindergeld Eltern bekommen können, hängt davon ab, wie viele Kinder sie haben. Der Betrag wird jeden Monat auf das Konto überwiesen.

  • Beim ersten Kind: 204 Euro.
  • Beim zweiten Kind: 204 Euro.
  • Beim dritten Kind: 210 Euro.
  • Ab dem vierten Kind: 235 Euro.
Der Kinderfreibetrag hängt ebenfalls davon ab, wie viele Kinder sie haben. Er wird nicht überwiesen, sondern mindert das zu versteuernde Einkommen:

  • Pro Kind liegt er bei 7620 Euro jährlich.
  • Darin enthalten sind der Bedarf für das sachliche Existenzminimum des Kindes,
  • sowie Kosten für Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf.

Wie beantrage ich Kindergeld?

Wie beantrage ich Kindergeld?Kindergeld können Eltern bei der Familienkasse beantragen. Die für Sie zuständige Behörde finden Sie über das Ortsverzeichnis der Bundesagentur für Arbeit. Dort finden Sie übrigens auch die Formulare, die Sie für den Antrag benötigen.

Um den Antrag zu stellen, haben Sie idealerweise bereits die Steueridentifikationsnummer Ihres Kindes zur Hand. Sie können diese aber auch nachreichen. In der Regel klappt das problemlos. Ihre Steueridentifikationsnummer (oder die Nummer des Elternteils, der das Kindergeld erhalten soll) gehört ebenfalls auf den Antrag.

Übrigens können Sie Kindergeld nicht nur für eigene Kinder beantragen. Auch für Adoptivkinder oder Pflegekinder haben Sie einen Anspruch auf die staatliche Sozialleistung.

Weitere Informationen zum Themen finden Sie in unserem Artikel:

Freibetrag und Alter des Kindes

Der Freibetrag ist für das Kind und hängt damit mit dem Alter und dem beruflichen Werdegang des Kindes zusammen. Grundsätzlich wird Kindergeld bis zum Ablauf des 18. Lebensjahres gezahlt. Damit besteht auch solange der Anspruch auf den Kinderfreibetrag.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Kindergeld (und damit auch der Kinderfreibetrag) über das 18. Lebensjahr hinaus bis zum Ablauf des 25. Lebensjahres gezahlt werden. Das ist möglich, wenn

  • sich das Kind in der ersten Berufsausbildung befindet
  • ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst (BFD) absolviert
  • studiert
  • noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch für die zweite Ausbildung, also beispielsweise für einen Masterstudiengang nach dem Bachelorstudium, weiter Kindergeld gezahlt werden (und damit der Anspruch auf den Kinderfreibetrag bestehen).

Nebenjob des Kindes

Damit der Anspruch besteht bleibt, darf das Kind nicht voll erwerbstätig sein. Ein Nebenjob oder Minijob sind in der Regel aber kein Problem. Solange das Kind nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, gibt es weiterhin Kindergeld.

Übrigens darf der Nachwuchs ausnahmsweise auch mal mehr als 450 Euro verdienen. Vor allem in den Semesterferien kommt das bei Studenten vor. Solange das Kind nicht mehr als drei Monate (oder 70 Arbeitstage) mehr als 450 Euro verdient, ist auch das möglich.

Also: In den langen Semesterferien im Sommer darf der Student arbeiten und Geld verdienen. Solange es auf das Jahr gesehen, nicht mehr als drei Monate mit einem höheren Einkommen werden.

Zu einer Erwerbstätigkeit gehört nicht nur eine angestellte, sondern auch eine freiberufliche, selbstständige oder land- und forstwirtschaftliche Tätigkeit. Wenn der Nachwuchs sowohl angestellt, als auch in irgendeiner Weise nicht-abhängig beschäftigt ist, wird das Finanzamt die beiden Einkommen addieren. Unter Umständen können Sie damit den Anspruch auf Kindergeld und damit den Kinderfreibetrag verlieren.

Kinderfreibetrag mit mehreren Kindern

Für jedes Kind steht Eltern der Kinderfreibetrag zu. Schließlich bekommen sie auch für jedes Kind Kindergeld. Den Freibetrag teilen sich die Eltern in der Steuererklärung auf. Das erfolgt nach dem sogenannten Halbteilungsprinzip.

Bei Paaren, die in der Steuerklasse IV besteuert werden, also verheiratet sind, wird der gleiche Kinderfreibetrag angerechnet. Sie erkennen das in Ihrer Steuererklärung daran, dass der Zähler 1,0 bei Kind steht. Haben Sie zwei Kinder, wird dort analog 2,0 eingetragen. Die Zahl erhöht sich bei jedem weiteren Kind.

Hat sich das Paar auf die Verteilung der Steuerklassen III und V geeinigt, wird der Freibetrag nur einem Elternteil angerecht – und zwar demjenigen mit der Steuerklasse III.

Bei unverheirateten Paaren (Steuerklasse I oder II) dagegen wird der Kinderfreibetrag nur zur Hälfte geltend gemacht. Allerdings in diesem Fall wieder bei beiden Elternteilen. Sie sehen das in dem Zähler 0,5 für jedes Kind. Bei zwei Kindern steht in dieser Steuerklasse entsprechend der Zähler 1 in der Steuererklärung jedes Elternteils.

Was passiert bei einer Scheidung?

Wenn sich die Eltern scheiden lassen, können sie den Kinderfreibetrag unter sich aufteilen. Bei der Steuererklärung macht dann jede Partei ihren Anteil geltend. Es ist dabei unerheblich, in welchem Haushalt das Kind nach der Scheidung lebt.

Jedoch gibt es eine Ausnahme: Wenn ein Elternteil seiner Unterhaltspflicht mit weniger als 75 Prozent nachkommt, wird dem anderen Elternteil der volle Kinderfreibetrag angerechnet. In diesem Zuge kann auch der gesamte Anspruch übertragen werden.

Das hat noch eine weitere Konsequenz: Der Elternteil profitiert nicht nur von dem kompletten Kinderfreibetrag, auch der sogenannte Ausbildungsfreibetrag kann von diesem Elternteil in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Rechenbeispiel für den Freibetrag

Wie sieht das nun in der Steuererklärung konkret aus? Nehmen wir das Beispiel einer ledigen Person, die für ein Kind unterhaltspflichtig ist und ein zu versteuerndes Einkommen von 40.000 Euro hat. Die Werte beziehen sich auf das Vorjahr, da diese für die Steuererklärung, die Sie dieses Jahr noch abgeben oder abgegeben haben, gelten.

Zu versteuerndes Einkommen: 40.000 Euro. Darauf müsste der Arbeitnehmer ohne Kind 8670 Euro Steuern zahlen.

Im aktuellen Fall kann er jedoch den Kinderfreibetrag für ein Kind anteilig geltend machen, also: Kinderfreibetrag 0,5 = 3714 Euro. Ergibt ein zu versteuerndes Einkommen von 36.286 Euro. Daraus ergibt sich eine zu leistende Steuerzahlung von 7385 Euro. Und damit eine Ersparnis von 1285 Euro.

Zum Vergleich: Das Kindergeld für diesen Arbeitnehmer im Steuerjahr liegt nur bei 1164 Euro. Mit dem Kinderfreibetrag spart er also 121 Euro Steuern.

[Bildnachweis: goffkein.pro by Shutterstock.com]
30. September 2019 Karrierebibel Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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