Elterngeld: Das steht Ihnen zu

Nach der Geburt wollen viele Eltern zuhause bleiben und das Kind betreuen. Das Elterngeld gleicht das fehlende Einkommen aus und hilft somit, die Lebensgrundlage von Familien zu erhalten. Als staatliche Förderleistung steht sie nicht nur Müttern, sondern auch Vätern zur Verfügung – ganz gleich, ob Sie vor der Geburt gearbeitet haben oder nicht. Das Elterngeld gibt es in verschiedenen Varianten, abhängig davon, ob sich die beiden Elternteile die Erziehung teilen oder nicht. Was Sie dazu wissen müssen und wie Sie es beantragen…

Elterngeld: Das steht Ihnen zu

Was ist Elterngeld?

Elterngeld ist eine zeitlich befristete staatliche Transferzahlung, die an das Nettoeinkommen der Eltern gekoppelt ist. Es ist 2007 anstelle des Erziehungsgeldes getreten. Elterngeld erfüllt zweierlei Funktionen: Einerseits ist es eine Einkommensersatzleistung für Eltern, die finanzielle Einbußen beim Gehalt aufgrund der Betreuung ihrer Kinder in Kauf nehmen.

Andererseits ist es auch eine Sozialleistung für diejenigen, die vor der Geburt ihres Kindes kein oder nur ein sehr geringes Einkommen hatten. Für einkommensschwache Eltern in Sachsen gibt es außerdem noch das Landeserziehungsgeld.

In Bayern wird neben dem Elterngeld noch das einkommensunabhängige Familiengeld gezahlt. Da Elterngeld Ländersache ist, hat jedes Bundesland unterschiedliche Antragsformulare dafür und seine eigenen Elterngeldstellen.

Elterngeld existiert in drei Varianten:

  • Basiselterngeld

    Eltern können 14 Monate Basiselterngeld erhalten, wenn sie gemeinsam mit ihrem Partner das Kind erziehen wollen und dafür ihre Arbeit unterbrechen oder die Arbeitszeit verkürzen. Die vierzehn Monate teilen sich in 2 + 12 auf, das heißt, ein Elternteil kann mindestens zwei, aber höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen. Alleinerziehenden stehen die vollen 14 Monate zu. Das Basiselterngeld wird nur innerhalb der ersten 14 Lebensmonate des Kindes gezahlt, danach besteht die Möglichkeit, Elterngeld Plus oder Partnerschaftsbonus zu beantragen.

  • Elterngeld Plus

    Seit 2015 existiert die Möglichkeit, seinen Anspruch auf Elterngeld verlängern. Eltern, die bereits Elterngeld erhalten und in Teilzeit arbeiten, können die Bezugsdauer verdoppeln. Heißt, für einen Monat Basiselterngeld erhalten Sie zwei Monate Elterngeld Plus. Das Elterngeld Plus ist aber nur halb so hoch wie das Basiselterngeld, wenn Sie nach der Geburt nicht arbeiten. Wird hingegen in Teilzeit gearbeitet, kann das monatliche Elterngeld Plus genauso hoch ausfallen wie das monatliche Basiselterngeld mit Teilzeit.

  • Partnerschaftsbonus

    Den Partnerschaftsbonus in Form von vier zusätzlichen Monaten Elterngeld Plus können Sie beziehen, wenn Sie und Ihr Partner sich in vier Monaten Erziehung und Arbeit teilen. Einzige Bedingung: Es dürfen nicht mehr als 25 bis 30 Wochenstunden gearbeitet werden. Auch Alleinerziehende können den kompletten Partnerschaftsbonus erhalten und getrennt erziehende Eltern, sofern sie einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.

Wer hat Anspruch darauf und wie lange?

Eltern haben Anspruch auf Elterngeld, wenn sie ihr Neugeborenes selbst betreuen möchten und daher nicht oder nur in Teilzeit arbeiten können. Diese Leistung gilt also für:

Elterngeld können Sie unabhängig davon erhalten, ob Sie vor der Geburt des Kindes gearbeitet haben oder nicht. Ebenfalls keinerlei Auswirkungen auf den Bezug hat, wenn Sie alleinerziehend sind. Auch können Sie einen Antrag nicht nur für Ihr leibliches Kind stellen, sondern ebenso für das Kind Ihres Lebensgefährten oder ein Adoptivkind.

Folgende Voraussetzungen müssen lediglich dafür erfüllt sein:

  • Sie erziehen und betreuen Ihr Kind nach der Geburt selbst.
  • Sie leben mit Ihrem Kind im selben Haushalt.
  • Ihr Wohnsitz ist in Deutschland.
  • Sie sind gar nicht oder nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig.

Wie lange können Sie Elterngeld erhalten?

Bezugszeitraum des Elterngeldes sind die Lebensmonate eines Kindes, nicht die Kalendermonate. Ist Ihr Kind beispielsweise am 9. Oktober geboren, läuft der…

  • erste Anspruchsmonat vom 9. Oktober bis zum 9. November,
  • zweite Anspruchsmonat vom 9. November bis zum 9. Dezember,
  • dritte Anspruchsmonat vom 9. Dezember bis zum 9. Januar
  • und so weiter.

Wie viel Geld können Sie erhalten?

In welcher Höhe Sie Elterngeld erhalten, hängt von Ihrem bisherigen Einkommen ab, allerdings werden maximal 2.770 Euro Nettoverdienst berücksichtigt.

Das Mindestelterngeld sieht folgendermaßen aus:

  • Basiselterngeld: zwischen 300 und 1.800 Euro pro Monat
  • Elterngeld Plus: zwischen 150 und 900 Euro pro Monat

Durchschnittlich 65 Prozent erhalten Eltern mit höherem Einkommen, bis zu 100 Prozent Elterngeld sind bei geringem Einkommen möglich.

  • Nettoverdienst zwischen 1200 und 1240 Euro: Elterngeld liegt zwischen 65 und 67 Prozent
  • Nettoverdienst zwischen 1000 und 1200 Euro: Elterngeld in Höhe von 67 Prozent
  • Nettoverdienst unter 1000 Euro: Elterngeld in Höhe von 67 bis 100 Prozent

Die Steigerung erfolgt in Schritten von 0,1-Prozent je zwei Euro. Beispiel: Bei einem Gehalt von 1.238 Euro erhalten Sie 65,1 Prozent, bei einem Nettoeinkommen von 1.236 Euro bereits 65,2 Prozent.

Liegt das Einkommen eines Elternpaares jährlich über 500.000 Euro (beziehungsweise 250.000 Euro von Alleinerziehenden), entfällt der Anspruch auf Elterngeld.

Zuschläge bei Geschwistern und Mehrlingsgeburten

Zuschläge Elterngeld Geschwisterbonus MehrlingszuschlagZuschläge zum Elterngeld sind außerdem bei Geschwistern oder Mehrlingsgeburten möglich. Bei älteren, im Haushalt lebenden Kindern steigt das Elterngeld um 10 Prozent, mindestens aber um 75 Euro Basiselterngeld beziehungsweise 37,50 Euro Elterngeld Plus.

Geschwisterbonus wird gezahlt bei:

  • Einem weiteren Kind unter drei Jahren,
  • zwei weiteren Kindern, die noch keine 6 Jahre alt sind oder
  • ein weiteres Kind mit Behinderung, das noch keine 14 Jahre alt ist.

Durch den Geschwisterbonus erhöhen sich auch der Mindest- und der Höchstbetrag des Elterngeldes:

  • Basiselterngeld: zwischen 375 und 1.980 Euro pro Monat
  • Elterngeld Plus: zwischen 187,50 und 990 Euro pro Monat

Für Zwillinge und Mehrlinge gibt es folgende Zuschläge aufs Elterngeld:

  • Bei Zwillingen erhalten Sie 300 Euro auf das Basiselterngeld beziehungsweise 150 Euro auf Elterngeld Plus.
  • Bei Drillingen bekommen Sie den doppelten Zuschlag.
  • Bei Vierlingen bekommen Sie den dreifachen Zuschlag.

Durch den Mehrlingszuschlag erhöhen sich auch der Mindest- und der Höchstbetrag des Elterngeldes:

  • Basiselterngeld: zwischen 600 und 2.100 Euro pro Monat
  • Elterngeld Plus: zwischen 300 und 1.050 Euro pro Monat

Wie wirkt sich das Elterngeld finanziell aus?

Das Elterngeld wirkt sich auf verschiedene Leistungen aus. So werden Mutterschaftsgeld und Elterngeld nie gleichzeitig gezahlt. Frauen im Mutterschutz erhalten erst Mutterschaftsgeld und anschließend Elterngeld.

Elterngeld wird zwar auch gezahlt, wenn Sie bereits staatliche Leistungen in Form von Arbeitslosengeld 2 oder Sozialhilfe bekommen. Allerdings wird es Ihnen vollständig als Einkommen angerechnet. Sie haben somit keinen finanziellen Vorteil.

Elterngeld berechnen: Formulare und Rechner

Elterngeld berechnenUm das Elterngeld berechnen zu können, ist Ihr durchschnittlicher Nettoverdienst in den zwölf Monaten vor der Geburt maßgeblich. Berücksichtigt werden nur Kalendermonate, in denen kein Mutterschaftsgeld oder Elterngeld für andere Kinder gezahlt wurden.

Bei Selbständigen wird der abgeschlossene Veranlagungszeitraum vor der Geburt des Kindes betrachtet. Dieser kann verschoben werden, wenn bereits für ein älteres Kind in dieser Zeit Elterngeld bezogen wurde oder Sie aufgrund Ihrer Schwangerschaft erkrankt waren.

Im Internet werden verschiedene Elterngeldrechner angeboten, mit denen Sie sich einen ersten Eindruck verschaffen können – allerdings wird hier immer nur ein mögliches Szenario berechnet. In einer Beratung bei einer Elterngeldstelle könnten Ihnen günstigere Alternativen genannt werden.

Zwei Elterngeldrechner möchten wir Ihnen hier vorstellen:

In einigen Bundesländern besteht die Möglichkeit, den Antrag auf Elterngeld oder Elterngeld Plus online zu stellen. Folgende Bundesländer bieten bereits diesen Service:

  • Online-Antrag
    • Berlin
    • Bremen
    • Hamburg
    • Rheinland-Pfalz
    • Sachsen
    • Thüringen
  • Antragsformulare: Für die anderen Bundesländer finden Sie in dieser Liste Antragsformulare, die eigenständig heruntergeladen und ausgefüllt werden müssen.

Für die Antragstellung benötigen Sie folgende Unterlagen:

  • Geburtsurkunde
  • Einkommensnachweise der letzten 12 Monate (in Form von Lohn- oder Gehaltsabrechnungen oder Steuerbescheid)
  • Bescheinigung der Krankenkasse über Mutterschaftsgeld oder Krankentagegeld
  • Bescheinigung des Arbeitgebers/Dienstherren über Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld

Die ausgefüllten Formulare schicken Sie auf postalischem Wege an die zuständige Behörde (beispielsweise das Jugendamt).

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[Bildnachweis: Liudmila Fadzeyevaby Shutterstock.com]
9. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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