Frührente: Definition, Möglichkeiten, Abschläge

Möglichst früh in Rente gehen, nicht bis ins hohe Alter arbeiten müssen – dieser Wunsch ist weit verbreitet. Entsprechend können sich zahlreiche Arbeitnehmer vorstellen, in Frührente zu gehen und sich nicht erst mit dem regulären Renteneintrittsalter zur Ruhe zu setzen. Das ist zwar unter bestimmten Voraussetzungen möglich, doch sollten Sie sich genau überlegen, ob sich die Frührente wirklich lohnt. Möglicherweise müssen Sie mit Abschlägen bei der Rente rechnen und erhalten plötzlich deutlich weniger, als Sie eigentlich angenommen und über die vielen Berufsjahre verdient haben. Ohnehin ist die Frührente für viele Senioren das, was die Sirenen für Odysseus waren: Verlockend und von süßem Klang, aber nicht so wohltuend wie gedacht. Hier erfahren Sie, was Frührente bedeutet, wann und für wen diese möglich ist und was Sie dabei beachten sollten…

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Frührente: Definition, Möglichkeiten, Abschläge

Definition: Was bedeutet Frührente?

Von Frührente wird gesprochen, wenn ein Arbeitnehmer vorzeitig in Rente geht, obwohl er die gesetzlich festgelegte Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hat. Über einen langen Zeitraum ging es dabei vor allem um die Frührente mit 63 Jahren, doch bezieht sich die Frührente grundsätzlich auch auf andere Zeitpunkte, solange diese vor dem eigentlichen Renteneintrittsalter Rente liegt.

Allerdings sollten dabei einige Unterschiede in den Begrifflichkeiten beachtet werden. So wird beispielsweise oft von Frührente gesprochen, wenn ein Arbeitnehmer aufgrund einer Krankheit oder Schwerbehinderung nicht mehr berufstätig ist. Aufgrund des verfrühten Eintritts in die Rente könnte man zwar davon ausgehen, dass auch dies eine Form der Frührente ist – tatsächlich handelt es sich dabei aber um eine Erwerbsminderungsrente.

Wichtig ist eine genaue Differenzierung bei der Frührente, da es einige große Unterschiede geben kann. Gemeint sind damit die möglichen Abschläge, die bei einer Frührente anfallen können. Wann einzelne Arbeitnehmer in Frührente gehen können und welche Voraussetzungen für eine abschlagsfreie Frührente vorliegen müssen, wollen wir im weiteren Artikel klären.

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Frührente: Wann ist sie möglich?

Im Jahr 2012 wurde damit begonnen, das Renteneintrittsalter in Deutschland Schritt für Schritt anzuheben. Konnten Arbeitnehmer bis dahin regulär mit 65 Jahren in Rente gehen, kommt die Rente mit 67 jedes Jahr näher.

Das wirkt sich auch auf die Frührente aus, denn auch hier wird das Alter kontinuierlich von 63 auf 65 Jahre erhöht. Im Klartext bedeutet das: Eine Frührente mit 63 Jahren war für Arbeitnehmer aus dem Jahrgang 1953 (oder früher) zuletzt im Jahr 2017 möglich. Seitdem steigt das Eintrittsalter zur Frührente jedes Jahr weiter an. Wer im Jahr 1964 oder später geboren wurde, kann erst zum angehobenen Alter von 65 Jahren in Frührente gehen.

Eine Regelung, die es früher unter bestimmten Umständen ermöglichte, bereits mit 60 Jahren in Frührente zu gehen, gibt es mittlerweile nicht mehr.

Bei all dem zu beachten ist auch, dass Sie mindestens 35 Beitragsjahre in der Rentenversicherung vorweisen müssen. Mit 35 Beitragsjahren können Sie die sogenannte Altersrente für langjährig Versicherte nutzen, bei der Sie aber Kürzungen bei der Rente in Kauf nehmen, aber regulär in den Ruhestand gehen können. Wie hoch die Abschläge sind, zeigen wir am Ende des Artikels.

Wenn Sie mindestens 45 Beitragsjahre haben, greift für Sie die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. In diesem Fall können Sie auch ohne Abschläge vorzeitig in Rente gehen. Diese Regelungen wurden im Rahmen des Rentenpakets 2014 eingeführt. Wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen, können Sie ohne Rentenkürzungen in Frührente geben und müssen nichit bis zur Regelaltersgrenze weiterarbeiten.

So soll Rücksicht darauf genommen werden, dass nach 45 Berufsjahren oftmals schon aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitere Jahre gearbeitet werden kann.

Welche Zeiten werden für die Rente angerechnet?

45 Jahre rentenversichert – das ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit 45 Arbeitsjahren. Rentenbeiträge zahlen Sie nicht dann, wenn Sie in einem Arbeitsverhältnis sozialversicherungspflichtig sind. Darüberhinaus werden Ihnen zahlreiche Phasen als Beitragszeiten für die Rentenversicherung angerechnet:

Auf der anderen Seite werden auch einige Zeiten nicht für die Rentenbeiträge angerichtet. Das sind beispielsweise Phasen, in denen Sie Arbeitslosengeld II (umgangssprachlich auch Hartz IV genannt) beziehen.

Frührente: Abschläge bei fehlenden Beitragsjahren

Grundsätzlich können Sie in Frührente geben, wenn Sie mindestens 35 Beitragsjahre für die Rentenversicherung erworben haben. Besser ist es jedoch, wenn Sie insgesamt 45 Jahre vorweisen können und damit die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch nehmen – denn nur diese ist abschlagsfrei und ermöglicht Ihnen den vollen Bezug Ihrer Rente.

Diese Altersrente für langjährig Versicherte ist nach 35 Beitragsjahren möglich, sieht aber Kürzungen der Rentenzahlung um 3,6 Prozent pro Jahr (beziehungsweise 0,3 Prozent pro Monat) vor, das Sie frühzeitig in Rente gehen.

Wollen Sie Ihre Frührente berechnen, müssen Sie bei einem drei Jahre vorgezogenen Renteneintritt somit bereits 10,8 Prozent Abschläge einkalkulieren. Die Höchstgrenze der Kürzungen liegt bei insgesamt 14,4 Prozent, die Sie bei der Rente maximal einbüßen können.

Ein simples Beispiel: Sie haben 35 Beitragsjahre für die Rentenversicherung und Ihre Regelaltersgrenze liegt bei 67 Jahren. Wollen Sie nun Frührente mit 63 Jahren bekommen, erhalten Sie jeden Monat bis zu Ihrem Tod 14,4 Prozent geringere Bezüge. Die Auswirkungen lassen sich leicht berechnen. Bei einer Rente von 1.000 Euro würden Ihnen so jeden Monat 144 Euro verloren gehen.

Das ist bereits monatlich sehr viel, das volle Ausmaß zeigt sich aber erst auf lange Sicht. Jedes Jahr würden Ihnen durch die Kürzung 1.728 Euro fehlen. Einmal angenommen, dass Sie 25 Jahre lang Rente beziehen, sind das in diesem Beispiel unglaubliche 43.200 Euro, die Sie durch die Abschläge nicht bekommen.

Um dies trotz Frührente zu verhindern, ist eine Einmalzahlung möglich. Allerdings muss man die fällige Summe auch erst einmal bezahlen können. Wie hoch diese genau ist, können Sie über eine besondere Rentenauskunft in Erfahrung bringen.

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So kann die Frührente Ihnen schaden

Von der Frührente wird sich viel versprochen. Endlich keinen Stress mehr auf der Arbeit, Schluss mit den täglichen Belastungen für den Körper und nicht zuletzt endlich genügend Zeit, um sie mit dem Partner, der Familie oder einem Hobby zu verbringen. All das ist durchweg positiv und sehr verlockend.

Allerdings hält die Frührente nicht für jeden, was sie verspricht. Und Experten wissen auch: Selbst für die Gesundheit ist die Frührente nicht unbedingt die beste Option. Was zunächst widersprüchlich klingt, lässt sich ganz logisch begründen: Schädlich ist Frührente beispielsweise dann, wenn sie unfreiwillig erfolgt. Problematisch ist es zudem, wenn der Ruhestand zu einem deutlichen Rückgang der Aktivität führt.

Nur noch rumsitzen, keine körperlichen und geistigen Herausforderungen mehr, ein Gefühl der Sinn- und Nutzlosigkeit. All das kann in der Frührente passieren. Das Fehlen einer Aufgaben und der plötzliche Verlust von Verantwortungen und auch der Anerkennung, die der Job gebracht hat, kann für Frührentner schwierig sein.

Idealerweise sollten Sie sich deshalb bereits einige Zeit vor der Frührente überlegen, wie Sie diese gestalten und nutzen wollen. Das macht den Übergang einfacher. Die Möglichkeiten sind schließlich weit gefasst: Planen Sie schon einmal die Reise, die Sie schon lange machen wollten, engagieren Sie sich ehrenamtlich oder gehen Sie endlich dem Hobby nach, das Sie schon lange vor sich herschieben.

Ein letzter Tipp: Auch wenn Finanzen ein schwieriges Thema sind, sollten Sie sich darüber bewusst werden, dass mit der Frührente oftmals einige finanzielle Einschnitte einhergehen. Selbst bei abschlagsfreier Frührente fallen die Beiträge geringer aus als das Gehalt, das Sie vorher bekommen haben. Stellen Sie sich darauf ein, analysieren Sie Ihre Einnahmen und Kosten und vermeiden Sie finanzielle Engpässe, wenn die Frührente kommt.

[Bildnachweis: Yulia Grigoryeva by Shutterstock.com]
28. Februar 2020 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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