Jobwechsel Gehalt: Wieviel Prozent mehr sind drin?

Jobwechsel lohnen sich in den meisten Fällen – vor allem finanziell: Wer seinen Job wechselt, kann im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung von 5 bis 20 Prozent rausschlagen. Das Jobwechsel Gehalt hängt aber erheblich von dem Zusammenspiel diverser Faktoren ab: vom eigenen Alter, der Region, in der man arbeitet oder von der Branche sowie ob Sie sich beworben haben oder abgeworben wurden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie beim Jobwechsel das beste Gehalt für sich herausholen und worauf Sie in der Gehaltsverhandlung achten müssen…

Jobwechsel Gehalt: Wieviel Prozent mehr sind drin?

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Gehaltsfrage: Wieviel ist bei einem Jobwechsel drin?

Für viele Arbeitnehmer ist die Aussicht auf einen satten Gehaltssprung eines der Hauptmotive für einen Jobwechsel.

Grund Gehaltserhoehung Studie Grafik

Bevor Sie in die Gehaltsverhandlung gehen, sollten Sie sich zunächst die Rahmenbedingungen genau ansehen:

  • Aufstieg?
    Ist mit der neuen Stelle ein Aufstieg mit mehr Verantwortung für Personal oder Budget verbunden, dann können Sie – je nach Position – bis zu 15 Prozent, teils sogar 20 Prozent mehr Jahresgehalt (brutto) verlangen.
  • Arbeitgeberwechsel?
    Wer dagegen auf eine gleichrangige Position innerhalb der Branche (nur zu einem anderen Arbeitgeber) wechselt, kann zwischen 5 und 10 Prozent Gehaltsplus herauszuholen.
  • Abwerbung?
    Wer das Privileg hat, von einem anderen Arbeitgeber oder einem Headhunter abgeworben zu werden, kann oftmals zwischen 15 und 20 Prozent mehr Gehalt durchsetzen.
  • Quereinstieg?
    Ein Jobwechsel in eine andere Branche, womöglich in einen ganz anderen Beruf, wird hingegen häufig eher Abstriche machen müssen. Die wenigsten Quereinsteiger können dabei mit Erfahrungen, Know-how und Kontakten punkten. Hier müssen Sie überlegen, wie viel Sie bereit sind, runterzugeben. Bis zu 10 Prozent können es aber sein.

Voraussetzung für eine Gehaltssteigerung von 10, 15 oder gar 20 Prozent ist allerdings ein Wechsel aus einem ungekündigten Beschäftigungsverhältnis: Sie suchen eine neue Herausforderung, einen Karriereschritt – müssen aber nicht wechseln. Wer sich dagegen aus der Arbeitslosigkeit heraus bewirbt, ist automatisch in einer schwächeren Verhandlungsposition. Das wissen auch die Arbeitgeber und drücken entsprechend das Gehalt.

Hier sollten Sie bereit sein, Abstriche zu machen oder einen Kompromiss einzugehen, um überhaupt wieder den Einstieg ins Arbeitsleben und einen Fuß in die Tür zu bekommen. Gute Verhandler schlagen hier aber eine Zusage für eine Gehaltserhöhung nach einem Jahr heraus. Zum Beispiel, weil der neue Arbeitgeber dann ein hinreichendes Bild von der Leistungskraft und dem Engagement des neuen Arbeitnehmers hat.

Gehaltsfaktoren: Davon hängt das Jobwechsel Gehalt ab

Neben Beruf und der Branche gibt es einige Faktoren, die Einfluss auf das Durchschnittsgehalt haben. So verdienen Arbeitnehmer in identischen Jobs und Branchen noch lange nicht dasselbe. Folgende Einflussgrößen bestimmen, wie viel mehr Arbeitnehmer verdienen können:

  • Position: Berufseinsteiger verdienen weniger als erfahrende Fach- oder Führungskräfte. Im Alter zwischen 40 und 50 erreicht das Einkommen meist den Höhepunkt.
  • Qualifikation: Je besser ausgebildet, je höher qualifiziert und spezialisiert Sie sind, desto mehr verdienen Sie. Studierte erhalten im Schnitt 20.000 Euro p.a. mehr als Angestellte mit „nur“ einer Ausbildung.
  • Unternehmensgröße: In großen, internationalen Konzernen liegen die Gehälter meist höher als in kleinen und mittelständischen Unternehmen.
  • Mitarbeiterzahl: Ab 500 Mitarbeitern ist gegenüber dem Branchendurchschnitt ein Mehrgehalt von bis zu 50 Prozent erzielbar.
  • Standort: In der Stadt und anderen Ballungsgebieten wird mehr bezahlt als auf dem Land oder in strukturschwachen Regionen.
  • Bundesland: In Deutschland herrscht ein Nord-Süd-Gefälle: In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen werden die höchsten Gehälter gezahlt. In Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten.

Zusätzliche Hinweise geben unsere kostenlosen Gehaltstabellen (auch TVöD) und Gehaltsvergleiche.

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Jobwechsel Gehalt: Immer Marktwert recherchieren!

Bevor Sie in der Bewerbung Ihre Gehaltsvorstellungen formulieren oder im Vorstellungsgespräch den Gehaltswunsch nennen:
Eine gründliche Recherche vorab ist in allen Fällen ein absolutes Muss!

Ermitteln Sie unbedingt zuerst Ihren aktuellen Marktwert. Nur so können sie später die enorm wichtige selbstbewusste Haltung entwickeln, die dem neuen Chef signalisiert: „Ich komme hier nicht als Bittsteller, sondern mit einem berechtigten Anliegen und weiß, was ich wert bin.“ Nutzen Sie dazu gerne unseren kostenlosen Gehaltscheck – oder folgenden Trick: Nehmen Sie Ihren absoluten Minimallohn – und verdoppeln Sie diesen. Die Methode liefert zwar nur einen Näherungswert, führt in der Praxis aber zu erstaunlich realistischen und durchsetzbaren Werten.

Mehr Gehalt gehört nicht in den Vordergrund

Der Gehaltssprung sollte im Bewerbungsprozess allerdings nie im Vordergrund stehen. Wenn Sie den Job wollen, sollte Ihre Haltung immer sein: Sie wollen den Job, bei dieser Firma, wegen der Herausforderung und den tollen Perspektiven. Nicht wegen des Geldes! Der neue Arbeitgeber sucht ja keine Söldner, sondern neue Leistungsträger und intrinsisch motivierte Teamspieler.

Fallen Sie also nicht schon zu Beginn des Bewerbungsgesprächs oder beim Headhunter-Gespräch mit der Gehaltstür ins Haus. In den meisten Fällen müssen Jobwechsler das Thema nicht einmal aktiv ansprechen – spätestens in der zweiten Verhandlungsrunde wird der Arbeitgeber die Gehaltsfrage von sich aus stellen.

Verhandelt wird übrigens immer das Brutto-Jahresgehalt. Darin enthalten sind häufig Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld, mögliche Prämien sowie sonstige Sonderleistungen. Klären Sie das immer ab. Nicht, dass Sie nachher eine negative Überraschung erleben. Ansonsten sollten Sie Gehaltsangebot auch noch mit unserem kostenlosen Brutto-Netto-Rechner checken. So wissen Sie, was netto übrig bleibt.

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Tipps: So gibt es mehr Gehalt beim Jobwechsel

Viele Arbeitnehmer tun sich schwer damit, über ihr Gehalt zu sprechen. Erst recht selbiges zu verhandeln. Grund ist eine vergleichsweise steife Haltung zum Geld hierzulande: Geld hat man, darüber spricht man nicht. Lösen Sie sich bitte von dieser Haltung! Gehaltsverhandlungen werden Sie ein ganzes Berufsleben lang begleiten. Nicht nur bei etwaigen Jobwechseln. Sehen Sie die berufliche Veränderung daher immer als Übung und Daueraufgabe, bei solchen Gesprächen das jeweils Beste für sich herauszuholen.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen, mehr Gehalt beim Jobwechsel auszuhandeln. Wichtig: Nennen Sie möglichst keine Gehaltsspannen. Die signalisieren Unsicherheit. Zahlreiche psychologische Studien zeigen, wie Sie am besten in eine Gehaltsverhandlung einsteigen:

  • Machen Sie das Eröffnungsangebot

    Und das immer etwas höher, sodass Ihnen Verhandlungsspielraum bleibt. Was dabei psychologisch wirkt, ist der sogenannte Anker-Effekt. Es lässt sich nachweisen: Wer das Startangebot macht, landet am Ende näher an seinem Ziel, selbst wenn das irrwitzig hoch ist.

  • Nennen Sie eine konkrete Zahl

    Sagen Sie lieber „43.550 Euro“ als „40.000 Euro“ Jahresgehalt. Je krummer die Zahl, desto besser, sagt der Sozialpsychologe David Loschelder von der Universität des Saarlandes. Die krumme Zahl signalisiert Ihrem Gegenüber, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben und genau (!) wissen, was Sie wert sind. Zweiter Effekt: Wer sein Jahresgehalt in glatten Tausenderzahlen angibt (40.000, 50.000, 60.000, …) wird beim anschließenden Gehaltspoker eher in Tausenderschritten gedrückt. Wer dagegen eine krumme Zahl nennt, macht es dem Verhandlungspartner schwerer, den Preis zu drücken.

  • Seien Sie selbstbewusst

    Seien Sie bitte nie defensiv, wenn es um Ihr Geld geht. Viele Jobwechsler, insbesondere Frauen, starten ihre Gehaltsverhandlung viel zu schüchtern: „Ich weiß ja nicht, ob es dafür überhaupt ein Budget gibt, aber…“ Oder: „Das ist mir jetzt unangenehm, aber ich hätte gerne mehr Geld…“ Riesenfehler! Sie bitten hier nicht um ein Almosen, Sie verhandeln – und zwar um nicht weniger als den Gegenwert Ihrer Arbeitsleistung. Und den sollten Sie genau kennen – und anschließend selbstbewusst einfordern. Natürlich sollten Sie nicht unverschämt werden und überreizen. Der Ton muss freundlich bleiben. Aber Sie sollten dabei auch nicht zum Bittsteller schrumpfen.

Generell gilt: Bei einem Gespräch über eine Gehaltserhöhung ist der Konjunktiv absolut tabu. Liegt das Gehaltsangebot jedoch deutlich unter Ihren eigenen Vorstellungen, sollten Sie das nicht akzeptieren, sonst machen Sie sich unglaubwürdig und entlarven die vorherigen Vorstellungen und Verhandlungen als Pokerspiel mit Bluff.

In dem Fall raten wir zum geordneten Rückzug: Sagen Sie ruhig, dass das deutlich unter Ihren Vorstellungen liegt und dass Sie darüber erst eine Nacht schlafen müssen beziehungsweise Bedenkzeit brauchen. Die nehmen Sie sich dann bitte auch: In den seltensten Fällen wird man in einem Job glücklich, in dem man sich permanent unterbezahlt fühlt.

Unsere besten Tipps zur Gehaltsverhandlung

Noch mehr und ausführliche Tipps zur Gehaltsverhandlung finden Sie in den folgenden Dossiers:

[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]

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27. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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