Recht auf Gehaltserhöhung: Habe ich etwa einen Anspruch?

Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt kein Recht auf eine Gehaltserhöhung. In Deutschland gibt es die sogenannte Vertragsfreiheit. Das heißt: Wer besser verhandelt oder vielleicht gerade von der Konkurrenz abgeworben wurde, kann ein höheres Gehalt beziehen – obwohl er oder sie genauso qualifiziert und erfahren im Job ist wie die Kollegen im selben Job. Ein verbrieftes Recht auf gefühlte Lohngerechtigkeit gibt es also nicht. Es gibt aber ein paar Ausnahmen, die eine Gehaltserhöhung wahrscheinlicher machen können…

Recht auf Gehaltserhöhung: Habe ich etwa einen Anspruch?

Das Gehalt ist reine Verhandlungssache

Der Kollege ist kürzer im gleichen Job und beim selben Arbeitgeber, hat weniger Erfahrungen, erst weniger gemacht. Trotzdem verdient er mehr. Das ist ungerecht, keine Frage, aber legal. Unternehmen können ihre Arbeitnehmer unterschiedlich bezahlen. Das Gehalt ist – um es mal ganz kompakt zu sagen – reine Verhandlungssache.

Allerdings gibt es zu jeder Regel eine Ausnahme. Das ist auch hier der Fall. Genau genommen sind es sogar drei Ausnahmen, in denen Sie Ihr Arbeitgeber beim Gehalt nicht benachteiligen darf:

  • Betriebsvereinbarung

    In zahlreichen Unternehmen existiert eine sogenannte Betriebsvereinbarung (oft auch noch ein Tarifvertrag). In dieser wird häufig auch die Vergütung geregelt. Also nach welchen objektiven Kriterien (zum Beispiel Dauer der Betriebszugehörigkeit, Ausbildung oder Hierarchiestufe) sich das Gehalt zu entwickeln hat. Daran ist der Arbeitgeber dann gebunden.

  • Diskriminierungsverbot

    In Deutschland darf niemand wegen seines Alters, Geschlechts, Glaubens oder seiner Hautfarbe diskriminiert werden – das gilt auch in Sachen Gehalt. Einziger Haken: Der Nachweis hierfür ist schwer zu erbringen. Wer sich dennoch ungerecht bezahlt fühlt, kann seit dem 6. Januar 2018 und auf Basis des Entgelttransparenzgesetzes immerhin alle zwei Jahre Auskunft verlangen. Das bedeutet: Er oder sie darf erfahren, was die Kollegen in gleicher oder gleichwertiger Position verdienen – allerdings nur deren Medianverdienst (eine Art Durchschnittsgehalt). Gibt es dann starke Indizien für eine Gehaltsdiskriminierung, muss der Arbeitgeber entweder den Gegenbeweis antreten oder den betroffenen Kollegen besser bezahlen.

  • Betriebliche Übung

    Auch ohne Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag kann ein Anspruch auf eine Art Gehaltserhöhung entstehen – durch die sogenannte betriebliche Übung. Dabei handelt es sich um eine Art Gewohnheitsrecht. Wer beispielsweise seit drei Jahren immer im Dezember in gleicher Höhe Weihnachtsgeld bezieht, kann damit rechnen, dass dies auch im nächsten Jahr auf dem Lohnzettel erscheint. Der Gesetzgeber geht bei dreimaliger Gewährung bestimmter Leistungen davon aus, dass eine betriebliche Übung vorliegt. Heißt: Wenn es für Sie seit drei Jahren immer einen Bonus oder ein Extra-Gehaltsplus (in gleicher Höhe) am Jahresende gab, dürfen Sie damit rechnen, dass dies auch im vierten Jahr passiert. Ausnahme: Es gibt einen wirksamen sogenannten Freiwilligkeitsvorbehalt.

[Bildnachweis: Image Point Fr by Shutterstock.com]
24. April 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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