Gehaltserhöhung: Die besten Argumente und Zeitpunkte

Eine Gehaltserhöhung von 3-10 % ist üblich, bei einem externen Jobwechsel ist sogar oft eine Steigerung von 10-20 % möglich. Die Gehaltsanpassung ist jedoch kein Selbstläufer: Um einen höheren Gehaltswunsch durchzusetzen, benötigen Sie messbare Leistungssteigerungen, relevante Fortbildungen oder gewachsene Aufgaben und Verantwortungen. Wir zeigen Ihnen, mit welchen Tipps und Verhandlungstricks Sie Ihre nächste Gehaltserhöhung erfolgreich verhandeln…

Gehaltserhöhung Formulieren Muendlich Schriftlich Musterbrief

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung: Bereiten Sie jedes Gehaltsgespräch vor, indem Sie Ihren aktuellen Marktwert ermitteln sowie Leistungen und Erfolge in einer Leistungsmappe dokumentieren.
  • Realistische Höhe: Je nach Anlass können Sie meist zwischen 3-10 % mehr Gehalt aushandeln, bei Beförderung oder Jobwechsel sind bis zu 30 % drin.
  • Timing: Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt – idealerweise alle 12-24 Monate, nach bestandener Probezeit, nach einem Projekterfolg oder im jährlichen Mitarbeitergespräch.
  • Argumente: Überzeugen können Arbeitnehmer primär mit messbaren Leistungen und dem zukünftigen Mehrwert für das Unternehmen.
  • Alternativen: Gibt es beim Gehalt zu wenig Spielraum, sollten Sie Benefits wie mehr Urlaubstage, Homeoffice-Optionen oder steuerfreie Extras verhandeln.
  • Strategie: Nutzen Sie in der Verhandlung psychologische Effekte wie das Eröffnungsangebot, präzise Zahlen oder das Wort „Gehaltsanpassung“.
  • Fehler: Vermeiden Sie unbedingt emotionale Argumente, Vergleiche mit Kollegen oder Drohungen.

Ein Recht auf eine regelmäßige Gehaltserhöhung gibt es in Deutschland nicht (Ausnahme: Tarifvertrag). Ob Ihnen der Arbeitgeber mehr bezahlt oder nicht, ist mehrheitlich reine Verhandlungssache.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Gehaltserhöhung?

Anlass

Gehaltsplus

Jobwechsel zum neuen Arbeitgeber 18 %
Tariferhöhung 17 %
Interne Beförderung 16 %
Positive Unternehmensentwicklung 11 %
Zielerreichung 10 %
Beschäftigungsdauer 8 %
Zusätzliche Aufgaben 6 %
Neuer Vorgesetzter 4 %
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Wie oft kann ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Idealerweise liegen zwischen jeder Gehaltserhöhung 12-24 Monate. Um Ihre Gehaltsforderung zu begründen, benötigen Sie messbare Leistungssteigerungen oder triftige Gründe. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass diese schon nach kurzer Zeit so relevant sind, um eine Gehaltserhöhung zu rechtfertigen. Sollten Sie sich zuvor unter Wert verkauft haben, müssen Sie leider abwarten. Kurzfristig bleibt nur ein Arbeitgeberwechsel.

Wie viel Prozent kann ich verlangen?

Wie hoch Ihre Gehaltsanpassung ausfällt, hängt vom Anlass, Ihrer persönlichen und der Unternehmensentwicklung ab. Als Faustformel können Sie sich an folgenden, aktuell üblichen Gehaltssteigerungen orientieren:

Anlass

Gehaltsplus

Gehaltsverhandlung nach Probezeit + 2-3 %
Gehaltsverhandlung nach 1 Jahr + 3-5 %
Mehr Verantwortung, neue Aufgaben + 7-10 %
Beförderung + 10-15 %
Abwerbung + 15-20 %

Auch an Alternativen denken!

Denken Sie bei einer Gehaltserhöhung nicht nur an das Netto-Gehalt. Sie können parallel ebenso Alternativen verhandeln. Dazu zählen mehr Urlaubs- oder Homeoffice-Tage, Jobticket oder Tankgutscheine, Erfolgsprämien, Firmenwagen, Diensthandy oder andere steuerfreie Extras. Indem Sie solche Alternativen verhandeln, beweisen Sie nicht nur Professionalität und Kompromissbereitschaft – oft erzielen Sie dadurch ein besseres Verhandlungsergebnis.

Wie sollte ich eine Gehaltserhöhung vorbereiten?

Gründliche Vorbereitung ist das A und O für eine erfolgreiche Gehaltserhöhung. Im Kern stellt jeder Chef hierbei immer eine einfache Rechnung auf: Wie profitiert das Unternehmen, wenn es Ihnen mehr Geld bezahlt? Der erste Schritt ist daher immer eine Art persönliche Leistungsbilanz:

  • Was habe ich bisher geleistet und erreicht?
  • Welchen Mehrwert habe ich für das Unternehmen erzielt?
  • Worin liegt der künftige Nutzen für den Arbeitgeber?
  • Welche Ziele und Erfolge strebe ich zukünftig an?

Zeigen Sie im Gespräch unbedingt, dass Sie die Gehaltsanpassung schon „verdient“ haben. Ihr Ansatz muss sein: Sie werden nicht teurer, sondern bieten längst mehr und verhandeln lediglich eine überfällige Anpassung.

Leistungsmappe anlegen

Um diese positive Bilanz zu dokumentieren, legen Sie eine sogenannte Leistungsmappe an. Hierfür reichen oft schon 2-3 Seiten. Darin schreiben Sie auf:

  • Aktuellen Marktwert
    Mit Belegen branchenüblicher Gehälter in der Position und Region
  • Erzielte Erfolge
    Bisherige Projekte und messbare Ergebnisse (mit Zahlen)
  • Relevante Weiterbildungen
    Zusatzqualifikationen und für die Zukunft wichtige Kompetenzen
  • Neutrale Bestätigungen
    Lob von Kunden, Kollegen oder vom Chef – z.B. E-Mails
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Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung?

Für den Erfolg Ihrer Gehaltsverhandlung ist der richtige Zeitpunkt ebenfalls maßgeblich. Optimale Zeitpunkte sind:

  • Nach bestandener Probezeit

    Mit dem Ende der Probezeit haben Sie bewiesen, dass Sie den Job können und den Anforderungen gewachsen sind.

  • Beim Mitarbeitergespräch

    Beim regelmäßigen Jahresgespräch ziehen Mitarbeiter und Chef Bilanz: Leistungen, Zielerreichung, künftige Projekte. Wer hier gut abschneidet, hat starke Argumente für eine Gehaltserhöhung.

  • Mit der Beförderung

    Wer auf der Karriereleiter einen Schritt weiterkommt, hat beste Leistungen bewiesen und übernimmt mehr Verantwortung. Das sollte entsprechend entlohnt werden.

  • Bei einer Versetzung

    Wenn Mitarbeiter intern neue Aufgaben erhalten oder die Abteilung wechseln, ist das ein guter Zeitpunkt, um über ein höheres Gehalt zu sprechen.

  • Bei Entfristung des Arbeitsvertrags

    Sie hatten bisher einen befristeten Arbeitsvertrag? Der wird nun in einen unbefristeten umgewandelt – aus guten Gründen. Diese sprechen ebenfalls für eine Gehaltserhöhung.

  • Bei neuem befristeten Arbeitsvertrag

    Wer einen zweiten, befristeten Arbeitsvertrag im Anschluss erhält, sollte sein Gehalt immer nachverhandeln. Auch hier gibt es Gründe, warum man Sie behalten will.

  • Kurz vor Abschluss eines erfolgreichen Projekts

    Laut Studien der beste Zeitpunkt: Man braucht Sie noch, um das Ziel zu erreichen, der Erfolg ist aber zum Greifen nah. Dieser Wertschätzungs-Klimax signalisiert den perfekten Zeitpunkt für eine Gehaltsanpassung.

Jochen Mai Karriereexperte Bewerbungscoach Buchautor„Unsere Umfragen zeigen: Wer regelmäßig eine Gehaltserhöhung verhandelt, verdient signifikant mehr. Auf die Lebensarbeitszeit hochgerechnet können das in Summe mehrere 100.000 Euro Unterschied ausmachen.“ – Jochen Mai, Jobmentor mit über 20 Jahren Erfahrung und Autor zahlreicher Gehalt- und Karrierebücher.

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Was sind gute Gründe für eine Gehaltserhöhung?

Das Senioritätsprinzip – also automatisch mehr Gehalt aufgrund langer Betriebszugehörigkeit – gilt nur bei Beamten. In der freien Wirtschaft brauchen Sie hingegen starke Argumente, um eine Gehaltserhöhung erfolgreich durchzusetzen. Aus Erfahrungen wissen wir: Diese Argumente überzeugen in einer Lohnverhandlung besonders oft:

    1. Leistungssteigerungen

    Wer jetzt und künftig mehr leistet, als im Arbeitsvertrag vereinbart ist, und dadurch einen Mehrwert für das Unternehmen erzielt, hat beste Karten im Gehaltspoker. Besonders gut machen sich hierbei Umsatzsteigerungen, Kosteneinsparungen, Prozessoptimierungen oder erhöhte Kundenzufriedenheit.

    Beispielformulierung:

  • „Im vergangenen Jahr konnte ich den Umsatz um 17 Prozent steigern, indem ich neue Vertriebsstrategien entwickelt und implementiert habe. Daher halte ich eine Gehaltserhöhung von 10 Prozent für angemessen.“
  • 2. Erweiterter Tätigkeitsbereich

    Sie übernehmen zusätzliche Aufgaben, arbeiten an wichtigen Projekten und erledigen inzwischen deutlich anspruchsvollere Tätigkeiten? Dann sind das starke Argumente, die Sie im Gehaltsgespräch unbedingt anführen sollten.

    Beispielformulierung:

  • „Ich freue mich sehr, dass ich in den vergangenen Jahren gleich drei große Projekte zusätzlich übernehmen und erfolgreich abschließen konnte. Laut Gehaltsstudien liegt das durchschnittliche Gehalt hierfür 10 % über meinem. Daher möchte ich heute eine Gehaltsanpassung von wenigstens 8 % besprechen.“
  • 3. Mehr Verantwortung

    Die Verantwortung im Job ist ein wichtiger Faktor für die Bezahlung. Wer seit der letzten Verhandlung mehr Verantwortung übernommen hat – ob in der Projektleitung oder Teamführung –, sollte dies in der Gehaltsverhandlung anführen.

    Beispielformulierung:

  • „Vor einem Jahr war ich ausschließlich für den Kundenservice verantwortlich. Heute leite ich ein Team von fünf Kollegen und trage die Verantwortung für das gesamte Kundenmanagement. Daher sollte mein Gehalt angepasst werden.“
  • 4. Relevante Zusatzqualifikationen

    Haben Sie durch relevante Kurse oder Fortbildungen Ihre Fachkompetenz vertieft und weiterentwickelt, dann steigen damit automatisch Ihr Marktwert sowie der Wert für Ihren Arbeitgeber, den Sie sich bezahlen lassen können.

    Beispielformulierung:

  • „Ich habe im vergangenen Jahr erfolgreich ein Advanced-Zertifikat im Bereich Projektmanagement erworben. Dadurch kann ich Projekte zukünftig effizienter abschließen. Ich halte eine Gehaltssteigerung um 400 Euro im Monat daher für angemessen.“

Sprechen Sie aber möglichst nur von einer „Gehaltsanpassung“, nicht von einer „Gehaltserhöhung“. Erhöhung klingt nach „mehr Geld bezahlen“ ohne Grund. Bei einer „Anpassung“ dagegen schwingt mit, dass etwas bisher nicht korrekt war und angepasst werden muss. Die Formulierung klingt zudem viel sympathischer.

2-3-1-Strategie für Ihre Argumente

Idealerweise haben Sie mindestens 2-3 starke Argumente für eine Gehaltserhöhung. Ein rhetorischer Trick ist, diese in der richtigen Reihenfolge zu nennen. Bewährt hat sich hierbei die sogenannte 2-3-1-Strategie: Nennen Sie zuerst Ihr zweitstärkstes Argument. Überzeugt das nicht, schieben Sie das Schwächste nach. Dabei verausgabt sich Ihr Chef mit seinen Gegenargumenten. Doch dann kommt Ihr stärkstes Argument – dem kann er jetzt kaum noch widersprechen. Lesen Sie dazu auch: Killerphrasen kontern

Was sind clevere Strategien im Gehaltsgespräch?

Dank guter Vorbereitung, Marktwert-Check und Leistungsmappe sind Sie Ihrer Gehaltserhöhung schon um 50 % nähergekommen. Die zweite Hälfte besteht aus rhetorischen Tipps und psychologischen Strategien, mit denen unsere Coaching-Teilnehmer schon 20-30 % mehr herausholen konnten:

  • Eröffnungsangebot machen

    Machen Sie immer das Eröffnungsgebot. Studien beweisen: Wer anfängt, endet signifikant näher an seinem Wunschergebnis. Was dabei wirkt, ist der sogenannte Ankereffekt. Indem Sie Ihren Gehaltswunsch plus 10 % nennen, ankern Sie das Gespräch um diesen Wert.

  • Präzise Zahl nennen

    Nennen Sie bei Ihrem Gehaltswunsch stets eine präzise Zahl, etwa 39.550 Euro statt 40.000 Euro. Der Psychologe David Loschelder von der Universität des Saarlandes konnte nachweisen: Die krumme Zahl wirkt überzeugter und besser vorbereitet. Sie zeigt: „Ich weiß, was ich wert bin – auf den Euro genau!“

  • Selbstbewusst auftreten

    Vor allem Frauen starten die Gehaltsverhandlung zu schüchtern und defensiv. Kennen Sie Ihren Marktwert, dürfen Sie diesen selbstbewusst einfordern: „57.650 Euro im Jahr halte ich für angemessen.“ Natürlich dürfen Sie dabei nicht unverschämt werden. Wer aber im Konjunktiv argumentiert („würde gerne mehr bekommen“), bekommt definitiv weniger, als er oder sie verdient.

  • Gehalt relativieren

    Setzen Sie Ihre Gehaltserhöhung in Relation zu einer höheren Zahl. Sagen Sie zum Beispiel, dass man Fachkräften wie Ihnen im Durchschnitt 68.000 Euro bezahlt. Dann nennen Sie Ihr niedrigeres Wunschgehalt: Schon klingen Ihre 64.720 Euro in Relation zu 68.000 Euro nicht mehr so hoch.

  • Aktiv zuhören

    Lassen Sie sich von Einwänden nicht verunsichern. Stellen Sie stattdessen Rückfragen und zwingen Sie Ihr Gegenüber in Erklärungsnot: „Was müsste ich verbessern, damit Sie mein Gehalt höher bewerten?“ Mit der Antwort liefert Ihr Chef genau die Argumente, die er im nächsten Gespräch nicht mehr abweisen kann.

Ganz wichtig: Fassen Sie das Verhandlungsergebnis unbedingt zusammen und lassen Sie sich die Vereinbarungen vom Chef schriftlich bestätigen (E-Mail reicht). Das verhindert spätere Missverständnisse und Erinnerungslücken.

Erfolgreiches Training für mehr Geld

Fühlen Sie sich unterbezahlt oder weiterhin nicht sicher genug für eine Gehaltsverhandlung? Dann nutzen Sie zusätzlich unser erprobtes Gehaltscoaching und unsere einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung für bis zu 30 % mehr Gehalt. Wir haben unsere besten Tipps und Erfahrungen in 5 Modulen, 3 Stunden Videos und mehr als 120 Seiten Begleitmaterial zusammengefasst:

Mehr darüber erfahren

Gehaltserhöhung mündlich oder schriftlich beantragen?

In der Regel führen Sie mit Ihrem Vorgesetzten ein mündliches und persönliches Gehaltsgespräch unter vier Augen. Je nach Unternehmenskultur können Sie die Gehaltserhöhung aber auch schriftlich beantragen und darin bereits erste Argumente strukturiert formulieren. Diese Form hilft allen, die unter starker Nervosität leiden. Wie das konkret aussehen kann, zeigt Ihnen unser Musterbrief, den Sie gleich online umschreiben und anpassen können. Dazu einfach auf den Kasten klicken:

Gehaltserhöhung schriftlich beantragen – Muster

(Betreff:) Antrag auf Anpassung meines Gehalts

Sehr geehrte Frau Muster,

ich bin seit TT.MM.JJJJ Teil unseres großartigen Teams und habe bereits an zahlreichen Projekten mitgewirkt und diese erfolgreich abgeschlossen. Dabei könnte ich jeweils meine Erfahrungen, Soft Skills und Qualifikationen gewinnbringend einsetzen und weiterentwickeln.

Besonders erwähnen möchte ich:

– (Beispiel erfolgreiches Projekt inkl. Ergebnis)
– (Beispiel Übernahme neuer zusätzlicher Aufgaben)
– (Beispiel Erwerben relevanter Zusatz-Zertifikate)

Aufgrund dieser Leistungen und meines gewachsenen Aufgabenbereichs möchte ich mit Ihnen über eine Gehaltsanpassung zu markt- und branchenüblichen Standards sprechen.

Meinen beruflichen Leistungen, Erfahrungen und Zusatzqualifikationen entsprechend empfinde ich ein Brutto-Jahresgehalt von 46.570 Euro als angemessen. Falls Sie hierzu Rückfragen haben, biete ich als Termin für ein Gespräch den TT.MM.JJJJ an.

Mit freundlichen Grüßen
(Signatur)

Darf ich mit Kollegen über die Gehaltserhöhung sprechen?

Falls keine Geheimhaltung vereinbart wurde, dürfen Sie zwar mit Kollegen über Ihr Gehalt sprechen – sollten es aber nicht. Bleiben Sie lieber diskret: Wer mit seinem neuen Gehalt prahlt, weckt nur Gehaltsneid und Begehrlichkeiten. Das stört das Betriebsklima und Vertrauen des Chefs und erschwert künftige Gehaltsverhandlungen.

Welche Fehler sollte ich bei der Gehaltserhöhung vermeiden?

Apropos: Leider ist die Gehaltserhöhung kein Selbstläufer. Nicht wenige Arbeitnehmer machen dabei Verhandlungsfehler, die bares Geld kosten. Diese Fehler können und sollten Sie vermeiden:

  • Falsche Argumente

    Überzeugen Sie mit Leistung, Ergebnissen und Entwicklung. Private Gründe wie steigende Lebenshaltungskosten oder die Inflation zählen nicht. Absolutes Tabu: mit Kündigung drohen. Das ist Nötigung und wird oft zum Bumerang.

  • Defensiver Start

    Starten Sie das Gespräch niemals zu zurückhaltend, Motto: „Ich weiß nicht, ob es dafür überhaupt ein Budget gibt.“ Sie sollten Ihren Wert genau kennen – und entsprechend selbstbewusst einfordern.

  • Frühzeitige Zustimmung

    Ihr Chef bietet ein akzeptables Gehalt – und Sie stimmen sofort zu. Fehler! Akzeptieren Sie niemals das erste Angebot – es ist niemals das beste. Indem der Chef ein Angebot macht, signalisiert er Verhandlungsbereitschaft und -spielraum. Nutzen Sie diesen.

  • Emotional werden

    Sobald Emotionen ins Spiel kommen, verlieren Sie an Überzeugungskraft. Laut werden oder auf Fairness und Mitleid setzen, entlarvt nur fehlende Sachargumente.

  • Mit Kollegen vergleichen

    Vergleiche mit Kollegen hinken immer. Sie kennen weder deren Leistungen noch deren Verantwortlichkeiten im Detail. Kollegenvergleiche wirken unprofessionell. Entscheidend ist allein Ihr eigener Beitrag.

  • Falschen Zeitpunkt wählen

    In Krisenphasen, nach eigenen Fehlern oder Konflikten sind Gehaltsforderungen unangebracht. Auch ungünstig: Montagmorgen oder Freitagnachmittag. Wählen Sie lieber einen Moment, in dem Ihre Leistungen präsent sind und die Stimmung passt.

Sollte die Verhandlung ohne Gehaltserhöhung scheitern, können Sie nach einem neuen Termin in der Zukunft fragen. Überlegen Sie sich einen realistischen Zeitraum, nach dem Sie mit besseren Ergebnissen das Thema erneut verhandeln. Das ist legitim und professionell. Weitere Tipps zur Gehaltserhöhung finden Sie in unserem kostenlosen ABC:

Gratis: ABC der Gehaltserhöhung (PDF)

Leitfaden zur erfolgreichen Gehaltserhöhung

    1. Analysieren Sie Ihre Ausgangssituation

    Bevor Sie eine Gehaltserhöhung ansprechen, reflektieren Sie ehrlich:

  • Welche konkreten Erfolge habe ich in den vergangenen Monaten realisiert?
  • Habe ich meine Aufgaben oder meine Verantwortung spürbar erweitert?
  • Ist mein Gehalt angemessen und marktüblich?
  • 2. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt

    Ein gutes Timing kann für den Erfolg der Gehaltsverhandlung entscheidend sein. Ideal sind:

  • Das jährliche Mitarbeitergespräch
  • Ein erfolgreicher Projektabschluss
  • Die Budgetplanung für das kommende Geschäftsjahr
  • 3. Bereiten Sie sich strategisch vor

    Machen Sie Ihre Argumentation nicht von persönlichen Bedürfnissen abhängig! Relevant für eine erfolgreiche Gehaltserhöhung sind hauptsächlich:

  • Gestiegene Aufgaben und Leistungen
  • Messbarer Mehrwert für das Unternehmen
  • Relevante Zusatzqualifikationen
  • Umsatzsteigerungen oder Kosteneinsparungen
  • 4. Gespräch mündlich oder schriftlich beantragen

    Formulieren Sie eine professionelle Bitte um einen Gesprächstermin, und sprechen Sie besser von einer „Gehaltsanpassung“ als von einer „Gehaltserhöhung“. Nehmen Sie sich für das Gespräch ausreichend Zeit (45-60 Minuten) und bringen Sie Ihre Leistungsmappe mit.

    5. Bleiben Sie stets professionell

    Egal, wie Ihr Chef reagiert, ob er Sie abwimmeln will oder mit typischen Totschlagargumenten abspeist: Sie bleiben bitte zu jedem Zeitpunkt ruhig, respektvoll und sachlich im Ton, aber hartnäckig und selbstbewusst in der Sache. Wichtig: Fordern Sie nicht einfach mehr Geld, sondern begründen Sie das mit schlagkräftigen Argumenten!

Wer den Wunsch nach einer Gehaltserhöhung klug formuliert und vorbereitet sowie professionell begründet, verbessert die Chancen darauf erheblich. Rechnen Sie mit Gegenwind und seien Sie auch darauf vorbereitet. Der größte Fehler beim Gehalt ist: nicht verhandeln! Wir wünschen: viel Erfolg!

Mehr Geld? Kuriose Studien zum Gehalt

Die Themen Gehalt und Gehaltserhöhung sind immer wieder Anlass für Wissenschaftler zu Studien, bei denen sie kuriose Zusammenhänge erkennen. Eigentlich unnützes Wissen, das wir Ihnen trotzdem nicht vorenthalten wollen:

Sichtbarkeit zählt mehr als Leistung

Der Unternehmensberater und Buchautor Harvey Coleman fand bei seinen Studien heraus, dass es vor allem drei Erfolgsschlüssel sind, die bei der Gehaltserhöhung den Ausschlag geben. Die eigene Leistung zählt jedoch nur zu 10 Prozent. Wichtiger sind die Beliebtheit und Sympathie (30 %) – das meiste Gewicht aber hat die Sichtbarkeit (60 %). Kurz: Nicht was Sie machen, ist entscheidend, sondern wer davon weiß!
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6% mehr Geld dank Körpergröße

Eine Gehaltserhöhung ist manchmal nur eine Frage von Zentimetern. So bringen Männer, die größer sind als 1,82 Meter, knapp sechs Prozent mehr Gehalt nach Hause. Das errechneten Forscher der Londoner Guildhall Universität.

Dünne Frauen und dicke Männer verdienen mehr

Übergewicht und Fettleibigkeit gelten als Handicap im Job (siehe Halo-Effekt). Das hat auch Einfluss auf das Gehalt, so eine Studie des Ökonomen Marco Caliendo von der Universität Potsdam: Danach verdienen schlanke Frauen mehr als dicke. Am höchsten war das Gehalt bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 21,5. Bei Männern war es umgekehrt: Sind sie dünn, verdienen sie wenig. Am meisten verdienen Männer bei einem BMI ab 23.

Chefs mit Tochter bezahlen mehr

Es gibt sie leider: die Gehaltsdiskriminierung. Frauen verdienen im Schnitt 6 % weniger als Männer. Es gibt aber einen sog. „Mädchenbonus“: Hat der Chef eine Tochter, bezahlt er Mitarbeiterinnen mehr. Das konnten Wissenschaftler um Michael Dahl von der dänischen Aalborg Universität nachweisen. Wird Ihr Chef demnächst Vater einer Tochter, sollten Sie eine Gehaltserhöhung ansprechen!

Bildung bringt 25% mehr Gehalt

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bringt ein zusätzliches Jahr Bildung später ein Gehaltsplus von 5 %. Wer beispielsweise 16 Jahre in seine Bildung investiert hat, hat über das ganze Erwerbsleben hinweg im Durchschnitt ein um 25 Prozent höheres Einkommen. Fachleute sprechen dabei vom „Mincer-Koeffizient“ oder von „Bildungsrendite“.


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