Unterbezahlt? Anzeichen und Hilfe

Gute Leistungen sollten gut und fair bezahlt werden. Eine These, der fast jeder zustimmt, die in der Realität aber leider nicht immer umgesetzt wird. Viele Arbeitnehmer haben das Gefühl, unterbezahlt zu sein – entweder im Vergleich zu Kollegen, die für die gleiche Arbeit eine bessere Bezahlung bekommen, oder im Vergleich zur gesamten Branche. Das Resultat: Unzufriedenheit, Motivationsverlust und Zweifel, ob der aktuelle Job oder Arbeitgeber wirklich zu einem passen. Zwar ist es leicht, dem Arbeitgeber die Schuld für eine Unterbezahlung zu geben, doch ganz unbeteiligt war man selbst schließlich auch nicht – und so können Sie selbst auch aktiv werden, um etwas an der Unterbezahlung zu ändern…

Unterbezahlt? Anzeichen und Hilfe

Daran erkennen Sie, dass Sie unterbezahlt sind

Vermutlich wird Ihnen niemand direkt auf die Nase binden, dass Sie eigentlich vollkommen unterbezahlt in Ihrem Job sind. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es keine Möglichkeit gibt, die zu geringe Bezahlung trotzdem aufzudecken. Allen voran sollten Sie dabei auf Ihr Gefühl achten. Die meisten Menschen haben einen sehr guten Radar dafür, ob sie für die eigenen Leistungen, die eingesetzte Energie und die geforderten Ergebnisse fair und ausreichend bezahlt werden.

Hadern Sie regelmäßig mit der Bezahlung, beklagen Sie sich immer wieder bei Freunden und Familie, dass Sie für den Aufwand und Ihre Performance trotz großem Stress und hoher Erwartungshaltung viel zu wenig verdienen, sollten Sie dieser Intuition folgen und weiter nachforschen. Hier sind fünf weitere Anzeichen, dass Sie unterbezahlt sind:

  1. Sie haben schon lange keine Gehaltserhöhung bekommen

    Mit Ihrer Berufserfahrung und Ihren Fähigkeiten sollte im Normalfall auch das Gehalt wachsen und sich entwickeln. Warten Sie also schon sehr lange vergeblich auf eine Gehaltserhöhung, spricht einiges dafür, dass Sie mittlerweile am Ende des Monats zu wenig auf Ihr Konto überwiesen bekommen.

  2. Die Kollegen verdienen mehr

    Ein wirklich eindeutiges Zeichen, dass Sie unterbezahlt sind: Zwar wird in deutschen Büros immer noch eher ungern über Geld gesprochen, wenn Sie aber doch erfahren, dass die Kollegen, die eigentlich die gleiche Position haben, mehr verdienen, ist jede Unsicherheit beseitigt. Hier kommt es dann noch auf die Frage an: Wie kommt es zu der Diskrepanz?

  3. Gehalt ist kein Thema beim Chef

    Haben Sie schon versucht, Ihr Gehalt anzusprechen und der Chef hatte dafür nur ein knappes Jaja, darüber sprechen wir bei Gelegenheit mal übrig? Das könnte ein Anzeichen sein, dass die Führungsetage sich nur allzu gern vor Gehaltsgesprächen drücken möchte, weil dem Chef durchaus bewusst ist, dass Sie aktuell unterbezahlt sind.

  4. Unternehmenserfolg schlägt sich nicht im Gehalt nieder

    Wenn es im Unternehmen oder in einer Abteilung wirklich gut läuft, großes Wachstum erzielt wurde und ein Erfolg nach dem anderen eingefahren wurde, sollte dies im besten Fall auch an die Mitarbeiter weitergegeben werden – die schließlich maßgeblich daran beteiligt sind. Leider ist eine solche Mentalität nicht in jedem Unternehmen gegeben, was ein Zeichen dafür sein, dass Sie für Ihre Leistungen unterbezahlt sind.

  5. Sie erfahren es über eine Jobbörse

    Ob Sie nun in einer Jobbörse stöbern, weil Sie aktiv auf der Suche nach einem neuen Job sind oder einfach mal schauen wollten, welche Qualifikationen in Ihrer Branche aktuell besonders gefragt sind – fällt Ihnen hier auf, dass Positionen, die Ihrer sehr ähnlich sind, im Schnitt deutlich besser bezahlt werden, sollten Sie aufmerksam werden und genauer recherchieren, da sie möglicherweise eine zu geringe Bezahlung bekommen.

Unterbezahlung: Wie kommt es eigentlich dazu?

Ob Sie nun Ihrem Gefühl vertrauen oder auf einem der oben genannten Wege, auf Ihre Unterbezahlung aufmerksam geworden sind, taucht vermutlich die Frage auf: Wie konnte es eigentlich dazu kommen? In manchen Situationen und beruflichen Stationen ist man sich der eher unterdurchschnittlichen Bezahlung durchaus bewusst, etwa wenn man eine Einstiegsposition annimmt oder sich einen Job sucht, um bei einem Unternehmen erst einmal einen Fuß in die Tür zu bekommen. Hier steht meist weniger das Gehalt im Vordergrund, sondern die gesammelte Erfahrung und wichtige Kontakte oder Referenzen.

Nur leider sind es oft eben nicht diese Positionen, sondern erfahrene Mitarbeiter und qualifizierte Fachkräfte, die sich über das eigene Gehalt wundern und die sich mit den Zweifeln herumschlagen, ob nicht eigentlich ein paar Hundert Euro mehr jeden Monat auf der Gehaltsabrechnung stehen sollten.

Doch wie kommt es eigentlich zu einer Unterbezahlung? Die häufigste Erklärung: Der Arbeitgeber will sparen und drückt deshalb das Gehalt. In einigen Fällen stimmt das sicherlich auch, doch zu jedem Gehalt gehören immer zwei Parteien und bei der Gehaltsverhandlung haben Sie der jetzigen Bezahlung zugestimmt. Außerdem wäre es zu einfach, die Schuld lediglich auf der anderen Seite zu suchen und sich selbst nur in der Rolle des Opfers zu betrachten. Dies ist zwar möglich, aber eher die Ausnahme. Ein wenig muss man sich also auch an die eigene Nase fassen.

Drei häufige Gründe für eine Unterbezahlung:

  • Man hat schlecht verhandelt. Gehaltsverhandlungen fallen nicht jedem leicht und so kann es sein, dass Sie gleich das erste Angebot angenommen haben – ob das auch wirklich ein faires Angebot war, bleibt fraglich, vielleicht sind Sie dabei auch deutlich unter Ihren Möglichkeiten geblieben und hätten ein besseres Gehalt erhalten können, wenn bei der Verhandlung ein weniger forscher und selbstbewusster aufgetreten wären. Haben Kollegen sich hier besser geschlagen, landet Ihre Bezahlung am unteren Ende des Vergleichs.
  • Man kennt seinen eigenen Wert nicht. Ausbildung, Berufserfahrung, Leistungen: Es gibt verschiedene Faktoren, die den eigenen Marktwert bestimmen. Sollten Sie diesen nicht kennen – sondern erst später erfahren – kann es passieren, dass Sie sich beim Gehalt mit weniger zufrieden gegeben haben und zu einem späteren Zeitpunkt bemerken, dass Sie eigentlich unterbezahlt sind. Dies ist dann der Preis, den man zahlt, weil man seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.
  • Man glaubt der Einschätzung des Unternehmens. Viele Arbeitnehmer gehen mit einer großen Unsicherheit in Gehaltsverhandlungen und glauben den Einschätzungen des Chefs. Das ist eine branchenübliche Bezahlung… Nicht jeder Chef ist hierbei ehrlich und so hilft es nur, die tatsächlichen Zahlen im Vorfeld zu recherchieren. Kommt allerdings raus, dass der Chef absichtlich ein zu niedriges Gehalt angesetzt hat, sollten Sie zumindest einige Zweifel haben, ob Sie ansonsten fair behandelt werden.

Was bleibt Netto vom Brutto?

Was bleibt Netto vom BruttoApropos: Vielleicht wollen Sie herausfinden, was von Ihrem nächsten Bruttogehalt netto übrig bleibt. Für den Fall haben wir für Sie einen kostenlosen Brutto-Netto-Gehaltsrechner. So können Sie zum Beispiel feststellen, wie viel von der angepeilten Bruttoerhöhung nach dem Abzug von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen auf dem Bankkonto netto ankommt. Einfach Ihren aktuellen Bruttolohn eingeben, Lohnsteuerklasse, Kirchensteuer und weitere Angaben. Schon berechnet das kostenlose Tool Ihr Nettogehalt.

Unterbezahlt: Was Sie tun können, wenn Sie unterbezahlt sind

unterbezahlt-tipps-geld-gehaltIch bin unterbezahlt. Eine schmerzliche Erkenntnis, die viele Fragen aufwirft. Was hätte ich anders machen sollen und wie viel mehr hätte ich verdienen können? Zwar ist der Blick in die Vergangenheit unvermeidlich, hilfreich für eine Lösung des Problems ist er allerdings nicht. Um etwas an der Situation zu ändern, ist nur eine Frage wichtig: Was kann ich jetzt tun? Wir haben drei mögliche Strategien für Sie zusammengefasst.

  1. Beginnen Sie neue Gehaltsverhandlungen

    Sollten Sie unterbezahlt sein, obwohl Ihre Qualifikationen und auch Leistungen stimmen, können Sie die Chance nutzen und eine neue Gehaltsverhandlung beginnen. Dies geht allerdings nur, wenn seit der letzten Gehaltsvereinbarung einige Zeit vergangen ist. Zeigen Sie diesmal auf, welchen Mehrwert und Nutzen Sie dem Unternehmen bringen, von welchen Leistungen Ihr Arbeitgeber profitiert und wie viel Ihre Fähigkeiten am Markt wert sind.

  2. Verbessern Sie Ihre Position

    Vielleicht verdienen andere auch mehr, weil sie andere Qualifikationen mitbringen. Finden Sie heraus, ob Sie sich durch eine Fortbildung für eine Gehaltserhöhung empfehlen könnten oder mehr Verantwortung bei Projekten übernehmen können. Je wichtiger Ihre Position im Unternehmen, desto besser ist der Ausgangspunkt für eine Gehaltsverhandlung, da Ihr Chef Sie nur ungern an die Konkurrenz verlieren möchte.

  3. Wechseln Sie das Unternehmen

    Haben Sie das Gefühl, bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber aufgrund der Unterbezahlung unzufrieden zu sein und auch keine Besserung in Sicht ist, bleibt nur noch der Wechsel zu einem anderen Unternehmen. Hier sollten Sie sich jedoch vorher informieren, um nicht noch einmal in die gleiche Falle zu tappen.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
15. Juni 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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