Bisheriges Gehalt: Darf der Personaler danach fragen?

Sie sind auf der Suche nach einem neuen Job, schreiben Bewerbungen oder haben sogar schon Erfolg gehabt und sind zu einem persönlichen Gespräch eingeladen worden? Dann werden Sie wahrscheinlich früher oder später auf die Frage stoßen, wie hoch Ihr bisheriges Gehalt ist. Entweder werden Gehaltsvorstellungen bereits im Anschreiben verlangt, ansonsten wird der Personaler Sie auf das Thema ansprechen. Darauf sollten Sie vorbereitet sein, aber dennoch wissen viele Bewerber nicht, wie Sie mit der Frage umgehen sollen. Ehrlich antworten, lügen und ein höheres bisheriges Gehalt nennen? Und darf der Personaler überhaupt danach fragen, wie viel Sie bisher verdient haben? Wir erklären Ihnen, was Sie wissen müssen, wie Sie reagieren können und was Sie nicht tun sollten, wenn nach Ihr bisheriges Gehalt zur Sprache kommt…

Bisheriges Gehalt: Darf der Personaler danach fragen?

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Warum fragen Personaler nach Ihrem bisherigen Gehalt?

Geld ist bei der Jobsuche ein wichtiges Thema. Kaum jemand möchte sich bei den Finanzen verschlechtern, stattdessen soll ein bisheriges Gehalt im neuen Job noch ein Stück nach oben geschraubt werden. Nicht selten ist die Bezahlung sogar ausschlaggebendes Motiv, um sich überhaupt nach einer neuen Stelle umzusehen. Wer über einen langen Zeitraum das Gefühl hat, sein bisheriges Gehalt sei unterdurchschnittlich oder gar unfair, wird zunehmend unzufriedener und fühlt sich ausgenutzt.

Allerdings spielt Geld und die Bezahlung nicht nur für Sie als Arbeitnehmer und Bewerber eine große Rolle, sondern natürlich auch für Unternehmen, die am Ende die Kosten tragen, wenn es zur Zusammenarbeit kommt. Personaler fragen jedoch nicht nur aus reinem Interesse nach Ihrer bisherigem bisherigen Gehalt, vielmehr geht es an dieser Stelle bereits in die Anfangsphase der Gehaltsverhandlung.

Auftakt zur Gehaltsverhandlung

Mit dem Jobwechsel ein kleines Gehaltsplus zu verbinden ist ganz normal, schließlich soll die Jobsituation verbessert werden – nicht nur was Aufgaben oder Betriebsklima angeht, sondern eben auch finanziell. Im Durchschnitt lassen sind rund fünf Prozent mehr rausholen, wobei natürlich auch Abweichungen nach oben möglich sind. Dabei wird Ihr bisheriges Gehalt als Grundlage für die mögliche Gehaltserhöhung genommen. Soll heißen: Je geringer Ihr bisheriges Gehalt, desto geringer fällt auch die neu verhandelte Erhöhung aus. Bei einem bisherigen Jahresgehalt von 30.000 Euro bringt eine fünfprozentige Erhöhung 1.500 Euro mehr pro Jahr und ein neues Einkommen von 31.500 Euro. Liegt Ihr bisheriges Gehalt jedoch 50.000 Euro würde die gleiche Erhöhung einen Unterschied von 2.500 Euro pro Jahr ausmachen und Ihr Gehalt auf 52.500 Euro ansteigen.

Sind Sie zu teuer?

Für Personaler und Unternehmen ist Ihr bisheriges Gehalt daher eine wichtige Information, die auch die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten beeinflussen kann. Wer zu teuer ist oder ganz dreist eine fast schon unverschämte Bezahlung verlangt, kann seine Chancen schmälern. Doch fragen sich viele Bewerber, ob der Personaler eine solche Frage überhaupt stellen darf.

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Bisheriges Gehalt: Ist es erlaubt, danach zu fragen?

Den meisten Jobsuchenden ist bekannt, dass Sie im Vorstellungsgespräch nicht auf jede Frage antworten müssen und das Personaler einige davon sogar gar nicht stellen dürften. Dadurch soll verhindert werden, dass Bewerber aus Gründen, die nichts mit dem Job zu tun haben, benachteiligt werden. Geregelt wird dies im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) So sind beispielsweise Fragen nach der Familiensituation eines Kandidaten tabu, ebenso geht einen potenziellen Arbeitgeber die Gesundheit des Bewerbers nichts an, solange diese die Ausübung der Tätigkeit nicht behindert.

Aber zählt dazu auch eine Aussage über das aktuelle oder bisherige Gehalt?

Grundsätzlich muss diese Frage zunächst mit „Ja“ beantwortet werden. Es ist für Ihre Eignung und auch für die Ausübung des neuen Jobs unerheblich, wie viel Sie in der Vergangenheit verdient haben. Eine Ausnahme ist es lediglich, wenn Ihr Gehalt direkt mit Ihrer Leistung in Verbindung steht, wenn Sie etwa Provision für erfolgreiche Arbeit bekommen haben. Haben Sie ein normales Gehalt bezogen, kann die Frage durchaus zu Ihrem Nachteil genutzt werden, eben weil es einen sehr konkreten Rahmen für die folgende Gehaltsverhandlung vorgibt. Größere Gehaltsentwicklungen werden auf diese Weise erschwert und wer bisher zu wenig verdient hat, hat es schwieriger, die Lücke zu schließen.

Das Problem für Sie als Bewerber: Diese Regelung ändert nicht viel an Ihrer Situation, wenn Ihr bisheriges Gehalt im Vorstellungsgespräch erfragt wird. Darauf zu verweisen, dass diese Frage unzulässig ist, ist zwar eine Option, wird aber vermutlich dafür sorgen, dass Sie sich selbst aus dem Rennen werfen, selbst wenn Ihre Chancen bis dahin vielleicht gar nicht so schlecht standen. Was also tun?

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Bisheriges Gehalt: So können Sie auf die Frage reagieren

Ihr bisheriges Gehalt zu offenbaren setzt Bewerber regelmäßig unter Druck. Die anvisierten Strategien lassen sich meist in zwei unterschiedliche Kategorien einteilen: Lieber ein wenig tiefer ansetzen, um noch Platz nach oben zu haben. Und auf der anderen Seite diejenigen, die gleich in die Vollen gehen, um den größtmöglichen Gewinn bei der Bezahlung zu erzielen, dabei aber das Risiko eingehen, zu hoch zu pokern und Personaler abzuschrecken.

Lügen ist keine gute Strategie

Beide Vorgehensweisen haben jedoch ein gemeinsames Problem: Sie entsprechen nicht der Wahrheit. Und falsche Angaben in der Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch sind ein sehr heikles Thema und führen im schlimmsten Fall dazu, dass Sie sich selbst ins Aus katapultieren oder gar eine Kündigung erhalten, sollten Sie die Zusage für den Job bekommen haben, bevor die Lüge ans Licht kommt. Wenn Sie Ihr bisheriges Gehalt nennen, ist deshalb Ehrlichkeit angebracht. Das bedeutet aber nicht, dass Sie keine Chance haben, einen Gehaltssprung zu machen und eine Erhöhung zu verhandeln. Entscheidend ist, wie Sie das Ganze verkaufen und argumentieren.

Tipp 1: Aktuellen Marktwert ermitteln

Als grundlegende Vorbereitung für jede Bewerbungsphase sollten Sie deshalb unbedingt Ihren Marktwert herausfinden. Ihr bisheriges Gehalt muss diesem nicht zwangsläufig entsprechen. Vielleicht haben Sie schlecht verhandelt und sich für Ihr bisheriges Gehalt unter Wert verkauft, Ihr aktueller Arbeitgeber zahlt unterdurchschnittlich oder Sie wohnen in einer Region, in der niedrigere Löhne gezahlt werden. Recherchieren Sie, wie hoch Ihr bisheriges Gehalt hätte sein sollen. Was also verdient ein vergleichbarer Arbeitnehmer im Durchschnitt, der in Ihrem Job tätig ist, Ihre Qualifikationen mitbringt und über Ihre Berufserfahrung verfügt? Dabei stehen Ihnen im Internet verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, etwa ein kostenloser Gehaltsreport.

Tipp 2: Aktuelles Gehalt richtig nennen

Mit diesem Wissen ausgerüstet, können Sie Ihr bisheriges Gehalt nennen, aber gleichzeitig die gewünschte Entwicklung begründen und legitimieren. So können Sie beispielsweise sagen:

Mein bisheriges Gehalt liegt bei 30.000 Euro, allerdings bin ich der Meinung, dass es kein guter Vergleichswert für meine Leistungen sind. Es handelt sich dabei um mein Einstiegsgehalt und ich habe mich damals unter Wert verkauft. Zusätzlich habe ich in den letzten Jahren meine Fähigkeiten erweitert, weshalb ich mir ein Gehalt zu marktüblichen Konditionen zwischen 35.000 und 37.500 Euro vorstelle.

Denken Sie daran, dass Sie in diesem Fall immer entsprechende Argumente vorbereiten sollten, um zu untermauern, warum Ihr bisheriges Gehalt zu gering war. Dies können neue Fähigkeiten oder auch eine größere Verantwortung sein.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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17. September 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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