Gehaltsvorstellung formulieren: Tipps, Regeln, Fehler

Es ist vielleicht die schwerste Aufgabe überhaupt, die Absolventen vor dem Berufseinstieg bewältigen müssen: den eigenen Marktwert taxieren – in Form eines Einstiegsgehalts. Manche Arbeitgeber verlangen bereits in der Stellenanzeige, dass Kandidaten in ihrer Bewerbung beziehungsweise im Anschreiben ihre Gehaltsvorstellungen formulieren. Hier die richtige Antwort zu finden, kann eine wesentliche Weichenstellung für die weitere Karriere bedeuten, denn künftige Gehaltserhöhungen orientieren sich meist prozentual am aktuellen Gehalt. Wer also hoch einsteigt, verdient auch im Laufe der Jahre mehr…

Gehaltsvorstellung formulieren: Tipps, Regeln, Fehler

Nennen Sie Ihre Gehaltsvorstellung

Überreizen darf man dabei allerdings auch nicht. Das ist einer der schlimmsten Fehler, die Bewerber bei Gehaltsangaben machen können: Nackte Gier macht sofort unsympathisch. Aber auch wer fadenscheinige bis unsachliche Argumente bringt („weil ich der Beste bin“) oder einfach unverschämt fordert, katapultiert sich damit unmittelbar ins Aus.

Die Gehaltsfrage zu beantworten, ist eben nicht nur eine lästige Pflicht – es ist ein Kür. Nicht zuletzt, weil der Arbeitgeber in spe an dieser Frage nach den Gehaltsvorstellungen auf subtile Weise gleich zweierlei Dinge misst:

  1. Kennen Sie Ihren Marktwert? Haben Sie sich diesbezüglich informiert, was üblicherweise in der Branche, der Region, dem Beruf und dem Unternehmen bezahlt wird?
  2. Was kosten Sie das Unternehmen? Auch das Unternehmen kalkuliert natürlich: Sind Sie im Verhältnis zu Mitbewerbern und gleicher Qualifikation eher zu teuer oder verkaufen Sie sich unter Wert (was jedem Arbeitgeber lieber ist)?

Ermitteln und nennen Sie Ihren Gehaltswunsch!

Bevor Sie also Ihren Gehaltswunsch formulieren, überlegen Sie also genau welche Größenordnung strategisch zielführend ist: Durchaus etwas höher, damit Sie nach unten Verhandlungsspielraum haben, aber auch nicht zu hoch, um sich ins Aus zu manövrieren.

Zu tief stapeln sollten Sie jedoch auch nicht. Denn auch das wirft ein schlechtes Licht auf Sie, wenn Sie so gar nicht wissen, was Sie eigentlich nach Ihrer Ausbildung wert sind.

Nur wenige Arbeitgeber sind Ausbeuter. Denn das führt auf Dauer nur zu hoher Frustration und Fluktuation. Und jemand, der seinen Marktwert nicht kennt, wirkt eben auch nicht gerade kompetent.

Wenn das ausschreibende Unternehmen also explizit Gehaltsangaben in der Stellenanzeige fordert, dann sollten Sie diese auch nennen.

So unangenehm das einem auch ist: Schweigen und die Aufforderung stillschweigend zu übergehen, wäre von allen Alternativen die falscheste Reaktion. Wenn Bewerber auf einen explizit genannten Gehaltswunsch nicht antworten, geben sie letztlich unvollständige Unterlagen ab. Ein klarer Minuspunkt im Bewerbungsschreiben. Und nicht wenige Personaler sortieren solche Bewerbungen sofort aus – schließlich missachtet der Bewerber eine explizit genannte Erwartung an die Bewerbung.

In der Regel beginnt dann bei den Personalverantwortlichen das Kopfkarussell zu kreisen:

  • Warum nennt der Bewerber keine Zahl?
  • Kann er seinen Marktwert nicht einschätzen?
  • Hat er die Stellenanzeige vielleicht gar nicht richtig gelesen?
  • Beginnt er bereits jetzt mit Strategien für ein höheres Gehalt?
  • Hat er überzogene Vorstellungen?
  • Ignoriert er die Aufforderung – und macht er das auch im Arbeitsalltag?
  • Lohnt es sich dann überhaupt, ihn einzuladen?

Entsprechend raten Personalberater mindestens im Anschreiben zu signalisieren: Ich habe Ihren Wunsch registriert. Zum Beispiel mit einer Formulierung wie:

Mein aktuelles Jahresgehalt beträgt 35.000 Euro.

Das ist zwar nicht die Antwort auf die Frage, stellt aber schon mal eine mögliche Verhandlungsgrundlage dar.

Besser ist freilich, sich im Vorfeld zum Beispiel bei Personen oder Bekannten, die eine vergleichbare Position besitzen, darüber zu informieren, was sie aktuell verdienen oder was eine angemessene Gehaltsforderung sein könnte.

Um Ihren Marktwert zu ermitteln, haben Sie diverse Möglichkeiten:

  • Besuchen Sie Gehaltsvergleichsportale. Einige davon bieten kostenlose Tabellen für unterschiedliche Branchen oder Positionen. Fündig werden Sie zum Beispiel auf Gehalt.de.
  • Recherchieren Sie in bekannten Online-Jobbörsen. Auch hier gibt es Teils Gratis-Übersichten zu aktuellen Einstiegsgeältern.

Auch in der Karrierebibel finden Sie hierzu gute Informationen:

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Generell liegt das derzeitige Durchschnittsgehalt von Hochschulabsolventen laut Studien bei rund 3400 Euro im Monat, brutto, ohne Sonderzahlungen. Allerdings variieren die Einstiegsgehälter stark – je nachdem, welcher Abschluss vorliegt und wo dieser erworben wurde.

So können promovierte Berufsanfänger bereits im Schnitt mit einem Monatsbrutto von rund 4220 Euro starten, während die Absolventen mit einem Masterabschluss von der Uni mit rund 3680 Euro rechnen können. Wer dagegen nur einen Bachelor von der Fachhochschule besitzt, muss sich eher mit rund 3300 Euro begnügen. Der Bachelor von der Uni bringt sogar noch weniger: im Schnitt nur 2880 Euro.

Gehaltsvorstellungen formulieren – so geht es richtig

Wenn Sie Gehaltsangaben machen sollen, lauten die Faustregeln:

  • Geben Sie immer ein Brutto-Jahreseinkommen an!
  • Sagen Sie aber auch, ob sich Ihre Gehaltsvorstellungen auf zwölf oder 13 Monatsgehälter beziehen.
  • Wünsche über Zusatzleistungen wie etwa Urlaubsgeld, Fahrkostenzuschüsse oder vermögenswirksame Leistungen werden in der Regel nicht genannt (wirkt kleinlich).
  • Falls Sie den Job wechseln, orientieren Sie sich immer aktuellen Jahresgehalt. Mehr als 20 Prozent sollten Sie aber nicht aufschlagen.
  • Der Gehaltswunsch wird in der Regel am Ende des Bewerbungsanschreibens genannt, also als Schlusssatz oder als PS.

Was direkt zu der Frage führt, wie Sie Ihre Vorstellungen genau zu Papier bringen…

Gehaltswunsch: Beispiele für konkrete Formulierungen

Beim Formulieren Ihres künftigen Gehalts gibt es wieder zwei grundsätzliche Optionen: Sie nennen diese Zahl a) so konkret und fix wie möglich oder Sie beschreiben b) einen Zielbereich. Das Wort „Bereich“ signalisiert dem Personaler zudem generelle Verhandlungsbereitschaft.

Hier einige Formulierungs-Beispiele, die Sie in Ihrer Bewerbung verwenden können:

Konkret und argumentativ

  • Meine Gehaltsvorstellungen liegen bei 46.500 Euro brutto im Jahr.
  • Aufgrund meiner Qualifikation und Kenntnisse liegen meine Gehaltsvorstellungen bei 46.500 Euro im Jahr.
  • Meinen beruflichen Qualifikationen entsprechend empfinde ich ein Gehalt von 46.500 Euro als angemessen.
  • Ein jährliches Bruttogehalt von 46.500 Euro entspricht meinen Vorstellungen.

Vage und als Gehaltskorridor

  • Meine Gehaltsvorstellung liegt bei einem Brutto-Jahresgehalt im Bereich von 46.500 Euro.
  • Meine Gehaltsvorstellungen liegen zwischen 45.700 und 49.200 Euro pro Jahr. Weitere Details würde ich gerne in einem persönlichen Gespräch klären.

Ausweichend

Nur zu empfehlen, wenn in der Stellenanzeige nicht ausdrücklich danach gefragt wurde, sind Formulierungen wie:

  • Meinen Gehaltswunsch erläutere ich gerne im persönlichen Gespräch mit Ihnen.
  • Meine Gehaltsvorstellungen können wir sicher auch bei einem baldigen persönlichen Kennenlernen klären.
  • Meinen Qualifikationen entsprechend, strebe ich eine der Position angemessene Vergütung an.
  • Ich freue mich, wenn Sie mich zum Vorstellungsgespräch einladen, dabei können wir sicher auch noch auf meine Gehaltsvorstellungen eingehen und uns sicher einigen.
  • Meine Gehaltsvorstellungen formuliere ich gerne, sobald ich mir ein genaues Bild von der ausgeschriebenen Stelle und den damit verbundenen Anforderungen machen konnte.

Gehaltswunsch formulieren für Teilzeitjobs

Gehaltswunsch formulieren für TeilzeitjobsFalls Sie einen Teilzeitjob anstreben, bei dem es keine Angabe von Wochenstunden gibt, sollten Sie diese Berechnungsgrundlage im Anschreiben selbst schaffen. Letztlich machen Sie dazu nichts anderes als Dreisatzrechnen, wobei sie beide Variablen konkret benennen:

Bei einer 50-Prozent-Stelle (oder: bei 20 Wochenstunden) stelle ich mir ein Jahresgehalt von XX.XXX Euro vor.

Dies gilt nicht nur für die Gehaltsvorstellung in Teilzeit, sondern kann auch bei einer Vollzeitstelle genutzt werden. Meist wird dabei eine 40-Stunden Woche angestrebt, die Arbeitszeit kann aber auch etwas mehr oder weniger betragen – etwa 37,5 Stunden oder auch 41,5 Stunden. In der Formulierung können Sie dies ebenso einbauen wie bei einer Teilzeitstelle, etwa Bei einer 40-Stunden-Woche stelle ich mir ein Jahresgehalt von XX.XXX Euro vor.

Was tun, wenn keine Gehaltsvorstellung verlangt wird?

Wenn vom Unternehmen explizit darum gebeten wird, Ihre Vorstellung zur Bezahlung anzugeben, sollten Sie dies in jedem Fall tun. Doch nicht jedes Unternehmen fordert Bewerber dazu auf, eine Gehaltsvorstellung in das Anschreiben einzubauen. Sollen Sie dann dennoch darauf eingehen und bereits im schriftlichen Teil der Bewerbung auf die Gehaltsvorstellung zu sprechen kommen?

Nein, denn grundsätzlich ist der Gehaltswunsch kein Teil des Bewerbungsschreibens. Nur wenn direkt danach gefragt wird, wird dieser Aspekt mit aufgenommen. Heißt für Sie: Sollte das Unternehmen nicht ausdrücklich eine Angabe zur Gehaltsvorstellung fordern, sollten Sie das Thema ins Vorstellungsgespräch verlagern.

Tipps für die spätere Gehaltsverhandlung

Irgendwann ist es dann soweit: Der Gehaltspoker beginnt. Wenn Sie beispielsweise im Vorstellungsgespräch in die Gehaltsverhandlung gehen, sollten Sie vorher unbedingt noch unser Gehaltserhöhung-ABC lesen – mit weit mehr als 26 der besten (psychologischen) Verhandlungstipps und -tricks sowie unsere anderen Dossiers zum Gehaltsgespräch…

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27. April 2013 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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