Gehaltswunsch im Anschreiben: So formulieren Sie das

Es ist eine klassische Dilemmasituation. Sie sitzen an Ihrer Bewerbung und eigentlich sind Sie soweit zufrieden. Der Lebenslauf ist fertig und auch im Anschreiben haben Sie alle wichtigen Punkte unterbringen können – wäre da nicht ein kleines Detail: der Gehaltswunsch. Wie formulieren Sie ihn? Nicht zu gierig wollen Sie wirken. Aber klar, unter Wert verkaufen wollen Sie sich auch nicht. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie am besten vorgehen…

Gehaltswunsch im Anschreiben: So formulieren Sie das

Gehaltswunsch formulieren: Ungenaue Vorstellungen erschweren es

Häufig enthalten Stellenanzeigen die Aufforderung, der Bewerber möge doch seinen Gehaltswunsch im Anschreiben formulieren. Das ist eine heikle Situation, da in Deutschland immer noch das ungeschriebene Gesetz gilt:

Über Geld spricht man nicht. Dabei ist dieser Brauch völlig abwegig, denn bei allem Enthusiasmus für die Tätigkeit: Erstens ist das der Hauptgrund dafür, dass ein Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer überhaupt erst zustande kommt.

Zweitens ist es gerade vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung von Männern und Frauen wichtig, dass die Karten auf den Tisch gelegt werden und Transparenz gilt. Für viele Bewerber ist die Situation dennoch nicht ganz einfach, vor allem, wenn es sich um Berufseinsteiger handelt.

Häufig existieren gar keine oder nur ungefähre Vorstellungen davon, wie das Gehalt in dem Job aussehen könnte. Wer hingegen lediglich einen Jobwechsel plant, aber weiterhin in derselben Branche arbeitet, kann einen Gehaltssprung von bis zu 20 Prozent herausholen.

Fakt ist: Je höher Ihr Gehalt letztlich ausfällt, desto besser für Ihre spätere Rente.

Gründe für die Angabe des Gehaltswunsches

Die Motivation der ausschreibenden Unternehmen ist klar: Sie wollen überprüfen, inwieweit der Bewerber sich und seinen Marktwert realistisch verorten kann.

Gibt der Bewerber völlig überzogene Fantasiezahlen als Gehaltswunsch an, ist fraglich, ob ein Unternehmen ihn überhaupt erst zu einem Vorstellungsgespräch einlädt. Bleibt er in seinen Angaben deutlich unter dem Marktwert, ist das einerseits ein Punkt, der Misstrauen erweckt:

Wieso sind die Gehaltsangaben so niedrig? Hat der Bewerber etwas zu verheimlichen, handelt es sich am Ende vielleicht um einen gefälschten Lebenslauf?

Da kann es passieren, dass ein Arbeitgeber den Bewerber als inkompetent einstuft, wenn er sein eigenes Leistungsspektrum derart niedrig bewertet.

Andererseits schneiden Sie sich als Bewerber selbst ins Fleisch, da der potenzielle Arbeitgeber von einem ohnehin viel zu niedrigen Einstiegsgehalt ausgehend den unwissenden Bewerber herunterhandeln kann.

Und schließlich lässt das Rückschlüsse auf ein eher gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl zu, das dazu verleiten kann, einen Bewerber von Anbeginn an auszugrenzen.

Anmerkungen zum Gehaltswunsch: Vollständige Bewerbungsunterlagen

Anmerkungen zum Gehaltswunsch formulieren Bewerbung Gehaltsvorstellung berechnen EintrittsterminManche Bewerber erwägen aufgrund des oben genannten, ungeschriebenen Gesetzes, die Angabe des Gehaltswunschs einfach zu ignorieren. Frei nach dem Motto: Ich überzeuge durch meine Qualifikationen, der Rest findet sich selbst.

Aber ist es nicht nur eine Frage, ob Sie sich genau mit Ihrer Branche und den üblichen Gehältern dort auseinandergesetzt haben und ob Sie sich Ihrer eigenen Stärken bewusst sind.

Meist enthalten Stellenangebote Formulierungen wie „Schicken Sie uns Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung und Ihres frühstmöglichen Eintrittstermins“. Und hierin liegt exakt der Grund dafür, warum Sie der Aufforderung nach dem Gehaltswunsch nachkommen sollten.

Ihre Bewerbungsunterlagen sind nämlich unvollständig, wenn Sie es nicht tun. Sie haben somit bereits den ersten Fehler in Ihrer Bewerbung.

Gehaltsvorstellung berechnen: Macht Gehaltswunsch realistisch

Um einen realistischen Gehaltswunsch angeben zu können, gilt es Informationen zu recherchieren.

Dafür eignen sich:

  • Gehaltsvergleichportale

    Auf einschlägigen Seiten wie beispielsweise Gehalt.de können Sie ausgehend vom Jobtitel oder der Berufsbezeichnung nach üblichen Gehältern suchen. Neben den meistgesuchten Jobs haben Sie auch die Möglichkeit, Führungspositionen oder Branchen zu vergleichen.

  • Online-Jobbörsen

    Viele Online-Jobbörsen wie beispielsweise informieren ebenfalls zu Gehältern. Karrieresprung.de bietet beispielsweise zusätzlich den Service mit verschiedenen Jobprofilen, die die Tätigkeitsfelder eines Berufs erläutern. Eine Jobbörsen-Übersicht finden Sie hier.

Was Sie bei Ihren Recherchen zum Gehaltswunsch immer berücksichtigen sollten, sind mehrere Faktoren:

  • Welchen Abschluss haben Sie?
  • Welchen Erfahrungsgrad bringen Sie mit?
  • Wo wohnen Sie?
  • Welche Branche streben Sie an?

Denn nur, weil Sie hochmotiviert sind und gute Noten haben, können Sie noch längst nicht alles verlangen. Als Faustformel gilt: Je höher der Abschluss, desto höher das Gehalt, je größer die Berufserfahrung, desto besser das Gehalt. Allerdings kommt es immer auch auf die Branchen an:

Geistes- und Sozialwissenschaftler gehören unter den Akademikern zu den Geringverdienern, eine Promotion ist hier oftmals selbstverständlich und bringt längst nicht automatisch den gleichen Gehaltsschwung mit sich wie etwa in anderen Fachbereichen. Zumindest, wenn Bewerber mit diesen Abschlüssen in nah verwandten Branchen bleiben.

Anders kann es aussehen, wenn ein Geisteswissenschaftler nicht die klassische Karriere im Bildungsbereich oder kulturellen Einrichtungen anstrebt, sondern beispielsweise aufgrund diverser weiterer Qualifizierungen eine Stelle im Bereich Human Resources besetzt.

Ebenfalls auf das Gehalt wirkt sich Ihr Wohnort und die Unternehmensgröße aus: Ein Großkonzern in München wird für gewöhnlich mehr zahlen als ein mittelständisches Unternehmen in Norddeutschland auf dem platten Land, ebenso ist in vielen Branchen ein Ost-West-Gefälle erkennbar.

Starke Branchen, in denen Bewerber üblicherweise hohe Gehälter erwarten können, sind in Deutschland vor allem die Automobilindustrie, die Pharma- und Chemieindustrie oder auch der Finanz- und Versicherungssektor.

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Gehaltswunsch im Anschreiben: So geben Sie ihn an

Üblicherweise werden im Anschreiben Bruttojahresgehälter angegeben. Das setzt sich aus den zwölf Monatsgehältern zusammen, allerdings können Sie ebenfalls Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld mit hineinrechnen.

Wenn Sie das tun, sollten Sie das allerdings angeben. Dabei wird der Gehaltswunsch am Ende des Anschreibens, meist als Schlusssatz, platziert.

Letztlich ist die Formulierung Ihres Gehaltwunsches ein Stück weit eine Frage des Geschmacks – Ihres eigenen und des Personalers, der Ihre Bewerbung liest. Denn Sie haben grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten zu formulieren:

Konkret argumentierend

  • Aufgrund meiner Qualifikationen erachte ich ein Bruttojahresgehalt von 56.700 Euro als angemessen.
  • Entsprechend meiner beruflichen Kenntnisse liegen meine Gehaltsvorstellungen bei 42.800 Euro brutto im Jahr.
  • Aufgrund meiner Fähigkeiten im Bereich XY empfinde ich 72.300 Euro brutto im Jahr angemessen.

Vage andeutend

  • Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 36.800 und 41.300 Euro brutto im Jahr.
  • Ich stelle mir ein Jahresgehalt im Bereich von 39.300 Euro brutto im Jahr vor. Näheres bespreche ich gerne in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen.

Deutlich ausweichend

Von dieser Möglichkeit, einen Gehaltswunsch zu formulieren raten wir allerdings nur, wenn in der Stellenanzeige nicht ausdrücklich nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefragt wurde:

  • Ich bin mir sicher, dass wir zu einer gemeinsamen meinen Qualifikationen angemessenen Lösung finden werden.
  • Meinen Gehaltswunsch würde ich gerne in einem persönlichen Gespräch erörtern.
  • Gerne lege ich Ihnen meine Gehaltsvorstellungen in einem persönlichen Gespräch dar.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]

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14. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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