Stärken in der Bewerbung: Wie nennen?

Als Bewerber sollten Sie vorzugsweise über Ihre Stärken schreiben. Die Erfolgsaussichten aber sinken, wenn Ihre Selbstbeschreibung ausschließlich aus abgenutzten Schlagwörtern besteht.

Eine Datenanalyse von Linkedin zeigt, welche Schlagwörter Sie besser nicht in Ihr Bewerbungsanschreiben integrieren. 10 Stärken, die überstrapaziert sind – und in Ihrer Bewerbung zur Schwäche werden können.

Stärken in der Bewerbung: Wie nennen?

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Diese Stärken sind überstrapaziert

„Motiviert, kreativ, ehrgeizig“ – so stellen sich Rekruter den perfekten Bewerber vor. Denken viele. Es gibt nur ein klitzekleines Problem: Motiviert, kreativ und ehrgeizig sind sie alle.

Zumindest, wenn man den Selbstbeschreibungen der Fach- und Führungskräfte Glauben schenken möchte. Die drei Adjektive sind dermaßen überstrapaziert, dass sie sich eigentlich wegen Burnouts in professionelle Behandlung begeben müssten.

Sie zählen zu den zehn meistbenutzten Schlagwörtern im deutschen Bewerber-Jargon. Dies hat das Business-Netzwerk Linkedin bei einer Analyse von 300 Millionen Online-Profilen herausgefunden. Die zehn abgenutztesten „Stärken“ in Deutschland sind demnach:

  • Motiviert
  • Kreativ
  • Expertenwissen
  • Leidenschaft
  • Strategisch
  • Verantwortungsvoll
  • Ehrgeizig
  • Analytisch
  • Spezialisiert
  • Auslandserfahrung

Online-Profile sind zwar keine Bewerbungsanschreiben. Aber dennoch lässt sich mit einiger Gewissheit schlussfolgern, dass sich genau diese Schlagwörter eben auch in die entsprechenden Bewerbungsanschreiben hinüberretten.

Drei Wege, wie Sie Ihre wahren Stärken entdecken

  1. Spontane Brillanz.
    Denken Sie an eine Situation, in der Sie ein akutes Problem perfekt gelöst haben – auf eine Weise, wie sie kein anderer vollbringen könnte oder nie daran gedacht hätte. Mit welcher Idee haben Sie andere nachhaltig beeindruckt und wobei bitten Sie andere spontan um Rat?
  2. Rasante Expertise.
    Welche neuen Fertigkeiten haben Sie sich in der Vergangenheit nahezu mühelos und binnen kürzester Zeit angeeignet? Gibt es komplexe Problemstellungen, die Sie zügig, spielerisch und ohne Anstrengung vereinfachen und lösen können?
  3. Totale Erfüllung.
    Finden Sie die Tätigkeit, bei der Sie nicht nur ein enormes Kreativ- und Leistungspotenzial erreichen, sondern auch regelrecht darin aufgehen und versinken können. Kurz: Wobei erleben Sie den Flow? Und wenn Sie wieder auftauchen: Was gibt Ihnen die tiefste Zufriedenheit?


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Stärke: Bewerbung ohne Floskeln

Um mit Ihrem Bewerbungsschreiben zu überzeugen, sollten ja zunächst einmal diese Rahmenbedingungen erfüllt sein:

  • Individualität: Ihr Anschreiben sollte exakt auf das Unternehmen zugeschnitten sein, bei dem Sie sich bewerben. Das gilt auch für Ihre Stärken. Was bei dem einen Unternehmen gefragt ist, ist beim anderen weniger wichtig.
  • Klarheit: Es sollte schon klar werden, warum Sie den Job wollen. Warum Sie der beste Kandidat für den Posten sind. Plattitüden heben Sie nicht vom Rest der Bewerberschar ab.
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Wie finde ich dann meine ganz eigenen Stärken?

Eine Möglichkeit ist die sogenannte SWOT-Analyse. Die stammt ursprünglich aus der Strategieentwicklung für Unternehmen und beruht auf der Erfassung von vier verschiedenen Bereichen:

  • Strengths = Stärken
  • Weaknesses = Schwächen
  • Opportunities = Chancen
  • Threats = Risiken

Die ersten beiden Punkte – Stärken und Schwächen – beziehen sich in der Originalversion auf das Unternehmen, während Punkt drei und vier – Chancen und Risiken – die Markt- und Wirtschaftslage im Blick haben. Bewerber können die SWOT-Analyse aber genauso modifizieren und für sich nutzen.

Die Analyse der Stärken und Schwächen bezieht sich dann rein auf Ihre eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten, während Chancen und Risiken vom Arbeitsmarkt, den ausgeschriebenen Stellen und potentiellen Arbeitgebern abhängen. Eine grafische Umsetzung der SWOT-Analyse könnte dann so aussehen:

SWOT-Analyse Bewerbung

In der Grafik sehen Sie das Ergebnis einer SWOT-Analyse für einen fiktiven Bewerber. Hier sind die Stärken und Schwächen des Bewerbers bereits mit den Chancen und Risiken der fiktiven Arbeitsmarktsituation kombiniert und bilden so die Optionen des Bewerbers ab.

Bevor Sie sich jetzt an Ihre eigene SWOT-Analyse machen: Widerstehen Sie dabei unbedingt der Versuchung, sich Ihre Situation schön zu reden oder Ihre eigene Fähigkeiten übertrieben optimistisch einzuschätzen. Nur eine realistische Betrachtung kann Ihnen als Grundlage für die Jobsuche dienen.

Erkennen Sie beispielsweise durch die SWOT-Analyse, dass Ihre konkreten Stärken am besten zu Unternehmen passen, die Sie nicht als Wunscharbeitgeber sehen, kann Ihre Jobsuche eine ganz neue Richtung erhalten. Dann ist es vielleicht angesagt, zuerst Kompetenzen und Stärken aufzubauen, die für Ihre Wunscharbeitgeber relevant sind. Vielleicht reicht es jedoch auch aus, Ihre Praxiserfahrung stärker in den Fokus zu rücken und so deutlich zu machen, dass Sie über die notwendigen Fähigkeiten verfügen.

Eine ernsthaft betriebene SWOT-Analyse kann Ihnen dabei helfen, Hindernisse, Risiken, Chancen und Möglichkeiten rechtzeitig zu erkennen und sich entsprechend darauf vorzubereiten. Um Ihnen Ihre SWOT-Analyse zu erleichtern, bieten wir Ihnen unsere Vorlage als Excel-Datei zum Download an.


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Was heißt das konkret für die Bewerbung?

  1. Worthülsen meiden
    Die Datenauswertung von Linkedin dürfen Sie als konkrete Handlungsanweisung verstehen. Binden Sie die genannten Schlagwörter NICHT in Ihr Bewerbungsanschreiben ein oder zumindest nur in kleinen Dosierungen. Sie sind blutleer, bis aufs Gerippe abgekaut und darüber hinaus absolute Selbstverständlichkeiten. Wenn Sie nicht ‚motiviert‘ wären, hätten Sie sich schließlich gar nicht erst beworben. Und wer sich als ‚kreativ‘ bewirbt, muss den Beweis hinterher definitiv erst noch erbringen.
  2. Alternativen suchen
    Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die Eigenschaften aus der Top Ten-Floskel-Liste sind ja nicht per se schlecht. Im Gegenteil: Wer Charakteristika wie Ehrgeiz, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität durchs Leben trägt, kann ja so verkehrt nicht sein. Trotzdem mag kein Personaler Floskeln. Überhaupt kein Mensch mag Floskeln. Als Ausweg bieten sich für Sie Synonyme, Übertreibungen oder Steigerungsformen an. Wenn Sie zum Beispiel in Ihrer Bewerbung auf jeden Fall kommunizieren wollen, dass Sie motiviert sind, weil Sie denken, dass Sie diese Eigenschaft ganz besonders auszeichnet oder für die Stelle außerordentlich wichtig ist. Eine Möglichkeit wäre dann diese Steigerung: „Ich bin bis in die Haarspitzen motiviert“. Oder dieses Synonym: „Mich treibt der Wunsch an, in Ihrem Unternehmen…“
  3. Konkret werden
    Weisen Sie auf konkrete Errungenschaften und Beispiele hin, statt wolkige Phrasen zu dreschen. Warum sind Sie denn so kreativ? Wie drückt sich das in der Praxis aus? Hier gilt: Keine falsche Bescheidenheit! Erfolge aus Ihrer beruflichen Vergangenheit sollten Sie beim Namen nennen. Etwa so: „Meine Kreativität konnte ich unter Beweis stellen, als ich meinen Entwurf für eine neue Homepage bei einem großen Kunden erfolgreich präsentiert habe.“
  4. Nach vorne blicken
    Ihre Erfolge machen sich im Anschreiben gut. Aber auch der visionäre Blick in die Zukunft bringt Pluspunkte. Welche konkreten Ziele haben Sie denn vor Augen, wenn Sie so wahnsinnig motiviert sind? Wo wollen Sie im neuen Unternehmen mit Ihrer Motivation eigentlich hin? „Ich bin bis in die Haarspitzen motiviert, für Unternehmen xy ein schlagkräftiges Vertriebsbüro in Abu Dhabi aufzubauen. Mein Fokus liegt dabei …“ So nähme Ihre Motivation konkrete Formen an. Und wäre mehr als eine bloße Worthülse.

Was ist mit den Schwächen?

Schwächen sind uns in die Wiege gelegt. Von Kindesbeinen an sind sie eine Kampfansage an unser Selbstbewusstsein. Ständig vergleichen wir uns, achten darauf, was wir schlechter oder gar nicht können, was uns misslingt und sind frustriert. Schon in der Schule lernen wir, wer seine Defizite nicht ausmerzt, bleibt mindestens sitzen, wenn er später nicht gar scheitert. Auf jeden Fall aber wird er aus dem Kreis der Erfolgreichen verbannt. Denn so sind die Spielregeln, die uns in der Schule eingebimst werden und später noch am Arbeitsplatz begleiten: Entsprechend beginnen wir schon früh, unsere Defizite aufzuspüren, zu analysieren und zu korrigieren.

Fatal! Denn das Ergebnis ist, dass wir enorme Energien aufwenden, um etwas nachzuholen, was wir eh nicht können, was uns kraftlos macht. Wir doktern an unseren Schwächen herum und betreiben am Ende doch nur Schadensbegrenzung.

Warum nicht den Spieß herumdrehen, die Stärken stärken und sich seine Schwächen leisten?

Studien zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach oben kommt, weil er eine Stärke bewusst fördert, ist um 50 Prozent höher, als wenn er nur seine Schwächen repariert. Und es gibt es kaum eine natürliche Begabung, die sich nicht ausbauen ließe – etwa durch gezielte Weiterbildung oder indem man sich Projekte sucht, in denen man diese einbringen kann und so im Unternehmen positiv auffällt.

Und die Schwächen? Kein Problem: Umgeben Sie sich später mit Kollegen oder Mitarbeiter, die Ihre Schwächen kompensieren und ihre Stärken herausfordern. Niemand muss alles gleich gut können, aber jeder ist für etwas gut.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

Weiterführende Quellen und Ratgeber

Tipps zur Bewerbung
Bewerbungsvorlagen
11 Bewerbungsformen
ABC der Bewerbungstipps
Bewerbungsmappe
Bewerbungsfoto
Deckblatt
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22. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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