Arbeitszeugnis Alternativen: 5 Tipps für die Bewerbung

Wer den Arbeitgeber wechselt, hat einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Darin werden die Dauer der Beschäftigung, die Aufgaben und Tätigkeiten sowie die Leistungen und das Sozialverhalten genannt und beurteilt. Das macht das Zeugnis zu einem wichtigen Dokument in der Bewerbung, das – je nach Bewertung – die Jobchancen enorm steigern kann.

Dennoch gibt es immer wieder Kritik an der Qualität und Aussagekraft von Arbeitszeugnissen. Insbesondere weil diese oft schablonenhaft formuliert sind oder gar von den Arbeitnehmern selbst geschrieben werden. Bewerber differenzieren? Ist damit kaum noch möglich. Entsprechend haben sich in jüngster Zeit einige Arbeitszeugnis Alternativen etabliert, die wir – inklusive ihrer Stärken und Vorteile – im Folgenden vorstellen…

Arbeitszeugnis Alternativen: 5 Tipps für die Bewerbung

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Arbeitszeugnis Anspruch: Zeugnisarten

Arbeitszeugnisse gibt es in allen Branchen und Berufen. Das liegt an dem gesetzlichen Anspruch darauf. Laut §109 Absatz 2 der Gewerbeordnung (GewO) steht Arbeitnehmern ein schriftliches Arbeitszeugnis zu, sobald das Beschäftigungsverhältnis endet. Dabei gibt es je nach Beschäftigungsverhältnis unterschiedliche Zeugnisarten:

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Arbeitszeugnis Alternativen: Warum überhaupt?

Egal, welches Zeugnis Sie am Ende erhalten, es muss stets zwei Bedingungen erfüllen: Es muss „wahr“ sein, und es muss „wohlwollend“ sein. Unlängst haben Arbeitsrichter geurteilt, dass das Arbeitszeugnis sogar mindestens die Note „befriedigend“ ausweisen muss. Bei einem schlechteren Zeugnis, muss der Arbeitgeber mittels „triftiger Gründe“ beweisen, dass der Arbeitnehmer tatsächlich nur „ausreichende“ oder „mangelhafte“ Leistungen erbracht hat (bei einem besseren Zeugnis liegt die Beweislast indes beim Arbeitnehmer).

Entsprechend bemängeln Kritiker und Personaler, dass das Arbeitszeugnis immer mehr an Aussagekraft verliert. Der Inhalt sei zu stark reglementiert. Die zahlreichen Geheimcodes und verschlüsselten Formulierungen, die sich darin etabliert haben, erleichtern die Lesbarkeit auch nicht gerade. Hinzu kommt, dass teilweise gar keine individuellen Arbeitszeugnisse mehr erstellt werden. Immer wieder erhalten Arbeitnehmer einer Abteilung dasselbe Arbeitszeugnis, bei dem lediglich der Name und die Dauer der Beschäftigung angepasst werden. Kurz: Das Arbeitszeugnis gebe kaum noch einen authentischen Einblick in das Wesen oder die Qualität der Arbeit eines Kandidaten und Bewerbers. Damit sei es für die Bewerberauswahl und für Personalentscheidungen weitgehend nutzlos.


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Gründe für Arbeitszeugnis Alternativen

Es gibt teils aber auch ganz pragmatische Gründe dafür, warum Bewerber eine Alternative zum Arbeitszeugnis benötigen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Der Mitarbeiter wurde gekündigt, muss sich aktuell bewerben, das Zeugnis wird aber schlecht ausfallen.
  • Es gibt eine Kündigung in der Probezeit nach kurzer Beschäftigung. Beide Seiten verzichten auf ein Zeugnis, da es aussagelos wäre.
  • Der Mitarbeiter bewirbt sich aus ungekündigter Stellung, also heimlich. Ein offizielles Zwischenzeugnis würde zu viel Verdacht schöpfen.
  • Der Bewerber war zuvor selbstständig oder freiberuflich tätig. Es gibt also keinen Arbeitgeber, der ein Zeugnis ausstellen könnte.
  • Wichtige, bisherige Arbeitszeugnisse sind verloren gegangen – zum Beispiel durch Umzug.
  • Der Kandidat hat zuvor im Ausland gearbeitet. Dort sind Zeugnisse unüblich, und es gibt auch keinen gesetzlichen Anspruch darauf.

In all den genannten Fällen benötigen Bewerber bei der Jobsuche eine Alternative zum Arbeitszeugnis, um – neben Anschreiben und Lebenslauf – „vollständige“ Bewerbungsunterlagen einreichen zu können und mit zusätzlichen Argumenten für sich zu punkten. Zum Glück gibt es gleich mehrere Alternativen – mit unterschiedlichen Vorteilen…

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Arbeitszeugnis Alternativen für die Bewerbung

Tatsächlich kommen aktuell bei der Bewerbung immer häufiger auch Arbeitszeugnis Alternativen zum Einsatz – teils mit vergleichbarer, teils mit größerer Aussagekraft. Zusätzlicher Vorteil: Einige davon werden Personaler als gleichwertiger Ersatz anerkannt (aber nicht alle!). Falls Sie also aus oben genannten Gründen bei der Bewerbung kein Arbeitszeugnis einreichen können oder wollen, sollten Sie über diese Alternativen nachdenken:

Tätigkeitsbeschreibung

Um aus der Masse der immer gleichen Textbausteine hervorzustechen, kann es hilfreich sein, den Schwerpunkt auf die individuelle Tätigkeit zu legen. Lassen Sie sich daher eine ausführliche Arbeits- und Tätigkeitsbescheinigung erstellen, die auf Ihre persönlichen Schwerpunkte ausgerichtet ist. Im Vergleich zu den Standardaussagen eines Arbeitszeugnisses ist die Tätigkeitsbeschreibung viel aussagekräftiger. So können Sie nicht nur einen Einblick in Ihre Aufgabenbereiche geben, sondern schärfen gleichzeitig auch noch Ihr Profil, indem Sie verdeutlichen, wo Ihre Stärken liegen. Für eine erfolgreiche Tätigkeitsbeschreibung sollte der Fokus auf den von Ihnen durchgeführten oder betreuten Projekten liegen, damit ein zukünftiger Arbeitgeber sehen kann, welche Leistungen Sie bereits erbracht haben und wie Sie bei Ihrer Arbeit vorgehen.

Ehrliche Beurteilung

Zugegeben, diese Alternative ist ungewöhnlich – und genau deshalb fällt sie auf: Bitten Sie um eine ehrliche Beurteilung Ihres ehemaligen Vorgesetzten (vorausgesetzt, der ist Ihnen wohl gesonnen). In Arbeitszeugnissen findet sich hinter jedem Satz eine doppelte Bedeutung. Der Vorteil der Beurteilung: Sie ist selbst verfasst, muss sich weder an gesetzliche Vorschriften noch formale Regeln halten. Das macht sie enorm authentisch und glaubwürdig. Der Nachteil dieser Alternative ist allerdings, dass Sie darauf angewiesen sind, dass der Ex-Chef der Bitte nachkommt und sich die Zeit dafür nimmt. Haben Sie Glück oder gelingt es Ihnen, Ihren ehemaligen Vorgesetzten zu überzeugen, kann eine solche Beurteilung positiver wirken als verschachtelte und verklausulierte Arbeitszeugnisse.

Mitarbeiterbeurteilungen

Insbesondere Führungskräfte können eine Mitarbeiterbeurteilung als Zeugnisersatz mit ins Vorstellungsgespräch nehmen oder als Anhang ihrer Bewerbungen verschicken. Sie erbringen so den Nachweis, dass das Führungsverhalten in der Befragung zum Beispiel weit überdurchschnittlich ausfiel. Ein ähnliches Resultat können andere Bewertungen oder Rückmeldungen aus Assessment Centern oder 360-Grad-Feedbacks erzielen. Gleiches gilt, falls Sie nicht in der Führungsetage arbeiten: Auch ohne Führungsverantwortung können Sie für Ihre Bewerbung eine Mitarbeiterbeurteilung nutzen, sofern Sie damit zufrieden sind. Vorsicht jedoch, wenn einige Unterlagen Firmengeheimnisse beinhalten oder der Geheimhaltung unterliegen. Im Zweifel sollten Sie beim Arbeitgeber nachfragen.

Referenzen und Empfehlungsschreiben

Referenzen sind gerade im englischsprachigen Ausland heute Standard. Referenzen können Sie sich aber auch in Deutschland geben lassen – zusätzlich zum offiziellen Zeugnis. Besonders große Aussagekraft haben sie von jemandem, der Sie wirklich beurteilen kann. Das kann Ihr direkter Vorgesetzte oder ein langjähriger Kunde sein, der von Ihnen betreut wurde. Es kann aber beispielsweise auch ein Mentor oder ein Kollege sein. Überlegen Sie sich, wessen Empfehlung beziehungsweise Empfehlungsschreiben einen zukünftigen Arbeitgeber beeindrucken und überzeugen könnte. Außerdem sollte das Empfehlungsschreiben eine Kontaktmöglichkeit (Telefon, Mail) enthalten, damit der Personaler sich notfalls selbst von der Referenz überzeugen kann.

Testimonials

Der Begriff „Testimonial“ stammt ursprünglich aus der Werbersprache und bezeichnet dort die Zustimmung oder das Lob für ein Produkt von einem Kunden beziehungsweise Nutzer. Bekannt sind Testimonials zum Beispiel in Form von lobenden Zitaten auf Buchrücken oder als zufriedene Kundenstimmen auf Webseiten. Sie selbst können solche Testimonials ebenso als Arbeitszeugnis-Alternative nutzen. Geeignet sind diese Kundenstimmen vor allem für Selbstständige oder Freelancer, die wieder zurück in ein Angestelltenverhältnis wechseln wollen und daher kein Arbeitszeugnis aus der bisherigen Tätigkeit besitzen. In dem Fall können Sie sich von Ihren bisherigen Kunden und Klienten die Qualifikationen glaubwürdig bestätigen lassen. Positive Zitate mit vollem Namen (!) wirken wie eine Referenz. Mehr noch, wenn sie von einem wichtigen Namen der Branche stammen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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19. August 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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