Arbeitszeugnis Formulierungen: 200 Geheimcodes entschlüsselt

Die Gewerbeordnung schreibt vor, dass ein Arbeitszeugnis zwingend zwei Bedingungen erfüllen muss:


  • Das Zeugnis muss wahr sein.
  • Das Zeugnis muss wohlwollend sein.



Damit sind in der Zeugnissprache diskreditierende Arbeitszeugnis Formulierungen und offene Kritik verboten – nicht aber versteckte. Das hat zur Folge, dass sich eine eigene Zeugnissprache etabliert hat – mit zahlreichen (angeblichen) Geheimcodes, und standardisierten Phrasen, die zwar alle nett klingen, zum Teil aber das genaue Gegenteil bedeuten. Wehe dem Bewerber, der das nicht erkennt und entschlüsseln kann.

Damit Ihnen das Arbeitszeugnis nicht die Jobsuche verhagelt, hier die wichtigsten Codes, Formulierungen und Noten im Zeugnis…

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Arbeitszeugnis Formulierungen: 200 Geheimcodes entschlüsselt

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Zeugnisformulierungen: Schöne Worte, schlechtes Urteil

Die Gefahr ist groß, dass Arbeitnehmer beim ersten Lesen des Testats glauben, der Personaler oder Chef sei ihr größter Fan. Mitnichten! Hinter manch schönen Worten verbirgt sich nicht selten ein ganz mieses Urteil und eine geheime Botschaft, die andere Arbeitgeber vor dem Kandidaten warnen soll:

Vorsicht, Versager!

Um solche Codes zu entschlüsseln gibt es meist einen kleinen Trick: Achten Sie auf Doppeldeutigkeiten und nehmen Sie dann die negative Auslegung davon.

Ein paar Beispiele…

Formulierungen entschlüsselt: Diese Sätze bedeuten Negatives

Leistungsbeurteilung

FormulierungGeheimcode – Bedeutung
Er war bei Kunden schnell beliebt.Er machte zu viele und zu schnelle Zugeständnisse.
Er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.Der Mitarbeiter war eine Null.
Sie machte sich mit großem Elan an die ihr übertragenen Aufgaben.Aber frag nicht, wie chaotisch das war!
Sie setzte sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten ein.Sie ist leider komplett unfähig.
Durch ihre Pünktlichkeit war sie ein gutes Beispiel.Mehr als Pünktlichkeit war da aber leider nicht.
Sie verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren.Sie war faul und wälzte die Arbeit gekonnt auf Kollegen ab.
Er zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse.Nur gearbeitet hat er nicht.
Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter.Er war nicht durchsetzungsfähig und besaß keinerlei Autorität.
Sie erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß.Sie machte nur, was man ihr sagt und zeigte keinerlei Initiative.
Er hat unseren Erwartungen im Wesentlichen entsprochen.Seine Leistungen waren schlichtweg mangelhaft.
Er verfügte über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.Mangelhaftes Fachwissen glich er mit einer großen Klappe aus.
Er hat alle Aufgaben zu seinem und im Interesse der Firma gelöst.Er beging Diebstahl und fiel durch schwere Vergehen auf.
Er trat sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens engagiert für die Interessen der Kollegen ein.Er war im Betriebsrat und hat sich gewerkschaftlich engagiert.


Verhaltensbeurteilung

FormulierungGeheimcode – Bedeutung
Er verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.Der Typ ist arroganter als eine Diva.
Sie zeigte ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft.Sie flirtete mehr als sie arbeitete.
Mit seinen Vorgesetzten kam er gut zurecht.Er ist ein Mitläufer und passt sich überall an.
Seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.Er trank gerne mal einen Schnaps während der Arbeit.
Er war tüchtig und in der Lage, seine Meinung zu vertreten.Er kann keinerlei Kritik vertragen.
Sie zeigte eine erfrischende Art im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten.Sie ist frech und hat keinerlei Manieren.
Sie war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.Sie war eine impertinente Wichtigtuerin.
Für die Belange der Mitarbeiter hatte sie ein umfassendes Verständnis.Sie ist homosexuell, beziehungsweise lesbisch.
Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war stets vorbildlich.Er hatte Probleme mit seinem Chef (weil der erst nach den Kollegen erwähnt wird).
Er war ein umgänglicher und kontaktbereiter Kollege.Keiner konnte ihn leiden.


Schlussformel

FormulierungGeheimcode – Bedeutung
Er/Sie verlässt uns auf eigenen Wunsch.Er/Sie hinterlässt keine Lücke.
Er/Sie verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen.Er/Sie kam damit einer Kündigung zuvor.
Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit.Achtung, der kränkelt!
Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute, besonders Erfolg.Erfolg hatte er hier nämlich gar keinen.
Wir wünschen Ihm/Ihr für die Zukunft alles Gute, auch Erfolg.Erfolg hatte er/sie hier nämlich keinen.



Ist Ihr Zeugnis unvollständig oder unterdurchschnittlich (schlechter als Note „befriedigend“), können Sie das bisherige Testat zurückweisen und ein neues Exemplar verlangen.

Auch missverständliche oder widersprüchliche Arbeitszeugnis Formulierungen sowie Rechtschreibfehler müssen Sie in Ihrem Zeugnis nicht akzeptieren. All das können Sie anfechten.

Allerdings sollten Sie nicht zu lange warten: Der Anspruch auf Korrekturen am Arbeitszeugnis verfällt nach fünf bis 15 Monaten.

Wenn Sie mit Ihrem Arbeitszeugnis nicht einverstanden sind haben Sie drei Möglichkeiten:

  • Direkte Ansprache
    Den Chef erstmal direkt anzusprechen, ist der beste Weg. Gerade Arbeitgeber von kleinen und mittelständischen Unternehmen wissen nicht immer selber, was Sie im Zeugnis-Subtext schreiben. Die Bitte um Korrektur kann das Problem dann schnell beseitigen.
  • Schriftlicher Widerspruch
    Lässt die Korrektur auf sich warten oder zeigt sich ein Arbeitgeber uneinsichtig, sollten Sie einen schriftlichen Widerspruch formulieren. Darin führen Sie exakt die Passagen auf, die Sie beanstanden und schlagen Alternativformulierungen vor.
  • Gerichtliche Klage
    Erfolgt trotz der schriftlichen Aufforderung keine Korrektur, haben Sie das Recht, drei Wochen nach Erhalt des Arbeitszeugnisses eine Zeugnisberichtigungsklage einzureichen. Allerdings liegt die Beweislast bei Ihnen, solange das Zeugnis nicht schlechter als Durchschnittsnote 3 ausfällt.

200 Geheimcodes im Arbeitszeugnis Download

Arbeitszeugnis Formulierungen:
200 Codes entschlüsselt

Im Arbeitszeugnis verstecken sich regelmäßig negative Subbotschaften – sogenannte Geheimcodes. Mehr als 200 der typischen Formulierungen haben haben wir in dieser Übersicht zusammengefasst – samt Erklärung, Bedeutung und Notenentsprechung.

So können Sie sofort entschlüsseln, ob Ihr Zeugnis „sehr gut“, „befriedigend“ oder gar „mangelhaft“ ist. Die Zeugnissprache-Liste können Sie sich hier kostenlos herunterladen.

ᐅ Zum Download der Geheimcodes im Arbeitszeugnis ᐊ

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Noten im Arbeitszeugnis: Diese Formulierungen bewerten Ihre Leistung

In den Zeugniscodes finden sich ebenso versteckte Schulnoten. Diese erkennen Sie in der Regel an den Worten „stets“ oder „zur vollsten“ beziehungsweise „zur vollen“ Zufriedenheit.

Ihre Alarmglocken sollten bimmeln, wenn Sie irgendwo das Wort „bemüht“ lesen – das bedeutet nie etwas Gutes, sondern eben, dass sich da jemand nur „bemüht“ hat, ansonsten aber nichts geschafft hat.

Entsprechend funktioniert der Notencode im Zeugnisdeutsch nach dieser Formel:

Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben…

Zeugnissprache / FormulierungNote
…stets zur vollsten Zufriedenheit.Sehr gut (1)
…zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit.Gut (2)
…zur vollen Zufriedenheit.Befriedigend (3)
…zur Zufriedenheit.Ausreichend (4)
…im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.Mangelhaft (5)
…Er/Sie hat sich bemüht.Ungenügend (6)


Oft sind es nur Nuancen, die ein exzellentes Zeugnis von einer verbalen Hinrichtung unterscheiden. Daher hier noch weitere Beispiele für Noten-Geheimcodes und Arbeitszeugnis Formulierungen:

  1. Arbeitszeugnis Note: Sehr gut
    • Er/Sie erledigte seine/ihre Aufgaben stets selbstständig mit äusserster Sorgfalt und Genauigkeit.
    • Er/Sie erzielte herausragende Arbeitsergebnisse und zeigte außergewöhnliches Engagement.
    • Er/Sie hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
    • Er/Sie verstand es, in allerbester Weise die Kollegen zu überzeugen und zu motivieren.
    • Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war er/sie stets zuvorkommend, freundlich und korrekt.
    • Er/Sie war im höchsten Maße zuverlässig.
    • Er/Sie verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse.
    • Wir waren mit den Leistungen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.
    • Er/Sie hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
    • Er/Sie verläßt uns auf eigenen Wunsch, was wir außerordentlich bedauern.
  2. Arbeitszeugnis Note: Gut
    • Er/Sie erledigte die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
    • Er/Sie arbeitete stets zuverlässig und äußerst gewissenhaft.
    • Er/Sie erzielte beste Arbeitsergebnisse und zeigte hohes Engagement.
    • Er/Sie zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität und Initiative.
    • Sein/Ihr Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war stets einwandfrei.
    • Er/Sie hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.
  3. Arbeitszeugnis Note: Befriedigend
    • Er/Sie erledigte die zugeteilte Arbeiten systematisch und zufriedenstellend.
    • Er/Sie arbeitete gewissenhaft und zuverlässig.
    • Er/Sie war bei der Arbeit sorgfältig und genau.
    • Er/Sie zeigte Engagement und Initiative.
    • Er/Sie verfügt über solide Fachkenntnisse.
    • Sein/Ihr Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich.
    • Er/Sie erfüllte die Erwartungen in jeder Hinsicht.
    • Wir waren mit seinen/ihren Leistungen jederzeit zufrieden.
  4. Arbeitszeugnis Note: Ausreichend
    • Er/Sie konnte die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigen.
    • Er/Sie hat alle übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.
    • Er/Sie hat unseren Erwartungen entsprochen.
    • Er/Sie zeigte keine Unsicherheiten bei der Ausführung seiner Aufgaben.
    • Seine/Ihre Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.
    • Er/Sie hat alle Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
    • Er/Sie war immer mit Interesse bei der Sache.
    • Sein/Ihr persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei.
    • Wir waren mit seinen/ihren Leistungen zufrieden.
  5. Arbeitszeugnis Note: Mangelhaft
    • Er/Sie hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.
    • Er/Sie hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.
    • Er/Sie war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht.
    • Er/Sie zeigte er sich den Belastungen gewachsen.
    • Er/Sie erledigte die Arbeiten mit Fleiß und dem Willen, sie termingerecht zu beenden.
    • Er/Sie hat alle Aufgaben allgemein mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
    • Er/Sie entsprach im Allgemeinen den Anforderungen.
    • Er/Sie hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen.
    • Er/Sie war in der Regel erfolgreich.
    • Er/Sie zeigte, nach Anleitung, Fleiß und Ehrgeiz.
    • Sein/Ihr Verhalten war ohne Tadel.
    • Er/Sie hat unserem Unternehmen großes Interesse entgegengebracht.
    • Er/Sie verläßt uns in gegenseitigem Einvernehmen.

TABUS: Das darf nicht im Arbeitszeugnis stehen:

❌ Kündigungsgründe
❌ Gehalt
❌ Gewerkschaftstätigkeit
❌ Betriebsratstätigkeit (außer auf Wunsch)
❌ Nebentätigkeiten (außer bei Verstoß)
❌ Straftaten (ohne Arbeitsbezug)
❌ Drogenprobleme
❌ Krankheiten
❌ Schwangerschaft
❌ Elternzeit
❌ Parteizugehörigkeit
❌ Konfession


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Abschlussformel im Arbeitszeugnis: Darum ist sie wichtig

Das Beste kommt zum Schluss – oder eben auch nicht: Es sind meist nur zwei oder drei Sätze, die am Ende des Arbeitszeugnisses stehen. Die sogenannte Abschlussformel.

Ihr kommt allerdings eine immer größere Bedeutung zu. Unabhängig davon, wie lang das Zeugnis ist, lässt sich aus diesem kurzen Abschnitt oft mehr herauslesen, als im gesamten restlichen Text.

Das hat zwei Gründe:

  • Die Abschlussformel formt den letzten Eindruck. Sie kann den bisher positiven Gesamteindruck verstärken, verfeinern und das gezeichnete Bild abrunden. Oder wie ein riesengroßes ABER alles vorherige in Zweifel ziehen und die bisherigen Aussagen wie Ironie wirken lassen.
  • Die Abschlussformel ist freiwillig. Dies entschied vor einiger Zeit das Bundesarbeitsgericht und legte dabei fest, dass der Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, das Arbeitszeugnis mit einer abschließenden Formulierung zu beenden, die dem Arbeitnehmer zum Beispiel für die Mitarbeiter dankt und Erfolg für die Zukunft wünscht. Ob eine Abschlussformel angefügt wird – und wie diese aussieht – obliegt damit dem Arbeitgeber.

Hier offenbart sich die Bedeutung des Zeugnis-Finales: Weder ist ein solcher Abschluss erforderlich, noch können Arbeitnehmer darauf pochen. Das Fehlen wird daher in vielen Fällen als negatives Zeichen gedeutet.

Wie sind Abschlussformeln aufgebaut?

Der Aufbau von Abschlussformeln im Arbeitszeugnis ist fast immer gleich und gliedert sich in bis zu vier Teile und Abschnitte:

  • Grund für die Trennung
    Wer hat die Kündigung oder das Ende des Arbeitsverhältnisses veranlasst? Beispielsweise bedeutet hier die Formulierung „Auf eigenen Wunsch…“, dass der Mitarbeiter selbst gekündigt hat. „Im gegenseitigem Einverständnis…“ lässt hingegen auf eine Kündigung des Arbeitgebers schließen.
  • Dank für die Zusammenarbeit
    Normalerweise bedankt sich das Unternehmen für die Zusammenarbeit und die Leistungen des Mitarbeiters. Je nach Formulierung kann dies besonders positiv ausfallen. Fehlt der Dank hingegen, wird dies negativ ausgelegt.
  • Bedauern über die Trennung
    Ähnliches gilt für das Bedauern über die Trennung vom Mitarbeiter. Einen guten Arbeitnehmer lassen Unternehmen nur ungern gehen und sagen dies auch in der Abschlussformel. Fehlt der Ausdruck des Bedauerns, scheint der Mitarbeiter nicht sonderlich überzeugt zu haben. Allzu beliebt war wohl auch nicht.
  • Wünsche für die Zukunft
    Zum Abschluss wird dem ausscheidenden Mitarbeiter noch alles Gute gewünscht. Auch hier ist Vorsicht bei der Formulierung geboten. Wünscht man dem Mitarbeiter „Gesundheit und Erfolg“, bedeutet das, dass er beides bisher nicht hatte.


Negative Codes verbergen sich Nuancen

Achten sie einmal auf die beiden folgenden Abschlussformeln und Beispiele. Welche wirkt auf Sie besser?

Herr Müller verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch hin. Sein Ausscheiden bedauern wir sehr und bedanken uns für seine stets guten und engagierten Leistungen. Sowohl beruflich als auch privat wünschen wir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Herr Müller verlässt in beidseitigem Einverständnis das Unternehmen zum TT.MM.JJJJ. Wir bedauern dies und danken gleichzeitig für seine Mitarbeit. Weiterhin wünschen wir beruflich und privat viel Erfolg.

Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit wird deutlich, mit welcher Abschlussformel die Chancen bei der nächsten Bewerbung steigen dürften: Die zweite Abschlussformel klingt nur nett – sie ist es aber nicht.

Oft sind es nur Nuancen, die den Unterschied machen. Also kleine Abstufungen in der Zeugnissprache, die in der Gesamtwirkung aber große Auswirkungen haben.

Dazu gehören zum Beispiel:

  1. Die Intensität
    Die wichtigste Schraube, an denen Unternehmen bei Abschlussformeln drehen, ist die Intensität der Aussage. Oft sind es nur einzelne Worte die den Ausschlag geben, ob es sich um ein „sehr gutes“ Zeugnis oder um ein eher „mittelmäßiges“ handelt. Entscheidend sind Begriffe wie „sehr, besonders, groß, stets oder immer“. Auch positive Eigenschaften wie „engagiert“, „motiviert“ oder „erfolgreich“ werten das Zeugnis auf.
  2. Die Wortwahl
    Positiv anmutende Sätze haben es manchmal faustdick zwischen den Zeilen. Wird einem Mitarbeiter etwa „viel Glück“ gewünscht, wirkt dies nett und aufbauend, wird allgemein jedoch als Zeichen verstanden, dass er ohne das entsprechende Glück vermutlich nicht erfolgreich sein wird.
  3. Die Satzstellung
    Es geht auch kompliziert: Ein und dasselbe Wort kann an verschiedenen Stellen im Satz eine unterschiedliche Bedeutung haben. „Wir wünschen weiterhin viel Erfolg…“ oder „Weiterhin wünschen wir viel Erfolg…“ Sieht fast gleich aus – bedeutet aber Gegensätzliches: Der erste Satz legt nahe, dass der Mitarbeiter erfolgreich im Unternehmen war und dies wohl auch bei seinem neuen Job sein wird. Die zweite Zeugnisformulierung hingegen spielt darauf an, dass der Erfolg bisher ausblieb.

Auf diese 5 Punkte achten Personaler besonders

In der Bewerbung glänzt jeder. Auch im Anschreiben loben sich die Kandidaten gern über den Klee. Aber stimmt das alles auch?

Das Zeugnis hingegen stammt aus der Feder eines Dritten, der schon mal mit dem Bewerber zusammengearbeitet hat. Wer weiß, welche Abgründe sich da vielleicht auftun. Deshalb achten Personaler vor allem auf diese Punkte:

  • Formale Kriterien
    Ist das Zeugnis auf Firmenpapier gedruckt? Wurde es vom Verantwortlichen unterschrieben?
  • Kompetenzen des Bewerbers
    Bestätigt das Zeugnis die Fähigkeiten, die für die Stelle gesucht werden?
  • Abgleich zum Lebenslauf
    Decken sich die Zeugnisangaben und Zeiten mit denen im Lebenslauf?
  • Zeugniscodes & Warnsignale
    Was verraten bisherige Arbeitgeber zwischen den Zeilen über den Kandidaten?
  • Leistungen im Zeitverlauf
    Wie haben sich die Beurteilungen innerhalb von 3 Zeugnissen entwickelt: besser oder schlechter?

Und sie achten auf sogenannte Gefälligkeitszeugnisse: Glänzt das Zeugnis durch übertriebenen Gebrauch von Bestnoten und Superlativen wird es unglaubwürdig.

Oft wird das Gefälligkeitszeugnis geschrieben, damit damit der Mitarbeiter schneller geht oder um sich einen Arbeitsrechtsprozess zu ersparen. Geübte Personaler erkennen das und bewerten das Zeugnis dann negativ.

Legen Sie deshalb Wert auf eine ausgewogene Zeugnissprache. Keine Lobhudelei!

Achtung: Neue geheime Codes in Zeugnissen

Manche Chefs können es nicht lassen und wollen den – aus ihrer Sicht – illoyalen und abtrünnigen Mitarbeitern doch noch eins auswischen. So finden sich – als jüngster Trend – in Arbeitszeugnissen neue Verschlüsselungstechniken und geheime Botschaften, die auf Anhieb nicht zu erkennen sind.

Es muss nicht immer böser Wille dahinter stecken – manchmal ist es auch schlicht Unwissen, Naivität oder Schusseligkeit. Sie aber müssen sich hinterher noch ein paar Jahre mit dem Zeugnis bewerben.

Gut also, wenn Sie auch die neuen Geheimcodes durchschauen und Korrektur verlangen. Auf diese Arbeitszeugnis-Formulierungen sollten Sie ebenfalls achten:

Negativ-Code: Betonung von Unwichtigem

Bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis sollten Sie nicht nur darauf achten, wie Ihre Leistung beurteilt wird, sondern auch welche.

Je mehr unwichtige Details dort auftauchen, desto schlechter das Zeugnis (auch wenn es gut klingt).

Das gilt erst recht bei Selbstverständlichkeiten, wie etwa der „sparsame Umgang mit Büromitteln“ oder „stets höfliche Umgangsformen“. Solche Überbetonungen sagen indirekt: „Die eigentliche Arbeit war Murks“.

Auch das Verdrehen der hierarchischen Reihenfolge bei Aufzählungen und Aufgabenbeschreibungen gehört zu einer neuen fiesen Masche.

Heißt es zum Beispiel im Arbeitszeugnis: „Er/Sie pflegte ein tadelloses Verhalten gegenüber Kollegen, Kunden und Vorgesetzten“, dann klingt das zwar gut. Weil aber der Chef hierarchisch an die erste Stelle gehört, ist das de facto ein Geheimcode für: „Er hatte Probleme mit Autoritäten.“

Gleiches gilt wenn eigentlich untergeordnete Aufgaben zuerst aufgelistet werden, die entscheidenden, höherwertigen Tätigkeiten aber erst am Schluss erscheinen.

Negativ-Code: Wesentliche Bewertung fehlt

Was würde man von einem Controller vor allem erwarten? Genau: Sorgfalt und Genauigkeit.

Und was von einem Key Account Manager? Richtig, dass er vor allem durch hohe Kundenzufriedenheit und Kommunikationsstärke brillierte.

Wer solchen Mitarbeitern eine schlechte Beurteilung ausstellen will, lässt daher oft die Aussagen zur entscheidenden Qualifikation weg. Achten Sie also nicht nur darauf, was im Zeugnis steht, sondern auch auf das, was NICHT drinsteht (siehe auch Video).



Eine andere fiese Arbeitszeugnis Formulierung ist Übertreibung.

Natürlich ist das nicht erst gemeint, sondern pure Ironie. Aber sie klingt erst einmal gut. Beispiel: „Er/Sie verfügte über eine außergewöhnlich brillante Art, sein Wissen mit den Kollegen zu teilen.“ Heißt natürlich im Klartext: „Er/Sie war ein pedantischer Klugscheißer.“

Negativ-Code: Umgedrehte Arbeitszeugnis-Formulierungen

Man kann Dinge so oder so sagen. Hellhörig sollten Sie immer dann werden, wenn Sie im Zeugnis eine negative Formulierung finden, die durch ein „nicht“ oder „kein“ oder „nie“ scheinbar positiv klingt.

Zum Beispiel: „Seine Pünktlichkeit gab keinen Anlass zu Beanstandungen.“ Klingt lobend – ist es aber nicht. Falls es wirklich nie einen Anlass zu Beanstandungen gab, wäre es schlicht nicht erwähnenswert. So aber steht es da – und weckt bewusst schlafende Hunde.

Anderes Beispiel: „Er/Sie erschien nie unpünktlich und war auch nicht unzuverlässig.“ – Klar, warum würde dies erwähnt werden, wenn nicht genau das Gegenteil der Fall war?!

Negativ-Code: Auslassen von Standards

Für den Laien ist diese Technik nicht immer auf Anhieb erkennbar. Aber in der Zeugnissprache (ebenso wie bei den Zeugniscodes) gibt es Arbeitszeugnis-Formulierungen, die praktisch immer gleich sind. Ein bisschen wie aus der Schablone.

Zum Beispiel: „Sein/Ihr Verhältnis zu Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich.“ Lassen Sie nun einen Teil davon weg (Ausnahme, in Ihrer Position hatten Sie tatsächlich nie mit Kunden zu tun), dann fällt das nicht sofort auf, weil die Beurteilung ja positiv ist. Aber eben genau das wird bei dieser Arbeitszeugnis Formulierung heimlich kritisiert: Fehlen etwa „Kollegen“ oder „Vorgesetzter“ hatte der Mitarbeiter mit diesen offenbar kein so vorbildliches Verhältnis…

Negativ-Code: Passive Formulierungen

Von Talenten und Leistungsträgern erwartet man eine gewisse Eigeninitiative. Passivformulierungen deuten das Gegenteil an: Hier handelte jemand nur auf Anweisung und war ansonsten genauso wie die Formulierungen: passiv und faul.

Beispiele: „Herrn … /Frau … wurden die Aufgaben … übertragen.“ / „Er/Sie war für uns als … tätig.“ / „Er/Sie wurde für folgende Tätigkeiten eingesetzt: …“ Sie merken schon: Auch wenn das alles sachlich richtig ist, drängt sich beim Leser kein allzu engagierter Eindruck auf.

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Arbeitsrecht: Verbotene Zeugnissprache?

Wegen all der genannten, versteckten Botschaften und codierten Formulierungen gibt es regelmäßig Streit. Mehr als 10.000 Zeugnisprozesse gibt es jedes Jahr an deutschen Arbeitsgerichten.

Gegen die meisten Zeugniscodes können Sie sich juristisch zur Wehr setzen. Ausnahme: Wenn Fehlverhalten – beispielsweise Untreue oder Diebstahl – bewiesen ist, darf das erwähnt werden.

Es muss sich sogar im Zeugnis wiederfinden, der Chef darf dafür auch harte Arbeitszeugnis Formulierungen verwenden. Falls der nächste Arbeitgeber darüber hinweg getäuscht wird, einen (notorischen) Betrüger einzustellen und deshalb Schaden erleidet, kann er beim alten Chef auf Schadenersatz klagen.

Unternehmen, die schwerwiegende Leistungsmängel eines Ex-Arbeitnehmers verschweigen, machen sich also regresspflichtig.

Ansonsten aber haben Arbeitsrichter bereits folgende Urteile gefällt:

  • Arbeitszeugnisse müssen mindestens „befriedigend“ sein.
    Schlechtere Zeugnisse hat der Arbeitgeber zu begründen, die Beweislast für ein „gutes“ beziehungsweise „sehr gutes“ Zeugnis liegt indes beim Arbeitnehmer (BAG-Urteil, 9 AZR 584/13).

    Hintergrund war ein Rechtsstreit beim Arbeitsgericht Berlin, wonach mittlerweile 86,6 Prozent der erteilten Zeugnisse „gut“ oder besser seien. Die Arbeitnehmerin verlangte daraufhin ein mindestens gutes Zeugnis – im Revisionsverfahren jedoch ohne Erfolg.


  • Selbstverständliches gehört nicht ins Arbeitszeugnis.
    Zeugnisse müssen zwar wohlwollend sein. Das bedeutet aber: Wer Selbstverständlichkeiten betont – zum Beispiel der sichere Umgang mit dem Programm MS Word im Sekretariat -, sorgt subtil für einen schlechten Eindruck, Motto: Mehr war eben nicht.

    Auch andere Formulierung kassierten die Richter des Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 9 Ta 325/10) ein: „Die Zusammenarbeit mit Mandanten und Vorgesetzten war einwandfrei“. Die besonders positive Betonung des Umgangs mit Mandanten und Vorgesetzten sei selbstverständlich und erwecke daher im Umkehrschluss den Eindruck mangelnder Teamfähigkeit.


  • Unverblümte Hinweise sind unzulässig.
    Im konkreten Fall stand im Arbeitszeugnis: „Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber von _________ hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der für uns geleisteten Arbeit zur Verfügung.“ Das aber sieht schon so aus, als sei der Arbeitnehmer tatsächlich schlechter gewesen als im Zeugnis steht. Das Arbeitsgericht Herford ließ die Formulierung deshalb streichen (2 Ca 1502/08).

  • Krakelige Unterschrift ist verboten.
    Obwohl sich der Arbeitgeber in einem gerichtlichen Vergleich dazu verpflichtet hatte, ein wohlwollendes qualifiziertes Arbeitszeugnis zu erteilen, das sein Geschäftsführer eigenhändig unterschreibt, gab es Streit über die äußere Form des Zeugnisses: Im ersten Zeugnis fehlte die Unterschrift des Geschäftsführers, das zweite hatte der Geschäftsführer zwar unterzeichnet – die Unterschrift war aber krakelig und ähnelte nicht seiner üblichen Signatur.

    Die Unterschrift kippte von links oben nach rechts unten. „Unzulässig!“, urteilte das Landesarbeitsgericht Hamm (Az 4 Ta 118/16). Die Unterschrift muss derjenigen ähneln, mit der der Geschäftsführer auch wichtige betriebliche Unterlagen unterzeichnet. Nur so ist die Echtheit des Arbeitszeugnisses zweifelsfrei.

    Zudem könne eine nach unten abfallende Unterschrift (statt wie im Rechtsverkehr üblich parallel zum Zeugnistext) den Eindruck erwecken, der Zeugnisaussteller sei mit den Leistungen des Angestellten unzufrieden gewesen.

Zulässig ist dagegen die (automatische) Silbentrennung im Arbeitszeugnis.

Im konkreten Fall hatte eine Verwaltungsangestellte geklagt. Sie meinte, solche Trennungen würden dem eigentlichen Zeugnisinhalt zuwiderlaufen – sie müsse schließlich als Sekretärin jederzeit die sichere und fehlerfreie Erstellung von Texten mit entsprechendem Schriftbild beherrschen.

Das Arbeitsgericht sah dies anders und wies die Klage ab (LAG Baden-Württemberg, Az 3 Sa 21/14). Nach der Rechtschreibung war die Silbentrennung nicht falsch und das Verwenden der automatischen Silbentrennungsfunktion sei bei Arbeitszeugnissen üblich.

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Übersicht der Zeugnisarten: Einfach oder qualifiziert?

Sobald das Beschäftigungsverhältnis endet – ob freiwillig oder unfreiwillig -, haben Sie als Arbeitnehmer nach §109 Absatz 2 der Gewerbeordnung Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Dieser verfällt allerdings schon drei Jahre nach Ende des Arbeitsvertrags wieder. Also beeilen!

Tatsächlich gibt es nicht nur EIN Arbeitszeugnis, sondern drei. Arbeitsrechtler und Personaler unterscheiden zwischen diese Arbeitszeugnisformen:

ZeugnisartenDas steht im Arbeitszeugnis
Einfaches ArbeitszeugnisEnthält ausschließlich sachliche und objektiv nachprüfbare Fakten: Was hat der Arbeitnehmer von wann bis wann gemacht? Wurde die Aufgabe erfüllt? Welche Aufgaben übernahm er noch?

Mehr dazu HIER
Qualifiziertes ArbeitszeugnisEnthält neben den sachlichen Fakten zusätzlich eine Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers.

Mehr dazu HIER
ZwischenzeugnisExistiert als einfaches oder qualifiziertes Zeugnis und wird noch während des Beschäftigungsverhältnisses ausgestellt. Meist weil der bisherige Vorgesetzte wechselt oder aus „triftigem Grund“.

Mehr dazu HIER


Überdies gibt es noch weitere Zeugnisarten, zu denen Sie jeweils weiterführende Informationen in den verlinkten Artikeln finden:

Die typischen Arbeitszeugnis Formulierungen und Geheimcodes werden Sie nicht im einfachen Zeugnis finden, sondern nur im qualifizierten Zeugnis.


CHECKLISTE:
Aufbau eines qualifizierten Arbeitszeugnisses


Stellen Sie sicher, dass Ihr Arbeitszeugnis vollständig ist. Fehlen Bausteine oder Informationen, kann das negativ auf Sie zurückfallen und lässt Raum für Spekulationen. Das alles muss das Zeugnis enthalten:

  Überschrift („Arbeitszeugnis“)
  Stammdaten (Vorname, Name, Beschäftigungsart & Dauer)
  Tätigkeitsbeschreibung & Verantwortung
  Besondere Aufgaben und Erfolge
  Beurteilung von Leistung & Sozialverhalten
  Grund des Ausscheidens mit Bedauern
  Schlussformel, Dank & Zukunftswünsche
  Ort, Datum, Unterschrift
  Alles auf Firmenpapier
  Keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler



So oder so:

Wir wünschen viel Erfolg bei der Bewerbung!

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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12. Juni 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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