Die Gewerbeordnung schreibt vor, dass ein Arbeitszeugnis zwingend zwei Bedingungen erfüllen muss:

  • Das Zeugnis muss wahr sein.
  • Das Zeugnis muss wohlwollend sein.

Damit sind in der Zeugnissprache diskreditierende Formulierungen und offene Kritik tabu - nicht aber versteckte. Das hat zur Folge, dass sich in der Vergangenheit eine eigene Zeugnissprache etabliert hat - mit zahlreichen (angeblichen) Geheimcodes, und standardisierten Phrasen, die zwar alle ganz nett klingen, zum Teil aber das genaue Gegenteil bedeuten. Wehe dem Bewerber, der das nicht erkennt. Das kann einem die Jobsuche gewaltig verhageln...

Zeugnissprach Arbeitszeugnis Geheimcodes entschluesseln

Definition: Einfaches oder qualifiziertes Zeugnis

Definition: Einfaches oder qualifiziertes ZeugnisDie angesprochenen Formulierungen und Geheimcodes werden Sie nicht in einem sogenannten einfachen (und selteneren) Arbeitszeugnis finden, sondern nur in einem sogenannten qualifizierten Zeugnis. Der Unterschied ist:

  • Das einfache Zeugnis enthält ausschließlich sachliche und objektiv nachprüfbare Fakten: Was hat der Arbeitnehmer von wann bis wann gemacht? Wurde die Aufgabe erfüllt? Welche Aufgaben übernahm er oder sie noch?
  • Das qualifizierte Zeugnis hingegen enthält neben den reinen Fakten die oben schon angesprochene Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers.

Diese Mitarbeiterbeurteilungen folgen in der Regel einem typischen Aufbau und Schema:

Aufbau-Arbeitszeugnis-Grafik

Die Geheimcodes finden sich also tendenziell im vierten und sechsten Teil - der Leistungs- und Verhaltensbeurteilung sowie in der Schlussformel. Hierauf sollten Sie vor allem Ihr Augenmerk richten.

Arbeitszeugnis: Auf diese 5 Punkte achten Personaler

Im ersten Moment liest sich fast jedes Zeugnis schön - eben weil es wohlwollend formuliert sein muss. Leider trügt der Schein zuweilen - und auch Sie sollten sich davon nicht einlullen lassen. Denn jedes Arbeitszeugnis wird Sie noch eine Weile über Ihr Berufsleben hinweg begleiten. Bei jeder neuen Bewerbung kommt es wieder auf den Tisch.

Personalentscheider lesen Arbeitszeugnisse besonders gerne und aufmerksam. Schließlich lobt sich jeder Bewerber in seinem Anschreiben nur über den Klee. Das Zeugnis aber stammt aus der Feder eines Dritten, der schon mal mit dem Kandidaten zusammengearbeitet hat. Wer weiß, welche Abgründe sich da vielleicht auftun...

Entsprechend achten Personaler vor allem auf diese 5 Punkte in einem Zeugnis:

Zeugnis-Check-Personaler-Grafik

Zeugnisformulierungen: Schöne Worte - schlechtes Urteil

Die Gefahr ist groß, dass Arbeitnehmer beim ersten Lesen des Testats glauben, der Personaler oder Chef sei ihr größter Fan. Mitnichten! Hinter manch schönen Worten verbirgt sich nicht selten ein ganz mieses Urteil und eine geheime Botschaft, die andere Arbeitgeber vor dem Kandidaten warnen soll:

Vorsicht, Versager!

Um das zu Entschlüsseln gibt es meist einen kleinen Trick: Achten Sie auf Doppeldeutigkeiten und nehmen Sie dann die negative Auslegung...

Ein paar klassische Formulierungs-Beispiele

  • Er verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.
    Heißt übersetzt: Der Typ ist arroganter als eine Diva.
  • Er war bei Kunden schnell beliebt.
    Heißt übersetzt: Verhandeln kann der Typ praktisch gar nicht.
  • Er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.
    Heißt übersetzt: Der Mitarbeiter war eine Null.
  • Sie zeigte ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft.
    Heißt übersetzt: Sie flirtete mehr als sie arbeitete.
  • Seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.
    Heißt übersetzt: Er trank gerne mal einen Schnaps während der Arbeit.
  • Sie machte sich mit großem Elan an die ihr übertragenen Aufgaben.
    Heißt übersetzt: Aber frag nicht, wie chaotisch das war!
  • Er war tüchtig und in der Lage, seine Meinung zu vertreten.
    Heißt übersetzt: Er kann keinerlei Kritik vertragen.
  • Sie zeigte eine erfrischende Art im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten.
    Heißt übersetzt: Sie ist frech und hat keine Manieren.
  • Er war ein umgänglicher und kontaktbereiter Kollege.
    Heißt übersetzt: Keiner konnte ihn leiden.
  • Durch ihre Pünktlichkeit war sie ein gutes Beispiel.
    Heißt übersetzt: Mehr als Pünktlichkeit war aber leider nicht.
  • Sie verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren.
    Heißt übersetzt: Sie war faul und wälzte die Arbeit gekonnt auf Kollegen ab.
  • Er zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse.
    Heißt übersetzt: Nur gearbeitet hat er nicht.
  • Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit.
    Heißt übersetzt: Achtung, der kränkelt!
  • Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute, besonders Erfolg.
    Heißt übersetzt: Erfolg hatte er hier nämlich gar keinen.

Geheimcodes: Formulierungen übersetzen und bewerten

In den typischen Zeugniscodes finden sich längst auch verklausulierte Schulnoten. Diese erkennen Sie in der Regel an den Worten "stets" oder "zur vollsten" beziehungsweise "zur vollen". Die Alarmglocken sollten bimmeln, wenn Sie irgendwo das Wort "bemüht" lesen - das bedeutet nie etwas Gutes, sondern eben, dass sich da jemand nur bemüht hat, ansonsten aber nichts geschafft hat.

Entsprechend funktioniert der klassische Notencode im Zeugnisdeutsch nach dieser Formel: Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben...

  • Note 1: ...stets zur vollsten Zufriedenheit.
  • Note 2: ...zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit.
  • Note 3: ...zur vollen Zufriedenheit.
  • Note 4: ...zur Zufriedenheit.
  • Note 5: ...im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.
  • Note 6: ...Er/Sie hat sich bemüht.


Oft sind es nur Nuancen, die ein exzellentes Zeugnis von einer verbalen Hinrichtung unterscheiden. Daher hier noch weitere Beispiele für Geheimcodes in der Zeugnissprache:

  1. Arbeitszeugnis Note: Sehr gut

    • Er/Sie erledigte seine/ihre Aufgaben stets selbstständig mit äusserster Sorgfalt und Genauigkeit.
    • Er/Sie erzielte herausragende Arbeitsergebnisse und zeigte außergewöhnliches Engagement.
    • Er/Sie hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
    • Er/Sie verstand es, in allerbester Weise die Kollegen zu überzeugen und zu motivieren.
    • Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war er/sie stets zuvorkommend, freundlich und korrekt.
    • Er/Sie war im höchsten Maße zuverlässig.
    • Er/Sie verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse.
    • Wir waren mit den Leistungen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.
    • Er/Sie hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
    • Er/Sie verläßt uns auf eigenen Wunsch, was wir außerordentlich bedauern.

  2. Arbeitszeugnis Note: Gut

    • Er/Sie erledigte die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
    • Er/Sie arbeitete stets zuverlässig und äußerst gewissenhaft.
    • Er/Sie erzielte beste Arbeitsergebnisse und zeigte hohes Engagement.
    • Er/Sie zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität und Initiative.
    • Sein/Ihr Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war stets einwandfrei.
    • Er/Sie hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.

  3. Arbeitszeugnis Note: Befriedigend

    • Er/Sie erledigte die zugeteilte Arbeiten systematisch und zufriedenstellend.
    • Er/Sie arbeitete gewissenhaft und zuverlässig.
    • Er/Sie war bei der Arbeit sorgfältig und genau.
    • Er/Sie zeigte Engagement und Initiative.
    • Er/Sie verfügt über solide Fachkenntnisse.
    • Sein/Ihr Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich.
    • Er/Sie erfüllte die Erwartungen in jeder Hinsicht.
    • Wir waren mit seinen/ihren Leistungen jederzeit zufrieden.

  4. Arbeitszeugnis Note: Ausreichend

    • Er/Sie konnte die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigen.
    • Er/Sie hat alle übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.
    • Er/Sie hat unseren Erwartungen entsprochen.
    • Er/Sie zeigte keine Unsicherheiten bei der Ausführung seiner Aufgaben.
    • Seine/Ihre Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.
    • Er/Sie hat alle Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
    • Er/Sie war immer mit Interesse bei der Sache.
    • Sein/Ihr persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei.
    • Wir waren mit seinen/ihren Leistungen zufrieden.

  5. Arbeitszeugnis Note: Mangelhaft

    • Er/Sie hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.
    • Er/Sie hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.
    • Er/Sie war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht.
    • Er/Sie zeigte er sich den Belastungen gewachsen.
    • Er/Sie erledigte die Arbeiten mit Fleiß und dem Willen, sie termingerecht zu beenden.
    • Er/Sie hat alle Aufgaben allgemein mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
    • Er/Sie entsprach im Allgemeinen den Anforderungen.
    • Er/Sie hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen.
    • Er/Sie war in der Regel erfolgreich.
    • Er/Sie zeigte, nach Anleitung, Fleiß und Ehrgeiz.
    • Sein/Ihr Verhalten war ohne Tadel.
    • Er/Sie hat unserem Unternehmen großes Interesse entgegengebracht.
    • Er/Sie verläßt uns in gegenseitigem Einvernehmen.

Weitere Beurteilungen und deren Bewertung finden Sie in diesem PDF

Arbeitsrecht: Verbotene Zeugnissprache

Arbeitsrecht: Verbotene ZeugnisspracheWegen der versteckten Botschaften und codierten Formulierungen gibt es immer wieder Streit. Mehr als 10.000 Zeugnisprozesse gibt es jedes Jahr an deutschen Arbeitsgerichten. Denn gegen verschlüsselte Negativurteile können Sie sich juristisch zur Wehr setzen - sie sind verboten.

Einzige Ausnahme: Wenn Fehlverhalten – beispielsweise Untreue oder Diebstahl – bewiesen ist, darf das erwähnt werden. Es muss sich sogar im Zeugnis wiederfinden, der Chef darf dafür auch harte Formulierungen verwenden.

Denn falls der nächste Arbeitgeber darüber hinweg getäuscht wird, einen (notorischen) Betrüger einzustellen und deshalb Schaden erleidet, kann er beim alten Chef auf Schadenersatz klagen. Unternehmen, die schwerwiegende Leistungsmängel eines Ex-Arbeitnehmers verschweigen, machen sich also regresspflichtig.

Ansonsten aber haben Arbeitsrichter etwa folgende Urteile gefällt:

  • Arbeitszeugnisse müssen mindestens "befriedigend" sein.

    Schlechtere Zeugnisse hat der Arbeitgeber zu begründen, die Beweislast für ein "gutes" beziehungsweise "sehr gutes" Zeugnis liegt indes beim Arbeitnehmer (BAG-Urteil, 9 AZR 584/13). Hintergrund war ein Rechtsstreit beim Arbeitsgericht Berlin, wonach mittlerweile 86,6 Prozent der erteilten Zeugnisse "gut" oder besser seien. Die Arbeitnehmerin verlangte daraufhin ein mindestens gutes Zeugnis - im Revisionsverfahren jedoch ohne Erfolg.

  • Selbstverständliches gehört nicht ins Arbeitszeugnis.

    Zeugnisse müssen zwar wohlwollend sein. Das bedeutet aber: Wer Selbstverständlichkeiten betont - etwa der sichere Umgang mit dem Programm Word im Sekretariat -, sorgt subtil für einen schlechten Eindruck, Motto: Mehr war eben nicht. Auch andere Formulierung kassierten etwa die Richter des Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 9 Ta 325/10) unlängst ein: "Die Zusammenarbeit mit Mandanten und Vorgesetzten war einwandfrei". Die besonders positive Betonung des Umgangs mit Mandanten und Vorgesetzten erwecke den Eindruck mangelnder Teamfähigkeit.

  • Versteckte Hinweise sind in Zeugnissen unzulässig.

    Im konkreten Fall stand im Arbeitszeugnis: "Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber von XY hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der für uns geleisteten Arbeit zur Verfügung." Das aber sieht so aus, als sei der Arbeitnehmer tatsächlich schlechter gewesen als im Zeugnis steht. Das Arbeitsgericht Herford ließ die Formulierung deshalb streichen (2 Ca 1502/08).

  • Krakelige Unterschrift des Chefs ist verboten.

    Obwohl sich der Arbeitgeber in einem gerichtlichen Vergleich dazu verpflichtet hatte, ein wohlwollendes qualifiziertes Arbeitszeugnis zu erteilen, das sein Geschäftsführer eigenhändig unterschreibt, gab es Streit über die äußere Form des Zeugnisses: Im ersten Zeugnis fehlte die Unterschrift des Geschäftsführers, das zweite hatte der Geschäftsführer zwar unterzeichnet – die Unterschrift war aber krakelig und ähnelte nicht seiner üblichen Signatur. Die Unterschrift kippte von links oben nach rechts unten. "Unzulässig!", urteilte das Landesarbeitsgericht Hamm (LAG Hamm, 27.7.2016, Az 4 Ta 118/16). Die Unterschrift muss derjenigen ähneln, mit der der Geschäftsführer auch wichtige betriebliche Unterlagen unterzeichnet. Nur so ist die Echtheit des Arbeitszeugnisses zweifelsfrei. Zudem könne eine nach unten abfallende Unterschrift (statt wie im Rechtsverkehr üblich parallel zum Zeugnistext) den Eindruck erwecken, der Zeugnisaussteller sei mit den Leistungen des Angestellten unzufrieden gewesen.


Zulässig ist dagegen die (automatische) Silbentrennung im Arbeitszeugnis. Im konkreten Fall hatte eine Verwaltungsangestellte geklagt. Sie meinte, solche Trennungen würden dem eigentlichen Zeugnisinhalt zuwiderlaufen - sie müsse schließlich als Sekretärin jederzeit die sichere und fehlerfreie Erstellung von Texten mit entsprechendem Schriftbild beherrschen.

Das Arbeitsgericht sah dies aber anders und wies die Klage ab (LAG Baden-Württemberg, 27.11.2014, Az 3 Sa 21/14). Nach der Rechtschreibung war die Silbentrennung nicht falsch und das Verwenden der automatischen Silbentrennungsfunktion sei bei Arbeitszeugnissen durchaus üblich.

Selbsttest: Formulierungen in der Zeugnissprache entschlüsseln

Selbsttest: Formulierungen in der Zeugnissprache entschlüsselnWenn Sie Lust haben, machen Sie doch noch einen kleinen Test: Hätten Sie die folgenden Zeugnisformulierungen richtig übersetzen können?

Am besten decken Sie dazu zunächst die rechte Hälfte der Tabelle mit der Hand oder einem Blatt Papier ab und überlegen, was hinter dem Zeugniscode in Wahrheit stecken könnte. Danach ziehen Sie das Blatt oder die Hand Zeile für Zeile nach unten.

Zeugnisdeutsch... Das heißt es wirklich...
Sie hat alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse erledigt. Sie war zwar fleißig und interessiert, aber nicht erfolgreich.
Er war stets nach Kräften bemüht, die Arbeiten zu unserer vollen Zufriedenheit zu erledigen. Er hat sich angestrengt, aber Erfolg hatte er nicht.
Die Aufgaben, die wir ihr übertrugen, hat sie zu unserer Zufriedenheit erledigt. Sie machte ihren Job - und zwar nur das, was wir ihr sagten. Ansonsten blieb sie passiv, war also allenfalls Durchschnitt.
Er arbeitete mit größter Genauigkeit. Er war ein erbsenzählender, langsamer und unflexibler Pedant.
Sie verstand es, alle Aufgaben stets mit Erfolg zu delegieren. Sie drückte sich vor der Arbeit, wo sie nur konnte.
Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter. Er war nicht durchsetzungsfähig und besaß keinerlei Autorität.
Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war stets vorbildlich. Er hatte Probleme mit seinem Chef (weil der erst nach den Kollegen erwähnt wird).
Sie war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen. Sie war eine imperninente Wichtigtuerin.
Für die Belange der Mitarbeiter hatte sie ein umfassendes Verständnis. Sie war homosexuell, beziehungsweise lesbisch.
Für die Belange der Belegschaft bewies er stets großes Einfühlungsvermögen. Er flirtete heftig und war ständig auf der Suche nach Sexualkontakten.
Er erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß. Er war zwar pflichtbewusst, zeigte aber praktisch keine Initiative.
Er hat unseren Erwartungen im Wesentlichen entsprochen. Seine Leistungen waren schlichtweg mangelhaft.
Er hat alle Aufgaben zu seinem und im Interesse der Firma gelöst. Er beging Diebstahl und fiel durch schwere Vergehen auf.
Er trat sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens engagiert für die Interessen der Kollegen ein. Er war im Betriebsrat und hat sich gewerkschaftlich betätigt.
Er verfügte über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen. Er glich mangelhaftes Fachwissen mit einer großen Klappe aus.
Er hatte Gelegenheit, sich das notwendige Fachwissen anzueignen. Doch nutze er die Gelegenheit nicht.
Gegenüber unseren Kunden war er schnell beliebt. Er machte zu viele und zu schnelle Zugeständnisse.


Achtung: Neue geheime Codes in Zeugnissen

Neue geheime Codes in ZeugnissenManche Chefs können es einfach nicht lassen und wollen den - aus ihrer Sicht - illoyalen und abtrünnigen Mitarbeitern doch noch eins auswischen. So finden sich als jüngster Trend in Arbeitszeugnissen neue Verschlüsselungstechniken und geheime Botschaften.

Natürlich muss nicht immer böser Wille dahinter stecken - manchmal ist es auch schlicht Naivität oder Schusseligkeit auf Seiten des Arbeitgebers. Aber Sie müssen sich hinterher noch ein paar Jahre mit dem Zeugnis bewerben. Gut also, wenn Sie die neuen Geheimcodes durchschauen:

  • Betonung von Unwichtigem.

    Bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis sollten Sie nicht nur darauf achten, wie Ihre Leistung beurteilt wird, sondern auch welche. Je mehr unwichtige Details dort auftauchen, desto schlechter das Zeugnis (auch wenn es gut klingt). Das gilt erst recht bei Selbstverständlichkeiten, wie etwa der "sparsame Umgang mit Büromitteln" oder "stets höfliche Umgangsformen": Solche Überbetonungen sagen indirekt: Die eigentliche Arbeit war Murks.

  • Die wesentliche Bewertung fehlt.

    Was würde man von einem Controller vor allem erwarten? Genau: Sorgfalt und Genauigkeit. Und was von einem Key Account Manager? Richtig, dass er vor allem durch hohe Kundenzufriedenheit und Kommunikationsstärke brillierte. Wer solchen Mitarbeitern eine schlechte Beurteilung ausstellen will, lässt daher oft die Aussagen zur entscheidenden Qualifikation weg. Achten Sie also nicht nur darauf, was im Zeugnis steht, sondern auch auf das, was NICHT drinsteht.

  • Negative Beurteilung durch negative Formulierung.

    Man kann Dinge so oder so sagen. Hellhörig sollten Sie immer dann werden, wenn Sie im Zeugnis eine negative Formulierung finden, die durch ein "nicht" oder "kein" scheinbar positiv klingt. Zum Beispiel: "Seine Pünktlichkeit gab keinen Anlass zu Beanstandungen." Klingt nett - ist es aber nicht. Denn falls es wirklich nie einen Anlass zu Beanstandungen gab, wäre es schlicht nicht erwähnenswert. So aber steht es da - und weckt bewusst schlafende Hunde.

Abschlussformeln im Arbeitszeugnis: Darum sind sie so wichtig

Das Beste kommt zum Schluss - oder eben auch nicht: Es sind meist nur zwei oder drei Sätze, die am Ende des Arbeitszeugnisses stehen, doch der Abschlussformel kommt eine immer größere Bedeutung zu. Unabhängig davon, wie lang das Schreiben ist, lässt sich aus diesem kurzen Abschnitt meist mehr herauslesen, als in dem gesamten restlichen Text.

Dies liegt zum Einen daran, dass es der letzte Eindruck ist, den das Zeugnis vermittelt. Es kann den bisher positiven Eindruck verstärken, verfeinern und das gezeichnete Bild noch einmal abrunden. Oder wie ein riesengroßes ABER alles vorherige in Zweifel ziehen und die bisherigen Aussagen - wie Ironie wirken lassen und ins komplette Gegenteil verdrehen.

Der zweite Grund ist rechtlicher Natur und wiegt noch schwerer: Die Abschlussformel ist freiwillig.

Dies entschied vor einiger Zeit das Bundesarbeitsgericht und legte dabei fest, dass der Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, das Arbeitszeugnis mit einer abschließenden Formulierung zu beenden, die dem Arbeitnehmer für die Mitarbeiter dankt und Erfolg für die Zukunft wünscht.

Ob eine Abschlussformel angefügt wird - und wie diese aussieht - obliegt damit dem Arbeitgeber.

Schon hier zeigt sich die Bedeutung eines solchen Abschlusses. Sie ist nicht zwingend erforderlich und Arbeitnehmer können auch vor dem Arbeitsgericht nicht darauf pochen, das Fehlen wird aber in vielen Fällen bereits als negatives Zeichen gedeutet und kann Personaler aufhorchen lassen.

Zwei Beispiele:

Herr Müller verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch hin. Sein Ausscheiden bedauern wir sehr und bedanken uns für seine stets guten und engagierten Leistungen. Sowohl beruflich als auch privat wünschen wir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Herr Müller verlässt in beidseitigem Einverständnis das Unternehmen zum 31.12.2016. Wir bedauern dies und danken gleichzeitig für seine Mitarbeit. Weiterhin wünschen wir beruflich und privat viel Erfolg.

Trotz oberflächlicher Ähnlichkeit wird deutlich, mit welcher Abschlussformel die Chancen bei der nächsten Bewerbung steigen dürften: Die zweite Abschlussformel klingt eben nur nett - sie ist es aber nicht.

Abschlussformulierung Arbeitszeugnis Codes Formulierung Beispiele

Wie sind Abschlussformeln aufgebaut?

Der Aufbau von Abschlussformeln im Arbeitszeugnis ist fast immer gleich und gliedert sich in bis zu vier Teile:

  • Grund für die Trennung

    Wer hat die Kündigung oder das Ende des Arbeitsverhältnisses veranlasst? Beispielsweise bedeutet hier die Formulierung Auf eigenen Wunsch..., dass der Mitarbeiter selbst gekündigt hat. In gegenseitigem Einverständnis... lässt hingegen auf eine Kündigung des Arbeitgebers schließen.

  • Dank für die Zusammenarbeit

    Normalerweise bedankt sich das Unternehmen für die Zusammenarbeit und die Leistungen des Mitarbeiters. Je nach Formulierung kann dies besonders positiv sein. Fehlt der Dank hingegen komplett, wird dies als negatives Zeichen gedeutet.

  • Bedauern über die Trennung

    Ähnliches gilt für das Bedauern über die Trennung vom Mitarbeiter. Einen guten Arbeitnehmer lassen Unternehmen nur ungern gehen und sagen dies auch in den Abschlussformel. Fehlt ein Ausdruck des Bedauerns, scheint der Mitarbeiter nicht sonderlich überzeugt zu haben. Allzu beliebt war wohl auch nicht.

  • Wünsche für die Zukunft

    Zum Abschluss wird dem ausscheidenden Mitarbeiter noch alles Gute gewünscht. Auch hier ist Vorsicht bei der Formulierung geboten.

Ein klassisches Beispiel für eine Abschlussformulierung wäre beispielsweise:

Auf eigenen Wunsch verlässt Herr Maier zum 31.3.2017 unser Unternehmen. Wir bedauern diese Entscheidung sehr, danken ihm für die immer gute Zusammenarbeit und wünschen auch für die Zukunft viel Erfolg.

Hierbei handelt es sich um eine gute Formulierung, auf die der Mitarbeiter stolz sein kann. Oft sind es aber Nuancen, die den Unterschied machen. Also kleine Abstufungen in der Zeugnissprache, die in der Gesamtwirkung jedoch große Auswirkungen haben.

Zum Beispiel...

  1. Intensität

    Die wichtigste Schraube, an denen Unternehmen bei Abschlussformeln drehen, ist die Intensität der Aussage. Oft sind es hier nur einzelne Worte die den Ausschlag geben, ob es sich um ein sehr gutes Zeugnis oder um ein eher mittelmäßiges handelt. Entscheidend sind dabei Begriffe wie sehr, besonders, groß, stets oder immer. Auch andere positive Eigenschaften wie engagiert, motiviert oder erfolgreich werten das Zeugnis auf.

  2. Wortwahl

    Positiv anmutende Sätze haben es manchmal faustdick hinter den Ohren. Wird einem Mitarbeiter etwa viel Glück gewünscht, wirkt dies nett und aufbauend, wird allgemein jedoch als Zeichen verstanden, dass er ohne das entsprechende Glück vermutlich nicht erfolgreich sein wird.

  3. Satzstellung

    Es geht auch kompliziert: Ein und dasselbe Wort kann an verschiedenen Stellen im Satz eine unterschiedliche Bedeutung haben: Wir wünschen weiterhin viel Erfolg... oder Weiterhin wünschen wir viel Erfolg... Sieht fast gleich aus - bedeutet aber Gegensätzliches: Der erste Satz legt nahe, dass der Mitarbeiter erfolgreich im Unternehmen war und dies wohl auch bei seinem neuen Job schaffen wird. Die zweite Zeugnisformulierung hingegen spielt darauf an, dass der Erfolg bisher ausblieb.

[Bildnachweis: Vector Goddess, Biro Emoke by Shutterstock.com]

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