Arbeitsbeurteilung: Regelungen, Muster und Tipps

Verlässt ein Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber, steht ihm eine Arbeitsbeurteilung zu. Das garantiert dem Mitarbeiter sogar das Gesetz. Was dort ebenfalls geregelt ist, ist der Inhalt des Arbeitszeugnisses: Es muss wohlwollend dem Arbeitnehmer gegenüber formuliert sein. Trotzdem verstecken Personaler hin und wieder bestimmte Geheimcodes in der Arbeitsbeurteilung, um den ehemaligen Mitarbeiter zu bewerten. Wie Sie diese erkennen und worauf Sie achten sollten, wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben, erfahren Sie hier…

Arbeitsbeurteilung: Regelungen, Muster und Tipps

Arbeitsbeurteilung: Wer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, steht Arbeitnehmern eine Arbeitsbeurteilung zu. So ist es auch in §109 Absatz 2 der Gewerbeordnung zu lesen. Die Beurteilung muss dabei vom ehemaligen Arbeitgeber schriftlich ausgestellt werden.

Deutschland ist übrigens eins der wenigen Länder, in denen Arbeitnehmer rechtlich betrachtet einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben.

Bevor Sie sich jetzt aber zu früh freuen: Das hat auch einen Nachteil. Fehlt die Arbeitsbeurteilung, wenn Sie sich auf einen neuen Job bewerben, kann das zu Ihren Ungunsten ausgelegt werden. Der zukünftige Arbeitgeber fragt sich dann, warum Sie die Arbeitsbeurteilung nicht Ihren Bewerbungsunterlagen beigefügt haben.

Im schlimmsten Fall kann das Zweifel an Ihrer Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und Sorgfalt aufkommen lassen. Keine gute Voraussetzungen, wenn Sie den Job haben möchten.

Unser Tipp: Machen Sie Ihren Anspruch auf eine Arbeitsbeurteilung so schnell wie möglich geltend, damit Sie Ihre Bewerbungsunterlagen vervollständigen können.

Sollten Sie vergessen, Ihren Arbeitgeber nach einer Arbeitsbeurteilung zu fragen, ist das zunächst noch kein Beinbruch. Bis zu drei Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses steht Ihnen ein Arbeitszeugnis zu. Die Frist beginnt am Ende des Kalenderjahres, in dem das Beschäftigungsverhältnis endet (Regelverjährung gemäß § 195 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)).

Die Arbeitsbeurteilung muss dabei folgendermaßen formuliert sein:

  • Die Arbeitsbeurteilung muss wahr sein.
  • Sie muss wohlwollend sein.

Mit anderen Worten: Der ehemalige Arbeitgeber darf seinen Arbeitnehmer nicht offen kritisieren. Im Umkehrschluss führt das dazu, dass schlechte Beurteilungen von Personalern oft in der Arbeitsbeurteilung versteckt werden. Diese Geheimcodes sind zwar nicht erlaubt, werden aber trotzdem gern genutzt. Wie Sie sie erkennen, erfahren Sie hier:

Arbeitszeugnis Formulierungen: Mehr als 200 Codes entschlüsselt

Arbeitsbeurteilung FormulierungenWenn Sie wissen möchten, ob Ihr Arbeitgeber das Arbeitszeugnis tatsächlich wohlwollend formuliert hat, empfehlen wir Ihnen unsere Übersicht. Nicht selten benutzen Personaler Geheimcodes, um verschlüsselt Informationen über ehemalige Mitarbeiter zu transportieren.

Eine Auswahl dieser Formulierungen können Sie sich als PDF gleich hier kostenlos herunterladen, ausdrucken und als Nachschlagewerk verwenden.

Unser Tipp: Achten Sie beim Ihrer Arbeitsbeurteilung nicht nur darauf, was der Personaler geschrieben hat, sondern auch darauf, was er nicht erwähnt hat. Das Auslassen von Formulierungen, die zum Standard-Repertoire gehören, kann ebenfalls ein Signal für eine schlechte Arbeitsbeurteilung sein.

Diese Formen der Arbeitsbeurteilung gibt es

Personaler und Arbeitsrechtler unterscheiden drei wesentliche Formen einer Arbeitsbeurteilung:

  1. Das einfache Arbeitszeugnis

    Das einfache Zeugnis enthält kurz und knapp einige sachliche Informationen, die sich objektiv nachprüfen lassen:

    • Was waren die Aufgaben des Arbeitnehmers?
    • Von wann bis wann war er im Unternehmen beschäftigt?
    • Wurden die Aufgaben erfüllt?

    Mehr steht in der Regel nicht in einem einfachen Arbeitszeugnis.

  2. Das qualifizierte Arbeitszeugnis

    Das qualifizierte Zeugnis hat in dieser Hinsicht schon mehr zu bieten. Neben den objektiven Fakten zur Position und Aufgabe, wird der Arbeitnehmer bewertet. Konkret finden sich in einer qualifizierten Arbeitsbeurteilung eine Bewertung des Sozialverhaltens und der Arbeitsleistung.

    Für eine Bewerbung um einen neuen Job, sollten Sie um diese Form der Arbeitsbeurteilung bitten. In der Regel stellen Arbeitgeber ohnehin diese Form des Arbeitszeugnisses aus.

  3. Das Zwischenzeugnis

    Das Zwischenzeugnis kann entweder als einfaches Arbeitszeugnis oder qualifiziertes Zeugnis ausgestellt werden. Im Unterschied zu den beiden oben genannten Arbeitsbeurteilungen wird das Zwischenzeugnis noch während des Beschäftigungsverhältnisses verlangt.

    Dabei gibt es unterschiedliche Gründe, ein Zwischenzeugnis zu verlangen:

    • Der Vorgesetzte hat gewechselt.
    • Eine Betriebsübernahme steht an.
    • Der Arbeitnehmer hat trotz langer Betriebszugehörigkeit noch keine
      Arbeitsbeurteilung erhalten.

    Übrigens: Wenn Sie noch während Sie angestellt sind, um ein Zwischenzeugnis bitten, erkaufen Sie sich Sicherheit. Das Zwischenzeugnis hat nämlich eine Bindungswirkung. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber später nicht ohne triftigen Grund von der Beurteilung abweichen kann. Auch dann nicht, wenn Sie sich im Streit trennen.

    Allerdings sollten Sie bei der Bitte um ein Zwischenzeugnis vorsichtig sein. Haben Sie keinen guten Grund (oder glaubhaften Vorwand) könnte der aktuelle Arbeitgeber vermuten, dass Sie sich anderweitig bewerben möchten.

    Auf der anderen Seite ist die Bitte nach einem Zwischenzeugnis auch eine Option, in eine Gehaltsverhandlung einzusteigen. Sofern der Arbeitgeber Sie als Mitarbeiter behalten möchte, könnte er versuchen, Sie mit mehr Gehalt vom Jobwechsel abzubringen.

Arbeitszeugnis selber schreiben: So geht’s

Die Bewerbungsunterlagen sind nur komplett, wenn sie eine Arbeitsbeurteilung enthalten. Dem neuen Arbeitgeber zeigen Sie damit nämlich, welche Berufserfahrung Sie vorweisen können und über welche Fähigkeiten Sie verfügen. Auch Ihre Soft Skills werden in einem Arbeitszeugnis von einem Vorgesetzten beurteilt.

In der Realität schreiben viele Arbeitnehmer Ihr Arbeitszeugnis aber selbst. Das ist zum einen ein Vertrauensbeweis des Arbeitgebers, kann auf der anderen Seite aber gewaltig nach hinten losgehen.

Arbeitnehmer haben in der Regel weniger Erfahrungen darin, ein Arbeitszeugnis selbst zu schreiben. Formfehler und falsche Formulierungen, vielleicht auch fehlende Angaben sind daher gar nicht so unwahrscheinlich.

Kurzum: Eine Arbeitsbeurteilung selbst zu schreiben, ist eine große Herausforderung für Arbeitnehmer. Vor allem dann, wenn sie den neuen Job unbedingt haben möchten.

Der Aufbau des Arbeitszeugnisses

Der folgenden Grafik können Sie den typischen Aufbau eines Arbeitszeugnisses entnehmen:

Aufbau-Arbeitszeugnis-Grafik

Dabei gibt es zwar keine verpflichtenden Regeln, wie die Arbeitsbeurteilung aufgebaut sein soll, trotzdem haben sich bestimmte Bestandteile und Abfolgen eingebürgert:

  • Überschrift: Arbeitszeugnis
  • Daten zum Arbeitnehmer:
    • Vor- und Nachname des Arbeitnehmers
    • Geburtsdatum und Geburtsort des Arbeitnehmers
    • Beschäftigungsdauer
  • Tätigkeitsfeld des Arbeitnehmers:
    • Tätigkeitsbeschreibung nebst Haupt- und Nebentätigkeiten
  • Bewertung des Arbeitnehmers:
    • Bewertung der Arbeitsbereitschaft und der Arbeitsbefähigung
    • Beurteilung der Arbeitsweise
    • Bewertung der Fachkompetenz
    • Nennung spezieller Fähigkeiten und Kenntnisse
    • Bewertung möglicher Führungskompetenzen
    • Sozialverhalten im Hinblick auf Vorgesetzte, Mitarbeiter und Kunden
  • Gründe für das Ausscheiden des Arbeitnehmers
  • Schlussformel und Zukunftswünsche
  • Ort und Datum
  • Unternehmen
  • Unterschrift des Vorgesetzten oder seines Vertreters

Weitere Bestandteile der Arbeitsbeurteilung

Neben Formulierungen und Inhalt, sollten Sie auch auf bestimmte stilistische Merkmale achten. Auch die machen einen Eindruck bei Ihrer Bewerbung:

  • Korrektheit

    Korrekturlesen ist Pflicht! Rechtschreib- und Grammatikfehler haben in der Arbeitsbeurteilung nichts zu suchen. Lassen Sie im Zweifelsfall einen Freund einen Blick auf das Arbeitszeugnis werfen.

  • Individualität

    Die Arbeitsbeurteilung soll einen Eindruck davon vermitteln, was Sie bei Ihrem letzten Arbeitgeber gemacht haben. Eine ausformulierte Kopie Ihres Lebenslaufs ist es also nicht. Was Sie ebenfalls unterlassen sollten: Textpassagen von vorherigen Zeugnissen zu übernehmen.

  • Glaubwürdigkeit

    Natürlich dürfen Sie sich selbst loben. Sollten Sie sogar – allerdings nur, wenn das Lob auch verdient ist. Wenn Sie in jedem zweiten Satz Ihre herausragenden Fähigkeiten betonen, wirkt das wenig glaubwürdig. Es kann sogar den entgegengesetzten Eindruck erwecken und der neue Arbeitgeber könnte sich fragen, ob er ein sogenanntes Gefälligkeitszeugnis vor sich hat.

  • Schlüsselwörter

    Personaler lesen bestimmte Signalwörter besonders gern. Dazu gehören unter anderem:

    Die gehören unbedingt in der Arbeitsbeurteilung hinein.

    Daneben kann es nicht schaden, den Nutzen für das Unternehmen hervorzuheben. Effiziente Arbeitsweise, einen durch Ihre Bemühungen gesteigerten Umsatz oder Qualitätsverbesserungen sollten Sie außerdem erwähnen. All das natürlich immer nur, wenn es auch der Realität entspricht.

  • Schlussformel

    Einen wohlwollenden Schlusssatz sollten Sie auf keinen Fall vergessen. Fehlt er, kann das als Zeichen gesehen werden, dass Sie und Ihr ehemaliger Arbeitgeber im Streit getrennt haben.

    Wir wünschen Herr Mustermann für seine weitere berufliche Zukunft viel Erfolg

    ist eine Option, die Arbeitsbeurteilung zu beenden.

  • Unterschrift

    Das Arbeitszeugnis ist nur komplett, wenn es von dem jeweiligen Personalverantwortlichen unterschrieben wurde. In der Regel ist das der unmittelbar Vorgesetzte oder der Personalleiter.

Kostenlose Vorlage für die Arbeitsbeurteilung

Im Netz gibt es viele soggenante Zeugnis-Generatoren, mit denen Sie Ihre Arbeitsbeurteilung selbst zusammenstellen können. Und das ist auch schon das richtige Stichwort. Diese Arbeitszeugnisse wirken zusammengeklickt und wenig individuell, da sie aus vorgefertigten Textbausteinen bestehen.

Die meisten Personaler erkennen das auf einen Blick, was Ihnen keinen guten Ausgangspunkt für die Bewerbung bringt.

Wenn Sie das besser machen und sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen möchten, nutzen Sie unser kostenloses Muster für eine Arbeitsbeurteilung.

Allerdings gilt hierbei: Nutzen Sie unsere Vorlage für das Arbeitszeugnis bitte nur als Inspirationsquelle. Simples Copy&Paste bringt Sie nicht weiter. Dann haben Sie den gleichen Effekt wie bei dem Generator.

Unsere kostenlose Vorlage für eine Arbeitsbeurteilung finden Sie hier:

Zum Abschluss noch einmal zusammengefasst die Checkliste zum Arbeitszeugnis mit den wichtigsten Punkten, die Sie beachten sollten:

Checkliste Arbeitszeugnis schlecht oder gut

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[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
11. September 2019 Karrierebibel Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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