Privatinsolvenz: Dauer, Ablauf, Voraussetzungen

Wenn Privatpersonen in Schulden versinken, ist eine Privatinsolvenz die letzte Option. In diesem gerichtlichen Verfahren kann der Schuldner in einem Zeitraum zwischen drei und sechs Jahren seine Schulden loswerden. Dazu muss er jedoch einiges tun und sich vor allem beweisen. Sonst kann die Lage noch schlimmer werden. Für wen sich die Privatinsolvenz eignet und wie das Verfahren abläuft…

Privatinsolvenz: Dauer, Ablauf, Voraussetzungen

Privatinsolvenz: Was versteht man darunter?

Privatinsolvenz: Was versteht man darunter?Die Privatinsolvenz, auch Verbraucherinsolvenz genannt, ist ein gerichtliches Verfahren zur Schuldenregulierung.

Privatpersonen, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, können sich damit über einen längeren Zeitraum entschulden.

Das Verfahren dauert drei bis sechs Jahre – abhängig von dem gewählten Modus. Die Person ist nach Ablauf dieser Zeit, der sogenannten Wohlverhaltensphase, schuldenfrei. Meist geschieht das, indem ihr ihre Restschulden erlassen werden (Restschuldbefreiung).

Wann kommt es zu einer Privatinsolvenz?

Zunächst einmal ist die Privatinsolvenz auf einen bestimmten Personenkreis beschränkt. Der zweite Begriff, unter dem die Privatinsolvenz geläufig ist, deutet schon darauf hin. Die Person muss Verbraucher, also Privatperson, sein (Verbraucherinsolvenz). Das bedeutet, dass sie weder selbstständig tätig gewesen sein darf noch aktuell ist.

Selbstständige oder Unternehmen, die die Forderungen ihrer Gläubiger nicht mehr bedienen können, müssen eine sogenannte Regelinsolvenz anmelden. Allerdings gibt es auch Ausnahmen von dieser Vorschrift.

Hat der Unternehmer weniger als 19 Gläubiger und gibt es keine offenen Forderungen seiner Angestellten, kann er unter Umständen auch ein Privatinsolvenzverfahren eröffnen lassen.

Verbraucher, die ihre Kredite nicht zurückzahlen können, sollten vor einer Privatinsolvenz jedoch zunächst versuchen, außergerichtlich mit ihren Gläubigern eine Regelung zu finden.

Unter Umständen sind auch die Gläubiger daran interessiert, außerhalb einer Privatinsolvenz an ihr Geld zu kommen. Denn im Zuge des Insolvenzverfahrens ist es nicht garantiert, dass die gesamte Restschuld beglichen wird. Im Gegenteil, gerade die Restschuldbefreiung beruht darauf, dass die insolvente Person ihre Schulden eben nicht komplett zurückzahlen muss.

Das gibt der in Not geratenen Privatperson einen wichtigen Trumpf in die Hand, mit dem sie versuchen kann, eine Einigung mit den Gläubigern zu erreichen.

Sollte der außergerichtliche Versuch, der sogenannte Schuldenbereinigungsplan, scheitern, kommt es zu einem Privatinsolvenzverfahren. Der Privatperson wird dabei ein Treuhänder zur Seite gestellt, der sich um die Rückzahlung der Schulden kümmert und die Person betreut.

Der außergerichtliche Einigungsversuch läuft in der Regel über einen Rechtsanwalt oder eine Schuldnerberatung. Diese übernimmt die Kommunikation mit den Gläubigern und vertritt damit die Privatperson in der Verhandlung.

Was passiert bei einer Verbraucherinsolvenz?

Die Privatinsolvenz verfolgt zwei grundlegende Ziele:

  1. Den Schuldner von seiner Restschuld befreien

    Die Restschuldbefreiung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Der Schuldner hat dabei die Wahl zwischen unterschiedlichen Zeiträumen, nach denen er seine Schulden los ist:

    • Drei Jahre: Dabei muss er 35 Prozent seiner Schulden tilgen und 35 Prozent der Kosten für das Privatinsolvenzverfahren zahlen.
    • Fünf Jahre: Hier muss der Schuldner lediglich die Kosten für das Verfahren zahlen. Diese liegen in der Regel bei 2000 Euro.
    • Sechs Jahre: Schuldner, die sich für dieses Verfahren entscheiden, müssen gar keine Schulden an die Gläubiger zurückzahlen und sind trotzdem nach spätestens sechs Jahren schuldenfrei.
  2. Den Schuldner vor Pfändungen zu schützen

    Anders als die Befreiung von den Schulden, tritt der sogenannte Pfändungsschutz sofort ein. Sobald das Privatinsolvenzverfahren eröffnet wird, darf gegen den Schuldner nicht mehr vollstreckt werden.

    Für viele Schuldner bedeutet das eine immense Erleichterung. Mahnungen und andere Schreiben ihrer Gläubiger müssen sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr beachten. Auch Aufforderungen, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, müssen Schuldner nicht mehr nachkommen.

Wie läuft das Verfahren ab?

Die Privatinsolvenz lässt sich grob in drei verschiedene Abschnitte unterteilen:

  1. Die Vorbereitung

    Zur Vorbereitung einer Privatinsolvenz werden Sie einen Rechtsanwalt oder Hilfe von der Schuldnerberatung benötigen. Dieser kümmert sich um die nötigen Schritte, die zur Vorbereitung gehören.

    Dazu gehört zunächst einmal, eine Einschätzung zu treffen, wie die Entschuldung ablaufen könnte. Das hat einen Einfluss darauf, für welchen Zeitraum (drei, fünf oder sechs Jahre) Sie sich entscheiden sollten.

    Außerdem erstellt der Rechtsanwalt (oder die Beratung) einen Entschuldungsplan, der für das sich anschließende Privatinsolvenzverfahren benötigt wird und kümmert sich um Vermögen, das nicht gepfändet werden kann.

  2. Das Insolvenzverfahren

    Nachdem der Antrag auf Privatinsolvenz beim Gericht eingegangen ist, geht es in der Regel recht zügig: Meist innerhalb von fünf Wochen wird das Verfahren eröffnet.

    Ein vom Gericht bestellter Verwalter kümmert sich darum, alle Gläubiger anzuschreiben und untersagt diesen, weiterhin Forderungen gegen Sie zu stellen. Außerdem teilt er das Vermögen in pfändbares und unpfändbares ein.

    Dinge, die nicht gepfändet werden dürfen sind beispielsweise Möbel, Computer, Gegenstände, die Sie zur Arbeit benötigen. Während Wertgegenstände wie beispielsweise Antiquitäten gepfändet werden können. Bei einer Privatinsolvenz findet sich meist jedoch nur sehr wenig pfändbares Vermögen – wenn überhaupt.

  3. Die Wohlverhaltensperiode

    Dieser Abschnitt der Privatinsolvenz dauert drei, fünf oder sechs Jahre. Die Wohlverhaltensperiode beginnt ab dem Tag der Eröffnung des Verfahrens.

    Der administrative Aufwand für den Schuldner ist in dieser Zeit relativ gering. Meist beschränkt er sich darauf, dass ein Mal pro Jahr ein Fragebogen beantwortet werden muss.

    Das bedeutet aber nicht, dass der Schuldner so weitermachen kann, wie bisher. Schließlich heißt dieser Zeitabschnitt so, weil der Schuldner beweisen soll, dass er zukünftig gewissenhafter mit seinen Finanzen umgeht.

    Der pfändbare Teil seines Nettoeinkommens muss er in dieser Zeit an den Treuhänder abgeben. Wie hoch die Summe ist, die vom Gehalt gepfändet werden kann, ergibt sich aus den sogenannten Pfändungsfreigrenzen für Arbeitseinkommen.

    Daneben muss der Schuldner noch auf andere Arten zeigen, dass er sich wohl verhalten kann:

    • Erwerbstätigkeit: Der Schuldner muss arbeiten oder wenigstens aktiv nach Arbeit suchen. Auf Angebote der Agentur für Arbeit zu warten, reicht in dieser Zeit nicht aus.
    • Auskunftspflicht: Der Schuldner muss den Treuhänder und das Gericht schnellstmöglich und unaufgefordert über einen Wohnortwechsel, Neuerungen in Bezug auf den Arbeitsplatz oder Vermögensverhältnisse informieren.
    • Herausgabe des Vermögens: Sollte der Schuldner unverhofft an Geld kommen, zum Beispiel durch eine Erbschaft, ist er verpflichtet, die Hälfte des Geldes an den Treuhänder zu übergeben.
    • Zahlung an Treuhänder: Eine Zahlung nur an bestimmte Gläubiger ist in der Wohlverhaltensperiode verboten. Alle Zahlungen dürfen nur direkt an den Treuhänder gehen. Dieser entscheidet dann, was mit dem Geld passiert, also welche Schulden damit bedient werden.

Für wen eignet sich das Insolvenzverfahren?

Schulden machen, sie nicht begleichen, Antrag auf Privatinsolvenz stellen und nach spätestens sechs Jahren seine Schulden los sein – klingt verlockend, ist es aber nicht.

Denn die Privatinsolvenz eignet sich nicht für jeden Verbraucher gleichermaßen und hat außerdem einige gewaltige Nachteile, die Sie kennen sollten.

Zunächst einmal ist die Privatinsolvenz nur denjenigen Verbrauchern zu empfehlen, die über einen längeren Zeitraum (abhängig von der Dauer der Wohlverhaltensperiode) nur ein geringes Einkommen haben werden.

Daneben sollten Sie über ein ordentliches Maß an Durchhaltevermögen verfügen. Es kostet schon einiges an Disziplin, die mitunter strengen Vorgaben der Wohlverhaltensperiode zu erfüllen. Aber nur so geht es. Wenn Sie gegen die Vorgaben verstoßen, wird das Verfahren beendet und Sie müssen die Verfahrenskosten tragen. Wenn Sie Pech haben sogar zusätzlich zu den Schulden, die Sie begleichen müssen.

Auch der Arbeitgeber und der Vermieter werden darüber informiert, dass Sie sich in einer Privatinsolvenz befinden. Unter Umständen kann das kein schönes Gefühl sein, wenn Sie täglich am Arbeitsplatz Personen begegnen, die um Ihre finanziellen Schwierigkeiten wissen. Neben Arbeitgeber und Vermieter werden auch andere Stellen wie Bankinstitute oder Register über die Privatinsolvenz in Kenntnis gesetzt.

Wenn Sie allerdings keine Chance sehen, eigenständig oder Mithilfe der Schuldnerberatung Ihre Schulden loszuwerden, ist die Privatinsolvenz vermutlich der richtige Schritt. So oder so müssen Sie sich vor dem Beginn des Verfahrens von der Schuldnerberatung oder einem Rechtsanwalt beraten lassen.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
4. Oktober 2019 Karrierebibel Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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