Rentenvorsorge: Tipps für sinnvolle Altersvorsorge

Dass die Rente längst nicht „sicher“ ist, weiß mittlerweile jedes Kind. Private Rentenvorsorge ist daher unumgänglich. Unklar ist hingegen, wie genau die aussehen sollte. Rentenvorsorge besteht nicht zwingend darin, sich eine Riester-Rente oder Lebensversicherung aufschwatzen zu lassen. Klar ist zumindest, dass die Altersvorsorge schon vorher beginnt, im Kopf – mit einer genauen Einschätzung Ihrer persönlichen Lage. Tipps für jedes Alter, wie Sie sich richtig auf den Ruhestand vorbereiten…

Rentenvorsorge: Tipps für sinnvolle Altersvorsorge

Anzeige

Warum braucht es eine Rentenvorsorge?

Der Idealzustand sieht so aus: Als Arbeitnehmer geht ein Teil Ihres Gehaltes in die gesetzliche Rentenversicherung und am Ende Ihres Berufslebens haben Sie daraus eine Summe angespart, mit der Sie bequem Ihren Ruhestand genießen können.

Leider wird diese Vorstellung vom Leben im Ruhestand ein Traum bleiben, wenn Sie keine private Rentenvorsorge betreiben. Die Realität ist heute bereits bittere Altersarmut bei etlichen Rentnern. Besonders häufig sind Frauen davon betroffen. Die Gründe:

  • Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.
  • Oft wird wegen der Erziehung sogar einige Jahre komplett pausiert.
  • Die Gehälter von Frauen und Männern sind nach wie vor unterschiedlich, auch in derselben Branche. Durch Familienpausen gibt es außerdem weniger und geringere Gehaltssteigerungen.

Frauen zahlen also weniger in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhalten daher weniger Rentenpunkte.

Der sogenannte Gender Pension Gap beträgt einer Studie der Universität Mannheim und der niederländischen Tilburg University (PDF) zufolge 26 Prozent: Mit so viel weniger Geld müssen demnach Frauen im Vergleich zu Männern rechnen, haben die Studienautoren Alexandra Niessen-Ruenzi (Mannheim) und Christoph Schneider (Tilburg) ausgerechnet.

Bei einer 67-jährigen Frau hieße das nach heutiger Berechnung, dass ihr monatlich 140 Euro weniger von der gesetzlichen Rente zur Verfügung stünden als einem Mann. Angenommen, sie bezöge 15 Jahre Rente, würde sie demnach rund 25.000 Euro einbüßen.

Andere Studien (etwa von der Hans-Böckler-Stiftung) kommen sogar noch zu dramatischeren Ergebnissen. Demnach beträgt die Rentenkluft zwischen Männern und Frauen in Deutschland satte 40 Prozent. Konkret erhält eine Frau durchschnittlich 618 Euro aus der gesetzlichen Altersrente, ein Mann 1.037 Euro.

Jetzt kostenlos die Rentenvorsorge berechnen

Der folgende kostenlose Rentenrechner errechnet ihre Alterseinkünfte aus gesetzlicher Rente sowie betrieblicher und privater Vorsorge in drei Schritten – ganz einfach mit Schiebereglern. Am Ende erhalten Sie eine kostenlose Zusammenfassung als PDF, das Sie sich herunterladen können.



Anzeige

3 Säulen der Rentenvorsorge

Unabhängig von der Frage der Geschlechtergerechtigkeit bedeutet das obige Beispiel nicht viel Geld. Grund genug also, über seine (private) Altersvorsorge nachzudenken. Die Alterssicherung durch die Deutsche Rentenversicherung ist nur eine von drei Säulen, auf denen die Rentenvorsorge basiert:

  • Gesetzliche Rentenvorsorge

    Als Arbeitnehmer sind Sie pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung. Manch einer denkt, wer schon früh zu arbeiten beginnt und jahrzehntelang in die Rentenversicherung eingezahlt hat, müsste doch problemlos mit seiner Rente auskommen – das ist allerdings ein Trugschluss.

    Selbst wenn man davon ausgeht, dass Rentner nur noch in etwa 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens brauchen: Von Ihrem Bruttolohn gehen jeden Monat lediglich 18,6 Prozent ab. Diese 18,6 Prozent teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch, bedeutet: Sie zahlen 9,3 Prozent und Ihr Chef ebenfalls. Das hieße bei einem monatlichen Bruttogehalt von 3.500 Euro, dass gerade mal 325,50 Euro monatlich als gesetzliche Rentenvorsorge abgeführt werden.

    Bedingt durch den sogenannten Generationenvertrag erhalten Sie ohnehin nicht exakt das, was Sie eingezahlt haben, vielmehr finanzieren Sie derzeitige Rentnergenerationen. Ihre Rente wird über künftige Arbeitnehmergenerationen bestritten – bedingt durch demographische Veränderungen (geburtenschwache Jahrgänge, höhere Lebenserwartung) gestaltet sich das allerdings immer schwieriger. Genau diese wachsende Versorgungslücke sollten Sie mit anderen Möglichkeiten zur Rentenvorsorge füllen.

  • Private Rentenvorsorge

    Da die gesetzliche Rente bei vielen Menschen kaum den Grundbedarf deckt, müssen andere Konzepte her. Die private Rentenvorsorge kann diese Lücke schließen und hat den Vorteil, dass sie oft noch staatlich gefördert wird. Allerdings muss genau darauf geachtet werden, welche Bedingungen gegeben sind – nicht alles eignet sich für jeden.

    Die Riester-Rente eignet sich beispielsweise vor allem für Geringverdiener mit Kindern. Für Freiberufler und Selbständige kann die Rürup-Rente sinnvoll sein, bei der die Altersvorsorge als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden kann.

    Bei einer privaten Rentenvorsorge werden die bei gesparten Beiträge für den Versicherten selbst gespart und zuzüglich der angesparten Zinsen bei Renteneintritt ausgezahlt. Positiv hervorzuheben ist, dass die Rente aus der privaten Rentenversicherung lebenslang gezahlt wird. Das heißt, Sie erhalten auch dann noch eine Rente, wenn das eingezahlte Kapital rein rechnerisch verbraucht ist.

    Neben der staatlich geförderten privaten Rentenvorsorge gibt es mit Lebensversicherung, fondsgebundener Rentenversicherung und Immobilien auch noch die Altersvorsorge ohne Förderung.

  • Betriebliche Rentenvorsorge

    Die dritte Säule der Rentenvorsorge ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV). In Absprache mit Ihrem Arbeitgeber wird ein Teil Ihres Bruttogehalts in die Rentenvorsorge gesteckt. Bei der sogenannten Entgeltumwandlung entscheidet Ihr Chef, welche Form der Rentenvorsorge gewählt wird und schließt einen Vertrag ab. Zur Auswahl stehen:

    • Direktversicherung
    • Pensionsfonds
    • Pensionskasse
    • Pensionszusage
    • Unterstützungskasse

    Auch wenn Ihr Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, einen Teil Ihres Gehaltes entsprechend umzuwandeln, müssen Sie ihn darauf ansprechen. Pluspunkt hierbei: Da die Beiträge für die bAV von Ihrem Bruttogehalt abgehen, verringern sich so die Steuer- und Sozialversicherungsabgaben.

Anzeige

Rentenvorsorge planen: 5 Fragen zur Bestandsaufnahme

Richtig ist: Private Vorsorge beginnt im Kopf. Denn Einkommen und Auskommen im Alter hängen nicht nur von den Rentenzahlungen ab, die aufs eigene Konto fließen. Sondern auch von einigen anderen Parametern, die Sie selbst beeinflussen können.

Diese fünf Fragen sollten Sie sich vor Ihrem Ruhestand stellen – und beantworten:

  • Mit welchen Abgaben müssen Sie rechnen?

    Für die Rentner von morgen gibt es zwei wesentliche Fallen: Erstens wird das Rentenniveau immer weiter abgesenkt, bis 2030 auf voraussichtlich nur noch 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns vor Steuern.

    Zweitens wird gleichzeitig der Anteil der Rente, der versteuert werden muss, immer weiter angehoben. Hintergrund ist das Alterseinkünftegesetz von 2005. Demnach muss ein Rentner, der 2005 in den Ruhestand gegangen ist, 50 Prozent seiner Einkünfte versteuern. Wer im Jahr 2016 in Rente ging, muss bereits 72 Prozent seiner Einkünfte mit dem Fiskus teilen.

    Jedes Jahr steigt dieser Anteil nun um weitere zwei Prozent, bis er im Jahr 2040 bei vollen 100 Prozent angelangt ist. Es macht also einen großen finanziellen Unterschied, ob Sie ein Jahr früher oder später in Rente gehen. Dazu kommen noch Sozialabgaben und Abschläge, wenn Sie sich vorzeitig in den Ruhestand verabschieden wollen. Rechnen Sie Ihre Rente also genau durch. Stellen Sie Ihre voraussichtliche Rente, Ihre sonstigen Einnahmen und Ausgaben sorgfältig gegenüber.

  • Welches Hobby darf’s denn sein?

    Die Lebenserwartung in Deutschland steigt und steigt. Mittlerweile können 65-jährige Frauen damit rechnen, noch weitere 21 Jahre zu leben, 65-jährige Männer immerhin noch mit 17 Bonus-Jahren. Angenommen, Sie gehen mit 63 in Rente, dann haben Sie ungefähr ein Viertel des Weges noch vor sich. Es könnte aber auch deutlich mehr sein, 25, 30 oder 35 Rentenjahre sind so unrealistisch nicht.

    Grundsatzfrage: Wie wollen Sie all Ihre freien Tage verbringen? Welchen Hobbys und Interessen nachgehen? Eine ehrenamtliche Tätigkeit aufnehmen oder sich anderweitig engagieren? Bestimmte Freizeitbeschäftigungen – Stichwort Reisen – sind deutlich kostenintensiver als andere – Stichwort Gartenarbeit. Allein die Adria-Kreuzfahrt verschlingt gut und gerne 2.000 bis 5.000 Euro für zwei Personen, für die Safari in Südafrika müssen Sie 5.000 bis 10.000 Euro locker machen.

    Freie Zeit kann teuer sein. Diese Frage ist daher wichtig, wenn Sie eine Kostenkalkulation vornehmen. Auf der einen Seite die Kosten, die (teilweise) wegfallen, wie Arbeitskleidung und Benzin etwa. Auf der anderen jene, die neu hinzukommen, Reisen beispielsweise. Rechnen Sie grob durch, was Sie zum Leben benötigen und ob Sie mit Ihrer Rente hinkommen. Und wo Sie eventuell den Rotstift ansetzen, um woanders etwas draufpacken zu können.

  • Werden Sie woanders glücklich?

    Den Lebensabend unter südlicher Sonne verbringen – das ist längst kein exotisches Modell mehr. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt nach eigenen Angaben mittlerweile Renten in über 150 Ländern aus. Hier ist zunächst eine gute Beratung mit dem jeweiligen Versicherungsträger ratsam, bevor man den Sprung ins Ausland wagt.

    Folgende Fragen sollte man sich stellen: Wie sind die Lebenshaltungskosten vor Ort? Wie die Miet- oder Immobilienpreise? Und auch einen möglichen Rückumzug in die Heimat sollte man mit einkalkulieren. Denn die medizinische Versorgung, auf die man mit zunehmendem Alter angewiesen sein könnte, stellt sich in Thailand, Griechenland oder der Türkei längst nicht so komfortabel dar wie im Allgäu oder in Niederbayern.

    Auch muss man nicht zwingend die Landesgrenzen hinter sich lassen. Denn: Finanziell lohnt sich auch ein Umzug innerhalb Deutschlands. Eine Studie der Postbank kommt zu dem Ergebnis, dass die Preise von Eigentumswohnungen bis 2030 allein aufgrund des Flüchtlingszuzugs in Berlin, Potsdam, Hamburg, Wiesbaden und Bonn am stärksten steigen werden.

    Zurück gehen sie in strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland und dem Ruhrgebiet, aber zum Beispiel auch in Karlsruhe, Mainz, Augsburg, Kiel und Münster. Mögliche Schlussfolgerung für Ruheständler: Raus aus der wachsenden, teuren Großstadt, rein in die kostengünstigere Provinz. Das ist vor allem dann praktikabel, wenn Sie weder durch Freunde und Familie – oder eine eigene Immobilie an Ihren Wohnort gebunden sind.

  • Setzen Sie auf kalten Entzug?

    Nicht für alle ist der nassforsche Sprung ins Nichtstuer-Becken erfüllend. Daher eine Frage: Entschleunigen Sie von 100 auf 0 – oder machen Sie einen graduellen Rückzug? Viele Selbstständige sind auch im Rentneralter weiterhin als Berater aktiv. Sogar eine Unternehmensgründung kann – bei finanzieller Ausstattung – eine Option sein.

    Für einen gleitenden Übergang bieten sich für viele aber wohl am ehesten Mini-Jobs an. Mittlerweile gibt es – dem Internet sei Dank – auch spezielle Jobbörsen für Senioren – das Deutsche Seniorenportal oder Rent-a-Rentner zum Beispiel.

    Hundesitting, Steuererklärung erstellen, Sprachlehrer, Vertriebler, Hausmeister – das sind Tätigkeiten, für die dort momentan Ruheständler gesucht werden. Und noch ein Tipp: Immer mehr Unternehmen greifen auf die Expertise der Senioren zurück – beispielsweise Daimler mit seinen „Space Cowboys“ oder Bosch und Otto. Logische Vorteile: Sie verbessern Ihre Einnahmesituation und haben eine fordernde Aufgabe.

  • Haben Sie einen Notfallplan in der Tasche?

    Als frischgebackener Ruheständler will man nicht den Teufel an die Wand malen – aber finanziell sollte man sich auf das Worst-Case-Szenario durchaus vorbereiten. Und das heißt für viele: Jahrelange Pflegebedürftigkeit, jahrzehntelange gar. Wie bin ich und meine Familie darauf vorbereitet? Wie viel Geld erhalte ich aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und wie viel werde ich privat zusteuern müssen?

    In diesem Zusammenhang der Hinweis auf das zweite Pflegestärkungsgesetz, das am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist und Pflegebedürftigkeit neu definiert – was vor allem Demenzkranken zugute kommt. Konkrete Fragen: Haben Sie eine private Pflegeversicherung? Eine Lebensversicherung? Das soll jetzt keineswegs zu einer Werbeveranstaltung für teure Finanzprodukte mutieren, zumal ihr Nutzen sehr umstritten ist, gerade jetzt in Niedrigzinszeiten.

    Aber Sie sollten zumindest umrissartig einen Notfallplan entwickeln, der den gröbsten Belastungen standhält. Das muss also gar nicht zwingend eine Versicherung sein. Eine bedenkenswerte Frage zum Beispiel: Spare ich – mit einem Sparplan zum Beispiel – vorher eine gewisse Summe an, mit der ich meine Haus, meine Wohnung oder wenigstens das Bad im Fall der Fälle barrierefrei umrüsten kann? Und wie ist eigentlich die finanzielle Siuation meiner Kinder? Denn zum Einen wird es für Pflegebedürftige schwieriger bis unmöglich, sie weiterhin finanziell zu untersützen. Zum anderen werden die Nachkommen teilweise selbst für die Kosten aufkommen müssen. Daher die Frage rechtzeitig und ganz nüchtern analysieren: Was machen wir/ich, wenn es hart auf hart kommt?

Anzeige

Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Es gibt keine Pauschallösung bei der Rentenvorsorge, die für alle Arbeitnehmer gleichermaßen funktioniert. Es ist naheliegend, dass ein Berufsanfänger mit einem eher kleinen Einstiegsgehalt weniger Geld auf die hohe Kante legen kann als ein Berufserfahrener.

Gleichzeitig lauern hier die ersten Fehler, die viele begehen: Nur weil lediglich kleinere Summen für die Rentenvorsorge zurückgelegt werden könnten, heißt das nicht, dass sich das Sparen gar nicht lohnen würde. Selbst eine Summe von 100 Euro monatlich kann sich im Laufe von 40 Jahren im Rentenalter verdreifachen. Möglich ist dies durch den Zinseszinseffekt.

Allerdings entfaltet der sich erst mit einer entsprechenden Zeitdauer – wer zu lange mit dem Sparen wartet, kann also nicht im vollen Ausmaß davon profitieren. Außerdem hat er bis zur Rente schlichtweg nicht so viel Zeit, um entsprechende Summen zurückzulegen.

Bedacht werden sollte vor allem, für welche Form der privaten Rentenvorsorge Sie sich entscheiden, nicht alle lassen sich zu jedem Zeitpunkt realisieren. In den eigenen vier Wänden zu wohnen ist für viele Menschen noch ein Traum. Dieser lässt sich allerdings ab einem bestimmten Alter nicht mehr umsetzen. Grund dafür ist, dass eine komplette Ratenzahlung des Bankdarlehens bis zum Renteneintritt nicht gewährleistet werden kann.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
★★★★★ Bewertung: 4,91/5 - 6262 Bewertungen.
5. November 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Weiter zur Startseite