Kindergeld: Höhe, Anspruch & Antrag für Eltern

Das Kindergeld ist eine der wichtigsten Leistungen in Deutschland. Es sorgt für eine finanzielle Unterstützung von Familien und soll die Grundversorgung des Kindes sicherstellen. Anspruch haben Eltern in Deutschland ab dem Tag der Geburt des Kindes, müssen aber einen schriftlichen Antrag stellen. Hier erfahren Sie alles, was Sie zu zu Höhe, Antrag, Dauer und Regelungen des Kindergeldes wissen müssen…

Kindergeld: Höhe, Anspruch & Antrag für Eltern

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Allgemeines zum Kindergeld

Kindergeld ist keine Sozialleistung. Die Auszahlung kommt zwar von der Familienkasse, ist aber in erster Linie ein steuerlicher Ausgleich. Es soll sichergestellt werden, dass das Existenzminimum des Kindes steuerfrei bleibt und die Grundversorgung gesichert ist.

Nicht zu verwechseln ist das Kindergeld mit dem Kinderfreibetrag. Beide verfolgen das gleiche Ziel, sind aber unterschiedlich. Kindergeld wird als monatlicher Betrag überwiesen, der Kinderfreibetrag reduziert das zu versteuernde Einkommen in der Steuererklärung. Es können nicht beide Leistungen gleichzeitig genutzt werden. Das zuständige Finanzamt ermittelt, welche Variante für Eltern den größten Vorteil bringt.

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Kindergeld Höhe

Kindergeld ist nicht vom Einkommen der Eltern abhängig. Die Summe ist für alle gleichhoch und wird regelmäßig angepasst. Die Anpassungen sollen sicherstellen, dass trotz steigender Lebenshaltungskosten die Grundversorgung für Kinder abgesichert bleibt. Die letzte Erhöhung fand im Juli 2019 statt, seit dem bekommen Eltern:

  • 204 Euro monatlich für das erste und zweite Kind,
  • 210 Euro monatlich für das dritte Kind,
  • 235 Euro monatlich für jedes weitere Kind.

Die Höhe des Kindergeldes wird zum 1. Januar 2021 erneut angepasst. Ab dem Jahr 2021 gibt es:

  • 219 Euro monatlich für das erste und zweite Kind,
  • 225 Euro monatlich für das dritte Kind,
  • 250 Euro monatlich für jedes weitere Kind.

Die Staffelung der Höhe gilt auch, wenn Sie mehrere Kinder haben, aber nicht alle bei Ihnen leben. Beispiel: Sie haben drei Kinder, aber die beiden älteren wohnen beim anderen Elternteil. Auch dann stehen Ihnen für Kind das dritte Kind aktuell 210 Euro monatlich zu. In der Fachsprache nennt man das die sogenannten Zählkinder. Sie erhalten für diese zwar kein Kindergeld, für die Berechnung weiterer Kinder werden sie aber mit einbezogen.

Kindergeld Auszahlungstermine

Die Auszahlungstermine für das Kindergeld richten sich nach der letzten Ziffer (der Endziffer) ihrer Kindergeldnummer. Diese finden Sie beispielsweise auf dem Kontoauszug als Verwendungszweck. Im Internet finden Sie Listen, in denen die Auszahlungstermine für die einzelnen Endziffern veröffentlicht werden. Hier können Sie sich informieren, wann die Zahlung auf Ihr Konto überwiesen wird.

Kindergeld zurückzahlen?

Werden Zahlungen getätigt, obwohl diese Ihnen nicht (mehr) zustehen, können Sie eine Aufforderung zur Rückzahlung von der Familienkasse erhalten. Veränderungen der Lebenssituation können zu einem Erlöschen des Anspruchs führen, beispielsweise wenn…

  • die Ausbildung oder das Studium abgeschlossen sind.
  • das Kind ins Ausland zieht und keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat.
  • aus dem Ausland vergleichbare Leistungen bezogen werden.

Zuviel gezahltes Kindergeld muss dann erstattet werden.

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Kindergeld Anspruch

Kindergeld erhält eine Person, die ein Kind im eigenen Haushalt versorgt. Eltern müssen sich entscheiden, ob Mutter oder Vater das Geld erhalten soll. Der Anspruch ist dabei nicht nur auf die eigenen, leiblichen Kinder beschränkt. Auch für Enkelkinder, Stiefkinder oder Pflegekinder kann Anspruch bestehen. Voraussetzung, um Anspruch auf Kindergeld zu haben, ist zudem, dass der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland, einem anderen Land der EU, in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz liegt.

Ein Anspruch auf Kindergeld besteht bei Erfüllung der Voraussetzungen ab der Geburt des Kindes. Grundsätzlich besteht der Anspruch bis zur Volljährigkeit des Kindes und endet im Monat, in dem der Nachwuchs 18 Jahre alt wird. Verschiedene Faktoren können aber zu einer längeren Dauer führen. So gibt es Kindergeld für…

  • alle Kinder bis zum 18. Geburtstag
  • Kinder in Ausbildung bis zum 25. Geburtstag
  • arbeitslose Kinder mit abgeschlossener Ausbildung bis zum 21. Geburtstag
  • Kinder ohne Ausbildungsplatz bis zum 25. Geburtstag
  • Kinder in einem freiwilligen soziales oder ökologischen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst bis zum 25. Geburtstag
  • Kinder mit Behinderung, die sich nicht selbst finanziell versorgen können, über das 25. Lebensjahr hinaus ohne Altersbegrenzung.

Ein Anspruch kann somit auch bei volljährigen Kindern bestehen. Anspruchsberechtigt sind zunächst die Eltern, nicht das Kind selbst. Hat das Kind einen eigenen Haushalt und versorgt sich selbstständig, kann das Kindergeld aber auch direkt an das Kind ausgezahlt werden.

Überprüfung des Anspruchs

Die Familienkasse kann sich regelmäßig bestätigen lassen, dass Ihr Anspruch weiterhin besteht. Dazu werden meist Fragebögen verschickt, die Sie ausfüllen müssen. Darin müssen Sie beantworten, ob…

  • Ihr Kind noch bei Ihnen im gemeinsamen Haushalt wohnt.
  • Ihr Kind weiterhin in einer Schul- oder Berufsausbildung ist.
  • Sie selbst noch in Deutschland wohnen.

Auch Nachweise – Studienbescheinigung oder Ausbildungsnachweis – können verlangt werden, wenn der Nachwuchs zwischen 18 und 25 Jahre alt ist.

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Kindergeld Antrag

Den Antrag für Kindergeld reichen Sie direkt nach der Geburt bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit ein. Dieser muss in jedem Fall schriftlich erfolgen. Die nötigen Anträge finden Sie auf der Webseite der Bundesagentur. Dem Hauptantrag fügen Sie für jedes Kind, für das Sie die Zahlung beantragen wollen, eine „Anlage Kind“ bei.

Schritt für Schritt beantragen

  • Füllen Sie die Anträge direkt online auf der Homepage aus.
  • Drucken Sie das ausgefüllte Dokument aus.
  • Unterschreiben Sie den Antrag handschriftlich
  • Schicken sie ihn mit der Post an die zuständige Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit

Welche Familienkasse für Sie zuständig ist, hängt vom Wohnort ab. Einmal genehmigt, zahlt die Kasse weiter – es braucht keine regelmäßigen Neuanträge. Mögliche Änderungen wie eine neue Anschrift müssen Sie aber bekannt machen. Und: Auf dem Antrag müssen Sie unbedingt Ihre Steueridentifikationsnummer eintragen.

Kann ich Kindergeld rückwirkend beantragen?

Grundsätzlich ja. Haben Sie den Antrag bisher nicht gestellt, können Sie rückwirkend Kindergeld beantragen – allerdings wurde die Frist dafür deutlich verkürzt. Seit 2018 zahlt die Familienkasse nur noch rückwirkend für maximal sechs Monate. Stellen Sie den Antrag daher so früh wie möglich.

Einspruch gegen Kindergeldbescheid

Sie sind mit einem Bescheid der Familienkasse nicht einverstanden – etwa weil das Kindergeld gestrichen wurde, obwohl Ihr Kind noch in Ausbildung ist? Dann können Sie Einspruch einlegen. Gemäß § 355 Abgabenordnung (AO) haben Sie dazu einen Monat Zeit. Sollte die Familienkasse eine Email auf dem Bescheid angegeben haben, reicht auch ein Einspruch per Email, um die Frist zu wahren. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, zusätzlich zu Email einen Widerspruch per Einwurfeinschreiben an die zuständige Stelle zu richten.

Was ist der Kinderzuschlag?

Im Gegensatz zum Kindergeld ist der Kinderzuschlag eine Sozialleistung. Anspruch haben Eltern, wenn das Kind das 25. Lebensjahr nicht vollendet hat und laut § 6 des Bundeskindergeldgesetzes (BKGG) diese Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Es besteht Anspruch auf Kindergeld für das Kind.
  • Sie haben mit Ausnahme des Wohngeldes, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags ein Einkommen von mindestens 900 Euro (als Paar) oder 600 Euro (alleinerziehend).
  • Sie können mit dem Kinderzuschlag den Bedarf der Familie decken.
  • Sie kein Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen.

Der Kinderzuschlag ist dazu da, Familien mit kleinen Einkommen finanziell zu unterstützen. Ob ein Anspruch besteht, wird anhand des Verdiensts und des Bedarfs im Einzelfall ermittelt. Eine Faustregel: Wenn Einkommen plus Kindergeld über dem Gesamtbedarf liegen, kann kein Kinderzuschlag gezahlt werden. Trotzdem sollte der Fall individuell geklärt und berechnet werden.

Die Höhe des Kinderzuschlags variiert je nach Bedarf, den Einkünften und der individuellen Lebenssituation. Maximal erhalten Eltern pro Kind bis zu 185 Euro im Monat. Für das Jahr 2021 ist eine Erhöhung auf bis zu 205 Euro monatlich angesetzt.

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[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
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20. Januar 2021 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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