Kindergeld: Antrag, Anspruch, Höhe

Das Kindergeld soll Eltern finanziell entlasten, zählt aber nicht zu den Sozialleistungen. Der Kinderzuschlag dagegen schon. Wo liegen die Unterschiede, wer kann Kindergeld beantragen, welche Stelle entscheidet über den Kindergeld-Antrag und wie hoch ist das Kindergeld? Diese und andere Fragen beantworten wir in diesem Artikel. Übrigens: Wussten Sie, dass Eltern unter bestimmten Voraussetzungen das Kindergeld auch wieder zurückzahlen müssen?

Kindergeld: Antrag, Anspruch, Höhe

Wer hat Anspruch auf Kindergeld?

Kindergeld erhalten Eltern, die minderjährige Kinder im eigenen Haushalt versorgen. Auch Enkelkinder, Stiefkinder oder Pflegekinder zählen dazu. Voraussetzung, um Anspruch auf Kindergeld zu haben, ist zudem, dass der Wohnort in Deutschland, einem anderen Land der EU, in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz liegt.

Das Kindergeld wird zwar von der Familienkasse ausgezahlt, ist damit aber keine Sozialleistung, sondern eher ein steuerlicher Ausgleich. Das Kindergeld soll in erster Linie dazu dienen, die Grundversorgung der Kinder zu sichern, die in Deutschland leben.

Daher besteht ein Anspruch auf Kindergeld ganz automatisch ab der Geburt. Was aber nicht bedeutet, dass Kindergeld nicht beantragt werden müsste.

Sogar für volljährige Kinder haben Eltern möglicherweise Anspruch. Dazu gleich mehr.

Das Kindergeld erhält immer nur ein Elternteil, also entweder Mutter oder Vater. (Ehe-)Paare sollten vorab klären, auf wessen Namen und Konto das Kindergeld überwiesen werden soll. Auch Großeltern kommen als Empfänger in Frage, sofern sie mit dem Kind zusammenwohnen.

Unter bestimmten Umständen kann das Kindergeld auch an das Kind selbst ausgezahlt werden, nämlich dann, wenn es einen eigenständigen Haushalt führt und somit nicht von den Eltern versorgt wird.

Welche Höhe hat das Kindergeld?

Zunächst ist das Kindergeld nicht vom Einkommen der Eltern abhängig, sondern für alle gleich. Zum 1. Januar 2018 wurde es um zwei Euro pro Kind erhöht. Das Kindergeld beträgt nun:

  • 194 Euro monatlich für das erste und zweite Kind
  • 200 Euro monatlich für das dritte Kind
  • 225 Euro monatlich für das vierte und jedes weitere Kind

Die Staffelung gilt im Übrigen auch dann, wenn Sie mehrere Kinder haben, aber nicht alle bei Ihnen leben. Beispiel: Sie haben drei Kinder, aber die beiden älteren wohnen beim anderen Elternteil. Auch dann steht Ihnen für Kind Nummer drei 200 Euro monatlich zu (ab Juli 2019 sogar 210 Euro).

In der Fachsprache nennt man das die sogenannten Zählkinder. Diese Kinder wohnen nicht bei Ihnen, werden aber in die Berechnung für weitere Kinder mit einbezogen. Auch wenn Sie für diese Kinder kein Kindergeld erhalten, erhöht sich dadurch Ihr Anspruch bei jedem weiteren Kind.

Ab dem ersten Juli 2019 wird das Kindergeld um weitere zehn Euro angehoben. Dann gibt es:

  • 204 Euro monatlich für das erste und zweite Kind
  • 210 Euro monatlich für das dritte Kind
  • 235 Euro monatlich für das vierte und jedes weitere Kind

Wie lange bekomme ich Kindergeld?

Grundsätzlich gibt es Kindergeld für…

  • alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr
  • Kinder in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr
  • arbeitslose Kinder bis zum 21. Lebensjahr
  • Kinder mit Behinderung über das 25. Lebensjahr hinaus ohne Altersbegrenzung, sofern das Kind wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung nicht in der Lage ist, sich selbst zu versorgen
  • Kinder bis zum 25. Lebensjahr, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren

Eltern haben grundsätzlich Anspruch auf Kindergeld, wenn sich das volljährige Kind (bis 25 Jahre) noch in der Ausbildung befindet. Das kann eine Berufsausbildung oder ein Studium sein. Jedes Jahr muss aufs Neue nachgewiesen werden – zum Beispiel per Hochschulbescheinigung – dass die Ausbildung weiterhin andauert. Ist sie schon vor dem 25. Geburtstag abgeschlossen, verfällt der Anspruch auf Kindergeld.

Ein Ausbildungsverhältnis endet prinzipiell mit dem Vertragsende. Ein Studium gilt als beendet, wenn die Prüfungsergebnisse für den Abschluss vorliegen. Laut einem Urteil des Finanzgerichts Sachsen muss bis zum Ablauf des Monats der Bekanntgabe noch Kindergeld gezahlt werden.

Ob es sich bei der Ausbildung des Kindes um eine Erst-, Zweit- oder gar Drittausbildung handelt, ist unerheblich. Mit einer Ausnahme: Absolviert Ihr Kind nach der ersten noch eine weitere Ausbildung und arbeitet daneben regelmäßig mehr als 20 Stunden in der Woche, erlischt der Anspruch auf Kindergeld.

Und: Zur Ausbildung zählt nicht nur ein Bachelorstudium, sondern auch der Master, sofern er auf dem Bachelor aufbaut. Ist dies der Fall, gibt es weiterhin Kindergeld.

Studiert das Kind im Ausland, gibt es dann Kindergeld, wenn es weiterhin in Deutschland gemeldet ist und die Semesterferien überwiegend zuhause verbringt.

Diesen Anspruch haben Sie wiederum nicht, wenn Ihr Kind eine Reise unternimmt oder ein Work-and-Travel- oder Au-Pair-Jahr absolviert. Als Au-Pair befindet man sich nicht in einer Berufsausbildung.

Aber es gibt einen Trick: Der Bundesfinanzhof entschied schon 1999, dass die Arbeit als Au-Pair dann als Berufsausbildung gilt, wenn während des Aufenthalts im Ausland ein „fortlaufender systematischer Sprachunterricht“ stattfindet. Wer also zehn Stunden pro Woche offiziell Sprachen lernt, bewahrt demnach seinen Kindergeld-Anspruch.

Auch ist eine Ehe kein Ausschlussgrund. Das bedeutet: Ist Ihr Kind verheiratet – womöglich mit einem Großverdiener – aber selbst noch in der Ausbildung und nicht älter als 25, haben Sie weiterhin Anspruch auf Kindergeld.

Wie stelle ich den Antrag auf Kindergeld?

Vorweg: Eine formlose Mail oder ein kurzer Telefonanruf reichen nicht aus. Sie müssen Kindergeld schriftlich per Post oder Fax beantragen.

Alle Anträge zum Kindergeld finden Sie auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit. Für jedes Kind, für das Sie Kindergeld beantragen wollen, fügen Sie eine „Anlage Kind“ bei.

So geht’s:

  • Sie laden den Antrag auf Kindergeld herunter
  • …und füllen ihn vollständig am Rechner aus
  • Dann drucken sie das Dokument aus
  • unterschreiben es handschriftlich
  • …und versenden es per Post an die für Sie zuständige Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit

Welche Familienkasse für Sie zuständig ist, richtet sich nach Ihrem Wohnort. Eine Übersicht finden Sie hier. Eine andere Familienkasse kann zuständig sein, wenn Sie Beamter sind oder in einem anderen EU-Land wohnen.

Sobald Ihr Antrag einmal bewilligt wurde, zahlt die Familienkasse weiter. Sie müssen also nicht regelmäßig einen neuen Antrag stellen. Was Sie aber tun müssen: Mögliche Änderungen durchgeben, zum Beispiel eine neue Anschrift.

Und: Auf dem Antrag müssen Sie Ihre Steueridentifikationsnummer eintragen. Falls Sie Ihre Nummer gar nicht kennen oder verlegt haben, lassen Sie sie sich einfach vom Bundeszentralamt für Steuern erneut zusenden. Das entsprechende Online-Formular finden Sie hier.

Kann ich Kindergeld rückwirkend beantragen?

Kindergeld Antrag rückwirkendGrundsätzlich ja. Die Frist hat der Gesetzgeber allerdings zum 1. Januar 2018 stark verkürzt.

Die Familienkasse zahlt Eltern seit Anfang 2018 nur noch rückwirkend für sechs Monate Kindergeld. Vorher waren es beachtliche vier Jahre. Unser Tipp: Stellen Sie den Antrag daher so früh wie möglich.

Bekomme ich Kindergeld im Ausland?

Ja. Laut Bundesfamilienministerium

können Väter und Mütter, die im Ausland wohnen und in Deutschland nach dem Einkommensteuergesetz nicht unbeschränkt steuerpflichtig sind, unter bestimmten Voraussetzungen Kindergeld erhalten.

Dafür muss er oder sie unter anderem…

  • in einem Versicherungspflichtverhältnis zur Bundesagentur für Arbeit stehen oder
  • als Entwicklungshelfer oder Missionar tätig sein oder
  • eine Tätigkeit nach den Vorschriften des Beamtenrechts in einer Einrichtung außerhalb Deutschlands ausüben oder
  • Rente nach deutschen Vorschriften beziehen.

Die Kinder müssen ihren Wohnsitz dabei in Deutschland oder einem anderen EU-Staat haben. Nur für Kinder von Entwicklungshelfern und Missionaren gibt es Ausnahmen.

Weitere häufig gestellten Fragen

Weitere häufig gestellten FragenNeben den Fragen, die einen Großteil der Eltern beschäftigen, gibt es auch solche, die eher selten relevant werden. Trotzdem möchten wir auch diese Fragen ansprechen und beantworten:

Muss ich Kindergeld zurückzahlen?

Unter bestimmten Umständen kann es sein, dass Eltern oder das Kind Leistungen erhalten, die

  • für das Kind im Ausland gezahlt werden und ähnlich dem Kindergeld sind.
  • von einer anderen staatlichen, überstaatlichen oder zwischenstaatlichen Institution gezahlt werden und dem Kindergeld ähnlich sind.

Das kann ein Grund dafür sein, dass kein Kindergeld mehr gezahlt wird.

Dieser Ausschluss gilt übrigens auch dann, wenn die im Ausland bezogenen Leistungen geringer sind als das Kindergeld, das in Deutschland gezahlt wird. Ausgenommen sind Leistungen für Familien, die von einem anderen Mitgliedsstaat der EU gezahlt werden. In diesem Fall könnten die Eltern einen Anspruch auf Ausgleich der Differenz haben.

Diese Fälle müssen individuell entschieden werden. Daher sollten Sie in einem derartigen Fall mit der Familienkasse oder der Arbeitsagentur Kontakt aufnehmen und Ihren Fall besprechen.

Was versteht man unter dem Kinderzuschlag?

Im Gegensatz zum Kindergeld ist der Kinderzuschlag eine Sozialleistung. Anspruch haben Eltern, die

  • Kindergeld für ihr Kind oder ihre Kinder bekommen.
  • deren monatliches Einkommen die Mindesteinkommensgrenze übersteigt.
  • keinen Anspruch auf andere Sozialleistungen wie Sozialgeld oder Arbeitslosengeld I haben.

Der Kinderzuschlag ist dazu da, Familien mit kleinen Einkommen finanziell zu unterstützen. Ob ein Anspruch besteht, ist meist nicht ganz einfach zu ermitteln, da die Lebenshaltungskosten der Eltern exakt berechnet werden müssen.

Eine Daumenregel gibt es aber trotzdem: Wenn Einkommen plus Kindergeld über dem Gesamtbedarf liegen, kann kein Kinderzuschlag gezahlt werden.

Auch in diesem Fall empfiehlt sich der Gang zur Arbeitsagentur, um die individuellen Ansprüche abzuklären.

Besteht ein Anspruch, kann für Kinder, die

  • unverheiratet sind
  • im Haushalt der Eltern wohnen
  • unter 25 Jahre sind

der Kinderzuschlag beantragt werden.

Die Höhe des Kinderzuschlags kann dabei variieren. Im günstigsten Fall erhalten Eltern pro Kind bis zu 170 Euro im Monat. Die tatsächliche Höhe hängt aber von den individuellen Einkünften und der Lebenssituation ab.

Im Gegensatz zum Kindergeld kann der Kinderzuschlag nicht rückwirkend gezahlt werden.

Wird mein Anspruch auf Kindergeld überprüft?

Ja, die Familienkasse lässt sich regelmäßig bestätigen, ob Ihr Anspruch auf Kindergeld noch besteht. In der Regel werden dazu Fragebögen verschickt, die ausgefüllt werden müssen.

Darin müssen Sie beantworten, ob

  • Ihr Kind noch bei Ihnen im gemeinsamen Haushalt wohnt.
  • Ihr Kind weiterhin in einer Schul- oder Berufsausbildung ist.
  • Sie selbst noch in Deutschland wohnen.

Ich bin mit dem Bescheid zum Kindergeld nicht einverstanden. Was nun?

Wie bei den meisten anderen Bescheiden, haben Sie auch beim Kindergeld die Möglichkeit, Einspruch zu erheben. Gemäß Paragraph §355 Abgabenordnung (AO) haben Sie dazu einen Monat Zeit.

Sollte die Familienkasse eine Email auf dem Bescheid angegeben haben, reicht auch ein Einspruch per Email, um die Frist zu wahren. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, zusätzlich zu Email einen Widerspruch per Einwurfeinschreiben an die zuständige Stelle zu richten.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]
12. Februar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



Mehr von der Redaktion und aus dem Netz


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!