Gesetzliche Rentenversicherung: Das müssen Sie wissen

Im Laufe Ihres Arbeitslebens fließt ein Teil des erwirtschafteten Geldes in die gesetzliche Rentenversicherung. Sie ist Teil des deutschen Sozialversicherungssystems, das zur finanziellen Absicherung im Alter beiträgt. Die demographischen Entwicklungen in Deutschland haben es notwendig gemacht, dass das Rentenalter sukzessive angehoben wird. Viele Menschen mittleren Alters machen sich bereits Gedanken darüber, wann sie in Rente gehen werden und wie hoch ihre Rente ausfallen wird. Wir geben Ihnen die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die gesetzliche Rentenversicherung.

Gesetzliche Rentenversicherung: Das müssen Sie wissen

Definition: Was ist die gesetzliche Rentenversicherung?

Gesetzliche RentenversicherungTräger der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Deutsche Rentenversicherung. Wenn hier von Rente die Rede ist, dann geht es überwiegend um die Altersrente.

Derzeit ist die gesetzliche Rentenversicherung die wichtigste Säule der Altersvorsorge von Arbeitnehmern, einigen Gruppen von Selbständigen und weiteren Personenkreisen.

Beispielsweise hat das Gesetz Lehrer und Erzieher, aber auch Hebammen und Hausgewerbetreibende als selbständig Tätige festgestellt, die als Versicherungspflichtige in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden.

Einige Menschen denken, wenn sie jahrzehntelang in die Rentenkasse eingezahlt haben, müssten auch üppige Beiträge dabei herauskommen. Der Gedanke, der dahinter steckt, ist folgender: Die Zeit der Berufstätigkeit ist weitaus länger als die Zeit nach dem Renteneintritt.

Dabei wird zweierlei vergessen: Erstens wird nicht das komplette Gehalt in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt und zweitens hat es über die letzten Jahrzehnte demographische Veränderungen gegeben, denen Rechnung getragen werden muss.

Gleichzeitig vertritt die Bundesregierung den Ansatz, dass auch die Menschen im Alter abgesichert sein müssen, die beispielsweise aufgrund von Kindererziehung oder schwerer Krankheit nicht so für die Rente vorsorgen können wie andere Beschäftigte.

Wie finanziert sich die Rente?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist Pflicht für jeden Arbeitnehmer: Jeden Monat werden Ihnen derzeit 18,6 Prozent des Bruttolohns dafür abgezogen. Diese 18,6 Prozent teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch, bedeutet: Sie zahlen 9,3 Prozent und Ihr Chef ebenfalls.

Wer ein Bruttogehalt von 3.500 Euro monatlich hat, führt somit 325,50 Euro monatlich in die gesetzliche Rentenversicherung ab. Heißt aber auch: Wer weniger verdient – und aktuell verdient jeder zweite weniger als 2.500 Euro im Monat – zahlt weniger in die Rentenkasse ein. Die Wahrscheinlichkeit für Altersarmut steigt.

Das hängt mit einer Reihe von Gegebenheiten zusammen. Zunächst einmal finanziert sich die Rente über das sogenannte Umlageverfahren. Dazu heißt es in der Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales:

Danach werden die Aufwendungen der Rentenversicherung grundsätzlich aus den aktuellen Einnahmen bestritten. Das heißt, dass die monatlichen Beiträge der rentenversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitgeber im Grundsatz unmittelbar zur Finanzierung der zur selben Zeit anfallenden Leistungen, insbesondere den Renten, herangezogen werden.

Mit anderen Worten: Die derzeitigen Arbeitnehmergenerationen finanzieren die Rente der gegenwärtigen Rentnergenerationen, daher ist auch vom Generationenvertrag die Rede. Dies zu wissen ist wichtig, denn es bedeutet, dass man keineswegs im Alter unmittelbar das zurückbekommt, was man selbst eingezahlt hat. Vielmehr wird auch Ihre Rente im Alter von nachfolgenden Arbeitnehmergenerationen gezahlt werden.

Zumindest, sofern das Rentensystem nicht von Grund auf umgebaut wird, denn hier liegen die zukünftigen Herausforderungen. Die geburten­starke Jahr­gänge gehen in den Ruhe­stand und damit stehen weniger Einzahler einer größeren Menge von Rentnern gegenüber.

Dazu kommt, dass die Deutschen immer älter werden – und damit steigt auch die Zahl der Jahre, in denen Rentner Geld aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen. Waren es im Jahre 1960 noch zehn Jahre, sind es heutzutage durchschnittlich knapp 20 Jahre Rentenbezugsdauer.

Rentenhöhe an Löhne gekoppelt

Die Rentenhöhe orientiert sich an der Entwicklung der Löhne. Steigen die durchschnittlichen Gehälter, steigt auch die Rente – allerdings nicht im gleichen Maße.

Der jahrzehntelange Geburtenrückgang und die demographischen Entwicklungen insgesamt machen Anpassungen notwendig, das heißt, dass der Beitrags­satz in die gesetzliche Rentenversicherung zukünftig steigen wird. Gleichzeitig kann natürlich nicht einer geringeren Zahl von Erwerbstätigen die komplette Rente einer immer größer werdenden Rentnergeneration aufgebürdet werden. Somit sinkt seit Jahren das Rentenniveau, gleichzeitig verschiebt sich das eigene Renteneintrittsalter.

Entscheidend für die eigene Rente sind die sogenannten Entgeldpunkte, die jeder Versicherte im Laufe seines Berufslebens sammelt. Diese orientieren sich wiederum am Durchschnittsbruttogehalt aller Versicherten.

Das durchschnittliche Jahresbruttogehalt lag 2019 bei 38.901 Euro im Westen und bei 35.887 Euro in Ostdeutschland. Bedeutet: Jeder, der diesen Durchschnitt erreicht und entsprechende Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlt, erwirbt so einen Entgeltpunkt.

Diese werden auch anteilig erworben: Wer beispielsweise nur die Hälfte des durchschnittlichen Bruttogehalts verdient, erwirbt auch nur einen halben Entgeltpunkt. Dementsprechend erwirbt ein Versicherter zwei Entgeltpunkte, wenn er exakt das Doppelte verdient.

Da in Ostdeutschland das Einkommen häufig niedriger als in Westdeutschland ist, wird für die Entgeltpunkte mit dem Umrechnungsfaktor 1,084 multipliziert. So werden die Rentenansprüche auf Westniveau angeglichen.

Erst mit 67 in Rente oder doch früher?

Renteneintrittsalter FrührenteDas Renteneintrittsalter wird vom Gesetzgeber zwar festgelegt, aber Sie können auch in Frührente gehen. Wer von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, muss gegebenenfalls mit Abschlägen rechnen. Denn wie hoch oder niedrig Ihre Rente zum Zeitpunkt des gewünschten Renteneintritts ist, hängt davon ab, wie Ihre persönlichen Rentenansprüche ausfallen.

Heißt, wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt in Rente gehen, zahlen Sie länger ein und erhöhen die Rente.

Wer beispielsweise schon mit 63 Jahren in die Rente gehen möchte, hat das Regelrentenalter noch nicht erreicht. Haben Sie wenigstens 35 Beitragsjahre angespart, gelten Sie als langjährig Versicherter. Sie müssen jedoch durch Ihren vorzeitigen Renteneintritt einen Abschlag von 3,6 Prozent pro Jahr von Ihrer Rente in Kauf nehmen.

Diese finanzielle Einbuße können Sie durch zusätzliche Beitragszahlungen beeinflussen. Wer für sich die Frührente in Erwägung zieht, sollte daher unbedingt Auskünfte bei der Deutschen Rentenversicherung einholen.

Wann werden Sie in Rente gehen?

Anspruchsberechtigt auf Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung sind Versicherte, die entweder die sogenannte Regelaltersgrenze und/oder die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erreicht haben. Die Wartezeit ist die Mindestversicherungszeit, die nahezu alle Menschen erreichen, die arbeiten gegangen sind oder Kinder erzogen haben.

Das Renteneintrittsalter ist von verschiedenen Faktoren abhängig, denn es gibt unterschiedliche Arten von Rente:

  • Renten von Alters wegen
  • Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
  • Hinterbliebenenrenten (Renten wegen Todes)

Die Renten von Alters wegen, um die es hier vor allem geht, gliedern sich in weitere Renten:

  • Regelaltersrente

    Um abschlagsfrei diese Rente beziehen zu können, müssen Versicherte mindestens eine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt haben. Die Regelaltersgrenze bezeichnet das Alter, das Sie bei einem regulären Renteneintritt haben müssen. Seit 2012 steigt sie stufenweise von 65 Jahre auf 67 Jahre. Der spätere Renteneintritt und somit die längere Berufstätigkeit sind eine Konsequenz der oben angesprochenen demographischen Veränderungen.

    Wer vor 1947 geboren ist, ging mit 65 Jahren in Rente. Die stufenweise Anhebung erfolgt bis zum Jahr 2029 und beträgt einen Monat pro Jahrgang und bedeutet eine Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 66 Jahre. Bei allen ab 1959 Geborenen wird auf zwei Monate pro Jahrgang von 66 auf 67 Jahre angehoben. Und wer nach 1963 geboren ist, muss bis zum 67. Lebensjahr arbeiten. Neben der Regelaltersrente darf unbeschränkt hinzuverdient werden.

  • Altersrente für besonders langjährig Versicherte
    („Rente ab 63“)

    Eine Ausnahme in der Regelaltersgrenze bilden Versicherte, die 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Zwar erfolgt bei ihnen ebenfalls eine stufenweise Anhebung des Renteneintrittsalters, aber aufgrund ihrer Lebensleistung – in die 45 Jahre fließen auch Pflichtbeiträge aus Pflege und Kindererziehung bis zum 10. Lebensjahr – dürfen vor dem 1. Januar 1953 Geborene bereits mit 63 Jahren in Rente gehen ohne Abschläge hinnehmen zu müssen.

  • Rente für langjährig Versicherte

    Voraussetzung hierfür ist, dass Sie die entsprechende Altersgrenze erreicht haben. Außerdem muss eine Wartezeit von 35 Jahren vorliegen. Frühestens mit 63 Jahren können betroffene Versicherte in Rente gehen, müssen dann allerdings Abschläge hinnehmen. Deren Höhe steigt allerdings maximal auf 14,4 Prozent.

  • Altersrente für Schwerbehinderte

    Alle Personen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 gelten als schwerbehindert. Sie haben Anspruch auf diese Altersrente, wenn sie die jeweilige Altersgrenze erreicht und die Wartezeit von 35 Jahren erfüllt haben. Wie bei den erstgenannten Versicherten steigt das Rentenalter auch hier an, und zwar ab dem Geburtsjahrgang 1952 wird das Renteneintrittsalter von 63 auf 65 angehoben. Wer vorzeitig in Rente gehen möchte, muss einen Abschlag von maximal 10,8 Prozent hinnehmen.

Freiwillige Rentenversicherung schließt Lücken

Prinzipiell kann jeder in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen – die Mehrheit der Arbeitnehmer ist lediglich automatisch pflichtversichert. Aber gerade für Menschen, die ihre Wartezeit noch erfüllen müssen, kann es sich lohnen, freiwillig Beiträge zu zahlen.

So lässt sich ein Rentenanspruch aufbauen beziehungsweise die Auszahlungsbeiträge steigern. Interessant ist das vor allem für Selbständige oder Mütter.

Haben sich frühere Arbeitnehmergenerationen einzig auf die staatliche Rente verlassen, empfiehlt es sich für gegenwärtige, auf einem Drei-Säulen-System aufzubauen:

  • die gesetzliche Rentenversicherung
  • die betriebliche Altersversorgung
  • die private Altersvorsorge

Die betriebliche Altersversorgung funktioniert über die freiwillige Beteiligung des Arbeitgebers: Per Entgeltumwandlung können Sie veranlassen, dass Ihr Arbeitgeber einen Teil Ihres Gehalts in eine betriebliche Altersvorsorge investiert. Dabei wählt Ihr Arbeitgeber den jeweiligen Durchführungsweg aus und schließt einen Vertrag ab, beispielsweise bei folgenden Institutionen:

  • Direktversicherung
  • Pensionsfonds
  • Pensionskasse
  • Pensionszusage
  • Unterstützungskasse

Häufig entschließen sich Arbeitgeber, die betriebliche Altersvorsorge zusätzlich zu unterstützen.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
30. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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