Arbeitszeugnis selber schreiben: Vorlage, Muster & Tipps

Ihr Chef sagt: „Schreiben Sie Ihr Arbeitszeugnis doch selbst“? Das ist erlaubt – und eine Chance, wichtige Aufgaben, Fähigkeiten und Erfolge richtig zu gewichten. Allerdings bleibt Ihr Text zunächst ein Entwurf, den der Arbeitgeber prüfen und freigeben muss. Wir zeigen, wie Sie Ihr Arbeitszeugnis selber schreiben – mit kostenlosen Vorlagen für die Noten 1 bis 3…

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Arbeitszeugnis selber schreiben – das Wichtigste

Frage

Kurzantwort

Darf ich es selbst schreiben? Ja. Der Arbeitgeber darf Sie bitten, einen Entwurf für Ihr Arbeitszeugnis zu verfassen.
Muss ich es selbst schreiben? Nein. Der gesetzliche Zeugnisanspruch richtet sich gegen den Arbeitgeber. Sie können aber freiwillig einen Entwurf liefern.
Ist mein Entwurf schon gültig? Nein. Der Arbeitgeber muss den Inhalt prüfen und das Zeugnis anschließend selbst erteilen.
Welche Note nehme ich? Die Bewertung sollte Ihren tatsächlichen Leistungen entsprechen und im gesamten Zeugnis stimmig sein.
Was ist besonders wichtig? Beschreiben Sie Aufgaben und Erfolge konkret und achten Sie auf eine durchgängige Bewertung.
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Darf ich mein Arbeitszeugnis selber schreiben?

Sie dürfen Ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben, wenn der Arbeitgeber Sie darum bittet oder einem eigenen Entwurf zustimmt. Gerade beim Ausscheiden aus einem Unternehmen kommt das vor: Der Mitarbeiter kennt Aufgaben, Projekte und Erfolge am besten und liefert eine Vorlage, die anschließend von der Personalabteilung oder Führungskraft geprüft wird.

Nach § 109 Gewerbeordnung (GewO) haben Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Auf Wunsch muss sich dieses auch auf Leistung und Verhalten erstrecken. Rechtlich bleibt das Arbeitszeugnis damit eine Erklärung des Arbeitgebers. Ihr selbst geschriebener Text ist zunächst nur ein Entwurf. Der Arbeitgeber kann ihn übernehmen, verändern oder einzelne Formulierungen ablehnen. Erst wenn er das Zeugnis erteilt, handelt es sich um Ihr offizielles Arbeitszeugnis.

Muss ich mein Arbeitszeugnis selber schreiben?

Arbeitnehmer müssen ihr Arbeitszeugnis nicht selber schreiben. Die gesetzliche Pflicht zur Zeugniserteilung liegt beim Arbeitgeber. Bittet Ihr Chef Sie um einen Entwurf, können Sie dieser Bitte trotzdem nachkommen, denn das hat Vorteile: Sie können sicherstellen, dass wichtige Tätigkeiten nicht vergessen werden, besondere Leistungen nennen und Ihr berufliches Profil präzise darstellen. Verstehen Sie den Entwurf deshalb weniger als lästige Zusatzarbeit, sondern als Möglichkeit, die Grundlage für ein aussagekräftiges Zeugnis mitzugestalten.

Ist es strafbar, sein Arbeitszeugnis selbst zu schreiben?

Einen mit dem Arbeitgeber abgestimmten Zeugnisentwurf selbst zu verfassen, ist nicht strafbar. Problematisch ist dagegen, eigenmächtig ein angeblich vom Arbeitgeber ausgestelltes Zeugnis herzustellen, eine Unterschrift zu fälschen oder ein manipuliertes Dokument als echtes Arbeitszeugnis zu verwenden. Ein gefälschtes Zeugnis ist strafbar!

Arbeitszeugnis selber schreiben: So geht es in 7 Schritten

Bevor Sie mit schönen Formulierungen beginnen, sammeln Sie zunächst Fakten: Beschäftigungszeitraum, Position, Verantwortungsbereiche, Projekte, besondere Erfolge und nachweisbare Leistungen. Anschließend bauen Sie daraus einen schlüssigen Entwurf. So wird das Zeugnis aufgebaut:

  1. Stammdaten nennen

    Beginnen Sie mit Name, Beschäftigungszeitraum und Position. Eine kurze Unternehmensbeschreibung kann sinnvoll sein, wenn Außenstehende Branche oder Geschäftsfeld sonst nur schwer einordnen können.

  2. Tätigkeiten priorisieren

    Listen Sie nicht einfach Ihren Arbeitsvertrag auf. Beginnen Sie mit den wichtigsten und anspruchsvollsten Aufgaben. Nennen Sie Verantwortung, besondere Projekte und gegebenenfalls Führungsaufgaben.

  3. Fachwissen beschreiben

    Zeigen Sie, welche Kenntnisse Sie für die Position eingesetzt haben. Schreiben Sie nicht nur „sehr gutes Fachwissen“, sondern verbinden Sie die Aussage möglichst mit der praktischen Anwendung.

  4. Arbeitsweise bewerten

    Beschreiben Sie insbesondere Eigeninitiative, Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Auffassungsgabe und Problemlösung. Die Auswahl sollte Ihrer tatsächlichen Tätigkeit entsprechen.

  5. Erfolge konkret machen

    Ein individuelles Zeugnis nennt nicht nur Eigenschaften. Erwähnen Sie relevante Projekte, Verbesserungen, besondere Verantwortung oder messbare Ergebnisse (Zahlen!), sofern diese belegbar sind.

  6. Sozialverhalten formulieren

    Bewerten Sie den Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und – falls relevant – Kunden oder Geschäftspartnern (in dieser Reihenfolge). Bei Führungskräften gehört zusätzlich das Führungsverhalten in die Beurteilung.

  7. Abschluss formulieren

    Am Ende können Trennungsgrund, Bedauern, Dank und Zukunftswünsche stehen. Eine solche Schlussformel ist freiwillig und kann den positiven Gesamteindruck abrunden.

Achten Sie hauptsächlich auf Individualität. Ein glaubwürdiges Zeugnis beschreibt Ihre tatsächliche Tätigkeit – und klingt nicht wie eine wahllose Sammlung möglichst positiver Textbausteine.

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Arbeitszeugnis selber schreiben: Vorlage

Die folgenden Muster für ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zeigen drei unterschiedliche Bewertungsstufen. Sie können die Texte direkt im Browser bearbeiten und an Ihre Position, Aufgaben und tatsächlichen Leistungen anpassen:

Vorlage Note 1 – sehr gut

Eine sehr gute Bewertung passt, wenn Sie dauerhaft deutlich überdurchschnittliche Leistungen erbracht haben. Achten Sie darauf, dass sich diese Bewertung durch das gesamte Zeugnis zieht.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis – sehr gut

Herr/Frau [Name], geboren am [Geburtsdatum] in [Ort], war vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ in unserem Unternehmen als [Jobtitel/Position] tätig.

[Optional: kurze Beschreibung des Unternehmens, der Branche und des Geschäftsfeldes.]

Zu seinen/ihren Aufgaben gehörten insbesondere:

  • [wichtige Aufgabe 1]
  • [wichtige Aufgabe 2]
  • [wichtige Aufgabe 3]
  • [besonderes Projekt oder Verantwortungsbereich]

Herr/Frau [Name] verfügte über ein ausgezeichnetes Fachwissen, das er/sie jederzeit äußerst sicher und erfolgreich in der Praxis einsetzte. Aufgrund seiner/ihrer sehr schnellen Auffassungsgabe erfasste er/sie auch komplexe Zusammenhänge umgehend und entwickelte stets überzeugende Lösungen.

Seine/Ihre Arbeitsweise war jederzeit äußerst selbstständig, strukturiert und sorgfältig. Auch bei hoher Arbeitsbelastung überzeugte Herr/Frau [Name] durch hervorragende Leistungsbereitschaft, ausgeprägte Belastbarkeit und stets ausgezeichnete Ergebnisse.

Besonders hervorzuheben ist [konkreter Erfolg, Projekt oder besondere Leistung].

Herr/Frau [Name] erfüllte die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war jederzeit vorbildlich. Aufgrund seiner/ihrer Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und Verlässlichkeit war Herr/Frau [Name] fachlich wie persönlich allseits sehr geschätzt.

Herr/Frau [Name] verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr und danken ihm/ihr für die stets hervorragende Zusammenarbeit. Für seine/ihre berufliche und private Zukunft wünschen wir ihm/ihr weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

[Ort], den TT.MM.JJJJ
[Unterschrift Arbeitgeber]

Vorlage Note 2 – gut

Ein gutes Zeugnis ist eine positive Bewertung. Die Formulierungen sind etwas zurückhaltender als bei Note 1, bleiben aber durchgehend wertschätzend.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis – gut

Herr/Frau [Name], geboren am [Geburtsdatum] in [Ort], war vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ in unserem Unternehmen als [Jobtitel/Position] tätig.

[Optional: kurze Beschreibung des Unternehmens, der Branche und des Geschäftsfeldes.]

Zu seinen/ihren Aufgaben gehörten insbesondere:

  • [wichtige Aufgabe 1]
  • [wichtige Aufgabe 2]
  • [wichtige Aufgabe 3]
  • [besonderes Projekt oder Verantwortungsbereich]

Herr/Frau [Name] verfügte über ein sehr gutes Fachwissen, das er/sie stets sicher und zielgerichtet in der Praxis einsetzte. Neue Aufgabenstellungen erfasste er/sie schnell und setzte diese effizient und zuverlässig um.

Seine/Ihre Arbeitsweise war stets strukturiert, sorgfältig und von Eigeninitiative geprägt. Auch unter hoher Arbeitsbelastung erzielte Herr/Frau [Name] gute Ergebnisse.

Besonders hervorzuheben ist [konkreter Erfolg, Projekt oder besondere Leistung].

Herr/Frau [Name] erfüllte die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.

Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei. Herr/Frau [Name] trug durch seine/ihre kooperative und teamorientierte Art zu einer guten Zusammenarbeit bei.

Herr/Frau [Name] verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir bedauern diese Entscheidung und danken ihm/ihr für die stets gute Zusammenarbeit. Für seine/ihre berufliche und private Zukunft wünschen wir ihm/ihr weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

[Ort], den TT.MM.JJJJ
[Unterschrift Arbeitgeber]

Vorlage Note 3 – befriedigend

Die Note 3 entspricht einer durchschnittlichen Leistungsbewertung. Entscheidend ist die sogenannte Zufriedenheitsformel „zur vollen Zufriedenheit“.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis – befriedigend

Herr/Frau [Name], geboren am [Geburtsdatum] in [Ort], war vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ in unserem Unternehmen als [Jobtitel/Position] tätig.

[Optional: kurze Beschreibung des Unternehmens, der Branche und des Geschäftsfeldes.]

Zu seinen/ihren Aufgaben gehörten insbesondere:

  • [wichtige Aufgabe 1]
  • [wichtige Aufgabe 2]
  • [wichtige Aufgabe 3]

Herr/Frau [Name] verfügte über ein solides Fachwissen, das er/sie in der Praxis sicher einsetzte. Neue Aufgabenstellungen erfasste er/sie und setzte diese sachgerecht um.

Seine/Ihre Arbeitsweise war sorgfältig und zuverlässig. Die ihm/ihr übertragenen Aufgaben erledigte Herr/Frau [Name] zu unserer vollen Zufriedenheit.

Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war einwandfrei.

Herr/Frau [Name] verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir danken ihm/ihr für die Zusammenarbeit und wünschen ihm/ihr für die berufliche und private Zukunft alles Gute und viel Erfolg.

[Ort], den TT.MM.JJJJ
[Unterschrift Arbeitgeber]

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Welche Note soll ich mir im Arbeitszeugnis geben?

Bewerten Sie sich nicht automatisch mit Note 1. Entscheidend ist, welche Beurteilung Ihre tatsächliche Leistung rechtfertigt und der Arbeitgeber anschließend mitträgt. Die wichtigste Abstufung erkennen Sie an der Zufriedenheitsformel:

Note

Typische Formulierung

Note 1 – sehr gut „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“
Note 2 – gut „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“
Note 3 – befriedigend „zu unserer vollen Zufriedenheit“
Note 4 – ausreichend „zu unserer Zufriedenheit“
Note 5 – mangelhaft „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“
Note 6 – ungenügend „hat sich bemüht, die übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen“

Wichtig ist die Konsistenz: Eine „sehr gute“ Gesamtformel wirkt widersprüchlich, wenn Fachwissen, Arbeitsweise und Sozialverhalten im restlichen Text nur durchschnittlich beschrieben werden. Beispiele zur allen sechs Bewertungsstufen finden Sie in unserem Ratgeber: Arbeitszeugnis Noten.

Arbeitszeugnis selber schreiben: 7 häufige Fehler

Der größte Vorteil beim Selbstschreiben kann zugleich zur Falle werden: Sie kennen Ihre Arbeit „sehr gut“ und übersehen deshalb leicht, was ein Außenstehender nicht wissen kann. Vermeiden Sie insbesondere diese Fehler:

  • Aufgaben nur aus dem Lebenslauf kopieren

    Ein Arbeitszeugnis sollte mehr leisten als der Lebenslauf. Beschreiben Sie Verantwortungsbereiche konkret und ergänzen Sie relevante Projekte und Leistungen.

  • Wichtige Tätigkeiten vergessen

    Was für Sie selbstverständlich ist, kennt ein künftiger Arbeitgeber nicht. Prüfen Sie deshalb, ob die Beschreibung ein realistisches Bild Ihrer Position vermittelt.

  • Nur Adjektive statt Erfolge verwenden

    „Engagiert“, „erfolgreich“ und „hervorragend“ wirken überzeugender, wenn konkrete Ergebnisse, Projekte oder Verantwortungsbereiche dahinterstehen.

  • Zu dick auftragen

    Ein Text voller Superlative wirkt schnell künstlich. Ein sehr gutes Zeugnis braucht starke Bewertungen, aber keine Lobhudelei in jedem Satz.

  • Noten widersprüchlich formulieren

    Achten Sie darauf, dass Fachwissen, Motivation, Arbeitsweise, Arbeitserfolg und Gesamtbewertung auf einem vergleichbaren Niveau liegen.

  • Unbeabsichtigt schlechte Codes verwenden

    Scheinbar freundliche Aussagen können die Bewertung abschwächen. Beispiele sind „war bemüht“, „zeigte Interesse“ oder „im Großen und Ganzen“. Die wichtigsten Arbeitszeugnis Formulierungen sollten Sie deshalb vor Abgabe kontrollieren.

  • Vorlage unverändert übernehmen

    Ein Muster ist ein Ausgangspunkt, kein fertiges persönliches Zeugnis. Passen Sie Aufgaben, Kompetenzen, Erfolge und Bewertung an Ihre tatsächliche Tätigkeit an.

Wer muss das selbst geschriebene Arbeitszeugnis unterschreiben?

Sie schreiben einen Entwurf, unterschreiben Ihr Arbeitszeugnis aber nie selbst! Aussteller bleibt der Arbeitgeber. Das endgültige Zeugnis muss deshalb von einer vertretungsberechtigten oder Ihnen gegenüber ranghöheren Person auf Arbeitgeberseite erteilt werden. Seit 2025 erlaubt § 109 GewO mit Ihrer Einwilligung auch die elektronische Form. Bei einem klassischen schriftlichen Arbeitszeugnis erhalten Sie dagegen die vom Arbeitgeber ausgestellte und unterschriebene Fassung.

Prüfen Sie diese endgültige Version noch einmal sorgfältig. Der Arbeitgeber darf Ihren Entwurf verändern. Kontrollieren Sie deshalb nicht nur Rechtschreibung und Daten, sondern auch Aufgabenbeschreibung, Leistungsnote und Sozialverhalten. Wird aus Ihrem guten Entwurf dabei unberechtigt ein schlechtes Arbeitszeugnis, können Sie eine Korrektur verlangen.

Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei einem konkreten arbeitsrechtlichen Streit sollten Sie sich fachkundig beraten lassen.


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