Sorgfalt: Eine gern gesehene Eigenschaft

Wann immer Sie nach Jobs in Stellenanzeigen Ausschau halten, wird Ihnen eine Eigenschaft unter die Augen kommen, die nahezu immer auftaucht: Sorgfalt. Sie wird gerne vorausgesetzt, allein: Nicht jeder verfügt darüber. Teilweise wird die Wichtigkeit unterschätzt, teilweise ist es der Zeit geschuldet. Hier spielt ein gutes Zeitmanagement eine nicht unwesentliche Rolle. Wie viel Sorgfalt jemand auf etwas verwendet, hängt natürlich auch davon ab, wie bedeutsam es für ihn persönlich ist: Dinge, die wirklich gut werden müssen, bearbeiten wir für gewöhnlich mit großer Sorgfalt. Wofür Sorgfalt wichtig ist und wie Sie sorgfältiger werden können…

Sorgfalt: Eine gern gesehene Eigenschaft

Sorgfältigkeit oder Sorgfalt: Was ist der Unterschied?

Zunächst einmal: Sind Sorgfalt und Sorgfältigkeit ein und dasselbe? Ja und nein. Beide Begriffe werden synonym verwendet, aber streng genommen bedeutet Sorgfältigkeit, dass jemand etwas mit Sorgfalt erledigt. Sorgfältigkeit wird eher als Wesensmerkmal gesehen.

Andererseits taucht Sorgfalt ebenso als Persönlichkeitsmerkmal im Big Five auf, dem Fünf-Faktoren-Model der Persönlichkeitspsychologie.

Synonym zu Sorgfalt können Sie nämlich sprechen von:

  • Akkuratesse
  • Akribie
  • Behutsamkeit
  • Detailtreue
  • Exaktheit
  • Genauigkeit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Gründlichkeit
  • Korrektheit
  • Sorgfältigkeit
  • Sorgsamkeit
  • Umsicht
  • Vorsicht

Sorgfalt auf Englisch heißt übrigens diligence, accuracy, carefulness oder meticulousness. Die Synonyme von Sorgfalt haben natürlich je nachdem bestimmte Nuancen. Beispielsweise wird Akribie bei einem Herzchirurgen eine sehr wertvolle Tugend sein.

Es gibt allerdings Bereiche, in denen nicht die gleiche Sorgfalt nötig ist wie bei einer lebenserhaltenden Herzoperation, so dass diese Akribie schnell in Pedanterie ausarten kann. Oder aber es führt dazu, dass jemand sich total in seiner Arbeit verzettelt und in Kleinigkeiten verliert.

Sorgfalt Bedeutung: Mit Genauigkeit ans Ziel

Sorgfältigkeit oder Sorgfalt Bedeutung synonym Definition Jura englisch VerbSorgfalt bedeutet, mit Genauigkeit, Behutsamkeit oder auch Detailverliebtheit seine Arbeit auszuführen. Dafür bedarf es je nach Beruf eines großen Fingerspitzengefühls.

Gerade, wenn es um sehr diffizile Tätigkeiten geht, bei denen der kleinste Fehler dramatische Auswirkungen hat, ist vor allem Geduld und Langsamkeit gefragt.

Es gibt wie erwähnt zahlreiche Synonyme für Sorgfalt. Bei Begriffen wie Umsicht, Vorsicht und Sorgfalt selbst schwingt inhaltlich immer auch die Sorge mit: Beispielsweise wird feinstes Porzellan besonders vorsichtig behandelt und verpackt – aus Angst, dass es kaputt gehen könnte.

Sorgfalt ist in vielen Berufen von Bedeutung. Denn damit werden Richtigkeit, Übereinstimmung und Zielgerichtetheit verbunden, ebenso wie Exaktheit. Diese spielt vor allem in den Wissenschaften eine große Rolle.

Wird von exakter Wissenschaft gesprochen, dann wird damit ausgesagt, dass Informationen und Erkenntnisse überprüfbar sind. Zu den exakten Wissenschaften gehören in dieser Definition die Naturwissenschaften – Geisteswissenschaften sind nicht durch vergleichbare Gesetzmäßigkeiten überprüfbar.

Zwischen Unentbehrlichkeit und Zwang

Von jedem Arbeitgeber wird erwartet, dass er nach bestem Gewissen und Vermögen seine Aufgaben ordentlich, gewissenhaft und fehlerfrei erledigt. Wer Sorgfalt walten lässt, der erledigt seine Aufgaben nicht nur oberflächlich, sondern achtet auch auf Details.

Seine Arbeit hält also auch einer genaueren Überprüfung stand. Das Gegenteil von Sorgfalt wäre Nachlässigkeit, passiert es mutwillig, wäre von Schlamperei oder gar Gleichgültigkeit zu sprechen. Aber selbst sonst so positive Eigenschaften wie Spontaneität kann sich negativ auswirken und zu mangelnder Sorgfalt führen:

Wenn für eine Schnapsidee Dinge nicht mehr überprüft werden. Oder wenn die Story im Vordergrund steht und die Quellen nicht hinterfragt werden: Sowohl für Geisteswissenschaftler (etwa Historiker), als auch Journalisten steht Sorgfalt hier an vorderster Stelle.

Sorgfalt in diesem Zusammenhang heißt ebenfalls, sich der Konsequenzen bewusst zu sein, welche Informationen an die Öffentlichkeit gegeben werden dürfen oder müssen und welche nicht.

Denn eine einseitige Berichterstattung kann Wahlergebnisse beeinflussen, wie aktuell sehr eindeutig am Brexit-Votum in Großbritannien ersichtlich ist. Ganze Unternehmen können in die Schieflage beziehungsweise reale Existenznot geraten, wenn von einer bevorstehenden Insolvenz berichtet wird, obwohl es sich lediglich um ein Gerücht ohne Beweise handelt.

Gleichzeitig gilt für Sorgfalt wie für alle Eigenschaften, die bis ins Extrem getrieben werden: Zu viel schadet. Wer alles tausendprozentig machen will, wirkt pedantisch, perfektionistisch. Darüber hinaus kostet so ein Verhalten dann mehr Zeit, als sich im Endeffekt rechnet, es ist also nicht effizient.

Sorgfalt Definition Jura: Beispiele für mangelnde Sorgfalt

Sorgfalt in juristischem Sinne bedeutet die Rechtspflicht von Personen, sich nach den Rechtsnormen zu richten. Diese Definition ist eng mit den Begriffen Sorgfaltspflichtverletzung und Fahrlässigkeit verbunden.

Um beurteilen zu können, inwiefern jemand seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist, muss zuvor definiert sein, wie eine Person sich in einer bestimmten Situation zu verhalten hat.

Dazu gibt es nicht nur Gesetze, sondern auch ungeschriebene Sorgfaltsregeln: Es ist beispielsweise gemeinhin bekannt, dass man nicht im Badewasser liegend die Haare föhnen sollte – dennoch kommt es jährlich zu tödlichen Stromunfällen.

Nach juristischen Maßstäben wird im Hinblick auf Verkehrsdelikte die Sorgfalt beurteilt, indem das Verhalten eines Täters mit dem zu erwartenden Verhalten von anderen Normalbürgern verglichen wird: Umsichtiges Handeln, Erfahrungswerte und Befolgen von Gesetzen wird vorausgesetzt.

Wie gravierend die Folgen von mangelnder Sorgfalt ist, wird juristisch in einfache (oder leichte), mittlere und grobe Fahrlässigkeit eingeteilt. Letzteres wird als Leichtfertigkeit benannt und liegt vor, wenn die Sorgfalt in außerordentlich hohem Maße verletzt wird:

Es wird eine Handlung begangen, bei der jeder klar denkende Mensch die Konsequenzen absehen kann, aber diese werden entweder nicht gesehen oder ignoriert. Bestes Beispiel hierfür war eine Anfang der 2000er Jahre ausgestrahlte Sendung, Jackass, die neun Hauptakteure bei ihren oftmals haarsträubenden Stunts zeigte.

Fahrlässigkeit spielt auch eine Rolle im Arbeitsrecht. Leichte Fahrlässigkeit liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer etwas versehentlich fallen lässt. Eine mittlere Fahrlässigkeit liegt vor, wenn ein Kraftfahrer beispielsweise die Tür zum LKW offen und den Schlüssel stecken lässt.

Grob fahrlässig ist, wenn der LKW-Fahrer die erforderliche Sorgfalt verletzt und beispielsweise sich während der Fahrt auf der Autobahn nach seinem heruntergefallenen Smartphone bückt.

Tipps für mehr Sorgfalt

Und warum spielt Sorgfalt so eine große Rolle? Wir wollen negative – vor allem juristische – Konsequenzen vermeiden. Kommt durch Unachtsamkeit beim Autofahren ein anderer Mensch ums Leben, leidet auch der Verursacher dauerhaft. Selbst bei weniger dramatischen Fällen geht es darum, mögliche Schäden und damit Schadensersatz vorzubeugen.

Was Sie tun können, um sorgfältiger zu werden:

  • Zeit

    Einer der wichtigsten Faktoren für Sorgfalt ist Zeit. Bei einigen Tätigkeiten kann sich ein Arbeitgeber vielleicht nicht die notwendige Zeit geben, bei anderen ist es unabdingbar – etwa wenn es wie oben ausgeführt gilt, Unfälle und Schaden zu vermeiden.

    Es ist ganz klar, dass eine Steigerung der Geschwindigkeit immer nur bis zu einem gewissen Punkt möglich ist. Wird dieser überschritten, lässt die Qualität nach. Stehen einer Pflegekraft pro Patient vier Minuten zur Verfügung, ist klar, dass diese Zeit für das Wichtigste – vermutlich lebenserhaltende Maßnahmen – aufgewandt wird.

    Nicht mit inbegriffen ist dann oftmals persönliche Zuwendung. Wer sorgfältiger werden will, hat einen eher ganzheitlichen Ansatz. Sie können die Konsequenzen Ihres Handelns absehen und entscheiden, welche Aspekte Bedeutung haben und fügen sie hinzu.

    Wer beispielsweise einen Geschäftspartner verärgert hat und diesen nicht verlieren will, muss auch hier Zeit investieren: Für ein klärendes Gespräch, für Nachbesserung des Produkts oder Services und Ähnliches.


  • Aufmerksamkeit

    Sorgfalt setzt Aufmerksamkeit voraus. Sie sind in der Lage, Reize aus Ihrer Umgebung entsprechend zu filtern und zwischen wichtigen und unwichtigen zu entscheiden. Es ist quasi die Vorstufe der Konzentration. Sie verfügen zudem über eine gute Beobachtungsgabe und erkennen den Unterschied zwischen guter und eher mäßiger Arbeit.

    Das kann die Beschaffenheit von Produkten sein, die Verarbeitung, das Material. Sie erkennen die Qualität, da Sie über entsprechende Expertise in diesem Bereich verfügen. Und weil Sie den Unterschied erkennen und über das nötige Fachwissen verfügen, können Sie die Arbeit nachahmen.


  • Haltung

    Zugegebenermaßen, dies ist ein Luxus, den sich nicht jeder und schon gar nicht in jeder Situation leisten kann. Aber wie sorgfältig Sie sind, ist eine Frage der inneren Haltung, mitunter auch der Arbeitsmoral. Wer das, was er tut, gerne tut, der will eine bestimmte Qualität abliefern und weiß, dass er dafür gegebenenfalls mit seinem Namen bürgt.

    Gerade Selbständige, die dabei sind, eine eigene Marke aufzubauen, werden das im Hinterkopf haben. Verwenden sie zu wenig Sorgfalt auf eine Arbeit, springt der Kunde womöglich ab.

    Aber auch Arbeitnehmer können vermutlich besser damit leben, als High Performer denn als Minderleister im Unternehmen bekannt zu sein. Zumal hinter einer absolvierten Leistung durchaus Stolz stecken darf.


  • Konzentration

    Etwas mit Sorgfalt zu erledigen bedeutet, sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren. Das heißt auch, dass Sie Ablenkungen am besten vermeiden. Das geht nicht immer – beispielsweise, wenn das Telefon auf Sie umgeleitet ist, weil sich der Kollege im Urlaub befindet.

    Dennoch ist es wichtig, dass Sie bewusst die Ablenkungen ausschalten, die vermeidbar sind. Also beispielsweise das Smartphone beiseite legen oder lautlos stellen. Wer Gefahr läuft, sich beim Surfen im Internet auf bestimmten Seiten zu verlieren, kann diese sperren. Wenn es darum geht, eine Lärmkulisse auszuschalten, können Ohrstöpsel oder Kopfhörer mit ruhiger Musik hilfreich sein.

    Versuchen Sie niemals, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun: Multitasking funktioniert in den seltensten Fällen – und gerade dann, wenn etwas gut werden soll, brauchen Sie die volle Konzentration für diese eine Sache.

[Bildnachweis: Ivanko80 by Shutterstock.com]
5. Februar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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