Ruf: Die Bedeutung einer guten Reputation

Anything goes – die Vielfalt der Möglichkeiten heutzutage lässt manche vergessen, was ein guter Ruf bedeutet. Auf der einen Seite stehen Menschen zumindest in Großstädten nicht mehr unter der strengen Beobachtung ihrer Mitmenschen. Das war früher und vor allem auf dem Dorf anders. Den Nachbarn blieb und bleibt kaum etwas verborgen, jeder kennt jeden und es wird geredet. Auf der anderen Seite trägt die Nutzung des Internets und sozialer Kanäle dazu bei, dass ganz andere Reichweiten erzielt werden. Das gilt für Sie als Einzelperson ebenso wie für Unternehmen. Was Sie hier von sich preisgeben, kann im Positiven wie im Negativen zu Ihrem Ruf beitragen. Worauf Sie achten sollten…

Ruf: Die Bedeutung einer guten Reputation

Guter Ruf Definition: Abhängig von der Meinung anderer

Guter Ruf Definition SynonymWenn wir davon reden, dass jemand einen Ruf hat, dann ist damit gemeint, dass eine vorherrschende Meinung über diese Person existiert. Ob jemand einen guten oder einen schlechten Ruf hat, ist vorrangig abhängig von der Meinung anderer.

Jeder bewertet andere Menschen aufgrund bestimmter Erfahrungen. In manchen Fällen kommt diese Bewertung zustande, ohne dass es eigene Erfahrungen gibt und ohne dass sie überprüft wurden. Derjenigen Person eilt ein Ruf voraus, Gerüchte sind im Umlauf. Das müssen nicht zwangsläufig negative Gerüchte sein.

Beispielsweise kann ein Mediziner den Ruf haben, besonders einfühlsam mit seinen Patienten umzugehen. Ebenso gut kann ein Unternehmen einen schlechten Ruf aufgrund einer hohen Fluktuationsrate haben.

Handelt es sich um einen schlechten Ruf, ist jemand oder etwas in Verruf geraten. Umgekehrt bedeutet ein guter Ruf, dass jemand oder etwas ein hohes Ansehen und Wertschätzung genießt. Synonym zu Ruf wird gesprochen von:

  • Bild
  • Image
  • Leumund
  • Namen
  • Prestige
  • Renommee
  • Reputation
  • Stellung

Reputation ein Produkt sozialer Kontrolle

Jede Gesellschaft hat ihre Normen und Werte, die sich in Gesetzen niederschlagen. Manche davon werden bei Nichteinhaltung zwar nicht juristisch verfolgt, dennoch gesellschaftlich geahndet. Das passiert, indem derjenige, der die Regeln missachtet, deutlich die Missbilligung anderer zu spüren bekommt und schlimmstenfalls aus der Gemeinschaft ausgestoßen wird.

Leicht nachvollziehbar wird das bis in die heutige Zeit anhand der Sexualmoral. Selbst in vermeintlich freizügigen und aufgeklärten Gesellschaften wie den westlichen ist der Ruf einer Frau häufig an ihre Sexualität geknüpft. Die Kurzfassung: Frauen werden anders bewertet als Männer.

Erkennbar ist das an Phänomenen wie Cybermobbing und Sexting. Landen Bilder nackter Männer oder Jungen im Internet, sorgt das für Erheiterung, vielleicht einen kurzen Aufreger. Bei Frauen und Mädchen führt dies zu einem Skandal, denn von ihnen wird sexuelle Zurückhaltung erwartet. Der gute Ruf ist ruiniert, fortan sind sie oftmals stigmatisiert.

Guter Ruf Geruechte Reputation Leumund Spruch

Ob es so leicht funktioniert wie in dem obigen Bonmot, darf zumindest für einige Fälle bezweifelt werden. Andererseits bringt er auch zum Ausdruck: Der Ruf eines Menschen hängt mit den Erwartungen der anderen zusammen.

Auf der einen Seite stehen Frauen, die sich im Zuge beginnender Anfeindungen das Leben nehmen. Auf der anderen Seite stehen Prominente wie Paris Hilton, die rufgefährdende Skandale als Marketinginstrument einsetzen.

Ist die Erwartungshaltung besonders hoch, kann sie fast nur enttäuscht werden. Das allein müsste noch keinen guten oder schlechten Ruf bedingen. Mitunter geht es um Werte wie Gerechtigkeit und das Einhalten von Regeln.

Wenn eine Person diese Regeln übertritt, dann muss es anderen ebenso erlaubt sein. Ausnahmen werden nur bis zu einem gewissen Grad Institutionen oder Personen in Machtpositionen zugestanden, also beispielsweise der Polizei und/oder sehr einflussreichen beziehungsweise mächtigen Personen.

Zitate und Sprüche: Guter oder schlechter Ruf?

  • Die meisten Menschen denken hauptsächlich über das nach, was die anderen Menschen über sie denken. Sean Connery
  • Ein Image und ein Mensch sind zweierlei. Es ist verdammt schwer, einem Image gerecht zu werden. Elvis Presley
  • Einen Ruf erwirbt man sich nicht mit Dingen, die man erst tun wird. Henry Ford
  • Die Wahrheit über einen Menschen liegt auf halbem Wege zwischen seinem Ruf und seinem Nachruf. Robert Lembke
  • Man hat einen zu guten oder einen zu schlechten Ruf; nur den Ruf hat man nicht, den man verdient. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Viele Frauen sind nur auf ihren guten Ruf bedacht; aber die anderen werden glücklich. Josephine Baker
  • Wenn man genug Geld hat, stellt sich der gute Ruf ganz von selbst ein. Erich Kästner
  • Ich habe immer gefunden, die sogenannten schlechten Leute gewinnen, wenn man sie genauer kennenlernt, und die guten verlieren. Georg Christoph Lichtenberg
  • Ein Leben, es sei so gut, wie es wolle, währt nur eine kurze Zeit; aber ein guter Name bleibt ewig. Bibel, Altes Testament
  • Manche werden als bedeutende Menschen geboren, manche erlangen Bedeutung – und manche beauftragen PR-Berater. Daniel Boorstin

Hilfsbereitschaft steigert das Ansehen

Die Anthropologen der Universität von Missouri, Shane J. Macfarlan, Robert Quinlan und Mark Remiker, fanden in ihrer Studie heraus, dass es vor allem eine Eigenschaft ist, die den Ruf beeinflusst: Hilfsbereitschaft.

In ihren Feldforschungen auf der Karibikinsel Dominica beobachteten sie das Zusammenspiel von 400 Einheimischen beim Anbau und der Destillation von Westindischem Lorbeer. Die Arbeit ist sehr aufwendig, so dass jeder Bauer auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Gleichzeitig fordert kein Bauer die Hilfe von sich aus ein. Es existiert vielmehr eine ungeschriebene Regel, die besagt, dass demjenigen geholfen wird, der selbst geholfen hat.

Das Team um Shane J. Macfarlan stellte fest, dass der Ruf einer Person nicht von den hilfsbereiten Einsätzen abhing, sondern davon, wie vielen Menschen im Endeffekt geholfen wurde. Es machte für die positive Bewertung also einen Unterschied, ob einer Person fünfmal oder fünf Personen einmal geholfen wurde.

Diese Beliebtheit schlug sich wiederum in der Unterstützung nieder, die diese Bauern von ihren Kollegen erhielten. Dabei zeigte sich außerdem, dass jüngere Kollegen beliebter als die älteren waren. Grund dafür ist sehr wahrscheinlich, dass die jüngeren Bauern die anstrengende Arbeit besser bewältigen können.

Reputation im Berufsleben überlebenswichtig

Gesellschaftliche Ächtung aufgrund eines vermeintlich unangemessenen Lebenswandels tritt im Vergleich zu früher immer weiter in den Hintergrund. Galt die Mutterschaft ohne verheiratet zu sein zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch als Makel, ist es spätestens seit der Wiedervereinigung zur Norm geworden, immerhin hat sich der Anteil der nichtehelichen Geburten seit 1990 verdoppelt.

Ungeachtet dessen ist der Ruf im Arbeitsleben von zentraler Bedeutung. Universitäten mit gutem Ruf haben einen höheren Zulauf, bekommen höhere finanzielle Mittel. Einem Unternehmen, das seinen guten Ruf einbüßt, bleiben die Kunden auf Dauer weg. Das beginnt bereits im Kleinen.

Sie haben ebenfalls ein Interesse daran, einen guten Ruf zu haben:

  • Innerhalb eines Unternehmens

    Arbeiten Sie nicht direkt mit den Entscheidungsträgern zusammen, müssen Sie anderweitig auf sich aufmerksam machen. So beispielsweise, wenn es darum geht, eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Oftmals wird in Betrieben mit anderen Kollegen zusammengearbeitet, sei es im Team oder nur in der selben Abteilung. Auch hier ist ein guter Ruf wichtig, da Sie anderenfalls Gefahr laufen, innerhalb des Betriebs ausgegrenzt zu werden. Außerdem wird man Ihnen – siehe Beispiel oben – deutlich wahrscheinlicher unter die Arme greifen, wenn es mal besonders viel Arbeit gibt.

  • Außerhalb eines Unternehmens

    Von einem guten Ruf in der Branche profitieren Sie ebenfalls, wenn Sie eine neue Stelle suchen. Manche Branchen sind recht überschaubar, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wird gerne zur Konkurrenz geschielt. Hier geht es um einen Ruf, den Sie gezielt durch Netzwerken im Laufe der Zeit aufgebaut beziehungsweise erworben haben. Das kann die Bewerbungsbemühungen deutlich erleichtern, indem Sie durch Vitamin B von Stellen auf dem verdeckten Arbeitsmarkt erfahren.

Tipps für einen guten Ruf

Da Sie es im Arbeitsleben mit anderen Menschen zu tun haben, ist es eine Frage der Sozialkompetenz, auf diese entsprechend einzugehen. Das fällt nicht immer leicht, da die eigenen Normen und Werte längst nicht alle teilen. Sie wollen jedoch vermeiden, als egoistisches Kollegenschwein wahrgenommen zu werden.

Dazu folgende Tipps:

  • Seien Sie freundlich

    Sie selbst mögen sich vielleicht als introvertiert empfinden. Ein Außenstehender hält Sie hingegen für arrogant – und das nur, weil Sie vor lauter Schüchternheit kaum Blickkontakt halten können und lieber wortlos an Kollegen vorbeigehen, die Sie nur vom Sehen kennen. Seien Sie trotzdem freundlich, auch wenn Sie keine Namen kennen. Zum einen können Sie das bei der nächsten Begegnung oder Betriebsfeier ändern und nachfragen, zum anderen schadet ein freundliches Lächeln und ein Gruß niemanden.

  • Seien Sie reflektiert

    Manch negativer Ruf entsteht aus mangelnder Reflexion. Ungefragt Tipps geben gehört dazu. Das lässt Sie schnell als Besserwisser dastehen, dabei haben Sie vielleicht wirklich nur das Beste im Sinn gehabt. Statt aber anderen Kollegen ihre Arbeit zu erklären, könnten Sie das nächste Mal fragen, ob eine Rückmeldung erwünscht ist.

  • Seien Sie hilfsbereit

    Der Spruch „gemeinsam sind wir stark“ zeigt eigentlich schon, worum es bei Teamarbeit geht. Gegenseitig bringt man sich voran. Wer seine Hilfe anbietet, steigert seine Beliebtheit und damit die Chancen auf einen guten Ruf. Entscheidend ist gar nicht unbedingt, dass die Hilfe immer angenommen werden muss – die Geste zählt oft schon. Natürlich müssen Sie auch Ihre eigenen Ressourcen im Blick haben. Es wäre sinnlos hilfsbereit zu sein, aber gleichzeitig in Arbeit zu ertrinken. Auf ein gesundes Mittelmaß kommt es an.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]
11. Dezember 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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