Arschloch: Daran erkennen Sie eins

Sie erkennen es, wenn es vor Ihnen steht: das Arschloch. Manche Menschen verdienen einfach nur diese vulgäre Bezeichnung. Auch wenn sie sich nicht sofort offenbaren – es kommt ein Punkt, an dem lässt sich nichts mehr beschönigen. Arschlöcher lügen, betrügen, tricksen und täuschen. Sie schleimen, zürnen, pöbeln und lästern. Sie mobben, dissen, treten und buckeln. Sagen wir es, wie es ist: Arschlöcher gibt es überall, ob im privaten Umfeld, im Umgang mit Behörden oder im Büro. Ist Ihr Kollege auch eins? Oder sind Sie sich noch nicht ganz sicher? Unser Arschloch-Test hilft Ihnen, es herauszufinden. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie Sie mit solchen Typen umgehen können…

Arschloch: Daran erkennen Sie eins

Definition: Was ist überhaupt ein Arschloch?

Mancher Misanthrop kommt zu dem Ergebnis, dass im Grunde genommen alle Arschlöcher seien außer man selbst. Oder zumindest 95 Prozent der Menschheit. Diese arg pauschalisierende Meinung vertreten wir natürlich nicht.

Fakt ist: Es gibt kaum einen Bereich, in dem wir nicht einem Arschloch begegnen können. Dieses derbe Schimpfwort, das wortwörtlich den After bezeichnet, wurde lange Zeit nur hinter vorgehaltener Hand gesagt. Dabei tauchen Formulierungen, die das Wort „Arsch“ beinhalten, bereits im 18. Jahrhundert auf.

Konkret heißt es in Goethes „Götz von Berlichingen“: Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken! Obwohl es immer noch als Schimpfwort gilt, ist Arschloch auf eine Art und Weise salonfähig geworden. Weit verbreitet ist es mittlerweile in der Populärkultur.

Walter Moers schuf 1986 mit „Das Kleine Arschloch“ die Figur eines kurzsichtigen Jungen, der aufgrund seiner politisch inkorrekten, ständig besserwisserischen Art keine Gelegenheit auslässt, anderen Menschen vor den Kopf zu stoßen.

Populär und unüberhörbar im Alltag unzähliger Jugendlicher angekommen ist der Begriff 1993, als die Berliner Band „Die Ärzte“ ihren Song „Schrei nach Liebe“ veröffentlichten, in dessen prägnantester Zeile es heißt: Du hast nie gelernt dich zu artikulieren und deine Freundin, die hat niemals für dich Zeit. Oh, Arschloch, Arschloch, Arschloch!

Gemeint ist in allen Fällen dasselbe: Eine Person, deren Charakter für andere so unfassbar schlecht ist, dass sie sich zu so einer Beschimpfung hinreißen lassen.

Arschlöcher richten Schaden an

Nun geht es hier längst nicht nur um persönliche Animositäten. Der amerikanische Organisationspsychologe Robert Sutton, Professor an der amerikanischen Eliteuni Stanford, hat sich auf arbeitstechnischer Ebene mit Arschlöchern auseinandergesetzt.

2008 erschien von ihm auf Deutsch „Der Arschloch-Faktor“, zehn Jahre später der „The Asshole Survival Guide“.

Seinen Erkenntnissen zufolge kosten Arschlöcher auf der Arbeit jährlich Unternehmen in den USA 24 Millionen Dollar. Grund: Sie wirken sich drastisch auf die anderen Kollegen aus. Das führt nicht nur zu Ausfällen aufgrund von psychisch und physisch erkrankten Kollegen.

Sutton rechnet in die „total asshole costs“ (TAC) weiterhin die Gesundheitskosten und die sinkende Produktivität und Leistungsbereitschaft all jener mit hinein, die einem Arschloch im direkten Arbeitsumfeld ausgeliefert sind.

Vorausschauend und nachhaltig handelnde Unternehmen versuchen solche schädlichen Mitarbeiter am besten direkt zu vermeiden. Und tatsächlich gibt es bereits einige Unternehmen, die eine No-Asshole-Rule verabschiedet haben. Bedauerlicherweise sind sie in der Minderzahl.

5 typische Vertreter im Beruf

Wir stellen hier verschiedene Typen des Arschlochs vor, mit denen Sie sehr wahrscheinlich immer mal wieder im Berufsleben zu tun haben werden. Das ist lästig, aber da nicht jedes Arschloch sich als solches sofort zu erkennen gibt, haben Sie wenig andere Möglichkeiten als wachsam zu sein und auf Ihr Bauchgefühl zu hören.

Allein zwölf solcher Arschlöcher haben die Psychologinnen Monika Wittblum und Sandra Lüpkes in ihrem Buch „Woran erkennt man ein Arschloch?“ kategorisiert. Sie alle lösen laut der Expertinnen bei ihrem Gegenüber ein „deutliches Unbehagen aus“. Wir stellen fünf weit verbreitete Typen vor:

  • Der Abgreifer

    Kennzeichen: Sie haben eine Idee und er klaut Sie Ihnen und verkauft sie als die eigene. Die mieseste Abzocke überhaupt, denn selbstverständlich erzählt man Neuigkeiten und Ideen im Vertrauen und baut auf den Anstand und die Arbeitsmoral des Kollegen. Pustekuchen. Er ist so auf den eigenen Vorteil bedacht, dass es ihm nichts ausmacht, sich dadurch den Zorn der anderen zuzuziehen.

    Tipp: Da hilft nur eins: Ebenso wenig Gnade walten lassen. Im besten Falle sind Sie nicht allein mit dieser Erfahrung, so dass Sie sich mit anderen Kollegen gegen dieses Kollegenschwein wehren können. Konfrontieren Sie ihn direkt und/oder (vor allem bei der uneinsichtigen Variante) setzen Sie den Vorgesetzten in Kenntnis.

  • Der Choleriker

    Kennzeichen: Zu Beginn ist das Arbeitsverhältnis ganz hervorragend – solange alles läuft, gibt es keinen Anlass für Kritik. Die Stunde des Cholerikers hat allerdings geschlagen, wenn mal etwas schiefgeht: Dann explodiert er regelrecht, wird ausfallend und laut.

    Tipp: Vor allem für sensible Gemüter kann das sehr unangenehm und einschüchternd sein. Ziehen Sie sich bloß nicht den Schuh an: Diese Person hat einfach geringe soziale Kompetenzen, das hat nichts mit Ihnen zu tun.

  • Der Missgönner

    Kennzeichen: Eine besonders unangenehme Form des Neides ist Missgunst, wenn Ihr Kollege nicht nur das haben möchte, was Sie haben, sondern außerdem will, dass Sie es schlechter haben als er. Er wird versuchen, Ihnen ein Bein zu stellen. Ihre Arbeit sabotieren, Ihnen Fehler unterjubeln.

    Tipp: Lassen Sie sich Ihre Arbeit nur nicht schlecht reden. Dieses Arschloch hat ein geringes Selbstwertgefühl. Sie können es in den Griff bekommen, indem Sie bei Teamleistungen seinen Part betonen, selbst wenn er deutlich geringer ausfällt als dass es der Missgönner wahrhaben will.

  • Der Besserwisser

    Kennzeichen: Ein Arschloch ist auch der Besserwisser. Ständig ist er im Korrekturmodus, kann keine Aussage gelten lassen und verkompliziert dadurch die Dinge unnötig.

    Tipp: Letztlich verbirgt sich gekränkte Eitelkeit hinter diesem Arschloch. Er fühlt sich und seine Arbeit nicht wertgeschätzt, weshalb er eine Extra-Portion Aufmerksamkeit und Lob braucht.

  • Der Radfahrer

    Kennzeichen: Die Metapher ist Programm: Nach oben buckeln, nach unten treten. Vorgesetzten und Kunden gegenüber verhält sich dieses Arschloch tadellos – auf der Ebene darunter werden Stress und Frust abgeladen.

    Tipp: So ein Verhalten tötet das Betriebsklima. Am besten verständigen Sie sich mit Ihren Kollegen und sprechen ihn geschlossen darauf an, dass eine vertrauensvolle und produktive Zusammenarbeit so nicht möglich ist. Lässt der Druck nicht nach, sollten Sie den Vorgesetzten oder den Betriebsrat in Kenntnis setzen.

Du bist ein Arschloch, weil…

Arschloch Grafik Spruch Umgang ArschloecherSie stehen also in der Teeküche und räumen die Spülmaschine aus. Ihr Kollege kommt rein und gibt Ihnen einen Klaps auf den Po. Ist Ihr Kollege ein Arschloch? Sicher. Derart sexistisches Verhalten kommt heutzutage nicht mehr allzu häufig vor, zu groß die Gefahr, im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes (AGG) abgestraft zu werden.

Noch ein anderes Beispiel. Sie sitzen im Meeting und machen einen Vorschlag. Ihr Kollege prustet los und schüttelt hämisch grinsend den Kopf.

Ein Arschloch? Natürlich.

Einen Arschloch-Kollegen erkennt man normalerweise ziemlich leicht. Manchmal aber entpuppt sich jemand erst nach genauem Hinsehen als eines. In Ihrem Büro befindet sich auch so ein Exemplar, das Sie noch nicht so recht kategorisieren können? Wir übernehmen das für Sie.

Der Test: Ist Ihr Kollege ein Arschloch?

Arschloch Umgang mit schwierigen Kollegen TestUnser Arschloch-Test sagt Ihnen, ob und was für ein A-loch Ihr Kollege ist (entschuldigen Sie bitte die inflationäre Verwendung des Begriffs Arschloch. Das ist in diesem Falle leider unvermeidlich, kommt aber so schnell nicht wieder vor. Versprochen.). Der Test ist natürlich nur halbernst gemeint, enthält aber dennoch einige Fünkchen Wahrheit…

  1. Sie kommen um 9 Uhr mit einem freundlichen „Guten Morgen“ zur Tür hinein. Wie antwortet Ihr Kollege?

    • „Selber guten Morgen“ (gähnend). 1 Punkt
    • „Na, sind Sie auch schon da?“ 2 Punkte
    • [Gar nicht] 3 Punkte
  2. Sie sind im Meeting. Was macht Ihr Kollege?

    • Er feilt sich wie Jogi Löw heimlich die Fingernägel. 1 Punkt
    • Er wirkt geistig abwesend, fällt Ihnen aber trotzdem ständig ins Wort. 3 Punkte
    • Er liest unter dem Tisch seine neuesten WhatsApp-Nachrichten auf dem Handy. 2 Punkte
  3. Ihr Kollege ist gerade vor Ihnen so richtig aus der Haut gefahren. Passiert ihm so etwas häufiger?

    • Manchmal. 2 Punkte
    • Alle Jubeljahre einmal. 1 Punkt
    • Regelmäßig. 3 Punkte
  4. Eine Kollegin ist heute extrem aufreizend angezogen. Wie lästert Ihr Kollege?

    • Er erzählt Ihnen einen anstößigen Witz. 2 Punkte
    • Er schnalzt ekelig mit der Zunge. 3 Punkte
    • Er grinst Sie schelmisch an. 1 Punkt
  5. Auf welches Statussymbol legt Ihr Kollege Wert?

    • Auf seine Position/Jobtitel. 3 Punkte
    • Auf sein schnelles Auto auf dem Firmenparkplatz. 2 Punkte
    • Auf seine Designerklamotten. 1 Punkt
  6. Was ist das Schlimmste, das Ihnen Ihr Kollege je angetan hat?

    • Er hat Ihnen eine Idee geklaut und als seine eigene ausgegeben. 3 Punkte
    • Er hat Ihnen vor versammelter Mannschaft einen blöden Spruch reingedrückt. 2 Punkte
    • Er hat Sie nicht in seinen Verteiler aufgenommen, als er ein paar Kollegen zum Kneipenbummel eingeladen hat. 1 Punkt
  7. Welchen Makel hat Ihr Kollege?

    • Er ist eitel. 2 Punkte
    • Er lügt. 3 Punkte
    • Er ist laut. 1 Punkt
  8. Einen schlechten Tag hat jeder mal. Wie oft hat Ihr Kollege einen?

    • Täglich. 3 Punkte
    • Wöchentlich. 2 Punkte
    • Monatlich. 1 Punkt
  9. Sie bitten Ihren Kollegen um einen Gefallen. Wie reagiert er?

    • Er lacht Sie aus. 3 Punkte
    • Er tut so, als er hätte er sie nicht gehört. 1 Punkt
    • Er winkt ab. 2 Punkte
  10. Ihr Kollege kommt gerade zur Tür herein. Wie fühlen Sie sich?

    • Klein. 3 Punkte
    • Unwohl. 2 Punkte
    • Neutral. 1 Punkt

Hier geht’s zur Auswertung

Addieren Sie nun alle gesammelten Punkte zusammen. Zur Auflösung gelangen jeweils hier:

Umgang mit Arschlöchern

Bevor Sie jemanden vorschnell als Arschloch titulieren: Nicht jedes Verhalten verdient diese Bezeichnung. Eine inflationäre Benutzung des Begriffs führt zur Verwässerung und erschwert eine Kennzeichnung des Verhaltens, das wirklich sanktioniert gehört.

Um zu einer schlüssigen Bewertung zu gelangen, sollten Sie nicht nur obige Kriterien der Arschlochtypen überprüfen. Auch Aspekte wie die Tagesform des Kollegen oder das eigene Verhalten sollten beachtet werden. Schließlich hat jeder mal einen schlechten Tag.

Und wenn wer selbst unfreundlich, respektlos und unsensibel auftritt, muss sich natürlich nicht wundern, wenn sein Kollege ebenfalls ruppig wird. Sutton zufolge trägt das moderne Arbeitsleben mit seiner Rund-um-die-Uhr-Mentalität, zunehmendem Schlafmangel und daraus resultierender Hektik dazu bei, dass wir solchen Arschlöchern immer häufiger begegnen oder sogar selbst zum Arschloch mutieren.

Was also tun, wenn wir es mit so jemanden zu tun bekommen? Der Gang zur Personalabteilung ist nicht immer hilfreich. Die hat es im Ernstfall verbockt. Darüber hinaus kann sich das Ganze zum Eigentor entwickeln. Dann nämlich, wenn Sie in der Hierarchie unter dem Fiesling stehen und der weiß, welche Strippen er ziehen muss.

Grundsätzlich haben Sie diese Möglichkeiten:

  • Feedback

    Jemanden direkt auf sein Verhalten anzusprechen statt über ihn zu reden ist nicht nur eine Frage des Anstands. Wie soll er sein Verhalten ändern, wenn er nicht weiß, dass er sich doof verhält? Denn auch das ist möglich, dass jemand aus Unbesonnenheit anderen vor den Kopf stößt.

    Ein klares Feedback erfordert allerdings Mut. Gerade wenn es sich um ein Abhängigkeitsverhältnis handelt, das Arschloch Ihnen also hierarchisch übergeordnet ist, fällt es vielen Menschen schwer. Am ehesten erlauben sich das solche, die emotional gefestigt sind und wissen, dass sie sich auf andere verlassen können.

  • Bündnisse

    Um so wichtiger ist es, Bündnisse mit anderen Kollegen einzugehen, sich des Rückhalts der anderen zu vergewissern. So können Sie dem Arschloch zeigen, dass es keine persönliche Abneigung ist, sondern er im Begriff ist, es sich mit sämtlichen anderen Kollegen ebenfalls zu verscherzen. Wichtig ist allerdings Geschlossenheit untereinander, anderenfalls wird sich das Arschloch einzelne „Bündnispartner“ herauspicken und gegeneinander ausspielen.

  • Distanz

    Feedback- und Konfliktgespräche sind immer auch eine Frage der Zeit und Energie: Lohnt es sich? Wird die Person sich einsichtig zeigen? Oder ist bereits abzusehen, dass sie keinerlei Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen wird? In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, auf Distanz zu gehen.

    Für Personen, die nicht direkt mit so einem Arschloch zusammenarbeiten müssen, reicht es, wenn der Kontakt auf das Notwendigste beschränkt wird. Manche Menschen können die notwendige Gelassenheit entwickeln, um sich innerlich gegen solche Arschlöcher abzuschirmen. Das kann funktionieren, wenn Sie beispielsweise wissen, dass Sie den derzeitigen Job (beispielsweise bei einem befristeten Arbeitsvertrag) ohnehin nur noch eine bestimmte Zeit ausüben werden.

    Ist die tägliche Zusammenarbeit jedoch Bedingung und können Sie nichts am Verhalten des Kollegen ändern, sollten Sie überlegen, ob es unter Umständen für Sie gesünder ist, einen Jobwechsel anzustreben.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
1. Oktober 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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