Soziopath: 10 Anzeichen, dass Sie mit einem zusammenarbeiten

Wer den Begriff Soziopath hört, denkt vermutlich sofort an Kriminelle. Ganz so verkehrt ist diese Vermutung nicht, haben Soziopathen doch Eigenschaften, die eine kriminelle Karriere zumindest begünstigen. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass dieser Menschentypus weiter verbreitet ist, als gedacht. Leider begegnen Sie wahrscheinlich auch im Job dem ein oder anderen Soziopathen, den Sie als solchen erkennen müssen, um richtig reagieren zu können. Denn: Alle Soziopathen eint die Rücksichtslosigkeit anderen Zeitgenossen gegenüber. Was Sie dazu wissen sollten und wie Sie sich vor einem Soziopathen schützen können…

Soziopath: 10 Anzeichen, dass Sie mit einem zusammenarbeiten

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Definition: Was macht einen Soziopathen aus?

Der Begriff Soziopath leitet sich von einem Kunstwort ab, das eine Störung des Sozialverhaltens eines Menschen beschreibt:

Soziopathie stammt von lateinisch socius = Gefährte oder Genosse und altgriechisch páthos = Leiden. Geprägt wurde der Begriff vom deutschen Psychiater Karl Birnbaum. Populär machte diesen Begriff der amerikanische Psychologe George Partridge.

Er benutzte Soziopath in Abgrenzung zu Psychopath, um herauszustreichen, dass es in diesem Fall um die Verletzung von sozialen Normen und antisozialem Verhalten geht. Ein Soziopath zeichnet sich also durch ein gestörtes Sozialverhalten aus, verhält sich oftmals antisozial, verstößt gegen Normen sowie Werte und hat ein vermindertes Gefühl von Empathie, Rücksicht oder auch Reue.

Schwierig ist eine Unterscheidung zwischen einem Soziopathen und einem Psychopathen. Oftmals werden die beiden Begriffe deshalb Synonym verwendet.

Manche verwenden lieber den Begriff Soziopathie, da bei Psychopathie eine Verwechslungsgefahr mit Psychose zu vermeiden. In anderen Fällen wird tatsächlich unterschiedlich definiert: Während die einen von Soziopathen sprechen, weil sie soziale Gründe und die Umgebung in früher Kindheit als Hauptursachen sehen, bevorzugen andere den Begriff Psychopathen.

Sie sehen psychologische, biologische und genetische Faktoren zusammen mit Einflüssen durch die Umgebung als ursächlich. Der Psychologe Robert Hare definiert die Unterschiede folgendermaßen:

  • Psychopath: besitzt keinerlei Empathie oder Moralvorstellungen
  • Soziopath: weicht in seinen Vorstellungen von richtig oder falsch vom Durchschnitt ab

In der klinischen Psychiatrie kommt keiner der Begriffe vor, da die im Folgenden beschriebenen Verhaltensweisen dort unter dem Begriff der antisozialen beziehungsweise dissozialen Persönlichkeitsstörung zusammengefasst werden.

Soziopath oder Psychopath: Eigenschaften und Unterschiede

Je nachdem, welche Bewertungskriterien zugrunde gelegt werden, schwanken die Angaben darüber, wie viele Menschen von einer disszosialen Persönlichkeitsstörung betroffen sind. Dem bekanntesten psychiatrischen Klassifikationssystem DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) zufolge trifft auf rund drei Prozent aller Männer und ein Prozent aller Frauen diese Diagnose zu.

Die Tatsache, das teilweise mehr als 70 Prozent aller Menschen in Suchtbehandlungszentren und Gefängnissen diese Störung aufweist, spricht dafür, dass sie besonders häufig kriminell werden.

Obwohl Soziopathen und Psychopathen unter der dissozialen Persönlichkeitsstörung gefasst werden, heißt das nicht, dass es sich hierbei um ein und dasselbe Krankheitsbild handelt. Beide geraten mit dem Gesetz in Konflikt und zeigen wenig Reue. Die Rechte und die Selbstbestimmung anderer Menschen interessieren sie wenig.

Neben diversen Überschneidungen wie….

  • Aggressivität
  • Gewalttätigkeit
  • Gewissenlosigkeit
  • Kriminalität
  • Lügen
  • Manipulation
  • Schamlosigkeit

gibt es eine Reihe von Unterschieden:

  • Soziopathie Symptome

    • Soziopathen sind sehr leicht reizbar und nervös,
    • sind sprunghaft und planlos,
    • fühlen sich schnell beleidigt,
    • reagieren oft waghalsig und unkontrolliert,
    • neigen zu starken emotionalen Anfällen wie Wutausbrüchen,
    • sind selten langfristig beschäftigt,
    • leben als Außenseiter mit geringem Einkommen.
  • Psychopathie Symptome

    • Psychopathen empfinden keinerlei Mitgefühl,
    • sind kontrolliert und berechnend,
    • können Emotionen schauspielern,
    • sind charmant und charismatisch,
    • manipulieren andere, um deren Vertrauen zu gewinnen,
    • gehen planvoll und zielstrebig vor,
    • haben oftmals eine gute Bildung und sichere Arbeitsverhältnisse.
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Ursachen für Soziopathie und dissoziales Verhalten

Einer der größten Unterschiede ist, dass Soziopathen zwar zu Gefühlen fähig sind, sie allerdings nicht gut kontrollieren können. Ihre impulsive und unkontrollierte Art rückt sie automatisch an den Rand der Gesellschaft. Zwar hätten sie gerne Beziehungen, gleichzeitig haben sie nie gelernt, Regeln und Rechte anderer zu beachten.

Auch Psychopathen scheren sich wenig darum. Außerdem sind sie Meister des äußeren Anscheins: Oberflächlich betrachtet passen sie sich hervorragend an. Ihre geschickte Manipulation ermöglicht es ihnen, das Vertrauen anderer zu gewinnen.

Während bei Soziopathen in erster Linie das Umfeld verantwortlich gemacht wird, werden bei Psychopathen genetische Ursachen gesehen. Soziopathen haben in der Kindheit oftmals Gewalt und Vernachlässigung erlebt. Daraus resultiert eine Störung des Sozialverhaltens.

Bei Psychopathen hingegen ist die Gehirnregion für Mitgefühl und Impulskontrolle unterentwickelt. Kurz: Soziopathie ist erlernt und resultiert oftmals aus traumatischen Erfahrungen, während Psychopathie angeboren ist.

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10 Anzeichen, dass Ihr Kollege ein Soziopath ist

Wollen Sie mit einem Soziopathen zusammenarbeiten? Die Antwort darauf ist natürlich ein klares Nein. Allerdings ist es durchaus möglich, dass Sie gar nicht auf den ersten Blick mitbekommen, wenn Sie es mit einem Soziopathen zutun bekommen.

Häufig wird ein Soziopath nämlich so charakterisiert: Raffiniert vorgehende, hochintelligente Typen, die dazu noch ein ausgeprägtes Charisma mitbringen. Dass diese Kombination eingesetzt wird, um das Umfeld zu manipulieren, wird oft zu spät bemerkt.

So kann Intelligenz in Kombination mit Charisma durchaus beeindruckend, überzeugend und sogar anziehend wirken. Natürlich gibt es eine solche Mischung auch außerhalb der Soziopathie – entscheidend ist also, dass Sie erkennen, wenn Sie einem Soziopathen gegenüberstehen.

Genau das ist die Crux. Soziopathen sind leider in den meisten Fällen gut darin, sich zu verstellen. Auch merkt ein Soziopath gar nicht, dass er sich falsch oder anders verhält und sieht deshalb die Schuld nie bei sich selbst. Durch dieses Verhalten werden Konflikte begünstigt.

Allerdings zeigt sich das gestörte Sozialverhalten eines Soziopathen nicht ständig in jeder Situation, sondern blitzt nur hin und wieder auf. Es gibt bestimmte Anzeichen, die erkennen lassen, ob es sich bei Ihrem Kollegen (oder Vorgesetzten oder Partner) um einen Soziopathen handelt oder nicht. Auf diese sollten Sie achten:

  • Er ist deutlich spontaner als andere

    Was auf den ersten Blick positiv klingt, geht leider auch mit Sprunghaftigkeit und mangelnder Zuverlässlichkeit einher. War eine Entscheidung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig, wird plötzlich alles wieder über den Haufen geworfen. Stattdessen handelt der Kollege völlig irrational und wenig nachvollziehbar.

  • Er sieht die Schuld nie bei sich

    Ein Soziopath macht seinem Umfeld das Leben schwer. Er sorgt für Konflikte, manipuliert zu seinen Gunsten und verstößt gegen Regeln. Dennoch sieht er sich selbst nie in der Verantwortung und empfindet auch keine Reue für sein Verhalten.

  • Ihm ist nichts peinlich

    Wo andere sich in Grund und Boden schämen oder um Entschuldigung bitten würden, kennt der Soziopath keine Reue oder gar Scham. Statt eines Gewissens wird er nur von seinen eigenen Wünschen gelenkt. Was ihm zum Vorteil reicht – egal, ob andere dadurch Schaden nehmen – wird verfolgt. Oft bemerkt ein Soziopath nicht einmal, wenn andere Menschen unter seiner Art leiden.

  • Er lügt wie gedruckt

    Frei von irgendwelchen Gewissensnöten lässt es sich hervorragend lügen. Betrug und Manipulation, um von anderen das zu bekommen, was sie wollen, gehört zu ihrem Repertoire. Er wird es bis aufs Blut abstreiten, wenn Sie ihn der Lügen überführen.

  • Er geht große Risiken ein

    Ein typischer Soziopath macht sich keine Sorgen darum, dass etwas schiefgehen könnte. Es ist ihm egal, ob die Chancen gut stehen oder nicht. EEr ist bereit, selbst größte Risiken einzugehen, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eindeutig gegen ihn spricht.

  • Er verfügt über ein großes Ego

    Untersuchungen zufolge weisen Soziopathen große Übereinstimmungen mit Narzissten auf, da sie über ein ähnlich großes Selbstwertgefühl verfügen. Dies braucht allerdings ständig Bestätigung von außen durch andere, weshalb sie ständig Aufmerksamkeit suchen.

  • Ihm mangelt es an Empathie

    Ein großes Manko haben Soziopathen beim Einfühlungsvermögen. Selbst in der Kindheit vernachlässigt, ist ihnen die Gefühlswelt anderer im wahrsten Sinne des Wortes fremd. Wer also gerade bei schlechten Nachrichten beobachtet, wie ein Kollege völlig unbeteiligt ist, während andere tief betroffen sind, hat hier gewisse Anzeichen für Soziopathie.

  • Er hatte bereits viele Jobs

    Jobhopping ist nicht per se ein Zeichen für Soziopathen. Aber andersherum ist es typisch für Soziopathen, selten langfristige Jobs zu haben. Das hängt teilweise mit ihren Qualifikationen zusammen, andererseits würde es für ein Verantwortungsgefühl stehen – über beides verfügen Soziopathen selten.

  • Er kann seine Impulse nicht kontrollieren

    Soziopathen haben eine schlechte Impulskontrolle, daher können sie bestimmte Handlungen gar nicht oder nur schwer kontrollieren. Das führt zu unüberlegten Handlungen. Werden sie kriminell, dann sind solche Verbrechen oftmals schlecht geplant. Sie neigen außerdem zu aggressiven Verhalten und Gewalt gegenüber anderen.

  • Er ist unfähig zur Kritik

    Ein Soziopath kann häufig nicht mit Kritik umgehen. Das heißt, wenn Sie ihn wegen einer Sache zur Rede stellen und kritisch befragen, wird er sehr wahrscheinlich durch aggressives Verhalten die Situation eskalieren lassen.

Gleichzeitig muss gesagt werden: Nur weil jemand einzelne Merkmale zeigt, ist er noch lange kein Soziopath. Es ist eher die Kombination mehrer Merkmale. Es gilt daher zu Beginn, wenn Sie jemanden kennenlernen, erst einmal vorsichtig zu beobachten.

Je mehr Sie von dieser Person – auch im Kontakt mit anderen – mitbekommen, desto besser werden Sie beurteilen können. Vertrauen Sie diesbezüglich ruhig auf Ihre Intuition: Kommt Ihnen jemand komisch vor, wird das seinen Grund haben.

[Bildnachweis: Khosro by Shutterstock.com]
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14. November 2019 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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