Soziopath: 8 Anzeichen, dass Sie mit einem zusammenarbeiten

Wer den Begriff Soziopath hört, denkt vermutlich sofort an Kriminelle. Ganz so verkehrt ist diese Vermutung nicht, haben Soziopathen doch Eigenschaften, die eine kriminelle Karriere zumindest begünstigen. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass dieser Menschentypus weiter verbreitet ist, als gedacht. Die Wissenschaft ist uneins: Die einen gehen von bis zu vier Prozent Bevölkerungsanteil aus, die anderen halten den Anteil an Soziopathen in der Gesellschaft für deutlich geringer. Sie alle eint die Rücksichtslosigkeit anderen Zeitgenossen gegenüber. Was Sie dazu wissen sollten und wie Sie sich schützen können…

Soziopath: 8 Anzeichen, dass Sie mit einem zusammenarbeiten

Soziopath: Definition und Abgrenzung

Soziopathen Eigenschaften Sexualität Ursachen Symptome Beziehung PsychopathDer Begriff Soziopath leitet sich von einem Kunstwort ab, das eine Störung des Sozialverhaltens eines Menschen beschreibt:

Soziopathie stammt von lateinisch socius = Gefährte oder Genosse und altgriechisch páthos = Leiden. Geprägt wurde der Begriff vom deutschen Psychiater Karl Birnbaum. Populär machte diesen Begriff der amerikanische Psychologe George Partridge.

Er benutzte Soziopath in Abgrenzung zu Psychopath, um herauszustreichen, dass es in diesem Fall um die Verletzung von sozialen Normen und antisozialem Verhalten geht.

Ursächlich dafür sieht er sowohl soziale als auch biologische Gründe. Der amerikanische Psychologe Robert Hare, der vor einigen Jahren durch sein populärwissenschaftliches Buch über Psychopathen auf der Arbeit einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, stellt fest, dass Soziopath und Psychopath häufig synonym verwendet werden.

Manche verwenden lieber den Begriff Soziopathie, da bei Psychopathie eine Verwechslungsgefahr mit Psychose bestünde. In anderen Fällen wird tatsächlich unterschiedlich definiert: Während die einen von Soziopathen sprechen, weil sie soziale Gründe und die Umgebung in früher Kindheit als Hauptursachen sehen, bevorzugen andere den Begriff Psychopathen.

Sie sehen psychologische, biologische und genetische Faktoren zusammen mit Einflüssen durch die Umgebung als ursächlich. Hare selbst definiert die Unterschiede folgendermaßen:

  • Psychopath: besitzt keinerlei Empathie oder Moralvorstellungen
  • Soziopath: weicht in seinen Vorstellungen von richtig oder falsch vom Durchschnitt ab

In der klinischen Psychiatrie kommt keiner der Begriffe vor, da die im Folgenden beschriebenen Verhaltensweisen dort unter dem Begriff der antisozialen beziehungsweise dissozialen Persönlichkeitsstörung zusammengefasst werden.

Soziopath – Psychopath: Eigenschaften und Unterschiede

Je nachdem, welche Bewertungskriterien zugrunde gelegt werden, schwanken die Angaben darüber, wie viele Menschen von einer disszosialen Persönlichkeitsstörung betroffen sind. Dem bekanntesten psychiatrischen Klassifikationssystem DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) zufolge trifft auf drei Prozent aller Männer und ein Prozent aller Frauen diese Diagnose zu (Stand 2015).

Die Tatsache, das teilweise mehr als 70 Prozent aller Menschen in Suchtbehandlungszentren und Gefängnissen diese Störung aufweist, spricht dafür, dass sie besonders häufig kriminell werden.

Obwohl Soziopathen und Psychopathen unter der dissozialen Persönlichkeitsstörung gefasst werden, heißt das nicht, dass es sich hierbei um ein und dasselbe Krankheitsbild handelt. Beide geraten mit dem Gesetz in Konflikt und zeigen wenig Reue. Die Rechte und die Selbstbestimmung anderer Menschen interessieren sie wenig.

Neben diversen Überschneidungen wie….

  • Aggressivität
  • Gewalttätigkeit
  • Gewissenlosigkeit
  • Kriminalität
  • Lügen
  • Manipulation
  • Schamlosigkeit

gibt es eine Reihe von Unterschieden:

  • Soziopathie Symptome

    • Soziopathen sind sehr leicht reizbar und nervös,
    • sind sprunghaft und planlos,
    • fühlen sich schnell beleidigt,
    • reagieren oft waghalsig und unkontrolliert,
    • neigen zu starken emotionalen Anfällen wie Wutausbrüchen,
    • sind selten langfristig beschäftigt,
    • leben als Außenseiter mit geringem Einkommen.
  • Psychopathie Symptome

    • Psychopathen empfinden keinerlei Mitgefühl,
    • sind kontrolliert und berechnend,
    • können Emotionen schauspielern,
    • sind charmant und charismatisch,
    • manipulieren andere, um deren Vertrauen zu gewinnen,
    • gehen planvoll und zielstrebig vor,
    • haben oftmals eine gute Bildung und sichere Arbeitsverhältnisse.

Soziopath: Ursachen für dissoziales Verhalten

Einer der größten Unterschiede ist, dass Soziopathen zwar zu Gefühlen fähig sind, sie allerdings nicht gut kontrollieren können. Ihre impulsive und unkontrollierte Art rückt sie automatisch an den Rand der Gesellschaft. Zwar hätten sie gerne Beziehungen, gleichzeitig haben sie nie gelernt, Regeln und Rechte anderer zu beachten.

Auch Psychopathen scheren sich wenig darum. Außerdem sind sie Meister des äußeren Anscheins: Oberflächlich betrachtet passen sie sich hervorragend an. Ihre geschickte Manipulation ermöglicht es ihnen, das Vertrauen anderer zu gewinnen.

Während bei Soziopathen in erster Linie das Umfeld verantwortlich gemacht wird, werden bei Psychopathen genetische Ursachen gesehen. Soziopathen haben in der Kindheit oftmals Gewalt und Vernachlässigung erlebt.

Bei Psychopathen hingegen ist die Gehirnregion für Mitgefühl und Impulskontrolle unterentwickelt. Kurz: Soziopathie ist erlernt, während Psychopathie angeboren ist.

8 Anzeichen, dass Ihr Kollege ein Soziopath ist

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, wird feststellen, dass Soziopath und Psychopath häufig synonym verwendet werden. Da wird vor raffiniert vorgehenden, hochintelligenten Typen gewarnt, die sich durch Attraktivität und Charisma auszeichnen.

Nun ist Attraktivität recht subjektiv. Bei Intelligenz in Kombination mit Charisma handelt es sich hierbei allerdings um Eigenschaften, die Psychopathen zugeschrieben werden.

Die amerikanische Psychologin Martha Stout geht für amerikanische Verhältnisse von einem Soziopathen unter 25 Menschen aus. Die Crux ist, nun herauszufinden, ob Sie mit so einem Exemplar zusammenarbeiten. Ein Soziopath ist entsprechend sozialisiert und hält sich oftmals in einer Umgebung auf, die dieselben Werte und Normen wie er selbst vertritt.

Das bedeutet, er merkt nicht unbedingt, dass er sich falsch verhält, wenn er in einer neuen Umgebung ist. Sein regelwidriges Verhalten begünstigt Konflikte, so dass er von anderen Menschen als Soziopath eingestuft wird.

Es gibt dennoch bestimmte Anzeichen, die erkennen lassen, ob es sich bei Ihrem Kollegen (oder Vorgesetzten oder Partner) um einen Soziopathen handelt oder nicht.

Anzeichen dafür, dass Sie mit einem Soziopathen zusammenarbeiten:

  • Er ist deutlich spontaner als andere.

    Was auf den ersten Blick positiv klingt, geht leider auch mit Sprunghaftigkeit und mangelnder Zuverlässlichkeit einher. War eine Entscheidung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig, wird plötzlich alles wieder über den Haufen geworfen. Stattdessen handelt der Kollege völlig irrational und wenig nachvollziehbar.

  • Ihm ist nichts peinlich.

    Wo andere sich in Grund und Boden schämen oder um Entschuldigung bitten würden, kennt der Soziopath keine Reue oder gar Scham. Statt eines Gewissens wird er nur von seinen eigenen Wünschen gelenkt. Was ihm zum Vorteil reicht – egal, ob andere dadurch Schaden nehmen – wird verfolgt.

  • Er lügt wie gedruckt.

    Frei von irgendwelchen Gewissensnöten lässt es sich hervorragend lügen. Betrug und Manipulation, um von anderen das zu bekommen, was sie wollen, gehört zu ihrem Repertoire. Er wird es bis aufs Blut abstreiten, wenn Sie ihn der Lügen überführen.

  • Er verfügt über ein großes Ego.

    Untersuchungen zufolge weisen Soziopathen große Übereinstimmungen mit Narzissten auf, da sie über ein ähnlich großes Selbstwertgefühl verfügen. Dies braucht allerdings ständig Bestätigung von außen durch andere, weshalb sie ständig Aufmerksamkeit suchen.

  • Ihm mangelt es an Empathie.

    Ein großes Manko haben Soziopathen beim Einfühlungsvermögen. Selbst in der Kindheit vernachlässigt, ist ihnen die Gefühlswelt anderer im wahrsten Sinne des Wortes fremd. Wer also gerade bei schlechten Nachrichten beobachtet, wie ein Kollege völlig unbeteiligt ist, während andere tief betroffen sind, hat hier gewisse Anzeichen für Soziopathie.

  • Er hatte bereits viele Jobs.

    Jobhopping ist nicht per se ein Zeichen für Soziopathen. Aber andersherum ist es typisch für Soziopathen, selten langfristige Jobs zu haben. Das hängt teilweise mit ihren Qualifikationen zusammen, andererseits würde es für ein Verantwortungsgefühl stehen – über beides verfügen Soziopathen selten.

  • Er kann seine Impulse nicht kontrollieren.

    Soziopathen haben eine schlechte Impulskontrolle, daher können sie bestimmte Handlungen gar nicht oder nur schwer kontrollieren. Das führt zu unüberlegten Handlungen. Werden sie kriminell, dann sind solche Verbrechen oftmals schlecht geplant. Sie neigen außerdem zu aggressiven Verhalten und Gewalt gegenüber anderen.

  • Er ist unfähig zur Kritik.

    Ein Soziopath kann häufig nicht mit Kritik umgehen. Das heißt, wenn Sie ihn wegen einer Sache zur Rede stellen und kritisch befragen, wird er sehr wahrscheinlich durch aggressives Verhalten die Situation eskalieren lassen.

Gleichzeitig muss gesagt werden: Nur weil jemand einzelne Merkmale zeigt, ist er noch lange kein Soziopath. Es ist eher die Kombination mehrer Merkmale. Es gilt daher zu Beginn, wenn Sie jemanden kennenlernen, erst einmal vorsichtig zu beobachten.

Je mehr Sie von dieser Person – auch im Kontakt mit anderen – mitbekommen, desto besser werden Sie beurteilen können. Vertrauen Sie diesbezüglich ruhig auf Ihre Intuition: Kommt Ihnen jemand komisch vor, wird das seinen Grund haben.

[Bildnachweis: Khosro by Shutterstock.com]
27. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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